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Wenn der Himmel zum digitalen Sicherheitsraum wird: Deutschland baut die Drohnenabwehr der nächsten Generation

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Das neue Technologiezentrum ist kein völlig neuer Forschungsstandort auf einer grünen Wiese.

Es baut auf einer bereits vorhandenen Drohneninfrastruktur auf.

Das DLR übernahm 2019 den Flughafen Magdeburg-Cochstedt, um dort ein Testzentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme aufzubauen. 2021 nahm das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme offiziell seinen Betrieb auf. 2022 wurde auch der Flughafenbetrieb wieder aufgenommen.

Seitdem wächst die Nutzung.

Nach DLR-Angaben stieg die Auslastung des Testzentrums seit 2021 jährlich um ungefähr 20 Prozent. 2025 kam Cochstedt auf mehr als 200 Nutzungstage, etwa die Hälfte davon entfiel auf externe Kunden und Kooperationspartner aus Industrie und Forschung.

Das neue Technologiezentrum setzt genau darauf auf.

Es soll vorhandene:

Flughafeninfrastruktur, Forschungsfluggeräte, Simulatoren, Testumgebungen, Sensorik, Labore und wissenschaftliche Kompetenz miteinander verbinden.

Gleichzeitig wird die Infrastruktur weiter ausgebaut.

Das DLR will dafür mehr als zehn Millionen Euro investieren und bis zu 40 zusätzliche Stellen schaffen.

Warum braucht man dafür überhaupt einen echten Flughafen?

Weil Drohnenabwehr im Labor vergleichsweise einfach aussehen kann.

In der Realität ist sie es nicht.

Stell dir einen internationalen Flughafen vor, dort befinden sich:

Passagierflugzeuge. Hubschrauber. Bodenfahrzeuge. Flughafenfunk. Navigationssysteme. Mobilfunk. Radar. Gebäude. Menschen. Sicherheitszonen und vielleicht irgendwo dazwischen eine kleine Drohne.

Jetzt muss ein System feststellen:

Ist dort überhaupt eine Drohne?

Dann:

Wo befindet sie sich?

Wie schnell fliegt sie?

Welche Richtung nimmt sie?

Ist sie kooperativ?

Besitzt sie eine Fernsteuerungsverbindung?

Fliegt sie automatisch?

Ist sie ungefährlich, oder muss eingegriffen werden?

Und erst danach kommt die schwierigste Frage:

Wie stoppt man sie, ohne eine größere Gefahr zu erzeugen als die Drohne selbst?

Genau deshalb ist eine reale Flughafeninfrastruktur für Forschung wertvoll.

Cochstedt ermöglicht kontrollierte Tests in einer Umgebung, die tatsächlichen Einsatzsituationen wesentlich näher kommt als ein gewöhnliches Labor.

Eine Drohne muss zuerst gefunden werden

Drohnenabwehr beginnt nicht beim Abschießen.

Sie beginnt bei der Detektion.

Das DLR beschreibt den Prozess grundsätzlich in drei Schritten.

Zuerst wird das unkooperative Fluggerät über Sensoren erkannt und verfolgt, danach wird die Situation in einem Lagezentrum bewertet.

Erst anschließend wird eine geeignete Gegenmaßnahme ausgewählt.

Das klingt banal, ist technisch aber schwierig.

Eine kleine Drohne besitzt einen wesentlich kleineren Radarquerschnitt als ein Verkehrsflugzeug.

Sie kann tief fliegen.

Sie kann zwischen Gebäuden verschwinden.

Vögel können ähnliche Bewegungsmuster erzeugen und nicht jede Drohne sendet zwangsläufig ein Signal, das einfach geortet werden kann, deshalb wird zunehmend auf Multisensorsysteme gesetzt.

Unterschiedliche Sensoren liefern unterschiedliche Informationen.

Ein Radar erkennt ein Flugobjekt.

Optische beziehungsweise Infrarotkameras helfen bei der Identifikation.

Funksensorik kann mögliche Steuerverbindungen erkennen.

Akustische Verfahren können charakteristische Geräusche erfassen.

Software verbindet diese Informationen zu einem gemeinsamen Lagebild.

Dann lautet die Aufgabe nicht mehr:

Sensor A hat etwas gesehen.

Sondern:

Mehrere Systeme sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit von demselben Flugobjekt.

Das ist Sensorfusion... ein Prinzip, das wir bereits bei autonomen Fahrzeugen und humanoiden Robotern sehen.

