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Innovation ROQ Analyse

Innovation braucht Nachbarn: Warum die Zukunft in Ökosystemen entsteht

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Die Weltorganisation für geistiges Eigentum WIPO hat im September 2026 ihr neues Ranking der weltweit führenden Innovationscluster veröffentlicht.

Gemessen werden dabei drei große Bereiche:

Patentanmeldungen über das internationale PCT-System, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Venture-Capital-Aktivität.

An der Spitze liegen 2026 Shenzhen - Hongkong - Guangzhou, Tokyo - Yokohama, San Jose - San Francisco, Seoul und Beijing.

Die Konzentration ist enorm.

Allein diese fünf Regionen stehen zusammen für ungefähr 32,9 Prozent der weltweiten PCT-Patentanmeldungen.

Anders gesagt:

Rund jede dritte internationale Patentanmeldung entsteht in nur fünf großen Innovationsräumen.

Und das Ranking zeigt noch etwas.

China besitzt 2026 25 der weltweit führenden 100 Innovationscluster.

Die USA kommen auf 20.

Deutschland folgt mit sieben und besitzt damit mehr Top-100-Cluster als jedes andere europäische Land.

Das klingt zunächst hervorragend für Deutschland.

Ist es auch, aber beim Blick auf die Spitzenpositionen wird gleichzeitig sichtbar, wo die Herausforderung liegt.

Deutschlands bestplatzierter Cluster ist München auf Rang 28.

Berlin folgt auf Rang 31, Köln auf 47, Stuttgart auf 54, Frankfurt auf 68. Heidelberg - Mannheim und Hamburg komplettieren die sieben deutschen Regionen.

Deutschland besitzt also erhebliche Innovationssubstanz, aber sie ist international weniger stark in wenigen extrem leistungsfähigen Clustern konzentriert als beispielsweise in Teilen der USA oder Asiens.

Warum ausgerechnet Cluster?

WIPO spricht von Innovationsclustern nicht einfach deshalb, weil viele Unternehmen zufällig nebeneinanderliegen.

Die Regionen werden dort sichtbar, wo sich mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren:

Wissenschaft, Erfinder, Patente, Unternehmen und Venture Capital.

Damit beschreibt das Ranking im Grunde die geografische Infrastruktur von Innovation, denn Wissen allein genügt nicht.

Kapital allein genügt ebenfalls nicht und auch ein großes Unternehmen alleine bildet noch kein Innovationssystem.

Die besondere Dynamik entsteht dort, wo diese Faktoren aufeinandertreffen.

Silicon Valley ist deshalb mehr als ein Ort

Silicon Valley wird häufig auf Venture Capital reduziert, oder auf Stanford, oder auf Google, Apple, Nvidia, Meta und zahlreiche andere Technologieunternehmen.

Doch seine eigentliche Stärke besteht gerade in der Verbindung dieser Faktoren.

Ein Entwickler verlässt einen Konzern und gründet ein Unternehmen.

Ein ehemaliger Unternehmer wird Investor.

Ein Professor startet ein Spin-off.

Ein Start-up verkauft an einen etablierten Konzern.

Ein Mitarbeiter eines erfolgreichen Start-ups gründet Jahre später selbst.

Ein Investor kennt bereits Menschen aus dem nächsten Unternehmen.

Wissen, Kapital und Erfahrung zirkulieren.

Damit entsteht ein selbstverstärkender Kreislauf.

Das ist wesentlich schwieriger zu kopieren als ein einzelnes Technologiezentrum.

Und China zeigt inzwischen dieselbe Konzentration

Shenzhen - Hongkong - Guangzhou steht 2026 an der Spitze des weltweiten WIPO-Cluster-Rankings.

Die Region verbindet unter anderem industrielle Produktion, Elektronik, Forschung, Venture Capital und enorme Lieferkettenkompetenz.

Beijing gehört ebenfalls zur Weltspitze.

Shanghai - Suzhou liegt auf Rang sechs.

Das zeigt einen entscheidenden Punkt:

Innovation ist nicht zwingend ein nationales Phänomen.

Sie konzentriert sich häufig regional innerhalb eines Landes.

Ein Staat kann insgesamt groß sein.

Die entscheidende technologische Dynamik entsteht trotzdem an wenigen Orten.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Europa besitzt eine nachvollziehbare politische Vorstellung:

Möglichst viele Regionen sollen profitieren.

Strukturförderung soll Unterschiede reduzieren.

Forschung soll verteilt werden.

Infrastruktur soll überall entstehen.

Gesellschaftlich ergibt das Sinn, doch Innovation besitzt eine unangenehme Eigenschaft:

Sie liebt Konzentration.

Warum?

Weil Nähe Transaktionskosten reduziert.

Nicht nur geografische Entfernung, sondern soziale Entfernung.

Wenn ein Gründer einen Investor bereits kennt, geht ein Gespräch schneller.

Wenn ein Unternehmen mit einer Hochschule regelmäßig zusammenarbeitet, wird aus Forschung leichter ein Pilot.

