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Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit | Twin Transformation in Oberfranken

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA haben das Whitepaper „Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Twin Transformation in Oberfranken“ veröffentlicht. Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, wie produzierende mittelständische Unternehmen beide Transformationsbereiche miteinander verknüpfen können.

Für das Whitepaper wurden mehr als 30 Interviews mit mittelständischen Unternehmen und regionalen Multiplikatoren geführt. Ergänzend fanden fünf Workshops in Bayreuth, Forchheim, Bamberg, Hof und Coburg statt. Eine Befragung mit 56 Teilnehmenden und die Auswertung von mehr als 30 Unternehmensprojekten flossen ebenfalls in die Untersuchung ein.

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen Digitalisierung und Nachhaltigkeit grundsätzlich als bedeutend einstufen. In der praktischen Umsetzung werden beide Bereiche jedoch häufig getrennt voneinander behandelt. Digitale Projekte entstehen beispielsweise in der IT oder Produktion, während Nachhaltigkeit in anderen Abteilungen, im Berichtswesen oder unmittelbar bei der Geschäftsleitung angesiedelt ist.

Nur ein kleiner Teil der befragten Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über eine eigenständige Digitalisierungs- oder Nachhaltigkeitsstrategie. Eine systematische Verbindung beider Veränderungen ist bislang selten. Als Ursachen nennt das Whitepaper unter anderem erwartete Kosten, komplexe Regulierungsanforderungen, fehlendes Know-how und begrenzte personelle Ressourcen.

Der Begriff Twin Transformation beschreibt genau diese Verbindung. Digitale Technologien sollen Daten, Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten schaffen. Nachhaltigkeitsziele sollen bestimmen, wofür diese Technologien eingesetzt und welche wirtschaftlichen, ökologischen oder sozialen Wirkungen erreicht werden sollen.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Die Untersuchung ist relevant, weil sie die Zukunft der oberfränkischen Industrie nicht ausschließlich als Technologiefrage betrachtet.

Oberfranken besitzt eine historisch gewachsene und hoch spezialisierte industrielle Struktur. Viele Unternehmen sind Teil internationaler Lieferketten, beschäftigen qualifizierte Fachkräfte und verfügen über umfangreiches Produktionswissen. Gleichzeitig ist diese industrielle Stärke kein Selbstläufer. Globale Konkurrenz, volatile Energiepreise, Lieferkettenrisiken, technologische Veränderungen und neue Anforderungen an Ressourceneffizienz erhöhen den Anpassungsdruck.

Die zentrale Botschaft des Whitepapers lautet deshalb nicht, dass Unternehmen möglichst viel Software, Sensorik oder künstliche Intelligenz einsetzen sollen.

Entscheidend ist, digitale Technologien so auszuwählen, dass sie konkrete wirtschaftliche und nachhaltige Probleme lösen.

Ein digitales Energiemanagement ist beispielsweise nicht allein deshalb sinnvoll, weil es modern ist. Es wird relevant, wenn es Energieverbräuche einzelner Maschinen sichtbar macht, Lastspitzen reduziert und Investitionsentscheidungen verbessert.

Ein KI-System ist nicht allein deshalb wertvoll, weil es Texte, Prognosen oder Analysen erzeugen kann. Es wird wirtschaftlich relevant, wenn es Produktionsplanung verbessert, Ausschuss reduziert, Wartungsbedarfe erkennt oder internes Wissen schneller verfügbar macht.

Nachhaltigkeit darf umgekehrt nicht nur als Berichtspflicht verstanden werden. Sie betrifft unmittelbar Materialkosten, Energieverbrauch, Produktlebensdauer, Lieferketten, Fachkräftebindung und die langfristige Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens.

Digitalisierung liefert die Daten, Werkzeuge und Geschwindigkeit. Nachhaltigkeit gibt Richtung, Sinn und Zukunftsfähigkeit. Diese Verbindung beschreibt das Whitepaper als langfristigen Lern- und Entwicklungsprozess.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Auswirkungen auf Unternehmen

Für Unternehmen entsteht zunächst die Aufgabe, ihre bisherigen Einzelmaßnahmen zu überprüfen.

Viele Betriebe verfügen bereits über ERP-Systeme, Maschinensteuerungen, digitale Dokumente, Energiedaten oder erste Automatisierungsprojekte. Diese Systeme sind jedoch häufig nicht miteinander verbunden. Dadurch entstehen Dateninseln, doppelte Erfassungen und unvollständige Entscheidungsgrundlagen.