Und dann muss entschieden werden

Eine unbekannte Drohne ist nicht automatisch eine feindliche Drohne.

Sie könnte zu:

Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Flughafenbetrieb, Forschung oder einem genehmigten Unternehmen gehören, genau deshalb benötigt Drohnensicherheit zunehmend eine digitale Identitäts- und Lageebene.

Welche Drohnen dürfen hier fliegen?

Welche Flugroute wurde genehmigt?

Welche Maschine sendet eine gültige Remote-ID?

Welche bewegt sich außerhalb ihrer zulässigen Zone?

Welche reagiert nicht auf Aufforderungen?

Das zukünftige Sicherheitsproblem besteht damit nicht allein darin, etwas am Himmel zu entdecken.

Es besteht darin:

innerhalb weniger Sekunden zwischen einem erlaubten autonomen Fluggerät und einer möglichen Bedrohung unterscheiden zu können.

Das wird umso schwieriger, je stärker Drohnen künftig regulär in:

Logistik, Vermessung, Katastrophenschutz, Infrastrukturkontrolle, Landwirtschaft und Industrie eingesetzt werden.

Der sichere Drohnenhimmel der Zukunft benötigt deshalb gleichzeitig:

mehr Drohnen

und

bessere Kontrolle über Drohnen.

Eine Drohne mit einer anderen Drohne fangen

Besonders futuristisch wird es bei der eigentlichen Abwehr.

Klassische Gegenmaßnahmen besitzen im zivilen Umfeld erhebliche Nachteile, denn Funkstörungen können andere Systeme beeinflussen.

Ein Geschoss kann Menschen oder Gebäude gefährden und eine abgeschossene Drohne fällt schließlich irgendwo herunter.

Das DLR untersucht deshalb unter anderem eigene Abfang- und Fängerdrohnen.

Die Idee wirkt fast paradox:

Die Antwort auf eine problematische Drohne könnte eine bessere Drohne sein.

Eine Abfangdrohne erkennt das Ziel.

Sie nähert sich, verfolgt es und kann je nach System versuchen:

die Drohne abzudrängen, sie kontrolliert zu rammen, oder sie mit einem Greif- beziehungsweise Fangmechanismus einzufangen.

Das DLR hat solche Verfahren bereits experimentell demonstriert. In einem Test wurde eine unkooperative Drohne durch gezielte Manipulation ihres Navigationssignals zum Landen gebracht. In einem anderen Szenario fing beziehungsweise neutralisierte eine automatische Abfangdrohne das Ziel physisch.

Das ist bemerkenswert, denn Drohnenabwehr bewegt sich damit weg von einer einfachen Frage:

Welchen Störsender brauchen wir?

hin zu einer komplexen Kombination aus:

Robotik. Autonomie. Sensorik. Navigation. KI. Cybertechnik. Flugregelung und physischem Abfangen.

Ein Wettrennen zwischen Drohne und Drohnenabwehr

Genau hier liegt die große Herausforderung.

Die Technologie entwickelt sich auf beiden Seiten gleichzeitig.

Eine Gegenmaßnahme wird entwickelt, dann wird die Drohne angepasst.

Funkverbindung gestört? Dann fliegt sie autonom.

GPS gestört? Dann kommen andere Navigationsverfahren infrage.

Kleine Drohne schwer auf Radar erkennbar? Sensorfusion wird verbessert.

Eine einzelne Drohne lässt sich abfangen? Dann werden Schwärme relevant.

Das Bundesinnenministerium spricht deshalb von einer schnelllebigen technologischen Entwicklung, auf die Forschung und Sicherheitsbehörden reagieren müssen. Das neue Zentrum soll neue Technologien früh bewerten, weiterentwickeln und möglichst schnell aus der Forschung in reale Anwendungen bringen.

Genau das unterscheidet moderne Drohnensicherheit von klassischer Beschaffung.

Normalerweise kauft eine Behörde ein System und es wird über Jahre eingesetzt.

Bei Drohnen könnte diese Innovationsgeschwindigkeit zu langsam sein.

Das Technologiezentrum soll deshalb stärker wie eine permanente Entwicklungsplattform funktionieren.

Bedrohung verändert sich.

Forschung reagiert.

Technologie wird getestet.

Sicherheitsbehörden geben Feedback.

Industrie entwickelt weiter.

Und der Kreislauf beginnt erneut.

