Was ist passiert?
Die Arbeitswelt verändert sich schneller.
Digitalisierung. Künstliche Intelligenz. Automatisierung. Neue Maschinen. Neue Software. Neue regulatorische Anforderungen. Neue Geschäftsmodelle.
Damit verändern sich auch Tätigkeiten innerhalb bestehender Berufe.
Gleichzeitig zeigt sich in Deutschland ein altes Problem:
Wer bereits gut qualifiziert ist, bildet sich häufiger weiter.
Wer schlechter qualifiziert ist und weniger verdient, nimmt deutlich seltener teil.
Die OECD bezeichnet diese Unterschiede in Deutschland als besonders ausgeprägt. Menschen mit niedriger Qualifikation, niedrigen Löhnen, atypischer Beschäftigung oder geringer Grundkompetenz gehören zu den Gruppen, die Weiterbildungsangebote seltener nutzen.
Das ist wirtschaftlich problematisch, denn gerade bei diesen Beschäftigten können fehlende Qualifikationen später die Möglichkeiten einschränken, in besser bezahlte oder zukunftssicherere Tätigkeiten zu wechseln.
Die OECD beschreibt deshalb Weiterbildung ausdrücklich als Instrument, mit dem Erwachsene ihre Fähigkeiten, Beschäftigungsmöglichkeiten und Chancen auf besser bezahlte Arbeit verbessern können. Gleichzeitig zeigt die Forschung einen positiven Zusammenhang zwischen arbeitsbezogener Weiterbildung und Löhnen... wobei daraus keine Garantie für den einzelnen Teilnehmer abgeleitet werden darf.
In Deutschland existiert inzwischen außerdem eine ganze Reihe von Förderinstrumenten, die genau das finanzielle Problem abfedern sollen.
Bildungsgutschein. Weiterbildungsgeld. Weiterbildungsprämien. Förderung von Beschäftigten. Qualifizierungsgeld. Aufstiegs-BAföG. Landesprogramme und teilweise vom Arbeitgeber finanzierte Qualifizierung.
Das Problem lautet deshalb häufig nicht nur:
Es gibt keine Unterstützung.
Sondern:
Viele Menschen wissen nicht, welche Unterstützung für sie überhaupt infrage kommt.
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Weiterbildung wird gesellschaftlich häufig noch wie ein Konsumprodukt betrachtet.
Wer möchte, besucht eben einen Kurs.
Wer Karriere machen möchte, bezahlt eine Weiterbildung.
Wer genug Geld besitzt, studiert berufsbegleitend.
Doch in einer sich technologisch verändernden Arbeitswelt wird Weiterbildung zunehmend etwas anderes:
wirtschaftliche Vorsorge.
Ein Mensch bildet schließlich sein Einkommen nicht nur dadurch, dass er mehr Stunden arbeitet.
Er kann auch den wirtschaftlichen Wert seiner Arbeitsstunde verändern.
Stell dir zwei Möglichkeiten vor.
Ein Beschäftigter arbeitet dauerhaft zehn Prozent länger, oder er erwirbt Fähigkeiten, mit denen er eine anspruchsvollere Tätigkeit übernehmen kann.
Nur die zweite Variante verändert möglicherweise dauerhaft seine Position auf dem Arbeitsmarkt.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Ein höherer Berufsabschluss ist dabei nicht automatisch gleichbedeutend mit höherem Einkommen. Beruf, Branche, Unternehmensgröße, Tarifbindung, Berufserfahrung und konkrete Tätigkeit beeinflussen das Gehalt ebenfalls. Destatis weist ausdrücklich auf diese unterschiedlichen Einflussfaktoren hin. Trotzdem zeigen die Daten im Durchschnitt deutlich höhere Verdienste bei höheren beruflichen Bildungsabschlüssen.
