Was ist passiert?
Der aktuelle Cloud Report 2026 des Bitkom zeigt zunächst, wie zentral Cloud-Technologie inzwischen für deutsche Unternehmen geworden ist.
86 Prozent der befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten nutzen bereits Cloud-Dienste.
Weitere 14 Prozent planen oder diskutieren deren Nutzung.
Damit spielt die Cloud praktisch für die gesamte untersuchte deutsche Wirtschaft eine Rolle.
Noch interessanter wird es bei der Anbieterfrage.
71 Prozent beziehen heute Cloud-Angebote von US-Anbietern, aber nur 8 Prozent würden US-Anbieter bevorzugen, wenn sie frei nach Herkunft wählen könnten.
Deutsche Anbieter werden dagegen aktuell von 53 Prozent genutzt – bevorzugen würden sie 91 Prozent der Unternehmen.
EU-Anbieter kommen aktuell bei 45 Prozent zum Einsatz, gewünscht würden sie von 68 Prozent.
Das ist eine enorme Diskrepanz.
Der Markt nutzt Amerika: Aber ein großer Teil der Unternehmen wünscht sich Europa.
Gleichzeitig sagen 43 Prozent, dass für ihre Anforderungen bislang keine gleichwertige europäische Alternative zu den US-Hyperscalern existiere.
Und genau darin steckt die eigentliche Geschichte.
Deutschland besitzt Cloud-Technologie, aber noch nicht überall:
die gleiche Funktionsbreite, das gleiche Ökosystem, die gleiche internationale Skalierung und die gleiche jahrzehntelang aufgebaute Entwicklerbasis wie die größten amerikanischen Anbieter.
Das Problem lautet also nicht:
Deutschland kann keine Cloud.
Sondern:
Wie machen wir aus guten europäischen Grundlagen ein Ökosystem, das Kunden nicht nur aus Souveränitätsgründen wählen... sondern weil es technologisch überzeugt?
Die Abhängigkeit wird inzwischen selbst von Unternehmen als Problem gesehen
85 Prozent der im Bitkom Cloud Report befragten Unternehmen halten Deutschland für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern.
80 Prozent wünschen sich große Cloud-Anbieter aus Deutschland oder Europa, die mit den internationalen Marktführern konkurrieren können.
Das ist bemerkenswert, denn gleichzeitig nutzen viele dieser Unternehmen selbst amerikanische Plattformen.
Das ist kein Widerspruch.
Es zeigt vielmehr, wie Märkte funktionieren.
Unternehmen wählen nicht ausschließlich nach:
Nationalität.
Sie wählen nach:
Funktionalität, Preis, Performance, Sicherheit, Schnittstellen, Entwicklerwerkzeugen, Verfügbarkeit, Support, bestehenden Systemen und häufig schlicht danach:
Was bereits überall integriert ist.
Deshalb reicht digitale Souveränität als Marketingbotschaft allein nicht.
Eine europäische Cloud muss:
gut sein.
Und die US-Hyperscaler besitzen tatsächlich eine starke Stellung
Auch die Europäische Kommission beschreibt AWS und Microsoft Azure aktuell als den größten beziehungsweise zweitgrößten Cloud-Anbieter im EU-Markt.
Im Juni 2026 teilte die Kommission Amazon und Microsoft ihre vorläufige Auffassung mit, dass AWS und Azure aufgrund ihrer starken und dauerhaften Marktstellung als Gatekeeper unter dem Digital Markets Act eingestuft werden sollten. Eine endgültige Entscheidung ist das noch nicht.
Das zeigt:
Wir reden nicht über eingebildete Abhängigkeiten.
Die Marktkonzentration ist real, aber daraus folgt nicht:
Amerikanische Anbieter raus.
Die intelligentere Strategie könnte lauten:
echte Wahlmöglichkeiten schaffen.
Und genau hier wird Deutschland interessanter, als viele denken:
Deutsche Telekom: Aus der Telekommunikation wird Cloud-Infrastruktur
Die Deutsche Telekom baut ihre T Cloud Public aktuell massiv aus.
Nach Unternehmensangaben deckte die Plattform Anfang 2026 bereits rund 80 Prozent der zentralen Funktionen führender Hyperscaler ab.
Bis Ende 2026 will Telekom bei den entscheidenden Kernfunktionen vollständige Funktionsparität erreichen.