Das Zentrum ist nicht Deutschlands einzige Drohnenabwehrstruktur

Hier müssen zwei Dinge sauber getrennt werden.

Das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit ist eine Forschungs- und Erprobungseinrichtung.

Daneben existiert seit dem 17. Dezember 2025 das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ).

Dort arbeiten unter anderem Polizeien von Bund und Ländern, Bundeskriminalamt, Bundespolizei und Bundeswehr zusammen. Es erstellt Lagebilder, bewertet Ereignisse und koordiniert Zuständigkeiten. Das GDAZ arbeitet rund um die Uhr, ist aber ausdrücklich keine eigene operative Einsatztruppe.

Das Technologiezentrum liefert gewissermaßen die Forschungsseite dazu.

Das DLR soll neue technische Lösungen entwickeln und testen.

Das GDAZ kennt die realen Anforderungen der Sicherheitsbehörden und deshalb werden die Arbeiten des Technologiezentrums ausdrücklich mit dem GDAZ verbunden.

Das ist strategisch sinnvoll.

Forschung weiß, was technisch möglich ist.

Polizei weiß, was im Einsatz benötigt wird.

Industrie weiß, was produziert werden kann.

Erst wenn alle drei zusammenkommen, entsteht ein funktionierendes System.

Auch die Bundespolizei baut ihre Fähigkeiten massiv aus

Parallel wächst die operative Drohnenabwehr der Bundespolizei.

Ursprünglich war eine neue Einheit mit zunächst 130 Beschäftigten und Investitionen von rund 100 Millionen Euro vorgesehen. Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August ordnete Bundesinnenminister Alexander Dobrindt an, den spezialisierten Personalansatz auf 300 Kräfte zu erhöhen und statt vier künftig acht Standorte vorzusehen.

Priorisiert werden bei der Ausstattung mit Drohnenabwehrtechnik die acht großen Flughäfen:

Frankfurt. München. Berlin. Düsseldorf. Hamburg. Köln/Bonn. Stuttgart. Leipzig/Halle.

Die Bundesregierung erklärte am 10. August, dass die weiteren Ausschreibungen und Vergabeverfahren nach damaligem Planungsstand bis Ende 2026 abgeschlossen werden sollten.

Damit passiert gerade etwas Bemerkenswertes.

Aus einem technischen Spezialthema entsteht innerhalb kurzer Zeit eine eigene Infrastruktur aus:

Forschung. Lagezentrum. Einsatzkräften. Teststandorten. Industrie. Beschaffung. Recht und Ausbildung.

Warum die Entwicklung gerade jetzt beschleunigt wird

Das Thema ist nicht theoretisch.

Allein über militärischen Anlagen in Deutschland wurden nach Bundeswehrangaben seit 2022 mehr als 700 Meldungen über mögliche Drohnenüberflüge registriert. Das bedeutet nicht, dass jeder gemeldete Flug ein bestätigter feindlicher Einsatz war. Es zeigt aber die Größenordnung, mit der Sicherheitsbehörden inzwischen umgehen müssen.

Zusätzlich zeigen die DLR-Zahlen, dass auch zivile Flughäfen wirtschaftlich erheblich betroffen sein können.

2025 gab es auf Basis der untersuchten Daten:

116 relevante Störfälle, 25 betroffene Verkehrsflughäfen und etwa 200 drohnenbedingte Flugumleitungen im Datensatz.

Rund 70 Prozent dieser Umleitungen standen mit Vorfällen an größeren Flughäfen und Drehkreuzen in Verbindung.

Das bedeutet:

Eine kleine Drohne muss nicht einmal etwas zerstören.

Sie kann bereits dadurch enorme Auswirkungen auslösen, dass niemand sicher weiß:

Was ist das... und was hat sie vor?

Ein Flughafen kann bei dieser Unsicherheit nicht einfach sagen:

Wird schon nichts passieren, denn der Luftverkehr muss sicher bleiben.

Genau daraus entsteht die asymmetrische Wirkung.

Eine günstige Drohne kann eine Infrastruktur stören, deren Betrieb pro Stunde Millionenwerte bewegt.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Drohnen sind ein perfektes Beispiel dafür, wie Technologie gleichzeitig Chance und Risiko sein kann.

Dasselbe Fluggerät kann:

ein Medikament transportieren, einen Waldbrand kartieren, eine Stromleitung inspizieren, einen Vermissten suchen, ein Bauwerk vermessen oder einen Unfallort dokumentieren.