Wenn Mitarbeiter problemlos zwischen Unternehmen wechseln können, verbreitet sich Erfahrung.

Wenn mehrere Start-ups dieselben Spezialisten benötigen, entsteht ein Arbeitsmarkt für genau diese Fähigkeiten.

Wenn Zulieferer bereits vorhanden sind, wird eine neue Produktion leichter.

Das bedeutet nicht, dass Innovation ausschließlich in Großstädten funktionieren kann.

Es bedeutet:

Innovation benötigt Dichte - physisch oder organisatorisch.

Deutschland besitzt dafür eine gute Grundlage

Die WIPO-Zahlen zeigen, dass Deutschland keineswegs innovationsleer ist.

Mit sieben Clustern unter den weltweiten Top 100 liegt Deutschland bei der Anzahl hinter China und den USA auf Platz drei.

München besitzt dabei eine interessante Mischung.

BMW gehört dort zu den führenden Patentanmeldern.

Die Technische Universität München ist eine der zentralen wissenschaftlichen Organisationen des Clusters.

Außerdem bestehen starke Kooperationen mit anderen Innovationsstandorten - darunter San Jose - San Francisco, Beijing sowie Nürnberg - Erlangen.

Genau das ist relevant.

Ein erfolgreicher Cluster ist nicht isoliert.

Er ist gleichzeitig dicht nach innen und vernetzt nach außen.

Europas Problem ist also nicht nur die Zahl der Start-ups

Wir sprechen ständig über:

mehr Gründungen, mehr Venture Capital, mehr Patente, mehr Forschung.

Aber vielleicht betrachten wir diese Dinge zu getrennt.

Ein Patent ohne Unternehmer bleibt möglicherweise Forschung.

Ein Start-up ohne Kapital bleibt klein.

Kapital ohne gute Projekte fließt woanders hin.

Ein Unternehmen ohne Fachkräfte kann nicht skalieren.

Eine Hochschule ohne Industriepartner kommerzialisiert Forschung schwieriger.

Deshalb spricht auch die OECD bei erfolgreichen Scale-ups zunehmend vom Einfluss lokaler Ökosysteme.

Ihre aktuelle Untersuchung von Start-ups in der EU und den USA zeigt, dass Skalierung ein kumulativer Prozess ist, bei dem Finanzierung, Kommerzialisierung, Management, Expansion und das jeweilige Ökosystem zusammenspielen.

Innovation besitzt also keine einzelne Stellschraube.

Sie besitzt ein Netzwerk.

Kapital folgt ebenfalls Ökosystemen

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung des Joint Research Centre analysierte Venture-Capital-Ströme zwischen 267 europäischen Regionen.

Das Ergebnis:

Geografische und wirtschaftliche Entfernung spielen bei Investitionen weiterhin eine Rolle.

Gleichzeitig ziehen Regionen mit stärkeren unternehmerischen Ökosystemen mehr Venture Capital an und können bestimmte institutionelle oder strukturelle Unterschiede besser überbrücken.

Das ist enorm wichtig.

Kapital verteilt sich nicht einfach danach, wo jemand eine gute Idee besitzt.

Investoren müssen eine Region verstehen können.

Sie benötigen Netzwerke, Informationen, Erfahrungen, Co-Investoren, Berater, Talente, Exitmöglichkeiten.

Das heißt:

Ein gutes Ökosystem zieht Kapital an - und Kapital verstärkt anschließend das Ökosystem.

Wieder entsteht ein Kreislauf.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Für Unternehmen: Der Standort ist mehr als die Gewerbesteuer

Unternehmen bewerten einen Standort klassisch nach:

Kosten, Steuern, Flächen, Verkehr, Energie.

Das bleibt wichtig, doch für innovative Unternehmen kommen weitere Fragen hinzu.

Wo finde ich Entwickler?

Wo finde ich Ingenieure?

Welche Hochschule forscht an meiner Technologie?

Gibt es andere Unternehmen, von denen ich lernen kann?

Existieren spezialisierte Zulieferer?

Wo finde ich Investoren?

Gibt es Testkunden?

Kann ich Führungskräfte gewinnen?

Ein Standort kann deshalb teurer sein und trotzdem wirtschaftlich attraktiver.

Denn die höheren Kosten werden möglicherweise durch schnellere Innovation kompensiert.

Das erklärt teilweise, warum Technologieunternehmen immer wieder in ohnehin schon starken Regionen entstehen.

Sie suchen nicht nur Gebäude.

Sie suchen ein Umfeld.

Kooperation ersetzt dabei nicht Wettbewerb

Ein Innovationscluster bedeutet nicht, dass alle Unternehmen gemütlich zusammenarbeiten.

Im Gegenteil.

Sie konkurrieren um:

Mitarbeiter, Kapital, Kunden, Patente, Marktanteile.

Doch gleichzeitig profitieren sie voneinander.

Ein Mitarbeiter, der bei einem Unternehmen Erfahrung sammelt, kann später zu einem anderen wechseln.