Damit verändert sich die Perspektive:
Weiterbildung kann eine Investition in die eigene zukünftige Erwerbsfähigkeit sein... und genau deshalb darf sie nicht ausschließlich denen offenstehen, die sie problemlos selbst bezahlen können.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Für Menschen mit niedrigem Einkommen ist der Einstieg schwieriger
Ein Beschäftigter mit hohem Einkommen kann möglicherweise sagen:
Ich bezahle 2.000 Euro für einen Kurs.
Ich reduziere ein paar Monate meine Arbeitszeit.
Ich kaufe einen Laptop.
Ich finanziere Prüfungsgebühren.
Für jemanden, bei dem monatlich kaum Geld übrig bleibt, ist genau das wesentlich schwieriger.
Deshalb entstehen gleich mehrere Barrieren:
Lehrgangskosten. Fahrtkosten. Kinderbetreuung. Arbeitsausfall. Prüfungsgebühren. Lernmaterial und schlicht die Frage:
Wie soll ich das neben meinem normalen Leben schaffen?
Die OECD identifiziert direkte und indirekte Kosten deshalb gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen als wichtige Weiterbildungsbarriere.
Aber genau an diesem Punkt muss man differenzieren.
Nicht jede Weiterbildung muss vollständig selbst finanziert werden.
Der Bildungsgutschein kann wesentlich mehr als nur den Kurs bezahlen
Unter bestimmten individuellen Voraussetzungen kann die Bundesagentur für Arbeit eine berufliche Weiterbildung über einen Bildungsgutschein fördern, dabei können nicht nur Lehrgangsgebühren übernommen werden.
Förderfähig können auch erforderliche Lernmittel, Prüfungsgebühren, Fahrtkosten, Kinderbetreuung sowie bei notwendiger auswärtiger Unterbringung entsprechende Unterkunfts- und Verpflegungskosten sein. Bildungsträger und Weiterbildung müssen die erforderliche Zulassung besitzen.
Bei einer geförderten abschlussorientierten Weiterbildung gibt es zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat.
Bei entsprechenden abschlussorientierten Maßnahmen können außerdem Weiterbildungsprämien gezahlt werden: 1.000 Euro für eine erfolgreich abgelegte Zwischenprüfung und 1.500 Euro für die Abschlussprüfung.
Das verändert die Rechnung erheblich.
Aus:
„Ich kann mir einen neuen Berufsabschluss niemals leisten.“
kann unter passenden Voraussetzungen werden:
„Ein großer Teil des finanziellen Risikos wird übernommen.“
Wichtig ist allerdings:
Ein Bildungsgutschein wird nicht automatisch für jeden gewünschten Kurs erteilt. Die individuellen Voraussetzungen und das Bildungsziel werden mit der Agentur für Arbeit geprüft.
Weiterbildung ist auch während einer Beschäftigung förderbar
Ein weiterer verbreiteter Denkfehler lautet:
Förderung gibt es nur für Arbeitslose.
Das stimmt so nicht.
Auch Beschäftigte können unter bestimmten Voraussetzungen bei beruflicher Weiterbildung gefördert werden. Je nach Fall und Unternehmensgröße können Lehrgangskosten teilweise oder vollständig übernommen und Arbeitgeber bei den weiterbildungsbedingten Entgeltkosten unterstützt werden.
Besonders interessant ist das für Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss.
Die Bundesagentur beschreibt Fördermöglichkeiten, bei denen Beschäftigte einen neuen zukunftsfähigen Berufsabschluss oder eine anerkannte Teilqualifikation erwerben können und die Weiterbildungskosten vollständig übernommen werden können; auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt des Arbeitgebers sind möglich. Die konkrete Förderentscheidung bleibt vom Einzelfall abhängig.
Damit kann Weiterbildung stattfinden, bevor Arbeitslosigkeit entsteht.
Das ist strategisch viel sinnvoller.
Qualifizierungsgeld kann Einkommensausfälle abfedern
Wenn ganze Unternehmen oder größere Teile einer Belegschaft durch Strukturwandel neue Kompetenzen benötigen, gibt es zusätzlich das Qualifizierungsgeld.