Aber dieselbe technische Grundlage kann auch missbraucht werden.

Das ist keine Besonderheit von Drohnen, denn fast jede große Technologie besitzt diese Dual-Use-Eigenschaft.

Computer. Internet. KI. Satelliten. Robotik. Biotechnologie.

Die spannende Entwicklung liegt deshalb nicht darin, Drohnen grundsätzlich zu verhindern.

Deutschland benötigt gerade das Gegenteil.

Es benötigt einen Luftraum, in dem legitime autonome Systeme zuverlässig funktionieren können.

Und gleichzeitig einen Schutzmechanismus gegen:

unautorisierte, unkooperative, oder gefährliche Systeme.

Die Zukunft der Drohnentechnologie entscheidet sich deshalb nicht nur daran, wie gut Drohnen fliegen können. Sie entscheidet sich ebenso daran, ob wir einen Luftraum bauen können, in dem Maschinen voneinander unterscheiden können, wer dort eigentlich fliegen darf.

Das ist letztlich eine neue Form digitaler Infrastruktur.

Heute überwachen wir Straßen und morgen benötigen wir möglicherweise zunehmend auch ein digitales Lagebild des niedrigen Luftraums.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Flughäfen bekommen eine neue Sicherheitsdimension

Der wirtschaftliche Nutzen liegt hier besonders klar auf der Hand.

Das DLR schätzt den Mindestschaden drohnenbedingter Störungen im deutschen Luftverkehr 2025 auf rund 60 Millionen Euro. Unter breiteren Annahmen könnten die Folgewirkungen bis etwa 160 Millionen Euro reichen.

Das bedeutet:

Detektion ist nicht nur Sicherheitstechnik. Sie kann auch Wirtschaftsschutz sein, wenn ein Flughafen schneller feststellen kann:

Drohne ungefährlich. Flugroute bekannt. Keine Bedrohung, denn dann kann ein Betrieb möglicherweise schneller weiterlaufen.

Genauso muss eine tatsächlich gefährliche Situation schneller erkannt werden.

Jede Minute Unsicherheit kann:

Verspätungen, Umleitungen, Crewprobleme, Passagierbetreuung, zusätzlichen Treibstoffverbrauch und Anschlussprobleme auslösen.

Eine bessere Drohnenbewertung besitzt deshalb einen messbaren betriebswirtschaftlichen Wert.

Kritische Infrastruktur wird zum neuen Markt

Flughäfen sind nur ein Beispiel.

Auch andere Anlagen müssen möglicherweise geschützt werden:

Kraftwerke. Stromnetze. Chemieanlagen. Rechenzentren. Häfen. Militärstandorte. Behörden. Großveranstaltungen. Industrieanlagen.

Damit entsteht ein neuer Markt für Counter-UAS-Technologien.

Unternehmen können Lösungen entwickeln für:

Sensorik. Radar. Optik. RF-Erkennung. KI-Auswertung. Lagezentren. Abfangdrohnen. Navigation. Cybersecurity. Kommunikation. Mobile Einsatzsysteme und Integration.

Das neue DLR-Zentrum richtet sich deshalb ausdrücklich nicht nur an Behörden. Auch Unternehmen vom Start-up bis zum etablierten Hersteller sollen Testinfrastruktur und Forschungskompetenz nutzen können, um Technologien schneller zur Anwendungsreife zu bringen.

Das ist wirtschaftlich relevant, denn aus einem Sicherheitsproblem kann gleichzeitig ein neues deutsches Technologiecluster entstehen.

Für Start-ups entsteht ein Reallabor

Gerade kleine Technologieunternehmen besitzen häufig ein Problem.

Sie können ein hervorragendes System entwickeln, aber wo testen sie es?

Eine Drohnenabwehrlösung lässt sich nicht einfach in einem normalen Gewerbegebiet ausprobieren.

Funkstörungen. Abfangmanöver. Schwarmtests. Autonome Flugverfahren.

All das benötigt kontrollierte Bedingungen und regulatorisch geeignete Infrastruktur.

Das Technologiezentrum soll genau solche Entwicklungs- und Testumgebungen bereitstellen. Unternehmen können gemeinsam mit DLR und späteren Anwendern Systeme testen, weiterentwickeln und demonstrieren.

Das könnte einen wichtigen Unterschied machen, denn gerade Deep-Tech-Unternehmen benötigen nicht nur Kapital.

