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Acht Grundschüler, ein eigener Laden… Warum wir Kindern viel mehr zutrauen sollten

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Die Emil-Fischer-Grundschule in Dörfles-Esbach, Coburg, hat ein ungewöhnliches Projekt gestartet.

Acht Kinder der sogenannten Emil-AG bereiten einen eigenen Laden vor.

Die Neue Presse beschreibt einen Klassenraum voller Aktivität:

Dekoration wird vorbereitet, Essen für die Eröffnung wird geplant, Interviews werden geführt, Besucher werden erwartet und vor allem:

Die Schülerinnen und Schüler sollen ihren Laden selbst mitorganisieren.

Das klingt klein, ist es aber nicht, denn innerhalb eines solchen Projektes stecken plötzlich unglaublich viele Lernbereiche.

Die Kinder müssen überlegen:

Was verkaufen wir?

Was brauchen wir dafür?

Wie präsentieren wir Produkte?

Was kostet etwas?

Wie gehen wir mit Geld um?

Wer übernimmt welche Aufgabe?

Wie sprechen wir mit Kunden?

Wie organisieren wir einen Laden?

Was passiert, wenn etwas nicht funktioniert?

Das ist:

Mathematik, Sprache, Teamarbeit, Organisation, Nachhaltigkeit, Kommunikation, Verantwortung und:

Wirtschaft.

Alles innerhalb eines einzigen realen Projektes.

Genau darüber haben wir bei Cast Royal schon geschrieben

In unserem Beitrag:

„Kinder nehmen das mit, was wir ihnen zeigen... Warum wir Unternehmergeist viel früher fördern sollten“

haben wir eine einfache These formuliert:

Kinder sind Kinder.

Aber Kinder sind nicht unfähig.

Natürlich muss ein Zehnjähriger keinen Businessplan schreiben, aber warum sollte ein Kind nicht verstehen dürfen:

was ein Kunde ist?

warum ein Produkt einen Preis besitzt?

wie aus einer Idee etwas entsteht?

warum Menschen für Leistungen bezahlen?

oder was Verantwortung bedeutet?

Unser Punkt war:

Es geht nicht darum, Kinder zu Unternehmern zu machen.

Es geht darum, ihnen Möglichkeiten zu zeigen, die sie sonst vielleicht nie kennenlernen würden und wenige Kilometer weiter zeigt eine Grundschule gerade praktisch, wie genau das aussehen kann.

Kinder lernen nicht nur durch Erklärungen

Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte.

Man kann einem Kind sagen:

„Unternehmen lösen Probleme für Kunden.“

Okay.

Man kann erklären:

„Du musst Kosten und Einnahmen unterscheiden.“

Auch okay.

Oder:

Das Kind betreibt einen kleinen Laden.

Plötzlich ist Geld nicht mehr nur eine Aufgabe im Mathematikbuch.

Es muss:

gerechnet, gewechselt, geplant und verstanden werden.

Kommunikation ist nicht mehr:

„Schreibe einen Dialog zwischen Verkäufer und Kunde.“

Da steht plötzlich:

ein echter Kunde.

Und das Kind muss reagieren.

Genau das verändert Lernen, denn aus Wissen wird:

Erfahrung.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Wir unterschätzen Kinder systematisch

Vielleicht steckt darin eine viel größere Bildungsfrage, denn wir Erwachsenen sagen sehr schnell:

„Dafür bist du noch zu jung.“

„Das verstehst du später.“

„Das ist Erwachsenenzeug.“

„Mach erst einmal Schule.“

Natürlich gibt es Dinge, für die Kinder zu jung sind.

Kinder müssen geschützt werden.

Sie sollen nicht die wirtschaftliche Verantwortung Erwachsener tragen.

Sie sollen spielen, Freunde treffen, Fehler machen und Kind sein, aber Schutz darf nicht bedeuten:

keine Verantwortung.

Denn Verantwortung kann altersgerecht wachsen.

Ein Sechsjähriger kann: eine Aufgabe übernehmen.

Ein Achtjähriger kann: etwas verkaufen.

Ein Zehnjähriger kann: ein kleines Projekt organisieren.

Ein Zwölfjähriger kann: programmieren.

Ein Vierzehnjähriger kann: ein Produkt entwickeln.

Ein Sechzehnjähriger kann: eine eigene Geschäftsidee testen.

Nicht jeder muss das tun, aber:

jeder sollte wissen dürfen, dass solche Möglichkeiten existieren.