Ein Unternehmen kann beispielsweise Produktionsdaten besitzen, ohne sie mit Energieverbrauch, Materialeinsatz oder Wartungskosten zu verknüpfen. Dadurch bleibt unsichtbar, welcher Prozess tatsächlich besonders teuer oder ressourcenintensiv ist.

Twin Transformation kann Unternehmen dabei helfen, solche Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Mögliche Anwendungsfelder sind:

  • digitale Energie- und Verbrauchsmessung,
  • Predictive Maintenance,
  • automatisiertes Nachhaltigkeitsreporting,
  • digitale Produktpässe,
  • Supply-Chain-Optimierung,
  • KI-gestützte Bedarfsplanung,
  • interne KI-Assistenten,
  • digitale Zwillinge,
  • automatisierte Qualitätskontrolle,
  • Kreislaufwirtschaft und Remanufacturing.

Gerade für mittelständische Unternehmen entsteht daraus die Möglichkeit, Kosten zu senken und gleichzeitig regulatorische oder ökologische Anforderungen besser zu erfüllen.

Ein Beispiel ist die vorausschauende Wartung. Werden Maschinendaten kontinuierlich ausgewertet, können mögliche Ausfälle früher erkannt werden. Wartungsarbeiten lassen sich gezielter planen, ungeplante Stillstände können sinken und Bauteile müssen nicht vorsorglich zu früh ausgetauscht werden.

Ein anderes Beispiel ist das automatisierte Reporting. Viele Nachhaltigkeitsdaten werden heute noch manuell aus verschiedenen Tabellen und Abteilungen zusammengetragen. Eine integrierte Datenbasis könnte Energie-, Produktions- und Lieferantendaten automatisch aufbereiten und dadurch Aufwand sowie Fehleranfälligkeit reduzieren.

Auswirkungen auf Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer bedeutet die Twin Transformation nicht nur den Einsatz neuer Technik.

Aufgaben, Verantwortlichkeiten und benötigte Kompetenzen verändern sich. Routinearbeiten können automatisiert werden, während Datenanalyse, Prozessverständnis und die Bedienung digitaler Systeme an Bedeutung gewinnen.

Das Whitepaper nennt fehlende Qualifikation und unzureichende Vorbereitung der Mitarbeitenden als zentrale Herausforderungen. Transformation kann deshalb nicht ausschließlich durch die Einführung neuer Software gelingen.

Beschäftigte müssen verstehen:

  • warum ein neues System eingeführt wird,
  • welches Problem damit gelöst werden soll,
  • welche Daten erhoben werden,
  • wie Ergebnisse überprüft werden,
  • und wie sich ihre eigene Rolle verändert.

Besonders wichtig wird das interne Erfahrungswissen. Viele mittelständische Betriebe sind stark von einzelnen erfahrenen Beschäftigten abhängig. Wenn dieses Wissen nicht dokumentiert und weitergegeben wird, kann es beim Ausscheiden einer Person verloren gehen.

Digitale Wissenssysteme und interne KI-Assistenten können hier unterstützen. Sie ersetzen die Erfahrung der Beschäftigten nicht, können vorhandene Dokumente, Anleitungen, Störungsprotokolle und frühere Projekte aber leichter auffindbar machen.

Gleichzeitig kann nachhaltige Transformation auch soziale Auswirkungen besitzen. Das Whitepaper nennt beispielsweise die Reduzierung von Nachtarbeit, den Einsatz von Assistenzsystemen und eine bessere Arbeitssicherheit als mögliche Anwendungsfelder.

Auswirkungen auf Kommunen und die Region

Für Kommunen ist die Wettbewerbsfähigkeit des regionalen Mittelstands unmittelbar relevant.

Unternehmen sichern Arbeitsplätze, Gewerbesteuereinnahmen, Ausbildungsplätze und regionale Wertschöpfung. Verlieren Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit oder verlagern Produktion, betrifft das nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die gesamte regionale Struktur.

Kommunen können die Twin Transformation unterstützen, indem sie:

  • regionale Netzwerke fördern,
  • Unternehmen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbinden,
  • Räume für Pilotprojekte schaffen,
  • digitale Infrastruktur ausbauen,
  • gemeinsame Weiterbildungsangebote unterstützen,
  • und erfolgreiche regionale Beispiele sichtbar machen.

Das Whitepaper betont die Bedeutung des Fraunhofer-Forschungscampus Twin Transformation. Dieser soll Unternehmen Zugang zu angewandter Forschung, Pilotprojekten, Workshops und regionaler Vernetzung ermöglichen.