Sie benötigen:

Orte, an denen ihre Technologie real werden darf.

Kommunen bekommen ein völlig neues Luftverkehrsthema

Langfristig betrifft Drohnensicherheit nicht nur Flughäfen, wenn Drohnen stärker in:

Lieferdienste, Vermessung, Rettungswesen, Feuerwehr, Katastrophenschutz oder industrielle Logistik integriert werden, entsteht auch über Städten ein komplexerer Luftraum.

Dann werden Kommunen möglicherweise zunehmend mit Fragen konfrontiert wie:

Welche Flugkorridore existieren?

Welche Bereiche sind gesperrt?

Wie werden Einsatzdrohnen priorisiert?

Wie erkennt man unbekannte Drohnen?

Wie funktionieren Großveranstaltungen?

Wie werden Krankenhäuser oder Behörden geschützt?

Drohnenpolitik könnte dadurch langfristig ein Teil moderner Stadtinfrastruktur werden.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Deutschland kann Sicherheitstechnologie selbst entwickeln

Einer der größten strategischen Vorteile des neuen Zentrums liegt in eigener technologischer Kompetenz.

Drohnenabwehr ist ein sicherheitskritischer Bereich.

Wenn sämtliche:

Sensoren, Software, Funktechnik, Auswertung und Abfangsysteme nur aus wenigen anderen Ländern stammen, entsteht eine neue technologische Abhängigkeit.

Eigene Forschung bedeutet deshalb nicht, dass jedes Bauteil zwingend in Deutschland produziert werden muss.

Aber Deutschland sollte verstehen:

wie die Systeme funktionieren, welche Grenzen sie besitzen und wie sie weiterentwickelt werden können.

Das ist technologische Souveränität in sehr praktischer Form.

KI könnte Sensorfluten beherrschbar machen

Moderne Drohnenabwehr erzeugt enorme Datenmengen.

Radar meldet Objekte.

Kameras liefern Bilder.

Funkempfänger erfassen Signale.

Positionssensoren liefern Bewegungsdaten.

Ein Mensch kann all diese Informationen nicht permanent gleichzeitig analysieren.

KI und automatisierte Datenfusion können deshalb helfen:

Objekte zu klassifizieren, Flugbahnen vorherzusagen, Sensorinformationen zusammenzuführen und ungewöhnliches Verhalten zu markieren.

Das bedeutet nicht, dass KI automatisch darüber entscheiden sollte, ein Fluggerät zu bekämpfen, aber sie kann aus einer riesigen Datenmenge schneller ein verständliches Lagebild erzeugen.

Abfangdrohnen könnten zivile Abwehr sicherer machen

Eine besonders interessante Forschungsrichtung sind Abfang- und Fängerdrohnen.

Breitband-Störsender können in sensiblen Gebieten problematisch sein.

Physischer Beschuss ebenfalls.

Eine hochpräzise Abfangdrohne könnte dagegen versuchen, genau ein gefährliches Fluggerät zu verfolgen und zu neutralisieren. DLR-Forschung untersucht sowohl Rammverfahren als auch Greifsysteme, die Zielsysteme einfangen und abtransportieren sollen.

Damit wird Counter-Drone-Technologie selbst zu Robotik.

Maschine gegen Maschine, aber kontrolliert durch menschliche Sicherheitsstrukturen.

Schwarmabwehr könnte zum entscheidenden Forschungsfeld werden

Eine einzelne Drohne ist ein Problem.

Viele kleine koordinierte Drohnen verändern die Situation fundamental.

Ein Abwehrsystem muss dann nicht nur ein Objekt verfolgen.

Es muss:

mehrere Flugbahnen erkennen, Prioritäten setzen, mögliche gemeinsame Steuerung identifizieren und gleichzeitig verhindern, dass die Sensorik überlastet wird.

Das DLR nennt deshalb ausdrücklich auch die Erkennung und Neutralisierung von Drohnenschwärmen als Forschungsziel.

Genau hier könnten KI, Sensorfusion und autonome Abfangsysteme zusammenlaufen und damit schließt sich erneut der Kreis unserer Zukunftsserie:

KI. Robotik. Sensorik. Autonomie. Neue Kommunikationssysteme.

Alles trifft in einem realen Sicherheitsproblem aufeinander.

Dieselbe Forschung kann zivile Drohnennutzung sicherer machen

Ein Punkt wird in der Sicherheitsdebatte leicht vergessen.

