Was ist passiert?
Internationale Bildungsforschung zeigt erhebliche Unterschiede bei der beruflichen Orientierung junger Menschen
Am 20. Mai 2025 veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, den Bericht The State of Global Teenage Career Preparation.
Die Untersuchung basiert auf Daten von rund 690.000 Jugendlichen aus 81 Ländern und Volkswirtschaften, die im Rahmen von PISA 2022 erhoben wurden.
Die Ergebnisse werfen grundlegende Fragen über die Vorbereitung junger Menschen auf ihre berufliche Zukunft auf.
39 Prozent der untersuchten 15-Jährigen hatten keine klare Vorstellung davon, welchen Beruf sie später ausüben möchten.
Der Anteil hatte sich gegenüber weniger als einem Jahrzehnt zuvor ungefähr verdoppelt.
Zudem berichtete etwa ein Drittel der Jugendlichen, dass sie in der Schule keine Dinge gelernt hätten, die ihnen für eine spätere Berufstätigkeit nützlich erscheinen.
Weniger als die Hälfte hatte bis zum Alter von 15 Jahren über die untersuchten Formate Kontakt zu Arbeitgebern erhalten... beispielsweise durch Betriebsbesuche, Berufsmessen oder Praktika.
Besonders bemerkenswert ist eine weitere Erkenntnis.
Die soziale Herkunft beeinflusst die Bildungsambitionen junger Menschen erheblich.
Nach den OECD-Auswertungen erwarten leistungsstarke Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien im Durchschnitt seltener ein Hochschulstudium als leistungsschwächere Jugendliche aus sozial privilegierten Familien.
Das bedeutet nicht, dass jeder junge Mensch studieren sollte.
Es zeigt jedoch, dass Bildungsentscheidungen nicht ausschließlich von schulischen Fähigkeiten abhängen, denn auch das persönliche Umfeld, vorhandene Informationen und wahrgenommene Möglichkeiten spielen eine Rolle.
Die entscheidende Erkenntnis: Junge Menschen entwickeln ihre Zukunftsvorstellungen lange bevor sie ihren ersten Lebenslauf schreiben.
Talent entsteht nicht erst, wenn ein Zeugnis darüber Auskunft gibt
Wenn Unternehmen nach geeigneten Mitarbeitern suchen, orientieren sie sich häufig an formalen Qualifikationen, Schulabschlüsse, Berufsausbildungen, Studienabschlüsse, Berufserfahrung.
Diese Informationen sind wichtig.
Sie helfen dabei, vorhandene Kompetenzen einzuschätzen, doch ein Lebenslauf dokumentiert vor allem bisherige Bildungs- und Berufsstationen.
Er zeigt nicht vollständig, welche Fähigkeiten ein Mensch unter geeigneten Bedingungen noch entwickeln könnte.
Ein Kind, das sich für Technik begeistert, wird nicht automatisch Ingenieur, ein Kind, das gerne organisiert, wird nicht zwangsläufig Führungskraft und ein Kind, das kreativ arbeitet, muss später keinen künstlerischen Beruf ergreifen.
Interessen und Fähigkeiten können sich im Laufe des Lebens verändern, gerade deshalb ist frühe Förderung wichtig.
Sie sollte Kindern unterschiedliche Erfahrungsräume eröffnen, statt sie frühzeitig auf einen bestimmten Beruf festzulegen.
Talente erkennen bedeutet nicht, Kinder einzuordnen
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Talent als unveränderliche Eigenschaft zu betrachten, als etwas, das ein Mensch entweder besitzt oder nicht besitzt.
Die Bildungsforschung zeichnet ein differenzierteres Bild.
Fähigkeiten entwickeln sich durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren, dazu gehören persönliche Voraussetzungen, Lerngelegenheiten, Übung, Motivation, Unterstützung und praktische Erfahrungen.
Ein Kind kann Interesse an einem Thema zeigen, ohne darin bereits besonders gute Leistungen zu erzielen.
Umgekehrt kann es in einem Fach gute Noten erreichen, ohne später in diesem Bereich arbeiten zu wollen, deshalb sollte Talentförderung nicht ausschließlich nach besonders leistungsstarken Kindern suchen.
Sie sollte möglichst vielen Kindern Gelegenheit geben, unterschiedliche Fähigkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln.
Talent früh erkennen bedeutet nicht, die Zukunft eines Kindes vorherzusagen. Es bedeutet, ihm früh genug Möglichkeiten zu geben, seine eigene Zukunft mitzugestalten.