Genau das erkennt inzwischen auch die Wirtschaftspolitik

Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt Entrepreneurship Education inzwischen ausdrücklich nicht nur als Vorbereitung auf eine Unternehmensgründung.

Im Mittelpunkt sollen vielmehr Fähigkeiten stehen wie:

Selbstständigkeit, Kreativität, Erfindergeist, Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitiative.

Das Ministerium verfolgt inzwischen sogar das Ziel, dass jeder junge Mensch während seiner Schulzeit zumindest einmal mit Wirtschaft und Unternehmertum in Berührung kommen sollte.

Schülerfirmen werden dabei ausdrücklich als Möglichkeit genannt, Selbstständigkeit, Engagement und Selbstwirksamkeit zu fördern.

Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel, denn Unternehmergeist bedeutet nicht automatisch:

Firma gründen.

Unternehmergeist bedeutet zunächst:

eine Möglichkeit sehen, eine Idee entwickeln, etwas ausprobieren, Verantwortung übernehmen, ein Problem lösen und aus einem Gedanken:

Handlung machen.

Diese Fähigkeiten braucht auch jemand, der niemals Unternehmer wird.

Europa betrachtet Unternehmergeist inzwischen sogar als Schlüsselkompetenz

Der Eurydice-Bericht 2025 zur Entrepreneurship Education in Europa geht noch einen Schritt weiter.

Unternehmerische Kompetenz gehört auf europäischer Ebene zu den acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen.

Dabei geht es ausdrücklich darum, junge Menschen darauf vorzubereiten:

mit Veränderungen umzugehen, Chancen zu erkennen, innovativ zu handeln und wirtschaftliche, gesellschaftliche oder ökologische Probleme zu bearbeiten.

Damit reden wir plötzlich nicht mehr über:

„Sollen Kinder lernen, Unternehmen zu gründen?“

Sondern über:

Wie lernen Kinder, aus Ideen Wirklichkeit zu machen?

Und genau das demonstrieren acht Grundschüler in Dörfles-Esbach gerade ziemlich anschaulich.

Ein Laden ist ein kleines Innovationslabor

Das klingt zunächst übertrieben. Ist es aber gar nicht, denn jeder Laden besitzt dieselben Grundfragen, die auch große Unternehmen beantworten müssen.

Was brauchen Menschen?

Was bieten wir an?

Wie unterscheiden wir uns?

Was kostet das?

Wer macht was?

Wie erreichen wir Kunden?

Wie organisieren wir Prozesse?

Natürlich auf vollkommen anderer Größenordnung, aber das Prinzip bleibt und ein Kind kann dadurch verstehen:

Wirtschaft ist nichts Mystisches.

Sie besteht aus Menschen, Ideen, Produkten, Arbeit, Problemen, Lösungen, Geld und Verantwortung.

Wenn wir das früh vermitteln, verändert sich möglicherweise auch die Vorstellung davon, was Wirtschaft überhaupt ist.

Nicht:

„Da oben irgendwelche Unternehmen.“

Sondern:

Menschen bauen etwas, das andere Menschen brauchen oder möchten.

Fehler gehören ausdrücklich dazu

Vielleicht läuft beim ersten Verkauf etwas schief.

Vielleicht stimmt die Kasse nicht sofort.

Vielleicht wird ein Produkt kaum gekauft.

Vielleicht fehlt etwas.

Vielleicht haben zwei Kinder unterschiedliche Vorstellungen.

Perfekt.

Genau dann beginnt Lernen, denn wir haben ein Problem in unserer Bildungskultur:

Wir versuchen teilweise, Fehler möglichst zu vermeiden.

Innovation funktioniert genau andersherum.

Idee, Test, Fehler, Verbesserung, noch einmal versuchen.

Das Kind lernt:

Ein Fehler bedeutet nicht automatisch, dass ich gescheitert bin.

Er kann bedeuten:

Ich muss etwas verändern.

Was könnte man Kindern für eine zukünftige Arbeitswelt eigentlich Wertvolleres mitgeben?

Forschung mahnt trotzdem zur Ehrlichkeit

Wir sollten aus solchen Projekten keine Wunderformel machen.

Eine 2026 veröffentlichte systematische Auswertung untersuchte 51 quantitative Studien zur Entrepreneurship Education bei Jugendlichen.

Das Ergebnis ist differenzierter, als manche Marketingbroschüre vermuten lässt.