Für Oberfranken entsteht dadurch die Chance, sich nicht nur als bestehender Industriestandort zu behaupten, sondern als Modellregion für die gemeinsame digitale und nachhaltige Transformation zu positionieren.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Kosten und Ressourcen gezielter steuern

Digitale Daten können sichtbar machen, wo Energie, Material und Zeit verloren gehen. Unternehmen können Investitionen dadurch genauer priorisieren.

Ein Betrieb muss nicht die gesamte Produktion gleichzeitig digitalisieren. Bereits die Messung einzelner Maschinen oder Prozessschritte kann zeigen, wo besonders hohe Verbräuche oder Stillstandszeiten entstehen.

Lieferketten widerstandsfähiger gestalten

Digitale Lieferantenportale, Echtzeitdaten und KI-gestützte Bedarfsprognosen können helfen, Engpässe früher zu erkennen.

Nachhaltigkeit erweitert diese Betrachtung um die Frage, wie abhängig ein Unternehmen von einzelnen Rohstoffen, Lieferanten oder Transportwegen ist. Dadurch können wirtschaftliche und ökologische Risiken gemeinsam bewertet werden.

Nachhaltigkeitsanforderungen effizienter erfüllen

Digitale Systeme können Nachweise, Verbrauchsdaten und Lieferanteninformationen strukturieren. Damit können Berichts- und Prüfprozesse zuverlässiger und weniger arbeitsintensiv werden.

Das ist besonders relevant, wenn große Kunden oder Geschäftspartner zunehmend Informationen über Emissionen, Materialien oder Lieferketten verlangen.

Neue Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln

Twin Transformation beschränkt sich nicht auf Kostensenkung.

Digitale Produktpässe, Reparaturangebote, Rücknahmesysteme, Wiederaufarbeitung oder datenbasierte Dienstleistungen können neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Ein Maschinenbauer könnte beispielsweise nicht nur eine Anlage verkaufen, sondern zustandsbasierte Wartung und Energieoptimierung anbieten. Ein Hersteller könnte Bauteile zurücknehmen, aufarbeiten und erneut einsetzen.

Fachkräfte gewinnen und halten

Unternehmen, die moderne Technik mit sinnvoller Arbeit, Weiterbildung und glaubwürdigen Nachhaltigkeitszielen verbinden, können für Fachkräfte attraktiver werden.

Gerade jüngere Beschäftigte achten häufig nicht nur auf Gehalt, sondern auch auf Entwicklungsmöglichkeiten, moderne Arbeitsprozesse und die gesellschaftliche Wirkung eines Unternehmens.

Regionale Zusammenarbeit stärken

Viele mittelständische Betriebe können eigene Forschungsabteilungen, Versuchslabore oder umfangreiche KI-Teams nicht allein finanzieren.

Durch Kooperationen mit Hochschulen, Fraunhofer-Instituten, Kammern und anderen Unternehmen können Kompetenzen und Infrastruktur geteilt werden.

Das Whitepaper versteht die Transformation deshalb nicht nur als Aufgabe einzelner Betriebe, sondern auch als regionale Gemeinschaftsaufgabe.

Risiken

Digitalisierung ohne klares Ziel

Neue Software oder Technik erzeugt nicht automatisch einen wirtschaftlichen Nutzen.

Werden Systeme eingeführt, ohne vorher ein konkretes Problem und messbare Ziele festzulegen, kann zusätzliche Komplexität entstehen. Beschäftigte müssen neue Anwendungen bedienen, während alte Systeme möglicherweise parallel weiterlaufen.

Dadurch können Kosten steigen, statt zu sinken.

Zu große Projekte

Viele Transformationsvorhaben scheitern nicht an der Technologie, sondern an einem zu großen Umfang.

Wenn gleichzeitig ERP-Systeme, Produktion, CRM, Dokumentenmanagement, Energiemessung und Nachhaltigkeitsberichte verändert werden sollen, steigen Abhängigkeiten und Risiken.

Das Whitepaper empfiehlt deshalb einen schrittweisen Weg von Pilotprojekten zu einer integrierten Roadmap.

Abhängigkeit von Technologieanbietern

Cloud-Dienste, KI-Systeme und spezialisierte Software können Unternehmen an einzelne Anbieter binden.

Sind Datenformate, Schnittstellen oder Prozesse nicht ausreichend offen, kann ein späterer Wechsel schwierig und teuer werden.

Unternehmen sollten deshalb frühzeitig klären, wem Daten gehören, wie sie exportiert werden können und welche Abhängigkeiten durch ein System entstehen.

Datenschutz und Cybersicherheit

Je stärker Maschinen, Lieferanten, Beschäftigte und Unternehmenssysteme digital verbunden werden, desto größer wird die mögliche Angriffsfläche.

