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Innovation ROQ Analyse

Die Talente von morgen sitzen schon heute im Hörsaal: Hochschule Coburg öffnet KinderUni

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Die Hochschule Coburg veranstaltet am Samstag, 26. September, erneut ihre KinderUni.

Ab 10:30 Uhr erhalten die jungen Teilnehmer ihre KinderUni-Ausweise. Danach folgen zwei Vorlesungsblöcke, unterbrochen von einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa. Gegen 14 Uhr endet der Hochschultag mit KinderUni-Urkunden.

Die Themen kommen unmittelbar aus Wissenschaft und Alltag.

Prof. Dr. Susanne Esslinger beschäftigt sich mit der Verbindung zwischen Umwelt und Gesundheit.

Prof. Dr. Wolfram Haupt erklärt anhand von Experimenten, wie Wind- und Sonnenenergie Gebäude versorgen können.

Prof. Dr. Bernd Hüttl geht der Frage nach, was elektrischer Strom überhaupt ist.

Und Prof. Dr. Markus Weber zeigt Recycling- und Verwertungsmöglichkeiten für alltägliche Abfälle.

Die Hochschule formuliert ihr Ziel dabei bemerkenswert deutlich.

Kinder sollen Freude am Entdecken und Lernen entwickeln und früh erfahren, dass eine Hochschule auch eine mögliche Perspektive für ihre eigene Zukunft sein kann.

Ausdrücklich sollen dabei auch Kinder erreicht werden, die aus bildungsferneren Familien stammen.

Und genau hier wird aus einer Kinderveranstaltung ein wirtschaftlich und gesellschaftlich interessantes Thema.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Wenn ein Jugendlicher mit 16 oder 17 Jahren zum ersten Mal ernsthaft hört:

„Vielleicht wäre ein technischer Beruf etwas für dich.“

dann wurden viele Vorstellungen über die eigene Zukunft längst geprägt.

Was kann ich?

Was interessiert mich?

Gehöre ich überhaupt an eine Hochschule?

Ist Technik etwas für mich?

Ist Wissenschaft kompliziert oder spannend?

Kinder beantworten solche Fragen nicht mit Karriereanalysen.

Sie sammeln Erfahrungen.

Ein Experiment funktioniert.

Ein Professor beantwortet ihre Frage.

Sie betreten einen Hörsaal.

Sie sehen ein Labor.

Und plötzlich ist eine Hochschule kein abstraktes Gebäude mehr, in dem „andere Leute“ studieren.

Sie waren selbst schon dort.

Genau darin liegt der eigentliche Wert solcher Angebote.

Nicht jedes Kind der KinderUni wird später Ingenieur, Wissenschaftlerin oder Informatiker.

Das wäre auch nicht das Ziel.

Aber jedes Kind bekommt die Möglichkeit, Wissenschaft einmal ohne Prüfungsdruck, Noten und Berufsentscheidung kennenzulernen.

Deutschland sucht Fachkräfte: Während Interesse viel früher entsteht

Der wirtschaftliche Hintergrund ist nicht unwichtig.

Der MINT-Frühjahrsreport 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft errechnet für März 2026 über 36 MINT-Berufskategorien hinweg eine Fachkräftelücke von rund 133.900 Personen.

Besonders groß waren die errechneten Engpässe in Energie- und Elektroberufen mit 48.900 Personen sowie in Metallverarbeitung, Bau und Maschinen- beziehungsweise Fahrzeugtechnik.

Eine KinderUni wird diese Fachkräftelücke natürlich nicht lösen.

Dieser Zusammenhang wäre viel zu einfach, aber die Zahlen zeigen, warum langfristige Nachwuchsarbeit wirtschaftlich relevant ist.

Unternehmen suchen später:

Ingenieure, Techniker, Elektrofachkräfte, IT-Spezialisten, Forscher, Produktentwickler, doch Interesse an diesen Welten kann Jahre vorher entstehen.

Vielleicht mit acht.

Vielleicht mit zehn.

