Was ist passiert?
Am 7. Juli 2026 veröffentlichte das Fraunhofer HHI einen neuen Rekordversuch aus der Terahertz-Kommunikation.
Die Forschenden übertrugen Daten über eine 500 Meter lange Sichtverbindung im Berliner Stadtgebiet.
Dabei handelte es sich ausdrücklich um eine Outdoor-Strecke unter realen atmosphärischen Bedingungen und nicht lediglich um einen kurzen Laboraufbau.
Die Übertragung erfolgte im Bereich von 300 Gigahertz.
Zum Vergleich:
Mobilfunk und WLAN arbeiten normalerweise in erheblich niedrigeren Frequenzbereichen.
Terahertz-Kommunikation bewegt sich dagegen oberhalb von 100 GHz und erschließt dadurch sehr große verfügbare Bandbreiten. Fraunhofer beschreibt gerade diese breiten Frequenzbereiche als Voraussetzung für drahtlose Kapazitäten von mehr als 100 Gbit/s.
Der neue Versuch erreichte:
221,5 Gbit/s Nettodatenrate,
über
500 Meter,
im
300-GHz-Band.
Das Team kombinierte dafür unter anderem 64QAM, zwei Polarisationsebenen, sogenanntes Probabilistic Constellation Shaping und Hochleistungsverstärker. Vereinfacht gesagt wurde die Art, wie digitale Informationen auf das Funksignal verteilt werden, besonders genau an die Qualität der realen Funkstrecke angepasst. Dadurch konnte die vorhandene Bandbreite effizienter genutzt werden.
Die wissenschaftliche Arbeit wurde auf der Optoelectronics and Communications Conference 2026 vorgestellt und dort mit dem Best Student Paper Award ausgezeichnet.
Von 100 auf mehr als 220 Gigabit über dieselbe Distanz
Besonders interessant ist der Vergleich mit früheren Arbeiten des Instituts.
Fraunhofer HHI hatte bereits Jahre zuvor auf dem Campus der TU Berlin eine fehlerfreie 100-Gbit/s-Übertragung über 500 Meter demonstriert und an feldtauglichen 300-GHz-Systemen gearbeitet.
Nun wurden über dieselbe Größenordnung der Entfernung mehr als 220 Gbit/s netto erreicht.
Das zeigt, wie stark sich nicht nur die reine Funkhardware, sondern auch:
Modulationsverfahren, Signalverarbeitung, Verstärker und optische beziehungsweise elektronische Komponenten weiterentwickeln.
Damit wird ein entscheidender Punkt sichtbar:
6G entsteht nicht durch eine einzelne große Erfindung.
Es entsteht aus vielen Verbesserungen, die schließlich gemeinsam eine neue Netzarchitektur ermöglichen.
Warum überhaupt 300 Gigahertz?
Bei Funkkommunikation ist Frequenzraum eine Ressource.
Je höher die verfügbaren Bandbreiten werden, desto größere Datenmengen können grundsätzlich gleichzeitig übertragen werden.
In klassischen Mobilfunkbereichen ist dieser Frequenzraum begrenzt.
Im Bereich oberhalb von 100 GHz stehen wesentlich größere zusammenhängende Bandbreiten zur Verfügung. Fraunhofer nennt deshalb Anwendungen wie:
Backhaul, Fronthaul, Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, Fixed Wireless Access, Redundanz und Wireless Fiber Extender, als mögliche Einsatzgebiete zukünftiger Terahertz-Kommunikation.
Das bedeutet:
Nicht jedes Smartphone müsste permanent direkt mit 300 GHz kommunizieren.
Eine wesentlich realistischere frühe Anwendung könnte darin bestehen, Netzknoten miteinander zu verbinden.
Und genau da wird die Sache wirtschaftlich interessant.
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Wir reden beim Breitbandausbau häufig nur über zwei Welten.
Entweder:
Kabel.
Oder:
Mobilfunk.
Doch zukünftige Netze könnten erheblich hybrider werden.
Stell dir vor, Glasfaser erreicht einen Standort.
Von dort soll eine weitere:
Fabrikhalle, Mobilfunkstation, Veranstaltungsfläche, Baustelle, Forschungseinrichtung, oder ein anderes Gebäude mit extrem hoher Kapazität angebunden werden.
Heute könnte dafür erneut ein Glasfaserkabel notwendig sein.
