Was ist passiert?
Internationale Forschungsdaten zeigen, wie unterschiedlich Innovation entsteht
Die Weltorganisation für geistiges Eigentum, WIPO, untersucht jährlich die Innovationsleistung zahlreicher Volkswirtschaften.
Der Global Innovation Index 2026 berücksichtigt 139 Volkswirtschaften und rund 80 Indikatoren, dazu gehören wissenschaftliche Forschung, Patente, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, technologische Entwicklungen und weitere Innovationskennzahlen.
Die Schweiz belegt 2026 erneut den ersten Platz. Es folgen Schweden und die Vereinigten Staaten. Südkorea erreicht Platz vier, während China inzwischen zu den zehn führenden Innovationsökonomien gehört.
Deutschland liegt auf Platz elf, Japan auf Platz zwölf, doch solche Ranglisten beantworten nicht unmittelbar die Frage, welche Menschen eine Innovation tatsächlich entwickelt haben.
Einen anderen Einblick liefern die Forschungsstatistiken der OECD.
Nach den im März 2026 veröffentlichten Daten entfielen im Jahr 2024 rund 73 Prozent der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben im OECD-Raum auf Unternehmen.
Das zeigt, welche zentrale Rolle die Wirtschaft innerhalb der professionellen Forschung und Entwicklung spielt.
Noch interessanter wird es beim Blick auf die europäischen Patentanmeldungen.
Nach Angaben des Europäischen Patentamts entfielen 2024 bei europäischen Anmeldern rund 71 Prozent der untersuchten Anmeldungen auf Großunternehmen.
Weitere 22 Prozent stammten gemeinsam von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Einzelerfindern.
Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen erreichten sieben Prozent.
Diese Zahlen beschreiben allerdings die Anmelder von Patenten und nicht sämtliche tatsächlichen Erfinder.
Ein Mitarbeiter kann eine technische Lösung entwickeln, während sein Arbeitgeber als Patentinhaber auftritt und ebenso können wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer Hochschule später innerhalb eines Unternehmens zu einer patentierten Anwendung weiterentwickelt werden.
Die Daten zeigen deshalb nicht, dass Universitäten nur sieben Prozent aller Innovationen hervorbringen.
Sie zeigen vielmehr, wie unterschiedlich die Rollen innerhalb des Innovationssystems verteilt sind.
Und genau diese Unterscheidung ist entscheidend.
Warum ist das wichtig?
Wir messen Forschung, Patente und Investitionen... aber nicht automatisch den tatsächlichen Fortschritt
Wenn über Innovationsfähigkeit gesprochen wird, stehen häufig bestimmte Kennzahlen im Mittelpunkt.
Wie viel Geld investiert ein Land in Forschung?
Wie viele Patente werden angemeldet?
Wie viele wissenschaftliche Veröffentlichungen entstehen?
Und wie viele Start-ups werden gegründet?
Diese Kennzahlen besitzen einen wichtigen Informationswert, doch sie messen unterschiedliche Dinge.
Forschung bedeutet zunächst, neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Eine Erfindung beschreibt eine neue technische Lösung.
Eine Patentanmeldung dient dem rechtlichen Schutz einer Erfindung.
Innovation entsteht dagegen erst durch die praktische Einführung eines neuen oder wesentlich verbesserten Produkts oder Prozesses und selbst eine erfolgreich eingeführte Innovation muss nicht zwangsläufig wirtschaftlich erfolgreich sein.
Das Oslo Manual der OECD unterscheidet deshalb ausdrücklich zwischen Forschungsaktivitäten und tatsächlich eingeführten Innovationen.
Ein Unternehmen kann beispielsweise eine neue Technologie entwickeln, die niemals auf den Markt gelangt.
Ein anderes Unternehmen kann einen bestehenden Arbeitsprozess mithilfe verfügbarer Technologien wesentlich verbessern.
Beide Aktivitäten sind für die Innovationsforschung relevant, doch sie werden nicht zwangsläufig in denselben Statistiken sichtbar.
Das eigentliche Problem
Nicht jede Innovation wird patentiert.
Nicht jede technische Verbesserung wird wissenschaftlich veröffentlicht und nicht jede praktische Problemlösung wird als formale Forschung und Entwicklung erfasst, deshalb bilden Patent- und Forschungsstatistiken wichtige Ausschnitte der Innovationslandschaft ab, aber nicht deren Gesamtheit.