Es ersetzt 60 Prozent der durchschnittlichen Nettoentgeltdifferenz, die durch die Weiterbildung entsteht. Für Beschäftigte mit mindestens einem Kind sind es 67 Prozent. Die Weiterbildung selbst wird in diesem Modell vom Arbeitgeber finanziert. Voraussetzung sind unter anderem ein strukturwandelbedingter Qualifizierungsbedarf und eine Weiterbildung von mehr als 120 Stunden bei einem zugelassenen Bildungsträger.
Das zeigt eine wichtige Entwicklung:
Weiterbildung wird nicht mehr ausschließlich als private Freizeitentscheidung behandelt.
Sie wird zunehmend Teil aktiver Arbeitsmarkt- und Transformationspolitik.
Auch ein beruflicher Aufstieg kann gefördert werden
Wer beispielsweise Meister, Techniker, Fachwirt, Betriebswirt oder einen von mehr als 700 vergleichbaren Fortbildungsabschlüssen anstrebt, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen Aufstiegs-BAföG erhalten.
Bei Lehrgangs- und Prüfungsgebühren können bis zu 15.000 Euro berücksichtigt werden. 50 Prozent werden als Zuschuss gewährt; für den restlichen Teil besteht die Möglichkeit eines zinsgünstigen KfW-Darlehens. Nach erfolgreich bestandener Prüfung kann die Hälfte des zu diesem Zeitpunkt noch nicht fälligen Darlehens für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren erlassen werden. Die Förderung dieser Gebühren ist einkommens- und vermögensunabhängig.
Für Vollzeitmaßnahmen kann außerdem ein einkommens- und vermögensabhängiger Beitrag zum Lebensunterhalt hinzukommen.
Damit wird auch ein weiterer Mythos problematisch:
„Meister oder Techniker können sich nur Leute leisten, die sowieso Geld haben.“
Die tatsächliche Finanzierung kann deutlich anders aussehen, wenn verfügbare Förderinstrumente genutzt werden.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Aus geringem Einkommen muss kein dauerhaft geringes Einkommen werden
Die vielleicht wichtigste Botschaft lautet:
Das heutige Gehalt ist keine unveränderliche Eigenschaft eines Menschen.
Natürlich existieren strukturelle Grenzen.
Nicht jeder Beruf bietet dieselben Einkommenschancen.
Nicht jedes Unternehmen zahlt gleich.
Nicht jede Weiterbildung führt zu einer Beförderung, aber Fähigkeiten können verändert werden.
Ein fehlender Berufsabschluss kann nachgeholt werden.
Eine Teilqualifikation kann ein erster Schritt sein.
Eine Fachkraft kann zum Meister werden.
Eine kaufmännische Kraft kann zusätzliche digitale Kompetenzen erwerben.
Ein Produktionsmitarbeiter kann Maschinensteuerung lernen.
Ein Handwerker kann sich spezialisieren.
Ein Beschäftigter kann den Beruf wechseln, damit wird Weiterbildung zu einer der wenigen Möglichkeiten, die eigene Position auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu verändern.
Formale Abschlüsse können einen starken Unterschied machen
Die aktuellen Destatis-Zahlen zeigen den Zusammenhang besonders deutlich.
Ohne abgeschlossene Berufsausbildung:
durchschnittlich 3.432 Euro brutto.
Mit abgeschlossener Berufsausbildung:
4.125 Euro.
Mit Meister-, Techniker- oder Fachschulabschluss:
5.405 Euro.
Das sind Durchschnittswerte und keine individuellen Versprechen.
Trotzdem zeigen sie:
Formale berufliche Qualifikation besitzt auf dem deutschen Arbeitsmarkt erheblichen wirtschaftlichen Wert.