Das bedeutet gegebenenfalls:
Planung. Tiefbau. Genehmigung. Straßen öffnen. Kabel verlegen. Anschlüsse herstellen.
Eine gerichtete Terahertz-Funkbrücke könnte in bestimmten Situationen einen anderen Weg ermöglichen.
Glasfaser bis Punkt A.
Dann:
extrem schnelle Funkstrecke bis Punkt B.
Dort kann wiederum Glasfaser, Ethernet oder ein lokales Funknetz weiterverteilen.
Das Fraunhofer HHI beschreibt genau diese Idee als Wireless Fiber Extender.
Das bedeutet nicht:
Glasfaser wird überflüssig.
Im Gegenteil.
Solche Funkverbindungen könnten gerade deshalb interessant werden, weil sie optische Glasfasernetze ergänzen.
Die Innovation besteht nicht darin, Glasfaser gegen Funk auszuspielen. Sie besteht darin, beide Technologien so miteinander zu verbinden, dass jede dort eingesetzt wird, wo sie ihre größten Vorteile besitzt.
Das passt erstaunlich gut zu unserer gesamten Digitalisierungsdebatte.
Nicht:
eine Technologie für alles.
Sondern:
die richtige Technologie für die richtige Aufgabe.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Für Unternehmen könnten Standortanbindungen flexibler werden
Ein Unternehmen benötigt für moderne Digitalisierung zunehmend leistungsfähige Datenverbindungen.
Cloud. Produktionsdaten. Video. Digitale Zwillinge. KI. Maschinendaten. Fernwartung. Robotik. Sicherungen. Standortvernetzung.
Je stärker industrielle Prozesse digital werden, desto wichtiger wird die Verbindung zwischen diesen Systemen.
Ein Betrieb besitzt vielleicht auf einer Seite seines Geländes bereits Glasfaser.
Eine neue Halle liegt 300 oder 500 Meter entfernt.
Zwischen beiden befinden sich:
Straße, Bahngleis, fremdes Grundstück, oder andere bauliche Hindernisse.
Eine hochleistungsfähige Punkt-zu-Punkt-Funkverbindung könnte dort langfristig interessant sein.
Nicht für jeden Standort.
Aber genau dort, wo Tiefbau unwirtschaftlich oder schwierig ist.
Mobilfunkstationen könnten schneller angebunden werden
Mobilfunk funktioniert nicht einfach dadurch, dass irgendwo ein Sendemast steht.
Die Station selbst benötigt eine leistungsfähige Verbindung zum restlichen Netz.
Diese Verbindung wird häufig als Backhaul beziehungsweise in bestimmten Netzarchitekturen als Fronthaul bezeichnet.
Je mehr Daten zukünftige Mobilfunknetze transportieren, desto leistungsfähiger müssen auch diese rückwärtigen Verbindungen werden.
Fraunhofer nennt genau diesen Bereich als zentrales Anwendungsfeld der Terahertz-Kommunikation.
Das ist ein wichtiger Punkt.
6G wird nicht nur dadurch schneller, dass die Funkverbindung zum Smartphone verbessert wird.
Das gesamte Netz dahinter muss mithalten.
Eine Funkzelle, die theoretisch gigantische Datenmengen empfangen kann, hilft wenig, wenn anschließend eine langsame Leitung zum Kernnetz führt.
Fabriken könnten stärker drahtlos vernetzt werden
Industrieanlagen verändern sich.
Maschinen werden verschoben.
Produktionslinien werden angepasst.
Roboter kommen hinzu.
Temporäre Anlagen entstehen.
Ein Kabel bietet große Zuverlässigkeit und Kapazität, aber es ist physisch gebunden.
Extrem schnelle Richtfunkverbindungen könnten deshalb langfristig dort interessant werden, wo industrielle Infrastruktur flexibler werden muss.
Besonders relevant wird das zusammen mit:
industrieller KI, Manufacturing-X, digitalen Zwillingen, autonomen Robotern und Echtzeit-Sensorik, denn all diese Technologien erzeugen Daten.
Und mit jeder zusätzlichen Maschine entsteht nicht nur mehr Rechenbedarf.
Es entsteht mehr Netzbedarf.
Rechenzentren und Edge-Systeme könnten enger mit der physischen Welt verbunden werden
Ein weiterer Zukunftsbereich ist Edge Computing.