Vielleicht genau in dem Moment, in dem ein Kind zum ersten Mal selbst erlebt:

„Moment mal... das verstehe ich ja.“

Die Hochschule wird damit Teil einer regionalen Talentpipeline

Genau hier fügt sich die KinderUni in ein größeres Bild ein.

Wir haben bei ROQ NEWS bereits über die MACHBAR und das MachbarMobil in Lichtenfels gesprochen.

Dort geht es um praktische Technologieerfahrung und darum, Technik zu Schulen und Jugendlichen zu bringen.

Coburg setzt an einem angrenzenden Punkt an:

Die Hochschule öffnet sich nach unten in die Altersgruppen.

Das ist keine Konkurrenz zwischen Angeboten.

Im Gegenteil.

Zusammengedacht könnte daraus eine regionale Kette entstehen:

Kinder entdecken Wissenschaft, sie experimentieren, Schulen greifen das Interesse auf, Makerspaces ermöglichen eigenes Bauen, Jugendliche lernen Unternehmen kennen,Ausbildung und Hochschule eröffnen weitere Wege, Unternehmen bieten reale Anwendungen und irgendwann entstehen aus Kindern:

Fachkräfte, Gründer, Ingenieurinnen, Forscher, Handwerker, Entwickler, oder einfach Menschen, die Technologien verstehen und neugierig geblieben sind.

Das ist keine garantierte Karrierepipeline, aber es ist eine Infrastruktur für Möglichkeiten.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Für Unternehmen: Fachkräftegewinnung beginnt Jahrzehnte vor der Stellenanzeige

Unternehmen reagieren auf Fachkräftemangel häufig spät.

Eine Stelle wird frei.

Dann beginnt Recruiting.

Anzeige schreiben.

LinkedIn.

Messe.

Headhunter.

Doch besonders in Regionen außerhalb der großen Metropolen könnte eine nachhaltigere Strategie darin bestehen, den regionalen Nachwuchs viel früher mit Technik und Wirtschaft in Kontakt zu bringen.

Nicht mit Unternehmenswerbung für Achtjährige, sondern mit echten Erfahrungen.

Experimente, Betriebsbesuche, Makerspaces, Schülerprojekt, Praktika, Hochschulangebote.

Wenn Kinder und Jugendliche erleben, welche Technologien direkt vor ihrer Haustür entwickelt werden, verändert sich ihre Wahrnehmung der Region.

Sie sehen nicht nur:

„Hier wohne ich.“

Sondern vielleicht irgendwann:

„Hier kann ich etwas Spannendes machen.“

Für regionale Unternehmen könnte genau das langfristig wichtiger werden als die nächste klassische Recruiting-Kampagne.

Für Arbeitnehmer: Wissenschaft wird weniger exklusiv

Ein zweiter Aspekt betrifft soziale Herkunft.

Die Hochschule Coburg nennt ausdrücklich das Ziel, auch Kinder aus bildungsferneren Schichten früh mit Hochschule in Kontakt zu bringen.

Das ist relevant, denn ein Studium oder eine wissenschaftliche Karriere wird nicht nur danach entschieden, welche Fähigkeiten ein Mensch besitzt.

Auch die Vorstellung:

„Ist das überhaupt etwas für Menschen wie mich?“

spielt eine Rolle.

Wer bereits als Kind auf einem Campus war, dort Fragen stellen durfte und Wissenschaft als verständlich erlebt hat, besitzt zumindest eine Erfahrung mehr, auf die er später zurückgreifen kann.

Eine KinderUni beseitigt soziale Bildungsunterschiede nicht, aber sie kann eine Tür sichtbar machen, von der manche Kinder sonst vielleicht gar nicht wissen, dass sie existiert.

Für Kommunen: Talentbindung beginnt mit Identifikation

Für Stadt und Landkreis steckt darin ebenfalls eine strategische Dimension.

Regionen konkurrieren um junge Menschen.

Die klassische Reaktion lautet häufig:

Wie holen wir Absolventen zurück?