Wichtig:
Das ist ein Ziel beziehungsweise eine Einschätzung des Unternehmens... kein unabhängiger Nachweis, dass T Cloud in jeder denkbaren Funktion mit AWS, Azure oder Google Cloud identisch wäre, aber die Größenordnung zeigt:
Hier wird nicht nur ein kleiner deutscher Datenspeicher betrieben.
Telekom bietet:
Compute, Storage, Datenbanken, Entwicklerwerkzeuge, Cloud-Netzwerke, KI-Infrastruktur, GPU-Ressourcen und zunehmend komplette KI-Pipelines.
Mehr als 4.000 Unternehmenskunden nutzen die T Cloud Public laut Telekom bereits.
Hinzu kommt die Industrial AI Cloud.
Damit versucht Telekom, etwas aufzubauen, das zu Deutschlands Wirtschaftsstruktur besonders gut passt:
Cloud + KI + Industrie.
Nicht nur:
Office, Webhosting, Datenspeicher.
Sondern Infrastruktur für:
Maschinenbau, Produktion, Logistik, Robotik, Engineering.
Das ist strategisch interessant, denn Deutschland muss vielleicht gar nicht versuchen, die amerikanische Cloud-Welt eins zu eins zu kopieren, vielleicht entsteht eine europäische Stärke genau dort, wo:
Cloud auf reale Industrie trifft.
IONOS: Deutschland besitzt längst einen eigenen großen Cloud- und Hostinganbieter
Dann gibt es IONOS.
Das Unternehmen wird im Alltag häufig noch immer stark mit:
Domains, Webhosting und Websites verbunden, doch IONOS betreibt längst ebenfalls:
Public Cloud, Compute, Storage, Kubernetes, Datenbanken, Netzwerke, Backup, KI-Infrastruktur und Lösungen für öffentliche sowie regulierte Bereiche.
2025 eröffnete IONOS zusätzliche Cloud-Rechenzentrumskapazitäten in Frankfurt, nahe dem DE-CIX.
Das Unternehmen wächst zudem.
2025 stieg die Kundenbasis der IONOS Group auf 6,63 Millionen Kunden, der Umsatz im fortgeführten Geschäft auf rund 1,317 Milliarden Euro.
Im ersten Quartal 2026 lag die Kundenzahl bereits bei mehr als 6,8 Millionen. Diese Zahlen umfassen allerdings das gesamte Kerngeschäft aus Web Presence, Productivity und Cloud... sie sind kein Marktanteil der IONOS Cloud allein.
Genau diese Unterscheidung ist wichtig.
IONOS ist kein AWS in deutscher Größe, aber es ist genauso falsch zu behaupten:
Deutschland habe überhaupt keinen skalierenden eigenen Infrastrukturprovider.
Die Grundlage ist vorhanden.
STACKIT: Wenn Europas größter Händler seine eigene Cloud baut
Noch spannender ist möglicherweise die Entstehung von STACKIT.
Die Cloud gehört zu Schwarz Digits, der Digitalsparte der Schwarz Gruppe hinter:
Lidl und Kaufland.
Das ist deshalb interessant, weil STACKIT nicht aus einem klassischen Silicon-Valley-Modell entstanden ist, sondern aus einer realen europäischen Unternehmensgruppe mit:
Einzelhandel, Logistik, Lieferketten, riesigen Datenmengen, hunderttausenden Beschäftigten und tausenden Standorten.
Die Schwarz Gruppe benötigte selbst digitale Infrastruktur.
Aus dieser internen Technologie entwickelt sich nun ein Cloud-Angebot für andere Unternehmen und öffentliche Institutionen.
2026 gehörten nach Angaben von Schwarz Digits bereits rund 600 Partner zum Ökosystem.
STACKIT wurde außerdem Teil des Cloud-Portfolios für die Deutschlandplattform und MEDI:CUS innerhalb eines GovTech-Rahmenvertrags mit einem möglichen Gesamtvolumen von bis zu 250 Millionen Euro.
Und das Unternehmen baut sein Data-&-AI-Ökosystem inzwischen beispielsweise mit:
Celonis und Snowflake weiter aus.
Das zeigt etwas Wichtiges:
Europäische Cloud bedeutet nicht technologische Abschottung.
Eine souveräne Infrastruktur kann trotzdem internationale Software integrieren.
