Was ist passiert?
Die Mediennutzung verschiebt sich seit Jahren deutlich.
2025 sahen Menschen in Deutschland zwar weiterhin viel lineares Fernsehen. Im Durchschnitt waren es täglich 158 Minuten bei Personen ab drei Jahren, aber gegenüber 2024 ging dieser Wert um 13 Minuten beziehungsweise 7,7 Prozent zurück.
Bei den 14- bis 49-Jährigen sank die lineare Fernsehnutzung sogar von 79 auf 67 Minuten täglich. Die AGF nennt neben Streaming ausdrücklich TikTok, Social Media und Gaming als neue Medienschwerpunkte, auf die sich Nutzungszeit verteilt.
Bei jüngeren Menschen ist der Wandel noch deutlicher.
Die ARD/ZDF-Medienstudie zeigte bereits, dass bei den 14- bis 29-Jährigen fast 90 Prozent der Video-Nutzungsdauer auf nichtlineare Angebote entfallen.
Das bedeutet:
Nicht der Sender entscheidet primär:
„Um 20:15 Uhr beginnt deine Sendung.“
Der Nutzer entscheidet:
„Jetzt will ich etwas sehen.“
2025 nutzten rund 91 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Social Media mindestens wöchentlich. Instagram, TikTok und Snapchat gehören in dieser Altersgruppe zu den zentralen Plattformen.
Das klassische Fernsehen ist damit keineswegs tot.
Live-Sport, Nachrichten, große Shows, gesellschaftliche Ereignisse.
Sie erreichen weiterhin ein enormes Publikum. Die AGF spricht ausdrücklich davon, dass lineares Fernsehen bei großen Live- und relevanten Inhalten weiterhin ein zentraler Bezugspunkt bleibt, aber kulturell ist etwas Neues daneben entstanden.
Das Fernsehen hatte Formate.
Social Media hat Beziehungen.
Die Serie endet heute nicht mehr nach 25 Minuten
GZSZ funktioniert nach einem klassischen dramaturgischen Prinzip.
Figuren, Konflikt, Entwicklung, Cliffhanger.
Morgen geht es weiter.
Creator funktionieren häufig erstaunlich ähnlich.
Nur dass ihre Erzählung nicht unbedingt geschrieben wurde.
Montag: Ein Video.
Dienstag: Eine Story.
Mittwoch: Livestream.
Donnerstag: Reaction.
Freitag: Podcast.
Dazwischen kommentiert die Community.
Andere Creator reagieren darauf.
Ein Ausschnitt wird zum Meme.
Jemand macht ein Duett.
Fans diskutieren miteinander.
Und plötzlich entwickelt sich eine Geschichte weiter, ohne dass ein klassischer Fernsehsender dafür einen Drehbuchautor einsetzen musste.
Natürlich ist Social Media deshalb nicht automatisch „echtes Leben“.
Auch dort wird:
geschnitten, inszeniert, ausgewählt, dramatisiert und vermarktet.
Manchmal ist die scheinbare Realität sogar wesentlich stärker produziert, als Zuschauer vermuten, aber das Format fühlt sich anders an.
Es besitzt keine vierte Wand mehr.
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Zu sagen:
„Social Media ist das neue Fernsehen“
trifft deshalb nur die Hälfte.
Fernsehen war primär:
Sender → Zuschauer.
Social Media funktioniert eher:
Creator ↔ Community ↔ andere Creator ↔ Plattform.
Ein klassischer Zuschauer konnte Joachim Gerner aus GZSZ nicht einfach unter der Folge schreiben:
„Was machst du da eigentlich?“
Und die Figur antwortete am Abend darauf.
Bei einem Livestream kann genau so etwas passieren.
Das verändert Medien fundamental.
Fernsehen produzierte Stars... Social Media produziert Bezugspersonen
Früher gab es:
Schauspieler, Moderatoren, Musiker, Prominente.
Zwischen Star und Zuschauer lag eine deutliche Distanz.
Heute begleitet ein Nutzer denselben Creator möglicherweise:
morgens in einer Story, mittags auf TikTok, abends im Livestream und nachts noch im Discord.
Dadurch entsteht eine völlig andere Form von Nähe.
Medienwissenschaftlich kann dabei auch eine parasoziale Beziehung entstehen: Menschen empfinden Vertrautheit mit einer medialen Person, obwohl keine gleichwertige persönliche Beziehung besteht.
Social Media erweitert dieses alte Phänomen allerdings, denn heute kann zumindest begrenzt tatsächliche Interaktion stattfinden.