Die Forschung deutet zwar darauf hin, dass unternehmerische Fähigkeiten und Denkweisen grundsätzlich entwickelt werden können. Gleichzeitig kritisieren die Autoren aber, dass viele bisherige Studien methodisch zu schwach sind, um eindeutig zu sagen, welche Programme bei welchen Jugendlichen unter welchen Bedingungen besonders wirksam sind.

Das ist wichtig.

Wir können nicht behaupten:

Schülerfirma rein... Unternehmer raus.

So funktioniert Entwicklung nicht, aber wir benötigen diesen Beweis auch gar nicht, um den pädagogischen Wert solcher Projekte zu erkennen, denn ein Kind kann dabei lernen:

organisieren, kommunizieren, rechnen, entscheiden, zusammenarbeiten, Verantwortung übernehmen.

Ob daraus später:

ein Unternehmer, eine Ingenieurin, ein Handwerker, eine Wissenschaftlerin, ein Angestellter, oder etwas völlig anderes wird, ist zweitrangig.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Für Unternehmen: Fachkräftesicherung beginnt früher als mit einer Stellenanzeige

Unternehmen beklagen:

zu wenige Gründer, zu wenige Auszubildende, zu wenig Eigeninitiative, zu wenige technische Fachkräfte, fehlende Problemlösungskompetenz.

Aber diese Fähigkeiten entstehen nicht plötzlich mit 18 Jahren.

Menschen entwickeln ihr Selbstbild viel früher.

Ein Kind erlebt:

Ich kann etwas organisieren.

Später vielleicht:

Ich kann etwas bauen.

Dann:

Ich kann ein Problem lösen.

Und irgendwann:

„Vielleicht kann ich selbst etwas auf die Beine stellen.“

Genau diese Entwicklung ist interessant.

Unternehmen müssen deshalb nicht Grundschüler rekrutieren.

Auf keinen Fall, aber sie können Schulen helfen:

Unternehmensbesichtigungen, kleine Projekte, Material, Mentoren, Technik, Werkstätten, Experimente.

Nicht um Kinder früh wirtschaftlich zu verwerten.

Sondern um:

Welten sichtbar zu machen.

Denn Kinder kennen nur Berufe und Möglichkeiten, die ihnen irgendwann begegnen

Das haben wir oft bei Cast-Royal angesprochen, denn ein Kind kann nicht wissen, ob es sich für:

Robotik, Programmierung, Unternehmertum, Handwerk, Wissenschaft, oder Maschinenbau begeistert, wenn es diese Dinge nie erlebt.

Wie soll es eine Welt auswählen, die ihm niemand gezeigt hat?

Genau deshalb ist ein kleiner Laden größer als sein Umsatz.

Es wird eine:

Möglichkeit sichtbar.

Für Arbeitnehmer und Eltern: Kindern etwas zutrauen bedeutet nicht, sie zu überfordern

Das muss klar sein.

Wir brauchen keine Zehnjährigen mit:

LinkedIn-Strategie, Business-Coach, 60-Stunden-Woche und Umsatzvorgabe.

Das wäre absurd, denn ein Kind darf Kind sein, aber:

Kind sein und Verantwortung lernen sind keine Gegensätze.

Ein Kind kann:

spielen und etwas organisieren, träumen und rechnen, Fehler machen und daraus lernen, Freizeit haben und ein Projekt ausprobieren.

Eltern müssen dabei ebenfalls nicht alles können, denn es reicht meist:

„Probier es aus.“

Statt:

„Das kannst du doch noch gar nicht.“

Genau darin steckt Selbstwirksamkeit

Der Begriff klingt akademisch.

Die Erfahrung dahinter ist sehr einfach:

„Ich kann durch mein eigenes Handeln etwas bewirken.“

Ein Kind plant etwas.

Es setzt es um und plötzlich passiert tatsächlich etwas.

Ein Mensch kauft das Produkt.

Eine Veranstaltung funktioniert.

Der Roboter bewegt sich.

Das Programm läuft.

Das Werkstück ist fertig.

Das Lied wird gespielt.

Dieser Moment ist gewaltig.

Denn aus:

„Ich weiß etwas“

wird:

„Ich kann etwas.“

Vielleicht sollten wir viel mehr Bildung genau um solche Momente bauen.

Für Kommunen: So entsteht regionale Innovationskultur

Dörfles-Esbach zeigt damit auch etwas, das für Kommunen interessant ist.