Genau so könnte ein funktionierendes europäisches Modell aussehen.
Und dann steht mitten in Deutschland einer der wichtigsten Internetknoten Europas
Cloud benötigt nicht nur Server.
Sie benötigt:
Netze, Verbindungen, Bandbreite, geringe Latenzen, Datenaustausch.
Und genau hier besitzt Deutschland eine außergewöhnliche Infrastruktur.
DE-CIX Frankfurt ist Europas größter Internet Exchange.
Am 14. Oktober 2026 überschritt der Datenverkehr erstmals 21 Terabit pro Sekunde.
2025 wurden allein am Frankfurter Knoten rund 48 Exabyte Daten ausgetauscht.
Frankfurt ist also nicht irgendein Standort auf der digitalen Weltkarte.
Es ist:
ein zentraler Knoten dieser Weltkarte.
Und das macht die Frage umso interessanter:
Wenn wir:
Netze, Rechenzentren, Industrie, Cloud-Anbieter, Hochschulen, Softwareunternehmen und enorme Unternehmensdaten besitzen... warum betrachten wir digitale Infrastruktur trotzdem häufig zuerst als etwas, das aus:
Seattle, Redmond, oder Silicon Valley kommen muss?
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Uns fehlt weniger Technologie als Selbstverständnis
Das ist eine redaktionelle These.
Deutschland besitzt nicht in jedem digitalen Markt eine führende Position.
Bei:
Social Media, Suchmaschinen, Smartphone-Betriebssystemen, großen allgemeinen KI-Modellen und globalen Public Clouds dominieren überwiegend Unternehmen außerhalb Europas.
Das sollte man nicht schönreden, aber daraus entsteht manchmal der falsche Schluss:
„Europa kann digital grundsätzlich nichts.“
Und genau der stimmt ebenfalls nicht.
Europa besitzt:
SAP, Telekom, IONOS, STACKIT, OVHcloud, Celonis, DE-CIX, Industriesoftware, Cybersecurity, Maschinenbau, Automatisierung, Forschung, Rechenzentren, Telekommunikationsnetze.
Die Frage lautet deshalb weniger:
„Haben wir überhaupt digitale Substanz?“
Sondern:
„Warum skalieren wir sie nicht konsequenter zu globalen Plattformen?“
Vielleicht schauen wir zu oft auf das Endprodukt... und zu wenig auf das Fundament
Die USA besitzen:
AWS, Azure, Google Cloud.
Das sieht jeder, aber Cloud besteht darunter aus:
Rechenzentren, Netzen, Stromversorgung, Kühlung, Hardware, Software, Virtualisierung, Cybersecurity, Datenbanken, Standards, Entwicklern, Industriekunden.
Deutschland besitzt von vielen dieser Bausteine erhebliche Kompetenz.
Das Problem beginnt dort, wo wir daraus nicht das nächste:
Ökosystem
bauen, denn Infrastruktur allein genügt nicht.
AWS ist nicht groß geworden, weil Amazon ein gutes Rechenzentrum besitzt.
AWS wurde mächtig, weil Entwickler dort:
Datenbanken, APIs, Serverless, KI, Storage, Security, Monitoring, Container, Entwicklertools und Tausende weitere Services miteinander kombinieren können.
Die eigentliche Macht des Hyperscalers ist deshalb:
das Ökosystem.
Und genau dort müssen europäische Anbieter aufholen.
Digitale Souveränität bedeutet nicht: alles Deutsche benutzen
Auch hier müssen wir sauber bleiben.
Es wäre wirtschaftlich absurd zu sagen:
AWS schlecht, deutsche Cloud gut.
So funktioniert Technologie nicht.
AWS, Azure und Google Cloud besitzen hervorragende Technologien.
Viele Unternehmen benötigen:
internationale Verfügbarkeit, bestimmte KI-Modelle, spezialisierte Dienste, oder globale Plattformintegration.
Die klügere Frage lautet:
Welche Daten und Systeme müssen wo liegen?
Ein Unternehmen könnte beispielsweise:
besonders sensible Daten auf einer europäischen souveränen Infrastruktur betreiben, bestimmte globale Anwendungen bei einem internationalen Hyperscaler, Legacy-Systeme weiterhin lokal und andere Dienste über mehrere Clouds verteilen.
Genau diese Multi-Cloud-Realität entsteht bereits.