Nicht jede Information soll zunächst hunderte Kilometer in ein großes Rechenzentrum geschickt werden.
Bei:
Robotik, autonomen Systemen, Produktion, Augmented Reality oder kritischen Anwendungen kann es sinnvoll sein, Daten möglichst nahe am Entstehungsort zu verarbeiten.
Dafür müssen: Maschine, Edge-Rechenzentrum, Mobilfunknetz und Glasfaser-Backbone extrem schnell miteinander kommunizieren.
Terahertz-Strecken könnten dabei langfristig ein weiterer Baustein sein.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Hochgeschwindigkeitsanbindungen ohne Tiefbau
Der offensichtlichste Vorteil lautet:
kein Kabel auf dem betreffenden Abschnitt.
Wo Glasfaserverlegung:
teuer, langwierig, oder technisch schwierig ist, könnte eine Funkbrücke eine Alternative darstellen.
Das bedeutet nicht zwangsläufig weniger Glasfaserausbau.
Es könnte aber bedeuten:
Glasfaser wird intelligenter ergänzt.
Gerade temporäre oder schnell benötigte Hochleistungsanbindungen könnten davon profitieren.
6G könnte wesentlich mehr als ein schnelleres Smartphone werden
Die ITU hat 2026 die technischen Anforderungen für IMT-2030, also die globale 6G-Generation, weiter konkretisiert.
Dort geht es nicht nur um höhere Datenraten.
Zu den vorgesehenen Nutzungsszenarien gehören unter anderem:
immersive Kommunikation, extrem zuverlässige und latenzarme Kommunikation, massive Gerätekommunikation, flächendeckendere Konnektivität, KI und Kommunikation, sowie integrierte Kommunikation und Sensorik.
Das zeigt:
6G wird als Infrastruktur für eine wesentlich stärker vernetzte physische Welt gedacht.
Roboter. Maschinen. Fahrzeuge. Sensoren. Medizinische Systeme. Digitale Zwillinge. XR. KI.
Die Rekordübertragung aus Berlin ist deshalb nicht gleichbedeutend mit:
„So schnell wird dein Handy.“
Sie ist vielmehr ein Baustein dafür, wie zukünftige Hochleistungsnetze überhaupt aufgebaut werden könnten.
Deutschland besitzt Forschungskompetenz an einer kritischen Infrastruktur
Kommunikationsnetze sind keine nebensächliche Technologie.
Sie gehören zur Infrastruktur einer digitalisierten Volkswirtschaft.
Deutschland versucht deshalb, bei 6G früh an Forschung und Standardisierung beteiligt zu sein.
Die zweite Phase der 6G-Plattform Deutschland läuft seit Mai 2026 und wird vom Bundesforschungsministerium bis 2030 mit rund acht Millionen Euro unterstützt. Gemeinsam mit mehreren 6G-Transfer-Hubs sollen Forschung, Industrie und internationale Standardisierung stärker verbunden werden.
Der strategische Punkt dabei:
Wer früh an Standards mitarbeitet, beeinflusst möglicherweise:
Technologien, Patente, Komponenten, Märkte und zukünftige industrielle Wertschöpfung.
Deutschland muss deshalb nicht nur später 6G-Netze kaufen.
Es kann versuchen, Teile der dafür notwendigen Technologie selbst mitzuentwickeln.
Richtfunk kann Redundanz schaffen
Terahertz-Kommunikation könnte außerdem nicht nur neue Verbindungen herstellen.
Sie könnte zusätzliche Verbindungen schaffen.
Ein Unternehmen besitzt beispielsweise eine Glasfaserstrecke.
Bei einem Kabelschaden fällt sie aus.
Eine unabhängige Funkstrecke könnte theoretisch als zusätzliche Route dienen.
Fraunhofer nennt Redundanz ausdrücklich als möglichen Anwendungsfall der THz-Kommunikation.
Das passt zu einem Thema, das wir bei ROQ News bereits mehrfach gesehen haben:
Digitalisierung benötigt Resilienz.
Je digitaler Unternehmen werden, desto wichtiger wird nicht nur Geschwindigkeit.
Sondern:
Was passiert, wenn die Verbindung ausfällt?
Temporäre Hochleistungsnetze könnten einfacher werden
Auch Situationen, in denen Infrastruktur nur vorübergehend benötigt wird, könnten interessant sein.