Wer Innovation ausschließlich anhand von Patenten und Forschungsausgaben bewertet, übersieht möglicherweise einen Teil der tatsächlich entwickelten Lösungen.
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Innovation besitzt keinen vorgeschriebenen Bildungsweg
Universitäten schaffen wissenschaftliche Grundlagen.
Forschungseinrichtungen entwickeln neue Erkenntnisse und Technologien.
Große Unternehmen verfügen über Kapital, spezialisierte Entwicklungsabteilungen und industrielle Produktionsmöglichkeiten.
Mittelständische Unternehmen bringen praktische Erfahrungen und spezialisierte technische Kompetenzen ein.
Start-ups erproben neue Geschäftsmodelle und Anwendungen.
Unabhängige Entwickler können eigene technische Lösungen entwickeln, ohne einer Forschungsorganisation anzugehören.
Diese Akteure übernehmen unterschiedliche Aufgaben und sie sollten deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Besitz einer formalen Qualifikation und der tatsächlichen Fähigkeit, ein Problem zu lösen.
Ein Hochschulabschluss kann umfangreiches Fachwissen dokumentieren.
In zahlreichen wissenschaftlichen und sicherheitskritischen Bereichen sind entsprechende Qualifikationen unverzichtbar, doch daraus folgt nicht, dass Menschen ohne akademischen Abschluss keine Erfindungen entwickeln können.
Praktische Erfahrung kann ebenfalls neue Erkenntnisse hervorbringen.
Ein Facharbeiter kann eine Produktionsanlage über Jahre hinweg so genau kennenlernen, dass er technische Verbesserungsmöglichkeiten erkennt.
Ein Handwerker kann neue Verfahren entwickeln.
Ein autodidaktischer Programmierer kann Software erstellen und ein Unternehmer kann vorhandene Technologien zu einem neuen Geschäftsmodell verbinden.
Die internationalen Patentstatistiken erlauben allerdings keine vollständige Aussage darüber, wie viele Erfindungen von Menschen ohne Hochschulabschluss stammen.
Wir wissen also, dass Innovation unterschiedliche Bildungswege besitzt. Wir wissen aber nicht, welchen Anteil sämtliche Bildungsgruppen weltweit an allen Innovationen haben.
Genau diese Wissenslücke sollte stärker untersucht werden.
Was zeigen die internationalen Zahlen?
Millionen Patentanmeldungen... aber keine vollständige Erfinderstatistik
Nach den World Intellectual Property Indicators 2025 wurden im Jahr 2024 weltweit rund 3,7 Millionen Patentanmeldungen eingereicht.
Das waren etwa 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede zwischen den großen Patentämtern.
| Patentamt | Anmeldungen 2024, gerundet |
|---|---|
| China | 1,8 Millionen |
| Vereinigte Staaten | 603.000 |
| Japan | 307.000 |
| Südkorea | 246.000 |
| Europäisches Patentamt | 199.000 |
Diese Zahlen beschreiben Anmeldungen bei Patentämtern, doch sie sind keine direkte Rangliste der Erfindungsleistung der jeweiligen Bevölkerung.
Eine Erfindung kann in mehreren Ländern angemeldet werden.
Außerdem können Unternehmen aus einem Land Patente bei ausländischen Patentämtern beantragen.
Auch die Qualität und wirtschaftliche Bedeutung einzelner Patente unterscheiden sich erheblich.
Deutschland und Europa
Deutschland besitzt eine starke industrielle Forschungslandschaft.
Neben Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen spielen große Industrieunternehmen und spezialisierte mittelständische Betriebe eine wichtige Rolle.
Die europäischen Patentdaten verdeutlichen dabei die starke Stellung großer Unternehmen.
Sie erlauben jedoch keine Aussage darüber, wie viele technische Lösungen innerhalb dieser Unternehmen von Akademikern, Facharbeitern oder autodidaktischen Entwicklern geschaffen wurden.
Vereinigte Staaten
Die USA verbinden wissenschaftliche Forschung mit großen Technologieunternehmen, Start-ups, Kapitalmärkten und staatlich finanzierten Forschungsprogrammen.
Auch unabhängige Entwickler und Nutzerinnovatoren sind dort wissenschaftlich untersucht worden.
China
China besitzt inzwischen eine außerordentlich hohe Patentaktivität.