Der Creator:
liest einen Kommentar, antwortet, erkennt Stammzuschauer, reagiert auf Fanideen, oder verändert den Stream aufgrund der Community.
Das Publikum befindet sich deshalb irgendwo zwischen:
Zuschauer, Fan, Teilnehmer und manchmal sogar Mitproduzent.
Und genau darin liegt die kulturelle Innovation
Das Entscheidende an TikTok war nicht nur Kurzvideo.
Das Entscheidende an YouTube war nicht nur Video im Internet.
Das Entscheidende an Twitch war nicht nur Livestreaming.
Die grundlegende Veränderung lautet:
Menschen können gleichzeitig konsumieren, produzieren und verteilen.
Früher benötigte man für Massenreichweite häufig:
Fernsehstudio, Sender, Sendeplatz, Produktion, Redaktion, Vertrieb.
Heute kann ein Mensch mit:
Smartphone, Internet und einer guten Idee theoretisch ein Millionenpublikum erreichen.
Nicht jeder schafft das.
Die meisten schaffen es nicht.
Aber der Zugang zur Produktion hat sich fundamental verändert.
Und die Community selbst wird zum Format
Das ist vielleicht die interessanteste Entwicklung überhaupt.
Manchmal ist gar nicht mehr der Creator allein das Produkt.
Die Menschen kommen zurück, weil sie die anderen Menschen kennen.
Den Stammzuschauer, die Kommentare, Running Gags, Insider, Memes, Moderatoren, Rivalitäten, Geschichten, Beziehungen innerhalb der Community.
Dann passiert etwas Merkwürdiges:
Die Zuschauer werden selbst Teil der Serie.
RTL brauchte dafür Schauspieler und Drehbuch.
Social Media erzeugt einen Teil seiner Dramaturgie aus der Community selbst.
Das kann unglaublich kreativ sein.
Es kann aber genauso schnell problematisch werden.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Für Unternehmen: Werbung reicht nicht mehr, Marken müssen Beziehungen verstehen
Die klassische Fernsehlogik war relativ einfach.
Eine Sendung besitzt viele Zuschauer, also kauft ein Unternehmen dort einen Werbespot.
30 Sekunden, Produkt zeigen, Marke nennen.
Fertig.
Social Media funktioniert anders.
Menschen können Werbung innerhalb von Sekunden wegwischen und deshalb wird Vertrauen wichtiger.
Creator-Marketing funktioniert häufig gerade deshalb, weil ein Produkt innerhalb einer bestehenden Beziehung zwischen Creator und Community erscheint.
Auch Social Commerce wächst.
Bereits 2025 kauften laut Bitkom 29 Prozent der deutschen Internetnutzer direkt über soziale Netzwerke oder entsprechende Weiterleitungen ein.
Bei den 16- bis 29-Jährigen waren es sogar 48 Prozent.
Damit verschwimmen:
Unterhaltung, Community, Werbung, Shop, Marke.
Früher:
Fernsehspot → Geschäft.
Heute:
Video → Kommentar → Empfehlung → Community → Shop → Kauf.
Das ist eine komplett andere Customer Journey.
Unternehmen sollten daraus aber nicht ableiten:
„Wir müssen jetzt alle cool auf TikTok sein.“
Das merkt eine Community sofort.
Die stärkere Frage lautet:
Wo existiert tatsächlich eine Community, zu der unser Produkt glaubwürdig passt?
Unternehmen können heute sogar ihre eigene Medienmarke werden
Auch das ist neu.
Ein Unternehmen muss nicht mehr ausschließlich Medien bezahlen, damit diese über das Unternehmen sprechen.
Es kann selbst:
Videos produzieren, Podcasts starten, Experten zeigen, Mitarbeiter erzählen lassen, Livestreams veranstalten, Wissen veröffentlichen, Community aufbauen.
Damit verschwimmt die Grenze zwischen:
Unternehmen und Medienhaus.
Ein Werkzeughersteller kann Tutorials produzieren.
Eine Bäckerei kann hunderttausende Menschen erreichen.
Ein Handwerker kann zum Creator werden.
Ein Softwareunternehmen kann eine Wissenscommunity aufbauen.
Und genau das ist für kleinere Unternehmen interessant.
Man benötigt nicht zwingend das Fernsehbudget eines Konzerns.
Man benötigt relevante Inhalte.
Für Arbeitnehmer: Öffentlichkeit wird selbst zu einer beruflichen Fähigkeit
Auch Arbeitnehmer erleben dadurch einen Kulturwandel.