Eine Innovationsregion entsteht nicht erst:

wenn irgendwo ein Technologiepark eröffnet wird, wenn ein großes Unternehmen ansiedelt, oder wenn ein Förderprogramm Millionen Euro verteilt.

Innovationskultur beginnt viel früher.

In:

Grundschulen, Bibliotheken, Sportvereinen, Jugendzentren, Makerspaces, Betrieben, Hochschulen, denn wenn Kinder erleben:

Meine Idee wird ernst genommen,

entsteht eine andere Kultur als dort, wo die Standardantwort lautet:

„Dafür bist du zu jung.“

Und gerade in Dörfles-Esbach sieht man, dass solche Dinge zusammenpassen

Die Emil-Fischer-Grundschule arbeitet schon seit längerem mit praktischen Formaten.

2025 gab es beispielsweise einen Klassenflohmarkt, bei dem Kinder nach dem Mathematikthema Geld mit echtem Geld einkaufen und verkaufen konnten.

Die Schule beschäftigt sich außerdem mit Umwelt- und Klimathemen; 2025 wurde über ihren Weg zur Klimaschule berichtet.

Der Laden wirkt deshalb nicht wie ein völlig isolierter Gag.

Er passt zu einer Bildungsidee:

Dinge praktisch erleben.

Und genau davon könnten Regionen viel mehr gebrauchen.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

aus Unterricht wird echte Erfahrung

Das größte Potenzial solcher Projekte liegt vielleicht darin, dass mehrere Fähigkeiten gleichzeitig trainiert werden.

Im klassischen Unterricht haben wir:

Mathematik.

Deutsch.

Sachkunde.

Kunst.

Manchmal voneinander getrennt.

In einem echten Projekt verschwimmen diese Grenzen.

Für einen Laden braucht man Mathematik.

Für Werbung Sprache.

Für Gestaltung Kreativität.

Für Einkauf Planung.

Für Kundenkontakt Kommunikation.

Für den Betrieb Teamarbeit.

Und plötzlich merkt ein Kind:

Wissen hängt zusammen.

Das ist näher an der echten Welt.

Denn auch später im Beruf sagt kein Kunde:

„Jetzt beginnt der Mathematikteil deiner Aufgabe.“

Probleme kommen als:

Probleme.

Und wir kombinieren Wissen, um sie zu lösen.


Die zweite Chance – Kinder entdecken Fähigkeiten, die in einer Klassenarbeit kaum sichtbar werden

Vielleicht ist ein Schüler in einer schriftlichen Aufgabe durchschnittlich.

Aber sobald er Kunden begrüßt:

blüht er auf.

Ein anderes Kind organisiert hervorragend.

Eines gestaltet Werbung.

Eines rechnet.

Eines führt Gespräche.

Eines erkennt sofort:

Da fehlt etwas.

Plötzlich wird sichtbar:

Menschen können Unterschiedliches.

Das ist besonders wichtig.

Denn wir haben gerade erst bei ROQ darüber geschrieben:

Talent wird nicht vererbt – Zugang zu Möglichkeiten schon.

Wenn wir Kindern mehr unterschiedliche Situationen geben, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass sie überhaupt entdecken können:

worin sie gut sind.


Die dritte Chance – Unternehmertum verliert seinen Mythos

Viele Erwachsene denken bei Unternehmertum an:

Risiko.

Steuern.

Bürokratie.

Kapital.

Stress.

Das gehört alles dazu.

Aber der Kern beginnt viel einfacher:

Ein Problem sehen und eine Lösung anbieten.

Wenn Kinder diesen Prozess früh kennenlernen, wird Selbstständigkeit später vielleicht nicht automatisch ihre Wahl.

Aber zumindest bleibt sie:

eine denkbare Wahl.

Und genau das ist entscheidend.

Denn Deutschland diskutiert regelmäßig darüber, wie die Gründungskultur gestärkt werden kann.

Dann darf Unternehmertum nicht erst nach dem Studium auftauchen.


Die vierte Chance – Nachhaltigkeit wird praktisch statt theoretisch

Der Dörfles-Esbacher Laden verkauft unter anderem umweltfreundliche Schulhefte.

Auch das ist interessant.

Man kann Nachhaltigkeit erklären.

Oder Kinder erleben:

Produkte können unterschiedlich hergestellt werden.

Meine Produktauswahl hat Auswirkungen.

Kunden können sich bewusst entscheiden.