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Macher machen Macher: Warum Vorbilder und praktische Erfahrungen entscheidend sein können
Stellen wir uns eine Schulklasse vor.
Die Kinder beschäftigen sich mit Wirtschaft.
Sie lernen, was ein Unternehmen ist, sie erfahren, wie Produkte hergestellt werden und sie lesen darüber, welche Aufgaben Unternehmer übernehmen.
Das vermittelt wichtige Grundlagen, doch was passiert, wenn die Kinder zusätzlich selbst ein kleines Projekt entwickeln dürfen?
Wenn sie gemeinsam überlegen, welches Problem sie lösen möchten?
Wenn sie Materialien organisieren, Aufgaben verteilen und ihre Idee tatsächlich ausprobieren?
Vielleicht funktioniert das Projekt.
Vielleicht scheitert es zunächst.
Vielleicht müssen die Kinder ihren ursprünglichen Plan verändern.
Genau darin können wertvolle Lernerfahrungen entstehen.
Sie erleben, dass Wissen nicht ausschließlich aus Informationen besteht, sie erfahren, dass Entscheidungen Konsequenzen besitzen und sie erkennen, dass ein Problem auf unterschiedliche Weise gelöst werden kann.
Wissen verstehen ist wichtig. Wissen anwenden ebenso.
Die OECD untersuchte im Rahmen von PISA 2022 erstmals auch das kreative Denken von 15-Jährigen.
Dabei ging es nicht darum, außergewöhnlich begabte Kinder zu identifizieren.
Vielmehr wurde untersucht, inwieweit Jugendliche unterschiedliche Ideen entwickeln, bewerten und verbessern können.
Diese Fähigkeiten sind nicht ausschließlich für künstlerische Tätigkeiten relevant.
Sie spielen auch bei wissenschaftlichen Fragestellungen, technischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Problemen eine Rolle.
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass kreative Leistungen mit unterschiedlichen Lernbedingungen und sozialen Voraussetzungen zusammenhängen.
Das ist ein wichtiger Hinweis, denn wenn Fähigkeiten durch Erfahrungen und Lerngelegenheiten mitgeprägt werden, reicht es nicht aus, lediglich vorhandene Leistungen zu bewerten.
Wir müssen auch fragen, welche Möglichkeiten Kinder erhalten, ihre Fähigkeiten überhaupt zu entwickeln.
Was bedeutet „Macher machen Macher“?
Der Gedanke lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen.
Ein Handwerker zeigt Kindern, wie aus einem Stück Holz ein funktionierender Gegenstand entsteht.
Eine Wissenschaftlerin erklärt ein Experiment und lässt die Kinder eigene Fragen untersuchen.
Ein Musiker zeigt, wie aus einer Idee ein Lied entwickelt wird.
Eine Unternehmerin beschreibt nicht nur ihren Erfolg, sondern auch die Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin.
Ein Softwareentwickler unterstützt Jugendliche dabei, eine eigene kleine Anwendung zu programmieren.
Und ein Verein ermöglicht Kindern, Verantwortung für ein gemeinsames Projekt zu übernehmen.
Die Kinder müssen diese Berufe später nicht selbst ergreifen, aber sie lernen, dass Menschen etwas gestalten können.
Macher machen Macher bedeutet, Kindern nicht nur Ergebnisse zu zeigen, sondern ihnen Wege zu eröffnen, selbst etwas auszuprobieren.
Was zeigen die internationalen Zahlen?
Die soziale Herkunft beeinflusst Zukunftsvorstellungen
Die OECD-Untersuchung zur beruflichen Orientierung junger Menschen zeigt, dass Bildungsambitionen und berufliche Erwartungen erheblich vom sozialen Hintergrund geprägt werden, besonders auffällig ist die Konzentration auf bestimmte Berufe.
Im OECD-Durchschnitt erwarteten 2022 rund 50 Prozent der Mädchen und 44 Prozent der Jungen, später in einem von jeweils zehn besonders häufig genannten Berufen zu arbeiten.
Diese Erwartungen bilden die tatsächliche Vielfalt des Arbeitsmarktes nur unvollständig ab.
Gleichzeitig bestehen deutliche Unterschiede bei den Vorstellungen über einzelne Berufsfelder.
Im Bereich Informationstechnologie erwarteten durchschnittlich elf Prozent der Jungen, später dort zu arbeiten.
Bei den Mädchen waren es lediglich 1,5 Prozent.