Auch Studien zu geförderten Teilqualifikationen finden positive und substanzielle Einkommens- und Beschäftigungseffekte gegenüber vergleichbaren Personen ohne Teilnahme; vollständige Umschulungen zeigten in den untersuchten Berufsfeldern teilweise noch größere Einkommenseffekte.
Weiterbildung kann berufliche Optionen verbreitern
Der Nutzen besteht nicht nur im unmittelbaren Gehalt.
Zusätzliche Qualifikation kann ermöglichen:
einen anderen Arbeitgeber zu wählen, eine andere Branche zu betreten, eine Führungsaufgabe zu übernehmen, eine Spezialisierung aufzubauen, einen Berufsabschluss nachzuholen, oder eine Tätigkeit auszuüben, die körperlich oder psychisch besser passt.
Das ist besonders wichtig, denn ein höheres Einkommen entsteht manchmal nicht beim bisherigen Arbeitgeber.
Es entsteht dadurch, dass plötzlich mehr Arbeitgeber um dieselbe Person konkurrieren können.
Kleine Schritte können sinnvoller sein als der große Bildungsplan
Weiterbildung muss nicht automatisch bedeuten:
drei Jahre Schule. Studium. 10.000 Euro Lehrgang.
Es kann zunächst auch bedeuten:
eine klar definierte Zusatzqualifikation, eine Teilqualifikation, digitale Kompetenz, eine Herstellerqualifikation, ein anerkannter Fachkurs, eine neue Software, Führungskompetenz, oder ein klarer nächster Abschluss.
Entscheidend ist nicht die Menge der Zertifikate.
Entscheidend ist:
Welche zusätzliche Fähigkeit besitzt auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich einen Wert?
Technologie macht Lernen zugänglicher
Onlineunterricht und flexible Lernformen können Weiterbildung zudem leichter mit Beruf und Familie vereinbar machen. Das nationale Weiterbildungsportal mein NOW bündelt Weiterbildungssuche, Fördermöglichkeiten, Beratungsangebote und Kompetenztests und ermöglicht unter anderem die Suche nach Online-Angeboten sowie förderfähigen Kursen.
Das löst finanzielle und zeitliche Probleme nicht vollständig, aber es senkt die Einstiegshürde.
Nicht jede Weiterbildung lohnt sich finanziell
Das muss klar gesagt werden.
Ein Zertifikat führt nicht automatisch zu:
mehr Gehalt, Beförderung, neuem Job, oder sicherer Beschäftigung.
Gerade nicht-formale Weiterbildung kann zwar Fähigkeiten verbessern, ohne dass der Arbeitgeber deshalb automatisch eine andere Gehaltsgruppe zahlt. Die OECD weist darauf hin, dass Vergütung in Deutschland häufig an konkrete Tätigkeit und tarifliche Eingruppierung gekoppelt ist und nicht allein an zusätzliche Qualifikationen.
Deshalb sollte Weiterbildung nicht nach der Frage ausgewählt werden:
„Welcher Kurs klingt interessant?“
Sondern:
„Welche neue wirtschaftlich verwertbare Fähigkeit habe ich danach?“
Zertifikate sammeln kann Geld verbrennen
Fünf Kurse ohne Zusammenhang ergeben nicht automatisch eine Karriere.
Es kann sinnvoller sein, eine klare Linie zu verfolgen:
aktueller Beruf, nächste Kompetenz, nächste Tätigkeit, nächstes Gehaltsniveau, passende Qualifikation.
Weiterbildung sollte einen Zweck besitzen, sonst entsteht Bildung ohne berufliche Wirkung.
Das kann persönlich trotzdem wertvoll sein, aber es ist etwas anderes als eine Investition mit Einkommensziel.
Arbeitgeber muss die zusätzliche Kompetenz auch einsetzen
Ein Beschäftigter kann sich hervorragend weiterbilden.
Wenn sein Arbeitsplatz danach exakt derselbe bleibt, steigt sein Gehalt möglicherweise trotzdem nicht.
Dann muss die nächste Frage lauten:
Kann ich intern eine andere Aufgabe übernehmen?