Großveranstaltungen. Baustellen. Forschungsprojekte. Temporäre Produktionsanlagen. Katastrophengebiete.
Dort kilometerweise neue Kabel zu verlegen, kann unverhältnismäßig sein.
Eine schnell installierbare Richtfunkstrecke mit sehr hoher Datenkapazität könnte neue Möglichkeiten schaffen.
221,5 Gbit/s bedeutet nicht 221,5 Gbit/s überall
Das ist die wichtigste Einschränkung.
Der Rekord wurde über eine gerichtete Sichtverbindung erzielt.
Die beiden Endpunkte mussten sich also direkt erreichen können.
Terahertz-Funk verhält sich nicht wie klassischer Mobilfunk, der vergleichsweise robust durch viele Alltagssituationen funktioniert.
Bei sehr hohen Frequenzen werden:
Abschattung, Ausrichtung, Reichweite und atmosphärische Einflüsse wichtiger.
Ein Gebäude zwischen Sender und Empfänger kann ein erhebliches Problem darstellen.
Eine solche Verbindung eignet sich deshalb besonders für gezielte Punkt-zu-Punkt-Strecken.
Nicht automatisch dafür, eine komplette Stadt mit einem einzelnen Sender zu versorgen.
Mehr Frequenz bedeutet nicht automatisch bessere Funkversorgung
Extrem hohe Frequenzen besitzen ein interessantes Paradox.
Sie bieten enorme Bandbreiten, doch ihre Ausbreitung ist anspruchsvoller.
Das ist einer der Gründe, warum zukünftige Netze wahrscheinlich unterschiedliche Funktechnologien und Frequenzbereiche kombinieren werden.
Niedrigere Frequenzen können größere Flächen versorgen.
Höhere Frequenzen liefern dort enorme Kapazität, wo die Bedingungen passen.
6G wird deshalb wahrscheinlich kein einzelnes neues Funkband.
Es wird ein Netz aus unterschiedlichen Technologien.
Der Rekord ist noch kein kommerzielles Produkt
Fraunhofer hat eine Forschungsdemonstration durchgeführt.
Das ist etwas anderes als:
ein serienreifes Gerät, das zehn Jahre auf einem Dach steht, Sturm und Regen aushält, günstig produziert werden kann, automatisch ausgerichtet wird und von jedem Telekommunikationsanbieter eingesetzt werden kann.
Zwischen Forschungsrekord und Massenmarkt müssen noch Fragen gelöst werden wie:
Kosten. Energieverbrauch. Hardwaregröße. Zuverlässigkeit. Wetterfestigkeit. Regulierung. Frequenzzuteilung. Installation. Wartung. Standardisierung.
Der Weltrekord beweist:
Die Übertragung ist technisch möglich.
Er beweist noch nicht:
Sie ist bereits wirtschaftlich skalierbar.
Neue Netze brauchen auch neue Sicherheit
Je mehr:
Fabriken, Roboter, Fahrzeuge, medizinische Geräte, Kommunen und kritische Infrastruktur, über zukünftige Netze verbunden sind, desto größer wird die Bedeutung von Cybersecurity.
Die ITU nennt Security and Resilience ausdrücklich als grundlegende Designprinzipien von IMT-2030.
Ein schnelleres Netz überträgt schließlich nicht nur gute Dinge schneller.
Es schafft auch neue Abhängigkeiten.
Deshalb muss 6G nicht nur schneller werden.
Es muss: sicherer, robuster und kontrollierbarer werden.
Der Energiebedarf darf nicht ignoriert werden
Extrem hohe Datenraten benötigen leistungsfähige:
Sender, Empfänger, Verstärker, Signalverarbeitung und Netzkomponenten.
Das ist relevant, weil Telekommunikationsnetze insgesamt einen erheblichen Energiebedarf besitzen.
Die 6G-Forschung beschäftigt sich deshalb ausdrücklich nicht nur mit Leistung, sondern auch mit Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Das internationale IMT-2030-Framework nennt Nachhaltigkeit als zentrales Designprinzip; auch das vom Bund geförderte SUSTAINET-Projekt hinter dem Berliner Rekord zielt auf nachhaltige, leistungsfähige zukünftige Netzarchitekturen.
Perspektivenwechsel
Wenn wir von Mobilfunkgenerationen sprechen, denken wir normalerweise an unser Smartphone.
3G. 4G. 5G. 6G.