Diese Zahlen beweisen nicht, dass Mädchen weniger technische Fähigkeiten besitzen.
Sie beschreiben unterschiedliche berufliche Erwartungen.
Die Ursachen können vielfältig sein und beispielsweise mit Erfahrungen, gesellschaftlichen Vorstellungen und verfügbaren Vorbildern zusammenhängen.
Auch kreatives Denken zeigt soziale Unterschiede
In der PISA-Untersuchung zum kreativen Denken erreichten Jugendliche aus sozial privilegierten Familien im OECD-Durchschnitt etwa 9,5 Punkte mehr als Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien.
Ein Teil dieser Unterschiede hängt mit den ebenfalls unterschiedlichen Leistungen in Lesen und Mathematik zusammen.
Die OECD weist darauf hin, dass soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen den Zugang zu geeigneten Lernmöglichkeiten beeinflussen können.
Daraus folgt jedoch nicht, dass sich das kreative Potenzial eines einzelnen Kindes anhand seiner sozialen Herkunft bestimmen ließe.
Die Ergebnisse zeigen Unterschiede zwischen untersuchten Gruppen.
Sie erlauben keine zuverlässige Vorhersage über die Entwicklung eines bestimmten Menschen.
Die eigentliche gesellschaftliche Frage
Wenn Kinder unterschiedlich viele Möglichkeiten erhalten, Berufe kennenzulernen, praktische Erfahrungen zu sammeln und eigene Interessen auszuprobieren, können sich daraus langfristig unterschiedliche Entwicklungschancen ergeben.
Talentförderung sollte deshalb nicht erst dort beginnen, wo bereits gute Leistungen sichtbar sind.
Sie sollte auch dazu beitragen, dass Kinder überhaupt Gelegenheit bekommen, solche Leistungen zu entwickeln.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Unternehmen: Fachkräfteentwicklung beginnt nicht erst mit einer Stellenanzeige
Unternehmen beschäftigen sich häufig intensiv mit der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern.
Sie investieren in Recruiting, sie präsentieren sich auf Ausbildungsmessen und sie entwickeln Programme zur Gewinnung neuer Fachkräfte, doch eine interessante Frage lautet:
Was wäre, wenn Unternehmen ihre Kompetenzen bereits früher in die Bildungslandschaft einbringen würden?
Nicht mit dem Ziel, Kinder möglichst früh an einen bestimmten Arbeitgeber zu binden, sondern um ihnen praktische Einblicke in unterschiedliche Tätigkeiten zu ermöglichen.
Ein Maschinenbauunternehmen könnte zeigen, wie technische Probleme gelöst werden.
Ein Handwerksbetrieb könnte Kindern einfache praktische Aufgaben erklären.
Ein Softwareunternehmen könnte gemeinsam mit Jugendlichen digitale Anwendungen entwickeln und ein regionales Unternehmen könnte zeigen, wie aus einer Idee ein Produkt oder eine Dienstleistung entsteht.
Solche Angebote könnten helfen, die Vielfalt beruflicher Möglichkeiten verständlicher zu machen.
Wichtig wäre dabei, dass Bildungsangebote nicht zu einseitigen Werbeveranstaltungen werden.
Kinder sollten unterschiedliche Berufe und Lebenswege kennenlernen können.
Arbeitnehmer: Fähigkeiten entwickeln sich ein Leben lang
Frühe Talentförderung bedeutet nicht, dass die persönliche Entwicklung irgendwann abgeschlossen wäre.
Menschen können auch im Erwachsenenalter neue Interessen entdecken.
Sie können sich beruflich verändern, sie können neue Technologien erlernen und sie können Fähigkeiten entwickeln, die in ihrer bisherigen Laufbahn kaum sichtbar waren, deshalb sollte Talentförderung nicht auf die Kindheit begrenzt werden.
Sie beginnt früh, muss aber lebenslang möglich bleiben.
Für Arbeitgeber ergibt sich daraus die Chance, Mitarbeiter nicht ausschließlich anhand ihrer bisherigen Stellenbeschreibung zu beurteilen.
Auch praktische Projekte, Weiterbildung und zusätzliche Kompetenzen können wichtige Hinweise auf Entwicklungsmöglichkeiten geben.
Kommunen: Talentförderung könnte zur regionalen Zukunftsaufgabe werden
Städte und Gemeinden verfügen häufig über eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote.
Sportvereine, Musikschulen, Bibliotheken, Handwerksbetriebe, Unternehmen, Hochschulen, Jugendeinrichtungen und ehrenamtliche Initiativen, doch nicht jede Familie kennt diese Möglichkeiten.