Die Zahl der Anmeldungen allein erlaubt jedoch keine Aussage darüber, wie viele Erfindungen wirtschaftlich erfolgreich sind oder international eine hohe technologische Bedeutung besitzen.
Japan und Südkorea
Beide Länder verfügen über starke industrielle Forschungsstrukturen.
Insbesondere Südkorea zählt bei Forschungsintensität und technologischer Entwicklung zu den international führenden Volkswirtschaften, doch auch hier müssen Forschungsausgaben, Patentanmeldungen und erfolgreiche Innovationen getrennt betrachtet werden.
Die übersehenen Erfinder
Wissenschaftliche Studien zeigen Innovation außerhalb klassischer Forschungsinstitutionen
Besonders interessant ist ein Forschungsgebiet, das in der öffentlichen Innovationsdebatte häufig weniger Aufmerksamkeit erhält.
Die sogenannte Nutzerinnovation.
Dabei entwickeln Menschen Produkte oder Verfahren zunächst für den eigenen Gebrauch oder verbessern bestehende Lösungen wesentlich.
Sie handeln nicht zwangsläufig als professionelle Erfinder.
Manche besitzen keine Forschungsabteilung.
Andere arbeiten nicht an einer Universität und viele verfolgen zunächst überhaupt kein kommerzielles Ziel.
Sie möchten schlicht ein konkretes Problem lösen.
Internationale Haushaltsbefragungen haben solche Aktivitäten in mehreren Ländern untersucht.
Eine 2022 veröffentlichte wissenschaftliche Forschungsübersicht fasst entsprechende Ergebnisse zusammen.
| Land | Anteil erfasster Nutzerinnovatoren |
|---|---|
| Schweden | 7,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 6,1 % |
| Finnland | 5,4 % |
| USA | 5,2 % |
| Japan | 3,7 % |
| Südkorea | 1,5 % |
Die Werte stammen aus Untersuchungen unterschiedlicher Jahre und sind keine aktuellen Länderwerte für 2026.
Sie erfassen außerdem bestimmte Formen der Nutzerinnovation und nicht sämtliche technischen oder wirtschaftlichen Neuerungen.
Trotzdem zeigen sie etwas Bemerkenswertes.
Auch außerhalb professioneller Forschungsorganisationen entwickeln Menschen eigenständig neue oder wesentlich verbesserte Lösungen.
Für die Vereinigten Staaten wurde in den zugrunde liegenden Untersuchungen eine Größenordnung von etwa 16 Millionen Nutzerinnovatoren angegeben.
Für Japan waren es rund 3,9 Millionen.
Dabei handelt es sich um historische Hochrechnungen und nicht um aktuelle Erhebungen aus dem Jahr 2026.
Diese Menschen sind nicht automatisch Patentanmelder, ihre Entwicklungen werden nicht zwangsläufig wirtschaftlich vermarktet und ihre Lösungen sind nicht in jedem Fall weltweit neu, doch ihre Aktivitäten zeigen, dass das Innovationsgeschehen über die professionelle Forschung hinausreicht.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Unternehmen: Innovation könnte näher am Arbeitsalltag entstehen, als häufig angenommen
In Unternehmen wird Innovation oft mit Entwicklungsabteilungen, Forschungslaboren und spezialisierten Experten verbunden.
Diese Strukturen sind wichtig, doch neue Lösungen können auch im gewöhnlichen Arbeitsalltag entstehen.
Produktionsmitarbeiter erkennen technische Schwachstellen, Servicetechniker erleben Probleme unmittelbar beim Kunden, Mitarbeiter aus der Verwaltung entdecken ineffiziente Abläufe und Beschäftigte aus dem Vertrieb erhalten direkte Rückmeldungen über Kundenbedürfnisse.
Solche Erfahrungen können wertvolle Ausgangspunkte für Verbesserungen sein.
Unternehmen könnten deshalb stärker untersuchen, welche Ideen außerhalb ihrer klassischen Forschungsabteilungen entstehen.
Entscheidend wäre, diese Vorschläge nicht nur zu sammeln, sondern nachvollziehbar zu prüfen und geeignete Lösungen tatsächlich umzusetzen.
Arbeitnehmer: Fähigkeiten sollten nicht ausschließlich über Berufsbezeichnungen bewertet werden
Ein Mensch besitzt häufig mehr Fähigkeiten, als seine aktuelle Stellenbeschreibung erkennen lässt.