Das Technologiezentrum beschäftigt sich nicht ausschließlich mit Abwehr, denn es erforscht auch die sichere Nutzung von Drohnen.

Das ist wichtig, denn dieselben Technologien, die eine unbekannte Drohne erkennen können, helfen möglicherweise auch dabei:

autonome Lieferdrohnen in den Luftverkehr zu integrieren, Rettungsdrohnen sicher zu koordinieren, Flugrouten zu überwachen, oder bemannte und unbemannte Flugzeuge zuverlässig voneinander zu trennen.

Sicherheit kann damit zum Enabler einer größeren Drohnenwirtschaft werden.

Risiken

Es gibt nicht die eine Drohnenabwehrwaffe

Das größte technische Missverständnis lautet:

Wir kaufen ein System und das Drohnenproblem ist gelöst.

So funktioniert es nicht, Drohnen unterscheiden sich massiv.

Kleine Quadrocopter. Große Starrflügler. FPV-Drohnen. Autonome Systeme. Drohnen mit Funkverbindung. Drohnen ohne aktive Funkverbindung. Schwärme. Unterschiedliche Navigationssysteme. Unterschiedliche Materialien.

Eine Gegenmaßnahme kann gegen System A hervorragend funktionieren und gegen System B kaum. Deshalb benötigt Drohnensicherheit verschiedene Sensoren und Abwehrmöglichkeiten.

Jamming kann Kollateralschäden erzeugen

Funk beziehungsweise Navigationssignale zu stören klingt zunächst elegant.

Keine Explosion. Kein Schuss, doch Funktechnik existiert nicht isoliert.

In einem Flughafen oder einer Stadt arbeiten zahlreiche Kommunikations- und Navigationssysteme gleichzeitig.

Breitbandiges Jamming beziehungsweise elektromagnetische Störmaßnahmen können deshalb im zivilen Umfeld problematisch sein. Genau deshalb untersucht das DLR gezieltere Alternativen.

Das Sicherheitsproblem lautet also:

Wie stoppt man die falsche Maschine, ohne die richtigen Systeme ebenfalls zu stören?

Eine abgeschossene Drohne fällt irgendwo herunter

Auch physische Abwehr besitzt Grenzen, denn eine ein Kilogramm schwere Drohne verschwindet nicht, wenn sie getroffen wird.

Sie wird zu einem fallenden Objekt.

Befindet sie sich:

über einer Menschenmenge, über einer Autobahn, über einem Tanklager, oder neben einem Flugzeug, kann bereits der Absturz neue Gefahren erzeugen.

Deshalb ist das Einfangen beziehungsweise kontrollierte Ableiten einer Drohne in zivilen Bereichen technologisch so interessant.

Abwehr muss nicht nur erfolgreich sein.

Sie muss kontrollierbar sein.

Automatisierung darf nicht automatisch Gewalt bedeuten

Je schneller Drohnen werden, desto stärker steigt der Druck zur Automatisierung.

Ein Mensch benötigt Zeit, um:

ein Objekt zu erkennen, Informationen zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen.

Automatisierte Systeme könnten das wesentlich schneller, doch gerade bei sicherheitskritischen Abwehrentscheidungen entsteht eine zentrale Grenze.

Ein System darf nicht allein aufgrund eines fehlerhaften KI-Klassifikators eine harmlose Drohne angreifen.

Deshalb muss zwischen:

automatischer Erkennung, automatischer Verfolgung und automatischer Neutralisierung sehr klar unterschieden werden.

Geschwindigkeit ist wichtig, aber Verantwortung ebenso.

Drohnensicherheit darf nicht zur flächendeckenden Überwachung werden

Ein weiterer gesellschaftlicher Konflikt liegt in der Sensorik selbst.

Ein System, das den Luftraum überwacht, benötigt möglicherweise:

Radar. Funküberwachung. Kameras. Infrarot. Positionsinformationen.

Diese Systeme dienen zunächst der Drohnenerkennung, aber je stärker Sensorik in Städten und öffentlichen Räumen verbreitet wird, desto stärker müssen klare Grenzen für:

Datenspeicherung, Zugriff, Zweckbindung und Datenschutz existieren.

Sicherheitstechnologie muss kontrolliert werden und nicht nur Drohnen.

Perspektivenwechsel

Vielleicht schauen wir bei Drohnen zu stark auf das Fluggerät.