Kann ich neu verhandeln?
Kann ich mich auf eine höherwertige Stelle bewerben?
Oder erhöht die Qualifikation meinen Marktwert bei einem anderen Arbeitgeber?
Weiterbildung und Karriereplanung gehören deshalb zusammen.
Förderprogramme sind kein Selbstläufer
Auch Förderprogramme haben Voraussetzungen.
Nicht jeder Kurs wird gefördert.
Nicht jeder Antrag wird bewilligt.
Teilweise müssen Bildungsträger und Maßnahmen zertifiziert sein.
Teilweise muss der Arbeitgeber beteiligt werden.
Teilweise müssen bestimmte berufliche Ziele oder Voraussetzungen erfüllt sein.
Deshalb sollte zuerst die Finanzierung geklärt werden.
Und danach ein Vertrag mit einem Bildungsanbieter unterschrieben werden.
Menschen mit wenig Geld tragen ein höheres Fehlentscheidungsrisiko
2.000 Euro für einen unpassenden Kurs sind für jemanden mit hohem Einkommen ärgerlich.
Für einen Menschen mit niedrigem Einkommen können sie existenziell relevant sein.
Deshalb benötigt gerade diese Gruppe besonders gute Beratung.
Nicht aggressiven Bildungsverkauf.
Nicht:
„Mach unseren Kurs und danach verdienst du garantiert 5.000 Euro.“
Sondern:
Welche Stellen gibt es tatsächlich?
Welche Qualifikation verlangen sie?
Was wird regional gesucht?
Welche Einstiegsvoraussetzungen bestehen?
Wie hoch ist das realistische Gehalt?
Welche Förderung existiert?
Und welcher Abschluss wird am Markt tatsächlich anerkannt?
Perspektivenwechsel
Vielleicht reden wir über Weiterbildung bisher aus der falschen Richtung.
Wir sagen zu Menschen:
„Du solltest dich weiterbilden.“
Und erzeugen damit sofort eine neue Belastung.
Noch eine Aufgabe.
Noch mehr Kosten.
Noch weniger Freizeit.
Vielleicht sollte die Frage stattdessen lauten:
„Welche Fähigkeit könnte dein Leben wirtschaftlich tatsächlich verändern – und wie sorgen wir dafür, dass du sie lernen kannst?“
Das ist ein völlig anderer Ansatz.
Ein Mensch mit wenig Einkommen benötigt nicht hundert Kurse.
Vielleicht benötigt er einen richtigen.
Einen Berufsabschluss.
Eine anerkannte Teilqualifikation.
Einen Meister.
Eine Spezialisierung.
Eine digitale Kompetenz.
Oder die Fähigkeit, aus einer schlecht bezahlten Tätigkeit in einen Bereich zu wechseln, in dem sein bisheriges Wissen mehr wert ist.
Dann wird Weiterbildung nicht zur endlosen Selbstoptimierung.
Sie wird zu einem Werkzeug sozialer Mobilität.
Und genau hier muss sich auch die Haltung von Unternehmen verändern.
Wenn Arbeitgeber morgen neue Kompetenzen benötigen, können sie nicht erwarten, dass Beschäftigte sämtliche Kosten, Freizeit und Risiken selbst tragen.
Unternehmen profitieren schließlich ebenfalls.
Von höherer Produktivität.
Von besser qualifizierten Mitarbeitern.
Von geringerer Fluktuation.
Von internen Nachfolgern.
Von Menschen, die neue Technologie einsetzen können.
Weiterbildung ist deshalb keine reine Arbeitnehmerpflicht.
Arbeitnehmer müssen bereit sein zu lernen. Unternehmen müssen bereit sein, Lernen zu ermöglichen. Und der Staat muss dafür sorgen, dass fehlendes Geld nicht automatisch fehlende Chancen bedeutet.