Ein Cyberangriff kann nicht nur Bürosoftware betreffen, sondern auch Produktionsanlagen, Lieferketten und Energiedaten.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen deshalb mit Sicherheitskonzepten, Zugriffsrechten, Backups und klaren Verantwortlichkeiten verbunden werden.

Fehlende Akzeptanz der Beschäftigten

Werden neue Systeme ohne Beteiligung der Mitarbeitenden eingeführt, können Widerstand und Unsicherheit entstehen.

Beschäftigte müssen verstehen, ob eine Technologie sie unterstützen, kontrollieren oder möglicherweise ersetzen soll. Fehlt diese Klarheit, kann selbst ein technisch gutes System im Alltag scheitern.

Nachhaltigkeit als reine Bürokratie

Ein weiteres Risiko besteht darin, Nachhaltigkeit auf Berichte und Kennzahlen zu reduzieren.

Werden Daten nur gesammelt, um formale Anforderungen zu erfüllen, ohne Prozesse tatsächlich zu verändern, entsteht zusätzlicher Aufwand ohne wirtschaftliche Wirkung.

Nachhaltigkeit muss deshalb mit konkreten Entscheidungen über Energie, Material, Produkte, Lieferketten und Geschäftsmodelle verbunden werden.

Perspektivenwechsel

Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden häufig als zusätzliche Belastungen betrachtet.

Digitalisierung kostet Geld, benötigt Fachkräfte und verändert bestehende Abläufe.

Nachhaltigkeit erzeugt neue Berichtspflichten, Nachweise und Anforderungen durch Kunden oder Gesetzgeber.

Diese Betrachtung übersieht jedoch, dass beide Themen oft dieselben wirtschaftlichen Probleme betreffen.

Hoher Energieverbrauch ist nicht nur ein ökologisches Problem. Er ist ein Kostenproblem.

Materialverlust ist nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema. Er senkt die Produktivität.

Maschinenstillstand ist nicht nur eine technische Störung. Er verursacht Lieferverzögerungen, Zusatzkosten und unnötigen Ressourceneinsatz.

Fehlende Daten sind nicht nur ein Digitalisierungsproblem. Sie erschweren Investitionsentscheidungen, Nachhaltigkeitsberichte und die Steuerung des gesamten Unternehmens.

Der Perspektivenwechsel lautet deshalb:

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind nicht zwei zusätzliche Aufgaben. Sie sind zwei Perspektiven auf dieselbe Frage: Wie kann ein Unternehmen mit weniger Verschwendung, besseren Informationen und widerstandsfähigeren Prozessen wirtschaftlich erfolgreich bleiben?

Twin Transformation bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen sofort eine vollständige Strategie entwickeln muss.

Sie beginnt häufig mit einem einzelnen Problem.

Ein Betrieb misst den Energieverbrauch einer Maschine. Ein anderer digitalisiert die Wartungsplanung. Ein dritter führt ein Lieferantenportal ein oder reduziert durch bessere Produktionsdaten den Materialausschuss.

Entscheidend ist, dass aus diesen Einzelprojekten gelernt und anschließend eine gemeinsame Richtung entwickelt wird.

Was wir wissen

Das Whitepaper basiert auf mehr als 30 Interviews, einer Befragung mit 56 Teilnehmenden, fünf regionalen Workshops und der Auswertung von mehr als 30 Unternehmensprojekten. Es bietet damit eine praxisnahe Bestandsaufnahme, stellt jedoch keine vollständige statistische Erhebung aller oberfränkischen Unternehmen dar.

Viele Unternehmen haben erste digitale oder nachhaltige Projekte begonnen.

Die Digitalisierung ist in den befragten Unternehmen weiter fortgeschritten als die nachhaltige Transformation. Am schwächsten ist bislang die systematische Verbindung beider Bereiche.

Zu den häufig genannten Herausforderungen gehören:

  • fragmentierte IT-Systeme,
  • Dateninseln,
  • fehlende Sensorik,
  • knappe Budgets,
  • begrenzte personelle Kapazitäten,
  • fehlendes Know-how,
  • komplexe Regulatorik,
  • unklare Verantwortlichkeiten,
  • und mangelnde Verknüpfung zwischen Fachbereichen.

Die Good Practices des Whitepapers zeigen gleichzeitig, dass auch kleine und mittlere Unternehmen konkrete Projekte umsetzen können.

Die inContAlert GmbH aus Bayreuth verbindet beispielsweise ein medizinisches Wearable mit maschineller Datenanalyse, um Pflegeprozesse zu verbessern und gesundheitliche Risiken zu verringern.