Manche Angebote sind schwer zu finden, andere besitzen begrenzte Kapazitäten und wieder andere sind für bestimmte Familien finanziell oder organisatorisch schwer erreichbar.
Kommunen könnten deshalb stärker daran arbeiten, vorhandene Bildungs- und Entwicklungsangebote miteinander zu vernetzen.
Die Herausforderung besteht nicht zwangsläufig darin, überall vollständig neue Einrichtungen aufzubauen.
Manchmal könnte bereits eine bessere Übersicht über vorhandene Möglichkeiten helfen.
Entscheidend wäre allerdings, ob Kinder und Familien diese Angebote tatsächlich erreichen und nutzen können.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Frühe Förderung würde mehr Kindern ermöglichen, eigene Stärken zu entdecken
Die größte Chance besteht darin, Bildungswege offener zu gestalten.
Ein Kind könnte unterschiedliche technische Tätigkeiten kennenlernen.
Ein anderes könnte seine Begeisterung für Naturwissenschaften entdecken.
Wieder andere könnten sich für Sport, Musik, soziale Aufgaben oder handwerkliche Tätigkeiten interessieren.
Dabei geht es nicht darum, möglichst früh besonders leistungsstarke Kinder auszusortieren.
Vielmehr sollten unterschiedliche Lern- und Erfahrungsräume zugänglich werden.
Ein Kind, das zunächst wenig Interesse an Mathematik zeigt, kann später durch eine praktische Anwendung einen neuen Zugang dazu finden.
Ein anderes Kind könnte durch gemeinsames Experimentieren Interesse an wissenschaftlichen Fragestellungen entwickeln und ein Jugendlicher könnte durch einen Betriebsbesuch erstmals einen Beruf kennenlernen, von dem er zuvor nichts wusste.
Nicht jede Erfahrung führt zu einer späteren beruflichen Entscheidung, doch sie kann den persönlichen Horizont erweitern.
Auch Unternehmen und Bildungseinrichtungen könnten profitieren
Wenn Schulen, Unternehmen, Hochschulen und Vereine stärker zusammenarbeiten, könnten Kinder unterschiedliche Formen des Lernens erleben.
Wissenschaftliche Erkenntnisse würden mit praktischen Anwendungen verbunden.
Unternehmen könnten ihre Arbeitswelt verständlicher machen und Bildungseinrichtungen könnten zusätzliche Erfahrungsräume eröffnen.
Die Wirksamkeit solcher Kooperationen hängt allerdings von ihrer konkreten Gestaltung ab.
Ein einmaliger Besuch ist nicht automatisch ein nachhaltiges Förderprogramm.
Entscheidend sind Qualität, Zugänglichkeit und die Möglichkeit, Erfahrungen zu vertiefen.
Talentförderung darf nicht zur frühen Leistungsselektion werden
So wichtig frühe Förderung ist, so problematisch wäre es, Kinder bereits in jungen Jahren auf bestimmte Fähigkeiten festzulegen.
Ein Kind entwickelt sich, Interessen verändern sich, Fähigkeiten können wachsen und Menschen entdecken neue Stärken manchmal erst deutlich später, deshalb sollte ein Kind nicht dauerhaft als technisch, kreativ, sportlich oder weniger begabt eingeordnet werden.
Solche Zuschreibungen könnten seine Entwicklungsmöglichkeiten unnötig begrenzen.
Auch ein übermäßiger Leistungsdruck wäre problematisch.
Kinder benötigen Zeit zum Spielen, Ausprobieren und Entdecken.
Nicht jede Beschäftigung muss zu einem messbaren Ergebnis führen, nicht jedes Hobby muss wirtschaftlich verwertbar sein und nicht jedes Kind muss Unternehmer werden.
Ein weiteres Risiko betrifft die Chancengerechtigkeit, wenn hochwertige Förderangebote überwiegend Familien mit ausreichendem Einkommen, Zeit und guten Kontakten erreichen, könnten bestehende Unterschiede verstärkt werden.
Deshalb müssen Zugang, Kosten und regionale Erreichbarkeit berücksichtigt werden.
Frühe Talentförderung sollte Möglichkeiten eröffnen... keine neuen Erwartungen erzeugen, denen Kinder unbedingt entsprechen müssen.
Perspektivenwechsel
Warum beginnen wir häufig beim Lebenslauf, wenn wir über menschliches Potenzial sprechen?