Was wir wissen
Menschen mit niedrigen Löhnen und geringeren Qualifikationen beteiligen sich in Deutschland deutlich seltener an arbeitsbezogenem Lernen als besser verdienende und höher qualifizierte Gruppen. Die OECD bezeichnet diese Ungleichheit in Deutschland als besonders ausgeprägt.
Die Verdienststatistik zeigt gleichzeitig große Unterschiede zwischen Qualifikationsniveaus. Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss verdienten im April 2025 durchschnittlich 3.432 Euro brutto, Menschen mit Berufsausbildung 4.125 Euro und Beschäftigte mit Meister-, Techniker- oder Fachschulabschluss 5.405 Euro.
Diese Werte zeigen Zusammenhänge, aber keine automatische Ursache-Wirkung-Beziehung. Branche, Beruf, Erfahrung und konkrete Tätigkeit beeinflussen das Einkommen ebenfalls.
Ein Bildungsgutschein kann unter individuellen Voraussetzungen Lehrgangs- und weitere notwendige Weiterbildungskosten übernehmen. Bei geförderten abschlussorientierten Weiterbildungen können zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld monatlich gezahlt werden.
Auch Beschäftigte können gefördert werden. Für bestimmte Transformationsfälle existiert zusätzlich Qualifizierungsgeld in Höhe von 60 beziehungsweise 67 Prozent der weiterbildungsbedingten Nettoentgeltdifferenz.
Das Aufstiegs-BAföG fördert mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse. Bei Lehrgangs- und Prüfungsgebühren können bis zu 15.000 Euro berücksichtigt werden, davon 50 Prozent als Zuschuss.
Was noch unklar ist
Menschen mit niedrigen Löhnen und geringeren Qualifikationen beteiligen sich in Deutschland deutlich seltener an arbeitsbezogenem Lernen als besser verdienende und höher qualifizierte Gruppen. Die OECD bezeichnet diese Ungleichheit in Deutschland als besonders ausgeprägt.
Die Verdienststatistik zeigt gleichzeitig große Unterschiede zwischen Qualifikationsniveaus. Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss verdienten im April 2025 durchschnittlich 3.432 Euro brutto, Menschen mit Berufsausbildung 4.125 Euro und Beschäftigte mit Meister-, Techniker- oder Fachschulabschluss 5.405 Euro.
Diese Werte zeigen Zusammenhänge, aber keine automatische Ursache-Wirkung-Beziehung. Branche, Beruf, Erfahrung und konkrete Tätigkeit beeinflussen das Einkommen ebenfalls.
Ein Bildungsgutschein kann unter individuellen Voraussetzungen Lehrgangs- und weitere notwendige Weiterbildungskosten übernehmen. Bei geförderten abschlussorientierten Weiterbildungen können zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld monatlich gezahlt werden.
Auch Beschäftigte können gefördert werden. Für bestimmte Transformationsfälle existiert zusätzlich Qualifizierungsgeld in Höhe von 60 beziehungsweise 67 Prozent der weiterbildungsbedingten Nettoentgeltdifferenz.
Das Aufstiegs-BAföG fördert mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse. Bei Lehrgangs- und Prüfungsgebühren können bis zu 15.000 Euro berücksichtigt werden, davon 50 Prozent als Zuschuss.
Was als Nächstes wichtig wird
Für Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen könnte ein sinnvoller Weiterbildungsweg deshalb mit fünf einfachen Fragen beginnen.
Welche Tätigkeit möchte ich in zwei oder drei Jahren ausüben?
Danach:
Was verdient man dort realistisch?
Welche Qualifikation fehlt mir dafür?
Wird genau diese Qualifikation gefördert?
Und:
Gibt es anschließend tatsächlich Arbeitgeber, die sie suchen?
Erst danach sollte ein Kurs ausgewählt werden.
Die Bundesagentur stellt dafür inzwischen mit mein NOW ein nationales Portal bereit, das Weiterbildungsangebote, Fördermöglichkeiten, Beratung und Informationen zu beruflichen Perspektiven zusammenführt.