Und stellen immer dieselbe Frage:
Wie schnell lädt mein Handy?
Vielleicht ist das inzwischen die uninteressanteste Frage, denn unsere Welt verändert sich.
Nicht nur Menschen gehen online.
Maschinen gehen online. Autos. Roboter. Fabriken. Kameras. Sensoren. Medizinische Systeme. Drohnen. Rechenzentren. Digitale Zwillinge und möglicherweise irgendwann Millionen autonomer Systeme, die permanent Daten miteinander austauschen.
Dann wird Kommunikation zu etwas Ähnlichem wie Elektrizität.
Wir denken beim Einschalten einer Maschine nicht darüber nach:
Woher kommen eigentlich die Elektronen?
Die Infrastruktur ist einfach vorhanden.
Vielleicht wird Hochgeschwindigkeitskommunikation irgendwann genauso selbstverständlich.
Dann lautet die entscheidende Frage nicht mehr:
Habe ich Empfang?
Sondern:
Wie verbinden wir Milliarden physischer und digitaler Systeme zuverlässig miteinander?
Und genau an dieser Stelle wird der Berliner Rekord interessanter.
221,5 Gbit/s sind beeindruckend.
Aber die größere Innovation ist:
Wir lernen, Glasfaser-ähnliche Datenkapazitäten aus dem Kabel herauszuholen und auf bestimmten Strecken durch den freien Raum zu transportieren.
Damit wird Netzarchitektur flexibler.
Nicht:
Kabel oder Funk.
Sondern:
Kabel + Funk + Satellit + Edge + Mobilfunk + optische Netze.
Die Zukunft könnte aus einem intelligenten Zusammenspiel all dieser Technologien entstehen.
Was wir wissen
Das Fraunhofer HHI hat gemeinsam mit Fraunhofer IAF, HTW Berlin und TU Berlin 2026 eine drahtlose Netto-Datenrate von 221,5 Gbit/s über 500 Meter im 300-GHz-Band demonstriert.
Der Versuch fand auf einer realen Outdoor-Sichtstrecke im Berliner Stadtgebiet unter realen atmosphärischen Bedingungen statt.
Nach Angaben des Instituts wurde damit der bisherige Stand der Technik für diese Entfernung ungefähr verdoppelt. Gleichzeitig wurde im 300-GHz-Band erstmals ein Rate-Distance-Produkt von mehr als 100 Tb/s·m erreicht.
Fraunhofer betrachtet Terahertz-Kommunikation unter anderem als mögliche Technologie für:
Backhaul, Fronthaul, Fixed Wireless Access, Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, Redundanz und sogenannte Wireless Fiber Extender.
6G selbst ist noch kein fertiger Mobilfunkstandard. Die ITU arbeitet unter dem Namen IMT-2030 an den internationalen Anforderungen und erwartet die endgültige Entwicklung und Zulassung entsprechender Standards Richtung Ende dieses Jahrzehnts.
Deutschland hat 2026 gleichzeitig die zweite, stärker transferorientierte Phase seiner 6G-Plattform gestartet. Sie soll Forschung, Industrie und internationale Standardisierung enger miteinander verbinden.
Was noch unklar ist
Der Berliner Rekord sagt noch nicht, wann solche Systeme wirtschaftlich im großen Maßstab eingesetzt werden.
Offen ist beispielsweise:
Wie teuer werden entsprechende Funkmodule?
Wie zuverlässig funktionieren sie über Jahre?
Wie reagieren sie auf unterschiedliche Wetterbedingungen?
Wie einfach lassen sich die Antennen installieren und ausrichten?
Welche Reichweiten sind unter verschiedenen Bedingungen wirtschaftlich sinnvoll?
Welche Frequenzbereiche werden regulatorisch verfügbar?
Welche Komponenten können industriell in großen Stückzahlen hergestellt werden?
Und wie hoch wird der Energiebedarf realer Netze?
Ebenso wenig bedeutet der Rekord, dass ein zukünftiges 6G-Smartphone automatisch 221,5 Gbit/s erhalten wird.
Der Versuch demonstriert eine Punkt-zu-Punkt-Terahertz-Verbindung.
Ein öffentliches Mobilfunknetz muss dagegen gleichzeitig:
viele Nutzer, Bewegung, Gebäude, unterschiedliche Entfernungen, Interferenzen und wechselnde Funkbedingungen bewältigen.