Wirtschaft und Nachhaltigkeit müssen deshalb nicht zwingend Gegner sein.

Auch hier wird ein abstraktes Thema:

konkret.

Risiken

Kindern Verantwortung geben bedeutet Verantwortung der Erwachsenen

Solche Projekte funktionieren nur, wenn Erwachsene sie begleiten, denn Kinder brauchen:

Schutz, Struktur, pädagogische Begleitung, klare Regeln.

Es darf niemals darum gehen, Kinder als billige Arbeitskräfte zu benutzen, oder ihnen wirtschaftlichen Leistungsdruck aufzubauen.

Der Laden darf kein:

„Du musst Umsatz machen“

werden.

Das Ziel lautet:

lernen.

Nicht:

profitieren.

Das zweite Risiko... wir machen aus jedem Kind einen zukünftigen Unternehmer

Das wäre genauso falsch.

Nicht jeder möchte gründen.

Nicht jeder sollte gründen.

Deutschland braucht genauso:

Pflegekräfte. Handwerker. Angestellte. Wissenschaftler. Lehrer. Ingenieure. Künstler. Verwaltungsmitarbeiter. Techniker.

Unternehmergeist besitzt trotzdem einen Wert, denn auch ein Arbeitnehmer muss unternehmerisch denken:

Probleme erkennen, Verantwortung übernehmen, Verbesserungen vorschlagen, selbstständig arbeiten.

Innovation bedeutet nicht ausschließlich:

Firma besitzen.

Das dritte Risiko... solche Projekte bleiben Ausnahme statt normaler Erfahrung

Ein Laden in Dörfles-Esbach ist klasse, aber die größere Frage lautet:

Wie viele Kinder erleben so etwas nie?

Das Bundeswirtschaftsministerium selbst beschreibt die gründungsbezogene Bildung in Deutschland als ausbaufähig und verweist auf erhebliche regionale Unterschiede bei Schülerfirmenprojekten.

Genau das ist unser Punkt.

Solche Erfahrungen dürfen nicht davon abhängen:

ob zufällig eine besonders engagierte Lehrkraft vor Ort ist, ob Eltern entsprechende Kontakte haben, ob eine Region gerade ein bestimmtes Projekt finanziert.

Ein Kind in Coburg, Berlin, Sonneberg, Hamburg, oder einem kleinen Dorf sollte grundsätzlich Möglichkeiten bekommen:

Wirtschaft, Technik, Kultur, Sport, Wissenschaft und Unternehmertum auszuprobieren.

Nicht alles gleichzeitig.

Aber:

Türen müssen vorhanden sein.

Perspektivenwechsel

Wir müssen Kindern weniger erklären und mehr zutrauen

Wir Erwachsenen haben eine interessante Angewohnheit.

Wir erklären Kindern:

Selbstständigkeit, Verantwortung, Teamarbeit, Problemlösung, Wirtschaft.

Dann schreiben sie darüber vielleicht einen Test, aber wenn ein Kind sagt:

„Kann ich das selbst ausprobieren?“

werden wir plötzlich vorsichtig.

Wir sollten den Prozess manchmal umdrehen.

Nicht zuerst: eine Stunde über Unternehmertum.

Sondern:

Mach einen kleinen Laden.

Und danach reden wir darüber:

Was hat funktioniert?

Was war schwierig?

Warum kostete das Produkt so viel?

Warum hat jemand gekauft?

Was würdest du nächstes Mal anders machen?

Plötzlich besitzt die Theorie:

Bedeutung.

Vielleicht ist genau das moderne Bildung

Wir reden ständig über:

KI, Digitalisierung, neue Lernformen, Tablets, Smartboards.

Das alles kann sinnvoll sein, aber Innovation in Bildung muss nicht immer Technologie bedeuten.

Manchmal ist eine der innovativsten Methoden unglaublich alt:

Gib einem Menschen eine echte Aufgabe.

Lass ihn ausprobieren.

Lass ihn Fehler machen.

Hilf ihm.

Und lass ihn erleben:

Ich habe das geschafft.

Was wir wissen

Acht Kinder der Emil-Fischer-Grundschule in Dörfles-Esbach eröffnen einen eigenen Laden, verkaufen unter anderem umweltfreundliche Schulhefte und organisieren den Betrieb mit.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die frühe Vermittlung von Unternehmergeist als Bestandteil einer stärkeren Gründungskultur. Schülerfirmen sollen dabei unter anderem Selbstständigkeit, Engagement und Selbstwirksamkeit fördern.