38 Prozent der deutschen Cloud-Nutzer setzen laut Bitkom inzwischen auf Anbieter aus mehreren Clouds.
Telekom erweitert ihr eigenes Ökosystem inzwischen ebenfalls ausdrücklich um Multi-Cloud-Fähigkeiten.
Souveränität bedeutet deshalb nicht:
Isolation.
Sondern:
Wahlfreiheit.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Für Unternehmen: Cloud wird zur strategischen Infrastruktur
Cloud ist längst keine Frage mehr für die IT-Abteilung allein.
42 Prozent der befragten deutschen Unternehmen nutzen bereits KI-Dienste aus der Cloud.
Für die kommenden fünf Jahre rechnen 69 Prozent damit.
Bei Datenbanken soll der Anteil von:
58 auf 78 Prozent steigen.
Bei Rechenleistung:
61 auf 77 Prozent.
Bei Softwareentwicklung:
24 auf 40 Prozent.
Das bedeutet:
Wer künftig über:
KI, Digitalisierung, Software, Automatisierung, oder Daten entscheidet, entscheidet automatisch über:
Cloud.
Und damit über:
Kosten, Abhängigkeiten, Sicherheit, Datenhoheit, Anbieterwechsel.
Unternehmen sollten deshalb nicht einfach nur den bekanntesten Namen auswählen
Die richtige Frage lautet nicht:
Welcher Anbieter ist amerikanisch oder deutsch?
Sondern:
Welche Daten besitzen wir?
Wie kritisch sind sie?
Welche Dienste benötigen wir?
Wie leicht können wir wechseln?
Wie hoch ist unser Lock-in?
Welche regulatorischen Anforderungen bestehen?
Wo brauchen wir globale Skalierung?
Wo benötigen wir Datenhoheit?
Welche Services sind wirklich einzigartig?
Bitkom zeigt, warum diese Fragen wichtig werden.
59 Prozent der Unternehmen, die einen Anbieterwechsel als schwierig betrachten, nennen Lock-in-Effekte wie komplizierte Datenmigration als Hindernis.
Das ist echte unternehmerische Abhängigkeit.
Nicht:
„Wir benutzen etwas Amerikanisches.“
Sondern:
„Wir könnten technisch kaum noch weg.“
Genau das sollte ein Unternehmen kennen.
Für Arbeitnehmer: Cloud-Kompetenz wird zur normalen Berufskompetenz
Cloud klingt zunächst nach:
IT-Abteilung, aber schon heute arbeitet fast jeder indirekt damit.
CRM, Buchhaltung, Office, Videokonferenz, Personalsoftware, KI, Datenbanken, Produktion, Logistik, Apps.
Die Anwendungen laufen zunehmend irgendwo in Cloud-Infrastrukturen.
Damit wird ein Grundverständnis immer wichtiger.
Nicht jeder muss Kubernetes administrieren, aber Mitarbeiter sollten zunehmend verstehen:
Was ist Cloud?
Wo liegen Daten?
Warum ist ein Login sicherheitsrelevant?
Was bedeutet Zugriffsrecht?
Was darf ich in ein KI-System eingeben?
Welche Daten gehören wohin?
Auch hier gilt unser ROQ-Grundgedanke:
Die Technologie ist längst da.
Die größere Herausforderung ist, Menschen zu befähigen, sie produktiv und sicher einzusetzen.
Für IT-Fachkräfte entsteht sogar ein neuer Markt
Wenn deutsche und europäische Cloud-Anbieter wachsen, benötigen sie:
Cloud Engineers, DevOps, Cybersecurity, Data Engineers, KI-Spezialisten, Netzwerktechniker, Rechenzentrumsexperten, Softwareentwickler, Architekten, Sales Engineers, Compliance-Spezialisten.
Das ist ebenfalls Wirtschaftspolitik.
Ein Cloud-Euro, der in einer europäischen Infrastruktur landet, bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Wertschöpfung in Deutschland bleibt, aber eigene Anbieter können:
Know-how, Arbeitsplätze, Entwicklung und strategische Kompetenz stärker im europäischen Wirtschaftsraum halten.
Für Kommunen und Verwaltung: Digitale Souveränität wird plötzlich sehr konkret
Eine Kommune verarbeitet:
Meldedaten, Sozialdaten, Personaldaten, Finanzdaten, Gesundheitsinformationen, Dokumente, Verwaltungsverfahren.