Berufserfahrung, Weiterbildung, persönliche Projekte und eigenständiges Lernen können zusätzliche Kompetenzen hervorbringen, wenn Unternehmen diese Fähigkeiten besser erkennen, könnten sich neue Entwicklungsmöglichkeiten ergeben.
Dabei dürfen formale Qualifikationen nicht pauschal abgewertet werden.
Sie bleiben wichtige Nachweise fachlicher Kompetenzen, doch ergänzend könnten praktische Projektergebnisse und nachweisbare Problemlösungen stärker berücksichtigt werden.
Kommunen: Regionale Innovationskraft hängt auch von der Vernetzung ab
Eine Region kann Hochschulen, Unternehmen, Vereine und qualifizierte Menschen besitzen, ohne dass daraus automatisch neue Kooperationen entstehen.
Ein Unternehmen benötigt möglicherweise eine technische Lösung, eine Hochschule verfügt über entsprechendes Wissen, ein unabhängiger Entwickler besitzt praktische Erfahrung, doch die Beteiligten kennen sich nicht.
Eine bessere Verbindung regionaler Akteure könnte zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Gerade kleinere Städte und ländliche Regionen könnten davon profitieren, wenn vorhandene Kompetenzen leichter sichtbar und zugänglich würden.
Ob und in welchem Umfang solche Netzwerke tatsächlich zusätzliche Innovationen erzeugen, müsste allerdings untersucht werden.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Mehr Menschen könnten Zugang zu Innovationsmöglichkeiten erhalten
Die internationale Forschung zeigt, dass neue Lösungen aus unterschiedlichen organisatorischen Zusammenhängen entstehen können.
Daraus ergibt sich die Chance, Innovationsförderung breiter zu gestalten.
Unabhängige Entwickler könnten leichter Zugang zu geeigneten Ansprechpartnern erhalten.
Kleine Unternehmen könnten mit Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten.
Praktische Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag könnten stärker in Entwicklungsprojekte einfließen und Menschen ohne akademischen Hintergrund könnten ihre Fähigkeiten anhand konkreter Projekte sichtbar machen.
Besonders interessant wäre eine stärkere Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung, denn viele Entwicklungen benötigen beide Perspektiven.
Wissenschaftliche Erkenntnisse können neue technische Möglichkeiten schaffen.
Praktische Erfahrungen helfen dabei, konkrete Anforderungen zu verstehen.
Unternehmen können die wirtschaftliche Umsetzung übernehmen und unabhängige Entwickler können zusätzliche Lösungsansätze einbringen.
Die große Chance liegt nicht darin, einen Akteur durch einen anderen zu ersetzen, sondern ihre unterschiedlichen Stärken besser miteinander zu verbinden.
Nicht jede Idee ist eine Innovation... und nicht jede Erfindung funktioniert
Eine breitere Anerkennung unabhängiger Entwickler darf nicht dazu führen, wissenschaftliche Qualitätsstandards aufzugeben.
Nicht jede technische Idee ist tatsächlich neu, nicht jede Lösung funktioniert unter realen Bedingungen und nicht jede Entwicklung besitzt einen wirtschaftlichen Nutzen.
Gerade in sicherheitskritischen Bereichen sind fachliche Prüfungen, wissenschaftliche Methoden und gegebenenfalls gesetzliche Zulassungen unverzichtbar.
Auch unabhängige Erfinder benötigen Zugang zu geeigneten Testmöglichkeiten und fachlicher Bewertung.
Ein weiteres Risiko besteht darin, aus unvollständigen Statistiken falsche Schlussfolgerungen abzuleiten, wenn sieben Prozent der europäischen Patentanmeldungen auf Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen entfallen, bedeutet das nicht, dass diese Einrichtungen nur sieben Prozent zur Innovation beitragen.
Ebenso wenig beweisen Studien zur Nutzerinnovation, dass unabhängige Entwickler den größten Teil aller wirtschaftlich erfolgreichen Innovationen hervorbringen.
Eine seriöse Innovationsdebatte muss zwischen belegten Ergebnissen und offenen Forschungsfragen unterscheiden.
Perspektivenwechsel
Warum fragen wir so häufig nach Abschlüssen... und so selten nach tatsächlich entwickelten Lösungen?
Unsere Gesellschaft besitzt etablierte Verfahren, um Qualifikationen sichtbar zu machen.