Vielleicht sollte eine zweite Frage hinzukommen:

Wie schaffen wir früh genug eine Verbindung zwischen jungen Menschen und ihrer Region?

Wenn ein Kind erlebt:

In Coburg gibt es Forschung.

In Lichtenfels kann ich Technologien bauen.

Regionale Unternehmen entwickeln moderne Produkte.

Meine Hochschule beschäftigt sich mit Energie, KI, Gesundheit oder Produktion, dann entsteht ein anderes Bild vom eigenen Standort.

Regionalentwicklung besteht deshalb nicht nur aus Gewerbegebieten und Infrastruktur.

Sie besteht auch aus Identifikation mit Möglichkeiten.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Das Spannende an der KinderUni ist deshalb nicht nur der vermittelte Inhalt.

Ein Achtjähriger wird nach einer einstündigen Vorlesung über Strom kein Elektroingenieur, aber vielleicht beginnt etwas anderes.

Eine Frage.

Warum funktioniert das?

Kann ich das selbst ausprobieren?

Was passiert, wenn ich etwas verändere?

Genau diese Denkweise bildet den Kern von Wissenschaft.

Beobachten. Fragen. Testen. Verstehen.

Und interessanterweise ist es dieselbe Grundstruktur, die wir in unserer ROQ News-Reihe immer wieder finden.

Innovatoren beginnen mit Fragen.

Sie testen Hypothesen.

Sie akzeptieren, dass etwas nicht funktioniert.

Sie verändern den Ansatz.

Dann probieren sie erneut.

Vielleicht besteht Innovationsbildung deshalb weniger darin, Kindern möglichst früh komplizierte Fachbegriffe beizubringen.

Sondern darin, ihre natürliche Neugier nicht verschwinden zu lassen.

Risiken

Genau hier müssen wir allerdings differenzieren.

Eine KinderUni ist ein Impuls.

Noch kein Bildungssystem.

Ein Kind kann am Samstag begeistert nach Hause gehen und am Montag wieder in Strukturen landen, in denen wenig Raum für eigenes Experimentieren bleibt.

Deshalb wird interessant, was zwischen solchen Angeboten passiert.

Gibt es anschließend:

Makerspaces?

AGs?

Schülerlabore?

Coding-Angebote?

Unternehmensprojekte?

Praktika?

Jugendforschung?

Mentoren?

Wiederkehrende Hochschulangebote?

Die entscheidende Frage lautet also nicht nur:

Wie viele Kinder waren bei der KinderUni?

Sondern langfristig:

Wie viele weitere Möglichkeiten zum Entdecken existieren danach?

Denn Begeisterung entsteht möglicherweise an einem einzigen Tag.

Kompetenz entsteht durch Wiederholung.

Perspektivenwechsel

„KinderUni“ klingt zunächst nach:

Familie, Freizeit, Bildung.

Vielleicht einem schönen Samstag, aber betrachten wir dasselbe Angebot einmal aus Sicht regionaler Wirtschaftsentwicklung.

Deutschland diskutiert über Fachkräfte.

Unternehmen suchen technische Kompetenzen.

Regionen versuchen junge Menschen zu halten.

Hochschulen suchen Studierende.

Innovationsstandorte benötigen Forscher und Gründer.

Und gleichzeitig sitzen am Samstag 260 mögliche junge Entdecker in Hochschulräumen.

Natürlich weiß niemand, welchen Weg sie später einschlagen, aber genau deshalb beginnt langfristige Talentförderung früh.

Nicht mit der Frage:

„Welchen Beruf möchtest du machen?“

Sondern:

„Was möchtest du verstehen?“

Vielleicht ist eine KinderUni deshalb nicht nur Bildungsarbeit.

Sie ist eine sehr frühe Form regionaler Innovationspolitik... lange bevor jemand dieses Wort benutzen würde.