Fickenschers Backhaus nutzt Gärautomaten und längere Teigführungen, um Nachtarbeit zu reduzieren und gleichzeitig Produktqualität sowie Bekömmlichkeit zu verbessern. Das Beispiel verbindet technologische, soziale und wirtschaftliche Ziele.

Was noch unklar ist

Das Whitepaper beziffert nicht, wie hoch der gesamte Investitionsbedarf für die Twin Transformation in Oberfranken ist.

Auch der konkrete wirtschaftliche Nutzen einzelner Technologien lässt sich nicht pauschal bestimmen.

Ein digitales Energiemanagement kann für einen energieintensiven Produktionsbetrieb sehr relevant sein. Für ein anderes Unternehmen kann eine bessere Kundenverwaltung, automatisierte Dokumentation oder Produktionsplanung einen höheren Nutzen besitzen.

Unklar bleibt außerdem, wie schnell Unternehmen ihre Pilotprojekte in dauerhafte Strukturen überführen können.

Viele Projekte werden zunächst gefördert, durch einzelne engagierte Beschäftigte getragen oder mit externen Partnern entwickelt. Langfristiger Erfolg entsteht jedoch erst, wenn Verantwortlichkeiten, Finanzierung und Kompetenzen dauerhaft im Unternehmen verankert werden.

Auch regulatorische Anforderungen können sich verändern. Unternehmen benötigen deshalb Systeme, die anpassbar bleiben und nicht nur eine einzelne Berichtspflicht abbilden.

Was als Nächstes wichtig wird

Unternehmen sollten zunächst nicht fragen, welche Technologie sie kaufen sollen.

Die erste Frage sollte lauten:

Welches wirtschaftliche oder organisatorische Problem wollen wir lösen?

Darauf aufbauend kann geprüft werden:

  • Welche Daten sind bereits vorhanden?
  • Welche Informationen fehlen?
  • Welcher kleine Pilot ist realistisch?
  • Wer übernimmt Verantwortung?
  • Wie wird der Erfolg gemessen?
  • Welche Beschäftigten müssen beteiligt werden?
  • Welche Schnittstellen werden später benötigt?

Das Whitepaper hebt drei zentrale Hebel hervor: Unternehmen sollten Datentransparenz entlang ihrer Wertschöpfung aufbauen, geeignete nachhaltige KI- und Digitalanwendungen gezielt pilotieren und ihre Mitarbeitenden qualifizieren.

Ebenso wichtig wird die regionale Vernetzung.

Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Kammern und Wirtschaftsnetzwerke sollten Angebote so gestalten, dass auch kleinere Unternehmen schnell erkennen können, mit welchem Problem sie sich an wen wenden können.

Der Erfolg wird sich langfristig nicht an der Zahl der Workshops oder Pilotprojekte messen lassen.

Entscheidend wird sein, ob daraus dauerhafte Prozessverbesserungen, neue Produkte, geringere Kosten, qualifizierte Beschäftigte und widerstandsfähigere Unternehmen entstehen.

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Einordnung von ROQ News

Oberfranken besitzt eine starke industrielle Grundlage.

Die Region verfügt über spezialisierte Unternehmen, erfahrene Beschäftigte, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und eine gewachsene Produktionskultur.

Die Herausforderung besteht nicht darin, diese Stärke vollständig neu zu erfinden.

Sie besteht darin, vorhandene Stärken miteinander zu verbinden.

Digitalisierung darf nicht bei der Einführung neuer Software enden.

Nachhaltigkeit darf nicht auf Berichte und Pflichtangaben reduziert werden.

Beide Veränderungen müssen dort zusammengeführt werden, wo wirtschaftlicher Wert entsteht: in Maschinen, Produkten, Lieferketten, Energieverbräuchen, Materialien, Daten und im Wissen der Beschäftigten.

Das Fraunhofer-Whitepaper zeigt, dass Twin Transformation kein einmaliges Großprojekt ist. Sie ist ein langfristiger Lernprozess.

Unternehmen können klein beginnen. Entscheidend ist jedoch, aus einzelnen Projekten Erfahrungen zu gewinnen und daraus eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

Die Wettbewerbsfähigkeit Oberfrankens entscheidet sich nicht daran, ob Unternehmen digitaler oder nachhaltiger werden. Sie entscheidet sich daran, ob sie beides zu einem wirksamen System verbinden.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit | Twin Transformation in Oberfranken – Fraunhofer
    Wissenschaftliche Studie · veröffentlicht 01.12.2025 · abgerufen 03.08.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 04.08.2026
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