Das ist der entscheidende Punkt:
Nicht mit dem Kurs anfangen.
Mit dem Ziel anfangen.
Einordnung von ROQ News
Weiterbildung wird häufig wie ein Privileg dargestellt.
Wer Geld hat, studiert noch einmal.
Wer einen guten Arbeitgeber besitzt, bekommt Seminare bezahlt.
Wer bereits Karriere macht, sammelt zusätzliche Qualifikationen.
Und wer wenig verdient?
Der arbeitet weiter.
Genau dieser Kreislauf ist gefährlich, denn wenn sich Arbeit durch Digitalisierung, KI und Automatisierung verändert, kann fehlende Weiterbildung bestehende Einkommensunterschiede weiter verfestigen.
Menschen, die bereits viel verdienen, bauen zusätzliche Kompetenzen auf.
Menschen mit niedrigem Einkommen bleiben aus finanziellen Gründen außen vor.
Und einige Jahre später wird dann gesagt:
„Dir fehlt die Qualifikation.“
Das ist wirtschaftlich absurd.
Deutschland braucht gerade diejenigen im Weiterbildungssystem, die heute noch nicht sämtliche Zukunftskompetenzen besitzen.
Und dafür existieren inzwischen Instrumente, durch die Weiterbildung teilweise oder vollständig öffentlich beziehungsweise gemeinsam mit Arbeitgebern finanziert werden kann.
Aber Förderung allein reicht nicht.
Menschen müssen davon wissen.
Sie müssen verstehen, welche Weiterbildung sich tatsächlich lohnt.
Und sie brauchen den Mut, auch mit 30, 40, 50 oder darüber hinaus noch einmal etwas Neues zu lernen.
Nicht weil jeder Mensch ununterbrochen Karriere machen muss, sondern weil Weiterbildung etwas viel Grundsätzlicheres ermöglichen kann:
mehr Wahlmöglichkeiten.
Die Möglichkeit, einen Arbeitgeber zu verlassen.
Die Möglichkeit, einen besseren Job anzunehmen.
Die Möglichkeit, weniger körperlich belastend zu arbeiten.
Die Möglichkeit, eine höhere Verantwortung zu übernehmen.
Die Möglichkeit, mit neuer Technologie zu arbeiten.
Und möglicherweise auch:
die Möglichkeit, mehr zu verdienen.
Das ist keine Garantie.
Aber es ist eine Chance, die sich beeinflussen lässt.
Wer wenig verdient, braucht nicht weniger Weiterbildung als jemand mit hohem Einkommen. Oft braucht er besseren Zugang dazu.
Und genau deshalb sollte Weiterbildung in Deutschland nicht als Luxus für Menschen betrachtet werden, die ohnehin schon gute Chancen besitzen.
Sie muss zu einer Infrastruktur werden, mit der Menschen ihre Chancen verbessern können.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
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Verdienste in vielen Ausbildungsberufen im Handwerk unter dem Durchschnitt – Statistisches BundesamtSonstige · veröffentlicht 25.03.2026 · abgerufen 30.08.2026
- Sonstige · veröffentlicht 23.04.2021 · abgerufen 30.08.2026
-
Bildungsgutschein – Bundesagentur für ArbeitBehörde · abgerufen 30.08.2026
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Methodische Hinweise zum Thema Förderungen – Bundesagentur für ArbeitUnternehmen · abgerufen 30.08.2026
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Förderung der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten – Bundesagentur für ArbeitBehörde · abgerufen 30.08.2026
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Das nationale Onlineportal für berufliche Weiterbildung: „mein NOW“ – Bundesagentur für ArbeitBehörde · abgerufen 30.08.2026
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Berufliche Weiterbildung – Bundesinstitut für BerufsbildungFachmedium · abgerufen 30.08.2026
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Erwerbstätigkeit – Statistisches BundesamtSonstige · abgerufen 30.08.2026
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