Was wir wissen

Die KinderUni der Hochschule Coburg findet am 26. September 2026 von 10:30 bis 14 Uhr auf dem Campus Friedrich Streib statt. Sie richtet sich an Acht- bis Zwölfjährige und bietet Platz für bis zu 260 Kinder. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die aktuellen Vorlesungen behandeln Gesundheit und Umwelt, Wind- und Sonnenenergie, elektrischen Strom sowie Recycling und Abfallverwertung.

Die Hochschule nennt als ausdrückliches Ziel, Freude an Entdecken und Lernen zu vermitteln und Kindern früh eine Hochschule als mögliche Zukunftsperspektive zu zeigen... insbesondere auch Kindern aus bildungsferneren Schichten.

Deutschland weist trotz konjunkturell rückläufiger Nachfrage weiterhin erhebliche Engpässe in MINT-Berufen auf. Der MINT-Frühjahrsreport 2026 berechnet für März eine aggregierte Lücke von rund 133.900 Personen.

Was noch unklar ist

Wir wissen nicht, wie viele Teilnehmer der KinderUni später ein MINT-Fach studieren.

Wir wissen nicht, wie viele dadurch ihre Berufswahl verändern.

Und aus einer einzelnen Veranstaltung lässt sich kein kausaler Effekt auf den regionalen Fachkräftemangel ableiten.

Das wäre eine Überinterpretation.

Der relevante Punkt liegt früher:

Die KinderUni schafft Kontaktmöglichkeiten mit Wissenschaft, bevor Bildungs- und Berufswege endgültig festgelegt werden.

Ob daraus langfristig messbare Effekte entstehen, müsste über längere Zeit untersucht werden.

Was als Nächstes wichtig wird

Spannend wäre deshalb, regionale Nachwuchsangebote stärker miteinander zu verbinden.

KinderUni der Hochschule Coburg, Makerspaces, MachbarMobil, Schulen, Ausbildungsbetriebe, Technologieunternehmen, Hochschulprojekte, Schülerpraktika, Gründerzentren.

Nicht als einzelne Veranstaltungen.

Sondern als durchgängige Entdeckungsroute vom Kind bis zum Berufseinstieg.

Dann hätte ein Kind nicht mit zwölf seinen letzten Technologiekontakt.

Der nächste käme mit 13.

Dann mit 15.

Mit 17.

Und irgendwann wäre die Region nicht nur der Ort, an dem es aufgewachsen ist.

Sondern ein Ort, an dem es seine Fähigkeiten einsetzen kann.

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Einordnung von ROQ News

Die KinderUni der Hochschule Coburg ist kein spektakuläres Milliardenprojekt.

Keine neue Fabrik.

Kein KI-Rechenzentrum.

Kein Forschungsdurchbruch.

Und vielleicht ist genau deshalb die Nachricht interessanter, als sie auf den ersten Blick wirkt, denn Innovationsregionen entstehen nicht ausschließlich aus Technologie.

Sie entstehen aus Menschen, die irgendwann gelernt haben:

Ich darf Fragen stellen.

Ich kann Dinge verstehen.

Ich kann ausprobieren.

Und:

Wissenschaft ist nichts, das nur andere Menschen machen.

Wer Fachkräfte erst sucht, wenn Stellen ausgeschrieben werden, arbeitet am Ende einer langen Kette.

Coburg setzt an diesem Samstag wesentlich früher an.

Bei Acht- bis Zwölfjährigen.

Vielleicht wird keines dieser Kinder später Forscher.

Vielleicht einige.

Das wissen wir nicht.

Aber eine Region, die Innovation ernst nimmt, sollte jungen Menschen möglichst früh etwas zeigen:

Hier gibt es Dinge zu entdecken... und du darfst dazugehören.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Sonstige · abgerufen 21.09.2026
  2. Sonstige · veröffentlicht 06.05.2026 · abgerufen 21.09.2026
  3. Nachrichtenagentur · veröffentlicht 21.09.2026 · abgerufen 21.09.2026
  4. Fachmedium · veröffentlicht 08.09.2026 · abgerufen 21.09.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 21.09.2026
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