Schulabschlüsse, Berufsausbildungen, Hochschulabschlüsse, Zertifikate, wissenschaftliche Veröffentlichungen.
Diese Nachweise erfüllen wichtige Aufgaben.
Sie schaffen Orientierung und dokumentieren bestimmte Kompetenzen, doch sie bilden nicht sämtliche Fähigkeiten eines Menschen ab.
Ein Entwickler kann über viele Jahre praktische Erfahrungen sammeln, ohne einen akademischen Abschluss zu erwerben.
Ein Mitarbeiter kann technische Verbesserungen entwickeln, ohne jemals als Erfinder öffentlich bekannt zu werden und ein Unternehmer kann ein innovatives Geschäftsmodell aufbauen, ohne zuvor an einer Hochschule geforscht zu haben.
Das bedeutet nicht, dass Abschlüsse überflüssig wären.
Es bedeutet, dass sie nur einen Teil menschlicher Fähigkeiten beschreiben.
Die entscheidende Frage
Wie könnten wir Innovationspotenzial stärker anhand nachweisbarer Fähigkeiten und tatsächlich entwickelter Lösungen beurteilen?
Genau hier entsteht ein möglicher Ansatz für Cast Royal.
Die Plattform verfolgt die Vision, Wissen, digitale Werkzeuge, Menschen und wirtschaftliche Möglichkeiten miteinander zu verbinden.
Eine solche Infrastruktur könnte künftig dabei helfen, unterschiedliche Kompetenzen sichtbar zu machen.
Ein unabhängiger Entwickler könnte ein Projekt vorstellen.
Ein Unternehmen könnte eine technische Herausforderung beschreiben.
Eine Hochschule könnte wissenschaftliche Kompetenzen einbringen und geeignete Partner könnten gemeinsam an einer Lösung arbeiten.
Mit ROQ Reputation, ROQ Network und den bestehenden Lern- und Werkzeugangeboten besitzt Cast Royal bereits konzeptionelle Anknüpfungspunkte für diese Richtung.
Cast Royal hat in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass Vernetzung und wirkliches handeln Fortschritt mit sich bringt.
Die Vision lautet nicht, akademische Titel abzuschaffen. Sie lautet, tatsächliche Fähigkeiten und Leistungen zusätzlich sichtbar zu machen.
Was wir wissen
Internationale Forschungsdaten zeigen, dass Unternehmen einen erheblichen Teil der systematisch erfassten Forschung und Entwicklung durchführen.
Im OECD-Raum entfielen 2024 rund 73 Prozent der entsprechenden Ausgaben auf den Unternehmenssektor.
Die europäischen Patentstatistiken zeigen außerdem, dass große Unternehmen einen bedeutenden Teil der Patentanmeldungen kontrollieren.
Gleichzeitig belegen wissenschaftliche Haushaltsbefragungen, dass Menschen auch außerhalb professioneller Forschungsorganisationen Produkte entwickeln oder wesentlich verbessern.
Wir wissen außerdem, dass nicht jede Innovation patentiert wird und wir wissen, dass Forschungsausgaben, Patentanmeldungen und wirtschaftlich erfolgreiche Innovationen unterschiedliche Sachverhalte beschreiben.
Was noch unklar ist
Bislang lässt sich nicht zuverlässig bestimmen, welcher Anteil sämtlicher weltweiter Innovationen von Menschen ohne Hochschulabschluss entwickelt wird.
Auch ist nicht bekannt, wie viele technische Verbesserungen niemals patentiert, veröffentlicht oder anderweitig statistisch erfasst werden.
Ebenso fehlen international einheitliche Daten darüber, wie viele wirtschaftlich wertvolle Ideen aufgrund fehlender Finanzierung, mangelnder Kontakte oder unzureichender Unterstützung nicht umgesetzt werden.
Die Studien zur Nutzerinnovation zeigen zwar, dass solche Entwicklungsaktivitäten existieren.
Sie erlauben jedoch keine vollständige Berechnung des weltweit ungenutzten Innovationspotenzials.
Die Forschung belegt die Existenz dieser Innovationsleistungen. Ihre gesamte wirtschaftliche Bedeutung bleibt aber nur teilweise messbar.
Was als Nächstes wichtig wird
Die internationale Innovationsforschung sollte stärker untersuchen, welche Entwicklungsleistungen außerhalb klassischer Forschungsorganisationen entstehen, dazu könnten regelmäßige Haushaltsbefragungen gehören, auch die Bildungswege tatsächlicher Erfinder wären ein wichtiges Forschungsfeld.