Früher bestand berufliche Reputation hauptsächlich aus:
Ausbildung, Abschluss, Lebenslauf, Arbeitgeber, vielleicht Branchenkontakten.
Heute kann zusätzlich eine digitale Reputation entstehen.
Ein Programmierer erklärt öffentlich Software.
Eine Pflegekraft spricht über ihren Berufsalltag.
Ein Handwerker zeigt Techniken.
Eine Wissenschaftlerin erklärt Forschung.
Ein Musiker veröffentlicht seine Arbeiten.
Ein Gründer dokumentiert ein Unternehmen.
Menschen können heute bereits Kompetenz sichtbar machen, bevor irgendein klassisches Medium über sie berichtet.
Das eröffnet Chancen.
Aber auch hier gilt:
Nicht jeder Arbeitnehmer muss Creator werden.
Und niemand sollte glauben, permanentes öffentliches Auftreten sei Voraussetzung für beruflichen Erfolg.
Die Innovation besteht darin, dass dieser zusätzliche Weg überhaupt existiert.
Und junge Menschen lernen Medien vollkommen anders
Für viele Jugendliche ist die Trennung:
Unterhaltung - Information - Lernen
inzwischen viel weniger deutlich.
2025 gaben 39 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren an, bei schulischen Problemen auch auf Plattformen wie Reddit, Discord oder Instagram nach Antworten zu suchen.
64 Prozent sagten sogar, Influencer oder YouTuber könnten ihnen bestimmte schulische Sachverhalte besser erklären als ihre Lehrkräfte. Das ist eine subjektive Einschätzung der Befragten und kein Beleg dafür, dass Influencer tatsächlich besseren Unterricht leisten.
Aber kulturell ist die Aussage enorm interessant.
Der gleiche Bildschirm liefert:
Comedy, Mathematik, Rap, Politik, Gaming, Wissenschaft, Werbung, Freunde.
Das Medium besitzt keine feste Kategorie mehr.
Für Kommunen: Lokale Community kann wieder wichtiger werden
Auch Städte und Regionen sollten Social Media nicht ausschließlich als Werbekanal betrachten.
Eine Kommune veröffentlicht heute häufig:
Pressemitteilung, Facebook-Post, Veranstaltungshinweis.
Das ist im Grunde noch die alte Senderlogik.
Digital wird es erst wirklich, wenn daraus Beteiligung entsteht.
Lokale Creator, Vereine, Jugendliche, Unternehmen, Kultur, Veranstaltungen, Kommentare, Projekte.
Dann kann digitale Community plötzlich reale Community verstärken.
Ein lokaler Musiker bekommt Publikum.
Ein Verein findet Mitglieder.
Eine Veranstaltung wird sichtbar.
Ein Jugendprojekt erreicht Menschen.
Ein Unternehmen findet Nachwuchs.
Die digitale Ebene ersetzt dann nicht die Stadt.
Sie legt sich über die reale Stadt.
Das ist für Regionalentwicklung enorm interessant.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Das ist wahrscheinlich die größte Demokratisierung der Medienproduktion seit Erfindung des Internets.
Natürlich kontrollieren große Plattformen:
Algorithmen, Reichweite, Werbemodelle, Regeln.
Das darf man nicht ignorieren, aber trotzdem hat ein einzelner Mensch heute Möglichkeiten, die früher nur Medienunternehmen besaßen.
Filmen, Schneiden, Live senden, weltweit veröffentlichen, Community aufbauen, Produkte verkaufen, ein Abonnement anbieten, Musik veröffentlichen, Wissen vermitteln.
Das ist kulturell gewaltig, denn dadurch entstehen Stimmen, die im klassischen Fernsehen wahrscheinlich niemals einen Sendeplatz bekommen hätten.
Die nächste GZSZ könnte deshalb gar keine Serie mehr sein
Vielleicht besteht die nächste große Daily Soap nicht aus Schauspielern.
Vielleicht besteht sie aus:
zwanzig Creatorn, ihren Communities, Livestreams, Reactions, Beziehungen, Trennungen, gemeinsamen Projekten, Konflikten, Memes und Millionen Zuschauern, die alles über mehrere Plattformen verfolgen.
Es gibt keinen festen Sender.
Keinen festen Sendeplatz.
Manchmal nicht einmal ein Drehbuch.
Und trotzdem entsteht:
Fortsetzung.
Genau das war immer die Stärke einer Daily Soap.
Du willst wissen:
Wie geht es weiter?
Social Media hat dieses Prinzip nicht abgeschafft.