Das sind teilweise hochsensible Informationen, deshalb ist es bemerkenswert, dass inzwischen sowohl Telekom als auch STACKIT Bestandteil großer deutscher Verwaltungs-Cloud-Strukturen sind.
Telekom wurde 2026 in einen Rahmenvertrag für Cloud- und KI-Leistungen für Bund, Länder und Kommunen aufgenommen; die Plattform sieht ausschließlich deutsche Datenhaltung für die entsprechenden Angebote vor.
STACKIT wurde ebenfalls für das Multi-Cloud-Portfolio der Deutschlandplattform und MEDI:CUS ausgewählt.
IONOS wiederum ist bereits über govdigital für öffentliche IT-Dienstleister zugänglich, damit entsteht genau das, was häufig gefordert wurde:
reale Auswahl.
Nicht irgendwann.
Heute.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Vielleicht müssen wir gar nicht versuchen, AWS zu kopieren.
Das klingt zunächst kontraintuitiv, aber schauen wir auf Deutschlands Stärken.
Industrie, Maschinenbau, Automobil, Gesundheit, Versicherungen, Verwaltung, Mittelstand, Logistik, Energie, Fertigung.
Genau dort entstehen enorme Mengen:
sensibler, wertvoller und industrieller Daten.
Vielleicht liegt Deutschlands Cloud-Chance deshalb nicht ausschließlich darin, die größte allgemeine Consumer-Cloud der Welt zu bauen.
Sondern:
die beste Infrastruktur für europäische Industrie und regulierte Wirtschaft.
Cloud für:
digitale Zwillinge, Fabriken, Engineering, Robotik, Lieferketten, Gesundheit, Verwaltung, kritische Infrastruktur, KI auf Unternehmensdaten.
Das würde zu unserer Wirtschaftsstruktur passen.
Genau deshalb ist Telekoms Industrial AI Cloud interessant
Telekom verbindet Cloud-Infrastruktur mit industrieller KI.
SupplyOn verbindet beispielsweise sein Netzwerk mit rund 140.000 Industrieunternehmen mit der Industrial AI Cloud von T-Systems.
EDAG betreibt seine Industrial-Metaverse-Plattform auf der T Cloud Public und nutzt zusätzlich die Industrial AI Cloud.
Das ist genau der Punkt.
Vielleicht besteht Europas Chance nicht darin:
Silicon Valley besser zu imitieren.
Sondern:
unsere eigenen wirtschaftlichen Datenräume digital stärker zu machen.
Die zweite Chance... deutsche Unternehmen wünschen sich diese Angebote tatsächlich
91 Prozent würden laut Bitkom bei der Herkunft deutsche Cloud-Anbieter bevorzugen.
Natürlich bedeutet das nicht:
91 Prozent werden morgen wechseln.
Preis und Funktion entscheiden weiterhin.
Aber es zeigt:
Der Markt wäre grundsätzlich vorhanden.
Souveränität ist nicht nur politisches Schlagwort.
Sie wird zunehmend zu einem kaufrelevanten Faktor.
Das ist eine Chance für:
Telekom, IONOS, STACKIT und weitere europäische Anbieter, aber nur, wenn sie technologisch liefern.
Die dritte Chance... Deutschland besitzt einen Standortvorteil, den man nicht downloaden kann
Frankfurt, Rechenzentren, DE-CIX, Netzanbindung, Unternehmen, Industrie, Banken, Europa.
Diese geografische Infrastruktur kann man nicht einfach als Software kopieren.
Der Datenverkehr am DE-CIX Frankfurt ist seit 2020 zu Spitzenzeiten um rund 140 Prozent gestiegen.
Cloud und KI werden diese physische Infrastruktur weiter benötigen.
Daten mögen virtuell wirken, aber am Ende laufen sie durch:
reale Kabel in realen Gebäuden.
Das ist Infrastrukturkompetenz.
Europäische Cloud darf kein Schutzraum für Mittelmäßigkeit werden
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt.
Man kann nicht sagen:
„Nutzt uns, weil wir deutsch sind.“
Und anschließend:
weniger Funktionen, schlechtere Bedienung, langsamere Innovation, höhere Kosten und schlechtere Entwicklererfahrung für selbstverständlich halten.