Die Europäische Union betrachtet Entrepreneurship als eine der acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen und versteht darunter deutlich mehr als reine Unternehmensgründung.

Deutschland verfügt bereits über bundesweite Initiativen, Unterrichtsmaterialien, Wettbewerbe und Schülerfirmenmodelle. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede darin, welche Schülerinnen und Schüler solche praktischen Erfahrungen tatsächlich machen können.

Was noch unklar ist

Wir wissen nicht, welche langfristigen Auswirkungen ein einzelnes Projekt wie der Laden in Dörfles-Esbach auf die beteiligten Kinder haben wird.

Vielleicht gründet später keines davon ein Unternehmen.

Vielleicht eines.

Vielleicht alle etwas vollkommen anderes.

Das spielt für den Wert des Projektes keine entscheidende Rolle.

Auch die Forschung zu Entrepreneurship Education bei Jugendlichen kann bislang nicht eindeutig sagen, welche Programme langfristig welche Effekte verursachen. Eine aktuelle systematische Auswertung von 51 Studien kritisiert insbesondere die bislang teilweise schwache methodische Qualität vieler Untersuchungen.

Deshalb sollten wir nicht versprechen:

Solche Projekte erzeugen Gründer.

Aber wir können sagen:

Sie erzeugen Erfahrungen.

Und Erfahrungen können Möglichkeiten sichtbar machen.

Was als Nächstes wichtig wird

Die Frage lautet deshalb nicht nur:

Wie läuft der Laden in Dörfles-Esbach?

Sondern:

Wie bekommen mehr Kinder solche Möglichkeiten?

Könnten Unternehmen Schulen unterstützen?

Könnten Kommunen regionale Schülerprojekte verbinden?

Könnten Hochschulen, Handwerk und Wirtschaft regelmäßig Türen öffnen?

Könnten Schülerfirmen früher beginnen?

Könnten Kinder eigene Produkte entwickeln?

Könnten Makerspaces stärker mit Schulen zusammenarbeiten?

Und:

Wie sorgen wir dafür, dass solche Chancen nicht vom Elternhaus abhängen?

Denn genau dort wird aus einem schönen Schulprojekt:

Innovationspolitik.

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Manchmal braucht eine große gesellschaftliche Diskussion kein Milliardenprojekt.

Manchmal reichen:

acht Kinder, ein paar Schulhefte, ein kleiner Laden, denn darin steckt eine Botschaft, die viel größer ist:

Traut Kindern etwas zu.

Nicht alles.

Nicht Verantwortung, die Erwachsene tragen müssen.

Aber echte:

Aufgaben, Entscheidungen, Projekte, Ideen, Experimente.

Wir haben in unserem Cast-Royal Blog-Beitrag geschrieben:

Kinder nehmen vieles von dem mit, was wir ihnen zeigen und wir Erwachsenen entscheiden mit, welche Möglichkeiten sie überhaupt kennenlernen.

Dörfles-Esbach zeigt jetzt:

Es reicht nicht nur, Kindern Unternehmertum zu zeigen.

Man kann sie sogar ein kleines Stück davon:

erleben lassen.

Vielleicht verkauft ein Kind heute ein umweltfreundliches Schulheft.

Morgen baut es einen Roboter.

In zehn Jahren entwickelt es eine Maschine.

Oder es wird Lehrer, Handwerker, Pflegekraft, Künstler, Ingenieurin.

Was daraus wird, wissen wir nicht.

Und genau das ist der Punkt.

Wir müssen Kindern ihre Zukunft nicht vorgeben.

Wir müssen ihnen genügend Türen zeigen, damit sie irgendwann selbst entscheiden können, durch welche sie gehen wollen.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Grundschüler eröffnen eigenen Laden – Neue Presse Coburg
    Nachrichtenagentur · veröffentlicht 23.10.2026 · abgerufen 23.10.2026
  2. Unternehmen · veröffentlicht 23.10.2026 · abgerufen 22.10.2026
  3. Mehr Unternehmerinnen für den Mittelstand – Bundesministerium für Wirtschaft & Energie
    Behörde · veröffentlicht 06.03.2026 · abgerufen 26.10.2026
  4. Parlament · abgerufen 26.10.2026
  5. Nachrichtenagentur · veröffentlicht 11.04.2026 · abgerufen 26.10.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 27.10.2026
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