Es hat es auf die reale beziehungsweise medial inszenierte Persönlichkeit übertragen.
Und genau hier wird es problematisch.
Eine Schauspielerin geht nach dem Dreh nach Hause.
Eine Serienfigur existiert nur im Drehbuch.
Ein Creator kann dagegen irgendwann erleben, dass das eigene Leben zum Content wird.
Beziehung, Trennung, Kinder, Freunde, Urlaub, Streit, Krankheit, Erfolg, Misserfolg.
Alles kann plötzlich Reichweite erzeugen.
Dann entsteht ein perverser Anreiz:
Je dramatischer das Leben, desto stärker möglicherweise die Aufmerksamkeit.
Das kann Grenzen verschieben.
Was privat bleiben sollte, wird veröffentlicht.
Was längst beendet werden sollte, wird zum Content weitergeführt.
Und Menschen beginnen möglicherweise, Situationen nicht mehr nur zu erleben, sondern gleichzeitig zu denken:
„Kann ich das posten?“
Das ist eine völlig neue kulturelle Herausforderung.
Das zweite Risiko... Community kann in Kontrolle kippen
Eine starke Community kann tragen.
Sie kann:
motivieren, helfen, Wissen teilen, Menschen zusammenbringen, aber Community besitzt auch eine dunkle Seite.
Gruppendruck, Gerüchte, Shitstorms, Mobbing, Fanlager, Überwachung jedes Details.
Menschen entwickeln manchmal das Gefühl:
„Wir kennen diese Person.“
Dabei kennen sie Ausschnitte.
Das darf nicht verwechselt werden.
Follower besitzen keinen Anspruch auf:
Privatleben, Beziehungen, Standort, Nachrichten, ständige Erklärungen.
Community endet dort, wo persönliche Grenzen beginnen.
Das dritte Risiko... der Algorithmus wird zum unsichtbaren Programmdirektor
Früher entschied ein Fernsehsender:
Diese Sendung bekommt den Sendeplatz.
Heute entscheidet ein Algorithmus:
Dieses Video bekommt Reichweite.
Das klingt demokratischer.
Ist es aber nur teilweise, denn Plattformen optimieren auf:
Aufmerksamkeit, Interaktion, Verweildauer.
Damit können extreme, emotionale oder konfliktgeladene Inhalte Vorteile erhalten.
Der klassische Programmdirektor ist also nicht verschwunden.
Er besteht heute teilweise aus Software.
Und niemand sieht genau, nach welchen Regeln er jeden einzelnen Feed zusammenstellt.
Das vierte Risiko... jeder bekommt sein eigenes Fernsehen
Früher schauten Millionen dieselbe Sendung.
Am nächsten Morgen konnte man darüber reden.
Heute besitzt jeder theoretisch einen eigenen Feed.
Der Algorithmus lernt:
Du magst Autos, du bekommst Autos.
Du magst Rap. Rap.
Fitness? Fitness.
Dann kann auch davon immer mehr erscheinen.
Das erzeugt enorme Individualisierung, aber gesellschaftlich kann dabei etwas verloren gehen:
gemeinsame Öffentlichkeit.
GZSZ war nicht für jeden relevant, aber diejenigen, die es sahen, sahen zumindest dieselben Figuren.
Social Media produziert Millionen parallele Wirklichkeiten.
Das ist Freiheit, aber auch Herausforderung.
Perspektivenwechsel
Vielleicht war der Fernseher nur die Technologie.
Das eigentliche Produkt war immer:
Aufmerksamkeit + Geschichte + Beziehung.
GZSZ funktionierte nicht wegen des Fernsehgeräts.
Es funktionierte, weil Menschen:
Figuren kannten, Beziehungen verstanden, wissen wollten, was passiert und am nächsten Tag darüber reden konnten.
Social Media nimmt genau diese Mechanismen und macht sie:
schneller, interaktiver, persönlicher, globaler, permanenter.
Das Entscheidende ist deshalb nicht:
Fernsehen gegen TikTok.
Das Entscheidende lautet:
Wie verändert sich Geschichtenerzählen, wenn das Publikum plötzlich Teil der Geschichte werden kann?
Und dadurch verändert sich sogar Prominenz
Früher konnte jemand berühmt sein, aber vollkommen unerreichbar bleiben.
Heute wird häufig gerade die scheinbare Nähe zum Erfolgsfaktor.
Creator sagen:
„Guten Morgen.“
„Kommt mit.“
„Ich zeig euch meinen Tag.“
„Was denkt ihr?“
„Schreibt es in die Kommentare.“
Damit verändert sich der kulturelle Vertrag zwischen Publikum und Medienperson.