37 Prozent der Unternehmen wären laut Bitkom inzwischen bereit, bei einer besonders souveränen deutschen Cloud gewisse Nachteile in Kauf zu nehmen.
Das ist bemerkenswert, aber darauf sollte sich kein Anbieter ausruhen.
Das Ziel muss sein:
keine Abstriche mehr nötig.
Digitale Souveränität sollte irgendwann ein Vorteil sein.
Nicht eine Entschuldigung für technologische Rückstände.
Das zweite Risiko... zu kleine Inseln
Wenn Europa:
20 Cloud-Anbieter, 30 Standards, 40 Identitätssysteme und kaum kompatible Plattformen aufbaut, entsteht ebenfalls kein Hyperscaler.
Skalierung benötigt:
Standards, Interoperabilität, gemeinsame Märkte, Entwickler, Partner, Softwareökosysteme.
Genau deshalb sind Entwicklungen wie das 2026 demonstrierte European Edge Continuum interessant: Deutsche Telekom, Orange, Telefónica, TIM und Vodafone verbinden dort Edge-Cloud-Infrastrukturen über Ländergrenzen hinweg.
Vielleicht lautet die europäische Antwort deshalb gar nicht:
ein Unternehmen gegen AWS.
Sondern:
ein verbundenes europäisches Cloud-Ökosystem.
Das dritte Risiko... Souveränität nur auf den Serverstandort reduzieren
Eine Cloud wird nicht automatisch souverän, nur weil der Server in Frankfurt steht.
Man muss zusätzlich fragen:
Wem gehört das Unternehmen?
Welchem Recht unterliegt es?
Wer administriert die Systeme?
Welche Softwarekomponenten werden verwendet?
Wer besitzt Schlüssel?
Wer kann Updates kontrollieren?
Welche Abhängigkeiten existieren in der Lieferkette?
Genau deshalb unterscheidet auch die Europäische Kommission inzwischen mehrere Ebenen von Cloud- und KI-Souveränität... vom reinen Standort der Daten bis hin zu Eigentum, Kontrolle und Software-Lieferkette.
Das macht die Debatte ehrlicher.
Perspektivenwechsel
Vielleicht haben wir Europas Cloud längst angefangen zu bauen
Vielleicht suchen wir immer nach dem einen großen Moment:
„Jetzt kommt Europas AWS.“
Aber Infrastruktur entsteht häufig anders.
Telekom baut, IONOS baut, STACKIT baut, OVHcloud baut, DE-CIX verbindet, Unternehmen migrieren, Verwaltungen vergeben Aufträgen, Softwarepartner integrieren Dienste, Entwickler bauen Anwendungen und irgendwann entsteht möglicherweise:
ein Ökosystem.
Vielleicht liegt unser Fehler darin, erst dann an etwas zu glauben, wenn es bereits so groß ist wie das amerikanische Vorbild, aber AWS entstand auch nicht als fertiger Hyperscaler.
Amazon begann 2006 mit wenigen grundlegenden Cloud-Diensten.
Danach:
Service, für Service, für Service.
Heute betrachten wir das Endergebnis... und vergleichen es mit europäischen Plattformen, die noch erheblich jünger oder kleiner sind.
Das ist verständlich, aber Innovation sollte zusätzlich fragen:
Welche Kurve entwickelt sich gerade?
Nicht nur:
Wer führt heute?
Wir schauen vielleicht zu oft auf andere Länder, um zu sehen, was möglich ist
Amerika zeigt uns:
Cloud, KI, Softwareplattformen.
China zeigt:
Skalierung, E-Commerce, E-Mobilität, Industrie.
Das ist sinnvoll.
Andere Länder beobachten heißt:
lernen, aber irgendwann muss daraus die zweite Frage entstehen:
Was bauen wir aus unseren eigenen Stärken?
Deutschland besitzt:
Industrie, Netze, Rechenzentren, Mittelstand, Forschung, Cloud-Anbieter, Softwareunternehmen, Kapital, Kunden und einen Markt von mehr als 80 Millionen Menschen mitten im europäischen Binnenmarkt.
Die Grundlagen sind nicht perfekt.
Aber:
sie sind vorhanden.
Was wir wissen
86 Prozent der befragten deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten nutzen 2026 bereits Cloud-Dienste. Nur für rund ein Prozent spielt Cloud aktuell überhaupt keine Rolle.