Vier Propeller. Eine Kamera. Eine Batterie. Ein kleiner Computer. Doch technologisch entsteht gerade etwas Größeres.

Wir beginnen, über dem Boden einen neuen digitalen Maschinenraum aufzubauen.

Am Boden existieren Straßen. Ampeln. Verkehrsschilder. Kennzeichen. Verkehrsleitzentralen. Regeln. Polizei und digitale Navigation.

Der niedrige Luftraum besitzt vieles davon bislang nur in Ansätzen.

Aber wenn dort irgendwann:

Lieferdrohnen, Rettungsdrohnen, Vermessungsdrohnen, Polizeidrohnen, Industriesysteme und autonome Fluggeräte gleichzeitig unterwegs sind, benötigen wir ebenfalls eine Infrastruktur.

Wir müssen wissen:

Wer ist dort?

Wo darf er hin?

Welche Maschine ist registriert?

Welche verhält sich ungewöhnlich?

Welche besitzt Vorrang?

Welche muss gestoppt werden?

Das Technologiezentrum Drohnensicherheit ist deshalb mehr als eine Forschungsanlage für Drohnenjäger.

Es ist ein Baustein für die Frage:

Wie verwalten und schützen wir einen Luftraum, in dem künftig immer mehr autonome Maschinen unterwegs sein könnten?

Und genau das macht die Entwicklung zur Zukunftstechnologie.

Was wir wissen

Am 18. August 2026 eröffneten Bundesinnenministerium, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie das DLR das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit. Die Aktivitäten konzentrieren sich insbesondere auf die Standorte Cochstedt und Braunschweig.

Dort werden Technologien für die sichere Drohnennutzung sowie zur Detektion und Abwehr unkooperativer Drohnen unter realistischen Bedingungen erforscht und getestet.

Das Zentrum arbeitet mit Sicherheitsbehörden und Unternehmen zusammen und ist in die Arbeiten des Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums eingebunden.

Das DLR plant für den Ausbau Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro und bis zu 40 neue Stellen.

Der Forschungsstandort Cochstedt existiert bereits seit mehreren Jahren. 2025 wurden dort mehr als 200 Nutzungstage erreicht; rund die Hälfte entfiel auf externe Kunden und Kooperationspartner.

DLR-Forschung hat bereits unterschiedliche Abwehrmethoden demonstriert. Dazu gehören das gezielte Beeinflussen von Navigationssignalen sowie physische Abfangverfahren mit anderen Drohnen.

Parallel baut die Bundespolizei ihre operative Drohnenabwehr aus. Im August wurde angewiesen, die spezialisierten Kräfte auf 300 zu erhöhen und ihre Präsenz auf acht Standorte auszubauen.

2025 identifizierte das DLR 116 relevante Drohnenstörfälle an 25 deutschen Verkehrsflughäfen und errechnete einen betriebswirtschaftlichen Mindestschaden von ungefähr 60 Millionen Euro.

Was noch unklar ist

Offen bleibt, wie schnell die neue Forschungsstruktur tatsächlich neue einsatzfähige Systeme hervorbringen wird.

Ein erfolgreicher Test ist noch keine bundesweit einsatzfähige Lösung.

Ein System muss anschließend:

produziert, zertifiziert, beschafft, installiert, gewartet und von Einsatzkräften beherrscht werden.

Auch die technologische Entwicklung der Drohnen selbst bleibt schwer vorhersehbar.

Besonders herausfordernd könnten Systeme werden, die:

weitgehend autonom arbeiten, nur sehr wenig Funkverkehr erzeugen, ohne klassische Satellitennavigation auskommen, oder koordiniert als Schwarm auftreten.

Gleichzeitig darf nicht jeder Drohnenvorfall automatisch als Spionage oder Angriff bewertet werden.

Fehlbedienung. Unwissenheit. Freizeitnutzung. Technische Probleme und vorsätzlicher Missbrauch sind unterschiedliche Dinge.

Ein gutes Sicherheitssystem muss deshalb gerade differenzieren, anstatt nur möglichst aggressiv zu reagieren.

Was als Nächstes wichtig wird

Bei Drohnensicherheit sollten wir künftig vor allem beobachten, ob die komplette technische Kette zuverlässig funktioniert.

Nicht nur:

Kann ein Radar eine Drohne sehen?

Sondern:

Kann ein System unterschiedliche Sensoren kombinieren?