Unternehmen könnten systematischer dokumentieren, aus welchen Bereichen erfolgreiche Verbesserungen stammen.
Förderprogramme könnten untersuchen, welche Zugangshürden unabhängige Entwickler tatsächlich erleben und digitale Innovationsplattformen könnten prüfen, ob die Verbindung unterschiedlicher Akteure zu zusätzlichen erfolgreichen Projekten führt.
Dabei sollten nicht allein Kontakte oder Nutzerzahlen gezählt werden.
Entscheidend wäre, welche Lösungen tatsächlich entwickelt, überprüft und umgesetzt werden.
Einordnung von ROQ News
Unsere Zukunft entsteht nicht ausschließlich dort, wo Forschung auf dem Türschild steht
Die internationale Recherche zeigt ein differenziertes Bild.
Universitäten und Forschungseinrichtungen sind unverzichtbare Bestandteile moderner Innovationssysteme.
Sie schaffen wissenschaftliche Grundlagen, entwickeln neue Erkenntnisse und bilden qualifizierte Menschen aus.
Große Unternehmen übernehmen einen erheblichen Teil der Forschung und Entwicklung.
Sie besitzen Ressourcen, um komplexe Technologien zu entwickeln und wirtschaftlich umzusetzen.
Mittelständische Unternehmen bringen spezialisierte Erfahrungen und praktische Problemlösungskompetenzen ein.
Start-ups erproben neue Geschäftsmodelle und technologische Anwendungen und unabhängige Entwickler schaffen Lösungen, die nicht zwangsläufig in klassischen Forschungsstatistiken sichtbar werden.
Diese unterschiedlichen Akteure sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, denn Innovation entsteht häufig durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Fähigkeiten.
Die entscheidende Herausforderung besteht darin, geeignete Verbindungen zwischen ihnen zu schaffen, doch eine Frage bleibt.
Wie viele Menschen besitzen Fähigkeiten, die niemals ausreichend erkannt werden?
Wie viele Ideen werden nicht umgesetzt, weil geeignete Unterstützung fehlt?
Und wie viele wirtschaftlich wertvolle Lösungen bleiben unbekannt, obwohl sie anderen Menschen helfen könnten?
Die internationale Forschung liefert darauf noch keine vollständige Antwort, deshalb wäre es unseriös, eine konkrete Zahl angeblich verlorener Innovationen zu behaupten, doch sie zeigt deutlich, dass Patent- und Forschungsstatistiken nicht sämtliche Entwicklungsleistungen erfassen.
Daraus ergibt sich eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Wir sollten wissenschaftliche Forschung weiterhin fördern.
Wir sollten Unternehmen bei technologischer Entwicklung unterstützen und wir sollten gleichzeitig untersuchen, wie Menschen außerhalb etablierter Forschungsstrukturen besseren Zugang zu Wissen, Werkzeugen und geeigneten Partnern erhalten können, denn ein Hochschulabschluss kann wichtige Kompetenzen nachweisen.
Er ist aber keine Voraussetzung dafür, dass ein Mensch überhaupt neue Lösungen entwickeln kann.
Innovation braucht Wissen, Kreativität und die Fähigkeit zur Umsetzung, aber sie besitzt keinen vorgeschriebenen Lebenslauf.
Vielleicht liegt ein Teil unserer zukünftigen Innovationskraft deshalb nicht darin, ausschließlich neue Forschungsinstitutionen aufzubauen, sondern auch darin, vorhandene Fähigkeiten besser zu erkennen und Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenzubringen, denn unsere Zukunft wird nicht von einer einzigen Berufsgruppe erschaffen.
Sie entsteht durch Wissenschaftler, Ingenieure, Facharbeiter, Unternehmer, Entwickler und viele weitere Menschen.
Nicht der Titel allein entscheidet über Innovation. Entscheidend ist, ob aus Wissen und Ideen tatsächlich neue Lösungen entstehen.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
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Global Innovation Index – WIPOSonstige · abgerufen 01.11.2026
- Sonstige · abgerufen 01.11.2026
- Sonstige · veröffentlicht 31.03.2026 · abgerufen 01.11.2026
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Patent Index 2024 – Europäisches PatentamtSonstige · abgerufen 01.11.2026
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