71 Prozent nutzen US-Anbieter, obwohl nur acht Prozent diese Herkunft bevorzugen würden. Deutsche Anbieter werden von 53 Prozent genutzt, während 91 Prozent Anbieter aus Deutschland grundsätzlich bevorzugen würden.
Gleichzeitig sagen 43 Prozent, dass ihnen für ihre Anforderungen aktuell noch eine gleichwertige europäische Alternative zu US-Hyperscalern fehlt.
Deutschland besitzt mit Telekom, IONOS und STACKIT mehrere Anbieter, die eigene beziehungsweise europäisch kontrollierte Cloud-Infrastrukturen ausbauen.
Mit DE-CIX Frankfurt befindet sich außerdem Europas größter Internet Exchange in Deutschland; im Oktober 2026 wurde dort erstmals ein Peak von mehr als 21 Tbit/s gemessen.
Was noch unklar ist
Wir wissen nicht, ob ein deutscher oder europäischer Anbieter in absehbarer Zeit die globale Größe von:
AWS, Azure, oder Google Cloud erreichen wird.
Auch große Nachfrage nach Souveränität bedeutet nicht automatisch große Marktanteile.
Entscheidend bleiben:
Preis, Funktionen, Entwicklerakzeptanz, Zuverlässigkeit, Migration, Softwareökosystem, internationale Verfügbarkeit, KI-Angebote und Kundenvertrauen.
Es ist deshalb ebenfalls möglich, dass Europas Zukunft überwiegend aus:
Multi-Cloud
besteht.
Europäische Infrastruktur für sensible Daten.
Internationale Hyperscaler für bestimmte Spezialdienste.
On-Premises für einzelne Systeme.
Das wäre keine Niederlage, wenn Unternehmen tatsächlich:
wählen können.
Was als Nächstes wichtig wird
Jetzt müssen wir beobachten:
Erreicht Telekom die angekündigte Funktionsparität?
Wie schnell wächst IONOS im Cloud-Geschäft?
Wie stark kann STACKIT außerhalb der Schwarz Gruppe skalieren?
Welche Anwendungen entstehen auf diesen Plattformen?
Wie einfach werden Migrationen?
Können Entwickler Anwendungen problemlos zwischen Clouds bewegen?
Wie stark setzt die öffentliche Hand europäische Infrastruktur tatsächlich produktiv ein?
Welche KI-Dienste entstehen darauf?
Und vor allem:
entstehen daraus globale Produkte?
Denn eine deutsche Cloud allein macht noch keine digitale Weltmacht.
Sie ist:
Infrastruktur.
Darauf müssen anschließend:
Software, KI, Unternehmen, Produkte, Geschäftsmodelle entstehen.
Einordnung von ROQ News
Deutschland redet viel darüber, was es digital nicht besitzt.
Kein Google, kein AWS, kein Microsoft, kein Meta, kein OpenAI.
Diese Feststellung ist korrekt, aber sie ist unvollständig, denn gleichzeitig besitzen wir:
eine wachsende T Cloud, IONOS, STACKIT, einen extrem starken Rechenzentrumsstandort, DE-CIX, Industrie, Forschung, SAP, Celonis, Automatisierung, Maschinenbau und Millionen potenzielle Unternehmenskunden.
Vielleicht besteht unsere größte Aufgabe deshalb gar nicht darin:
noch einmal bei null anzufangen.
Sondern:
die vorhandenen Puzzleteile endlich als Plattform zu denken.
Amerikanische Technologie weiter nutzen? Natürlich.
Von China lernen? Natürlich.
Internationale Partnerschaften? Unbedingt.
Aber aus:
„Was machen die anderen?“
muss irgendwann werden:
„Was können wir aus unseren eigenen Grundlagen bauen, das die anderen irgendwann von uns kaufen wollen?“
Das ist der Perspektivwechsel.
Digitale Souveränität bedeutet nicht:
alle Grenzen hochziehen.
Sie bedeutet:
nicht abhängig sein zu müssen, weil man keine Wahl hat.
Und genau dort besitzt Deutschland vielleicht bereits mehr Grundlage, als wir uns selbst zutrauen.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
- Sonstige · abgerufen 19.10.2026
- Sonstige
- Unternehmen · veröffentlicht 02.02.2026 · abgerufen 19.10.2026
KI-Transparenz
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