Kann es Vögel von Drohnen unterscheiden?

Kann es kleine autonome Fluggeräte erkennen?

Wie schnell entsteht ein Lagebild?

Wie zuverlässig funktioniert die Identifizierung?

Wie werden Schwärme behandelt?

Welche Abfangmethoden funktionieren über Menschen oder kritischer Infrastruktur?

Wie stark können Fehlalarme reduziert werden?

Und vor allem:

Wie schnell gelangen erfolgreiche Forschungssysteme tatsächlich zu Polizei, Flughäfen und Infrastrukturbetreibern?

Genau dort wird sich entscheiden, ob Cochstedt nur ein beeindruckendes Testzentrum bleibt oder zu einem echten Innovationsmotor einer neuen Sicherheitsindustrie wird.

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Einordnung von ROQ News

Je autonomer und leistungsfähiger Maschinen werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, Maschinen kontrollieren zu können, die sich nicht an Regeln halten.

Eine Drohne ist dafür das perfekte Beispiel.

Sie ist:

Computer. Flugzeug. Roboter. Kommunikationssystem. Sensorplattform und zunehmend autonome Maschine in einem Gerät.

Darum lässt sich die nächste Generation der Drohnenabwehr nicht mehr mit einer einzelnen Technologie lösen.

Sie benötigt:

Radar. Optik. Funktechnik. Sensorfusion. Robotik. KI. Navigation. Cybersecurity. Lagezentren. Recht und Menschen, die im richtigen Moment entscheiden.

Genau deshalb ist das neue Technologiezentrum in Cochstedt interessant.

Es baut nicht einfach einen größeren Zaun um einen Flughafen.

Es versucht, technische Intelligenz gegen technische Intelligenz zu stellen.

Eine Drohne navigiert autonom? Dann muss das Abwehrsystem sie trotzdem erkennen.

Sie wechselt ihre Flugbahn? Dann muss sie verfolgt werden.

Sie lässt sich nicht stören? Dann braucht es eine andere Gegenmaßnahme.

Mehrere kommen gleichzeitig? Dann muss ein System priorisieren.

Das ist ein permanentes technologisches Wettrennen, aber darin steckt gleichzeitig eine wirtschaftliche Chance.

Deutschland besitzt starke Kompetenzen in:

Luftfahrt. Sensorik. Radar. Optik. Robotik. Maschinenbau. KI. Cybersecurity und Sicherheitsforschung. Wenn daraus gemeinsam neue Counter-UAS-Technologien entstehen, könnte Deutschland nicht nur die eigene Infrastruktur besser schützen.

Es könnte einen neuen Hightech-Markt mitentwickeln.

Die Drohne der Zukunft ist nicht nur ein Fluggerät. Und ihre Abwehr ist nicht nur eine Waffe. Beides sind vernetzte, zunehmend autonome Computersysteme, die sich im physischen Raum begegnen.

Der Kampf um die Sicherheit der Zukunft könnte deshalb an manchen Orten überraschend unspektakulär aussehen:

Kein Kampfjet. Keine riesige Rakete, sondern zwei kleine Maschinen am Himmel.

Die eine versucht, ihr Ziel zu erreichen. Die andere muss erkennen, verstehen und entscheiden, wie sie sie stoppt. Und irgendwo dahinter arbeitet ein Netzwerk aus Sensoren, Software und Menschen.

Willkommen beim digitalen Luftraum.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Millionenkosten durch Drohnenvorfälle an deutschen Flughäfen in 2025 – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
    Unternehmen · veröffentlicht 06.06.2026 · abgerufen 25.08.2026
  2. Neues Technologiezentrum Drohnensicherheit startet in Cochstedt – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
    Unternehmen · veröffentlicht 18.08.2026 · abgerufen 25.08.2026
  3. Drohnenabwehr – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
    Unternehmen · abgerufen 25.08.2026
  4. Zuverlässig Drohnen abwehren – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
    Unternehmen · veröffentlicht 01.10.2025 · abgerufen 25.08.2026
  5. Eröffnung des Technologiezentrums Drohnensicherheit – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
    Fachmedium · veröffentlicht 18.08.2026 · abgerufen 25.08.2026
  6. Nachrichtenagentur · veröffentlicht 18.08.2026 · abgerufen 25.08.2026
  7. Nachrichtenagentur · veröffentlicht 25.08.2026 · abgerufen 25.08.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 28.08.2026
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