Ein Lebenslauf beschreibt die Vergangenheit.
Welche Schule hat ein Mensch besucht?
Welche Ausbildung hat er abgeschlossen?
Welche beruflichen Erfahrungen besitzt er?
Das sind wichtige Informationen, doch die Fähigkeiten eines Menschen entwickeln sich lange bevor sie in einem Lebenslauf erscheinen.
Ein Kind, das gerne experimentiert, benötigt zunächst keine Berufsbezeichnung.
Es benötigt geeignete Möglichkeiten, seine Neugier auszuleben.
Ein Jugendlicher, der gerne organisiert, benötigt nicht sofort eine Führungsausbildung.
Er benötigt vielleicht ein Projekt, bei dem er Verantwortung übernehmen kann und ein Kind, das sich für Musik interessiert, benötigt nicht sofort eine professionelle Karriereplanung.
Es benötigt Zugang zu Instrumenten, Menschen und Gelegenheiten zum Ausprobieren.
Genau hier beginnt der Perspektivenwechsel von Cast Royal
Mit dem geplanten ROQ Innovations-Navi für Kinder und Jugendliche verfolgt Cast Royal die Vision, regionale Bildungs-, Freizeit- und Entwicklungsmöglichkeiten besser sichtbar zu machen.
Dabei soll keine weitere Plattform entstehen, auf der Kinder ausschließlich Inhalte konsumieren.
Der Ansatz besteht darin, ihnen Wege zu realen Angeboten und praktischen Erfahrungen zu eröffnen, dazu könnten beispielsweise Angebote aus Wissenschaft, Technik, Sport, Kultur und regionalen Vereinen gehören.
Ein Kind interessiert sich für Robotik? Dann sollte es geeignete Möglichkeiten finden können, dieses Interesse praktisch zu vertiefen.
Ein anderes möchte ein Musikinstrument lernen? Dann könnten entsprechende Angebote sichtbar werden und wer sich für unternehmerische Projekte begeistert, könnte passende Lern- und Erfahrungsräume kennenlernen.
Diese Vision befindet sich in der Entwicklung.
Ihre tatsächliche Wirksamkeit ist noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen.
Dafür wären praktische Erprobungen und nachvollziehbare Ergebnisse notwendig, doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur beruflichen Orientierung und zu ungleichen Entwicklungsmöglichkeiten liefern einen nachvollziehbaren Ausgangspunkt.
Wir sollten Kinder nicht erst fragen, was sie später werden möchten. Wir sollten ihnen helfen, frühzeitig herauszufinden, was sie interessiert und was sie lernen können.
Was wir wissen
Internationale OECD-Untersuchungen zeigen, dass viele Jugendliche im Alter von 15 Jahren noch keine klare Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft besitzen.
Die soziale Herkunft steht in einem deutlichen Zusammenhang mit Bildungsambitionen und beruflichen Erwartungen.
Auch beim kreativen Denken bestehen im Durchschnitt Unterschiede zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen.
Die Forschung zeigt zudem, dass praktische Kontakte zur Arbeitswelt mit der beruflichen Orientierung zusammenhängen.
Das bedeutet nicht, dass ein einzelner Betriebsbesuch automatisch bessere Berufschancen erzeugt.
Es zeigt jedoch, dass Erfahrungen außerhalb des gewöhnlichen Unterrichts für die berufliche Entwicklung relevant sein können.
Was noch unklar ist
Es lässt sich nicht zuverlässig beziffern, wie viele Talente in Deutschland unentdeckt bleiben.
Auch wissen wir nicht, wie viele spätere Erfinder, Unternehmer oder Fachkräfte andere Entwicklungswege eingeschlagen hätten, wenn sie früher zusätzliche Fördermöglichkeiten erhalten hätten.
Solche hypothetischen Lebenswege lassen sich wissenschaftlich nur begrenzt untersuchen.
Ebenso ist nicht jede Form früher Talentförderung gleichermaßen wirksam.
Die Qualität der Angebote, ihre Dauer und die persönlichen Voraussetzungen der Kinder spielen eine wichtige Rolle, auch für das geplante ROQ Innovations-Navi liegen bislang keine belastbaren Wirksamkeitsdaten vor.
Was als Nächstes wichtig wird
Die Bildungsforschung sollte weiterhin untersuchen, welche praktischen Lernangebote Kindern und Jugendlichen besonders helfen, dabei sollte nicht ausschließlich betrachtet werden, ob sie bestimmte schulische Leistungen verbessern.