Das ist eine wesentlich komplexere Aufgabe.
Was als Nächstes wichtig wird
Bei Terahertz-Kommunikation sollten wir deshalb weniger auf den nächsten einzelnen Geschwindigkeitsrekord schauen.
Entscheidend wird sein, ob aus solchen Experimenten robuste Systeme entstehen.
Kann eine Verbindung:
monatelang stabil arbeiten?
automatisch nachgeregelt werden?
mit bestehenden Glasfasernetzen kommunizieren?
bei vertretbarem Energiebedarf betrieben werden?
kostengünstig installiert werden?
und international standardisiert werden?
Ebenso wichtig wird die Halbleitertechnik.
Sender und Empfänger im Bereich von mehreren hundert Gigahertz benötigen spezialisierte Hochfrequenzkomponenten.
Genau hier verbindet sich Kommunikation mit:
Photonik, Halbleitern, Antennentechnik, Materialwissenschaft und Signalverarbeitung.
Auch 6G bestätigt damit erneut die zentrale These unserer ROQ-FUTURE-Reihe:
Die großen Technologiesprünge entstehen zunehmend zwischen verschiedenen Disziplinen.
Einordnung von ROQ News
221,5 Gigabit pro Sekunde durch die Luft.
Das ist eine Zahl, mit der man leicht eine spektakuläre Schlagzeile bauen kann, doch der interessante Teil beginnt erst dahinter.
Deutschland arbeitet an einer Technologie, die zwei bisher relativ unterschiedliche Welten näher zusammenbringen könnte:
Glasfasernetze und drahtlose Netze.
Glasfaser bleibt aufgrund ihrer enormen Kapazität ein Fundament digitaler Infrastruktur, doch sie besitzt eine physische Eigenschaft:
Man muss sie verlegen.
Funk besitzt den gegenteiligen Vorteil:
Er benötigt auf der eigentlichen Strecke kein Kabel.
Seine Kapazität war dafür traditionell geringer und seine Umgebung schwieriger kontrollierbar.
Terahertz-Kommunikation versucht, diese beiden Welten ein Stück näher zusammenzubringen.
Sehr hohe Datenrate.
Aber:
drahtlos.
Noch ist das Forschung.
Noch benötigt die Verbindung Sichtkontakt.
Noch sind Kosten, Skalierung und Alltagstauglichkeit nicht abschließend geklärt.
Und 6G selbst befindet sich weiterhin in Forschung und Standardisierung.
Aber genau deshalb ist der Rekord relevant.
Er zeigt nicht die fertige Zukunft.
Er zeigt einen Baustein, aus dem sie entstehen könnte.
In unseren bisherigen ROQ-FUTURE-Artikeln haben wir, oder werden wir noch, über humanoide Roboter, Smart Materials, Brain-Computer-Interfaces, Smart Glasses und autonome Labore gesprochen.
Alle diese Systeme besitzen am Ende dasselbe unsichtbare Bedürfnis:
Sie müssen Daten austauschen.
Je intelligenter Maschinen werden, desto wichtiger wird die Infrastruktur zwischen ihnen.
Vielleicht ist deshalb eine der entscheidenden Zukunftstechnologien gar nicht sichtbar.
Keine humanoide Maschine. Kein KI-Assistent. Keine Datenbrille, sondern eine unsichtbare Funkstrecke zwischen zwei Gebäuden, die hunderte Milliarden Bits pro Sekunde durch die Luft schickt.
Die digitale Zukunft besteht nicht nur aus intelligenteren Geräten. Sie braucht eine Infrastruktur, über die all diese intelligenten Systeme miteinander sprechen können.
Und genau dort beginnt 6G schon heute... lange bevor das erste 6G-Symbol auf einem Smartphone erscheint.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
- Wissenschaftliche Studie · abgerufen 23.08.2026
-
IMT-2030: Technical requirements for the 6G future – International Telecommunication UnionFachmedium · veröffentlicht 17.03.2026 · abgerufen 23.08.2026
- Wissenschaftliche Studie · abgerufen 23.08.2026
-
ITU-T work programme – International Telecommunication UnionWissenschaftliche Studie · veröffentlicht 21.07.2026 · abgerufen 23.08.2026
-
Über 10 Jahre Forschungscampus – Bundesministerium für Forschung, Technologie und RaumfahrtFachmedium · abgerufen 23.08.2026
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