Die Community erwartet Beteiligung.
Der Creator erwartet Reaktion.
Und die Plattform verdient daran, dass diese Verbindung möglichst lange bestehen bleibt.
Das ist kulturell, wirtschaftlich und technologisch eine vollkommen neue Konstellation.
Was wir wissen
GZSZ wird seit 1992 werktags bei RTL ausgestrahlt und gehört zu den dauerhaft erfolgreichsten deutschen Daily-Dramas. Das klassische Prinzip basiert auf fortlaufenden Figuren und Geschichten, die Zuschauer regelmäßig wiederkehren lassen.
Die lineare Fernsehnutzung sinkt insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 2025 durchschnittlich 67 Minuten lineares Fernsehen täglich gemessen, zwölf Minuten weniger als 2024.
Die Mediennutzung junger Menschen ist inzwischen überwiegend non-linear. Bei den 14- bis 29-Jährigen entfielen zuletzt fast 90 Prozent der Videonutzungsdauer auf Inhalte, die nicht an einen festen Sendetermin gebunden sind.
Social Media gehört für junge Menschen zum Alltag. 2025 nutzten rund 91 Prozent der 14- bis 29-Jährigen soziale Medien mindestens wöchentlich.
Gleichzeitig bleibt lineares Fernsehen besonders bei Live-Ereignissen und großen gesellschaftlich relevanten Ereignissen stark. Social Media ersetzt Fernsehen deshalb nicht vollständig; der Medienmarkt fragmentiert sich vielmehr auf zahlreiche Plattformen und Nutzungssituationen.
Was noch unklar ist
Wir wissen nicht, ob lineares Fernsehen irgendwann vollständig verschwinden wird.
Dafür gibt es aktuell keine Grundlage.
Wahrscheinlicher ist zunächst eine weitere Aufteilung:
Live-Inhalte, Streaming, Social Video, Creator, Podcasts, Gaming, klassisches Fernsehen sind nebeneinander.
Ebenso können wir Community nicht einfach mit Freundschaft gleichsetzen.
Digitale Beziehungen unterscheiden sich enorm.
Manche Communities besitzen echte persönliche Kontakte.
Andere bestehen fast ausschließlich aus parasozialer Nähe.
Und auch die Aussage:
„Social Media ist das neue Fernsehen“
ist deshalb eine redaktionelle Zuspitzung.
Präziser wäre:
Social Media übernimmt Funktionen des Fernsehens... ergänzt sie aber um Interaktion, Personalisierung und Community.
Was als Nächstes wichtig wird
Der nächste Medienwandel läuft bereits.
Generative KI kann:
Videos erzeugen, Stimmen klonen, Moderatoren erschaffen, Übersetzungen automatisieren, Avatare betreiben, Content personalisieren.
Dann stellt sich irgendwann eine noch größere Frage:
Was passiert, wenn jeder Nutzer nicht nur seinen eigenen Feed bekommt... sondern seine eigene individuell generierte Serie?
Und gleichzeitig wächst wahrscheinlich der Wert des Gegenteils:
echte Menschen, echte Live-Momente, echte Communities, denn je einfacher künstlicher Content wird, desto wertvoller könnte glaubwürdige menschliche Beziehung werden.
Einordnung von ROQ News
Vielleicht erleben wir gerade keinen Untergang des Fernsehens.
Vielleicht erleben wir seine nächste Evolutionsstufe.
RTL hatte:
GZSZ.
Feste Sendezeit, Figuren, Cliffhanger, Morgen geht es weiter.
Social Media besitzt:
Community.
Keine feste Sendezeit, Creator, Livestream, Kommentare, Memes, Reactions und praktisch jederzeit:
Es geht weiter.
Die grundlegende menschliche Neugier hat sich dabei kaum verändert.
Wir wollen Geschichten.
Wir interessieren uns für andere Menschen.
Wir wollen wissen:
Was passiert als Nächstes?
Nur die Rolle des Publikums hat sich verändert.
Früher saßen wir vor dem Bildschirm.
Heute sitzen wir:
im Kommentarbereich.
Und manchmal verändern unsere Kommentare sogar die Geschichte.
Das ist der eigentliche kulturelle Sprung.
Aus Zuschauern wurden Teilnehmer.
Aus Serien wurden Communities.
Und aus dem Fernsehprogramm wurde ein permanenter, personalisierter Feed.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
- Fachmedium · abgerufen 08.10.2026
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