Ebenso interessant wäre, ob sie Neugier, Selbstvertrauen, Problemlösungsfähigkeiten und die Kenntnis unterschiedlicher Entwicklungsmöglichkeiten fördern.
Schulen, Kommunen, Vereine und Unternehmen könnten gemeinsam prüfen, welche Angebote bereits vorhanden sind und wo Zugangsbarrieren bestehen.
Für digitale Bildungsplattformen wird wichtig sein, nicht allein die Zahl registrierter Nutzer zu betrachten.
Entscheidend wäre vielmehr, ob Kinder tatsächlich geeignete Angebote entdecken und nutzen können und ob daraus langfristig neue Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten entstehen.
Einordnung von ROQ News
Die Zukunft beginnt nicht mit dem ersten Arbeitsvertrag
Wenn wir über Fachkräftemangel sprechen, denken wir häufig an Unternehmen.
Wenn wir über Bildung sprechen, denken wir an Schulen.
Wenn wir über Innovation sprechen, denken wir an Forschungseinrichtungen.
Und wenn wir über Talent sprechen, denken wir häufig an besonders gute Leistungen, doch diese Bereiche hängen miteinander zusammen.
Die Fähigkeiten eines Menschen entstehen nicht erst, wenn er eine Ausbildung beginnt.
Sie entwickeln sich über viele Jahre.
Durch Erfahrungen, durch Lernen, durch Vorbilder, durch persönliche Interessen und durch die Möglichkeit, eigene Ideen auszuprobieren.
Nicht jedes Kind wird später eine technische Erfindung entwickeln.
Nicht jedes Kind wird Unternehmer und nicht jeder Mensch muss außergewöhnliche Leistungen erbringen.
Darum geht es auch nicht.
Es geht darum, Menschen frühzeitig Möglichkeiten zu eröffnen, ihre Interessen und Fähigkeiten zu entdecken, denn wer nie ein Instrument ausprobieren konnte, weiß möglicherweise nicht, ob er Freude an Musik entwickelt hätte.
Wer nie mit Technik experimentieren durfte, kennt vielleicht seine Begeisterung für technische Zusammenhänge nicht und wer niemals erlebt hat, wie ein eigenes Projekt umgesetzt wird, kann nur schwer einschätzen, welche Freude das Gestalten bereiten könnte.
Das bedeutet nicht, dass jede fehlende Gelegenheit ein verlorenes Talent darstellt, doch es zeigt, warum vielfältige Erfahrungen für die persönliche Entwicklung wichtig sind.
Die OECD-Daten machen deutlich, dass Zukunftsvorstellungen junger Menschen erheblich von ihrem Umfeld geprägt werden, damit wird frühe Förderung auch zu einer Frage gesellschaftlicher Chancengerechtigkeit.
Talent wird nicht allein dadurch sichtbar, dass wir danach suchen. Es benötigt auch Gelegenheiten, sich zu entwickeln.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, welche Berufe Kinder später einmal ausüben sollen und stärker darüber nachdenken, welche Erfahrungen wir ihnen heute ermöglichen können, denn ein Lebenslauf dokumentiert einen Teil dessen, was ein Mensch bereits getan hat, aber er erzählt nicht die ganze Geschichte seiner Möglichkeiten.
Macher machen Macher.
Nicht durch Druck.
Nicht durch frühe Festlegung.
Und nicht dadurch, dass jedes Kind zum Unternehmer werden soll, sondern indem Erwachsene ihre Erfahrungen teilen, Kindern etwas zutrauen und ihnen Möglichkeiten eröffnen, selbst tätig zu werden.
Wer die Macher von morgen fördern möchte, sollte Kindern heute die Gelegenheit geben, eigene Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.
ROQ-Perspektivwechsel
Wir fragen junge Menschen:
„Was möchtest du später einmal werden?“
Vielleicht sollten wir sie viel häufiger fragen:
„Was möchtest du heute einmal ausprobieren?“
Denn wer Talente fördern möchte, darf nicht erst beim Lebenslauf anfangen.
Macher machen Macher.
Talent erkennen. Möglichkeiten schaffen. Zukunft gestalten.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
- Sonstige · veröffentlicht 07.11.2025 · abgerufen 03.11.2026
- Sonstige · abgerufen 03.11.2026
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PISA 2022 Technical Report – OECDSonstige · abgerufen 03.11.2026
- Sonstige · veröffentlicht 20.05.2025 · abgerufen 03.11.2026
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