Zulieferer spezialisieren sich.

Universitäten entwickeln passende Forschungsbereiche.

Investoren bauen Branchenwissen auf.

Dadurch steigt die Leistungsfähigkeit des gesamten Standorts.

Konkurrenz und Kooperation existieren gleichzeitig.

Genau darin liegt eine der Stärken erfolgreicher Cluster.

Für Arbeitnehmer: Wissen verbreitet sich durch Menschen

Innovationsökosysteme bestehen am Ende nicht aus Gebäuden.

Sie bestehen aus Menschen.

Ein Entwickler nimmt Erfahrungen aus Unternehmen A mit zu Unternehmen B.

Eine Forscherin gründet ein Start-up.

Ein ehemaliger Gründer wird Mentor.

Ein Produktionsingenieur wechselt in ein Scale-up.

Dadurch bewegt sich Wissen.

Arbeitnehmer werden selbst zu Trägern von Innovation.

Das verändert auch die Bedeutung von Weiterbildung.

In einem starken Ökosystem lernt man nicht nur durch Kurse.

Man lernt durch:

Projekte, Unternehmen, Kollegen, Netzwerke, Kunden, Lieferanten, Start-ups, Hochschulen.

Ein guter regionaler Arbeitsmarkt kann deshalb selbst zu einer Lerninfrastruktur werden.

Für Arbeitnehmer entsteht aber auch Konkurrenz

Cluster haben nicht ausschließlich Vorteile.

Wo viele innovative Unternehmen dieselben Fähigkeiten suchen, steigt der Wettbewerb um Talente.

Für Beschäftigte kann das höhere Löhne und mehr Karriereoptionen bedeuten.

Für kleinere Unternehmen können Fachkräfte allerdings teurer werden.

Auch Wohnkosten können steigen.

Erfolgreiche Innovationsregionen benötigen deshalb nicht nur Technologiepolitik.

Sie brauchen:

Wohnraum, Verkehr, Bildung, Kinderbetreuung, Lebensqualität.

Denn hochqualifizierte Menschen entscheiden nicht nur anhand ihres Arbeitsplatzes.

Sie entscheiden, wo sie leben möchten.

Für Kommunen: Nicht jedes Dorf braucht sein eigenes Silicon Valley

Hier liegt vielleicht die wichtigste Konsequenz.

Kommunen hören seit Jahren:

Ihr braucht Innovation.

Dann entstehen:

Gründerzentren, Coworking-Spaces, Technologieparks, Clusterinitiativen.

Manchmal konkurrieren benachbarte Städte anschließend sogar um genau dieselben Unternehmen.

Vielleicht ist das der falsche Ansatz.

Nicht jede Kommune braucht ihr eigenes vollständiges Innovationsökosystem.

Eine Region kann sich spezialisieren.

Eine Stadt besitzt eine Hochschule.

Eine andere Industrieunternehmen.

Eine dritte Testflächen.

Eine vierte ein Technologiezentrum.

Gemeinsam entsteht ein Wirtschaftsraum.

Das ist besonders für ländliche Regionen wichtig, denn eine kleinere Stadt wird nicht plötzlich 500 Venture-Capital-Fonds ansiedeln.

Sie kann sich aber mit:

Hochschulen, Metropolregionen, Forschungsinstituten, Industrie, Investoren und Nachbarregionen verbinden.

Dann wird Nähe organisatorisch erzeugt.

Genau hier liegt eine Chance für Oberfranken

Nehmen wir Oberfranken.

Coburg, Lichtenfels, Bamberg, Bayreuth, Hof, Kulmbach.

Keine einzelne dieser Städte muss versuchen, München zu werden.

Die interessantere Frage lautet:

Welche Kompetenzen besitzt die gesamte Region... und wie verbinden wir sie?

Industrie, Mittelstand, Automotive, Gesundheit, Hochschulen, 3D-Technologien, Makerspaces, KI, Produktion, Handwerk, Start-ups.

Wenn diese Akteure isoliert arbeiten, besitzt Oberfranken einzelne starke Punkte.

Wenn sie miteinander verbunden werden, kann daraus ein regionales Innovationssystem entstehen.

Genau das ist ein fundamentaler Unterschied.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Die WIPO-Daten zeigen zwar eine enorme globale Konzentration, aber das bedeutet nicht, dass kleinere Regionen chancenlos sind.

Denn neben der absoluten Größe misst WIPO auch Innovationsintensität relativ zur Bevölkerung.

Dort schneiden einige kleinere europäische Standorte außergewöhnlich gut ab.

Helsinki liegt innerhalb der EU auf Rang acht der Intensitätswertung. Eindhoven auf neun. Stockholm auf elf. Kopenhagen auf zwölf. München auf 15.

Noch deutlicher werden Cambridge und Oxford im Vereinigten Königreich.

Cambridge liegt weltweit auf Rang zwei nach Innovationsintensität, Oxford auf Rang fünf.

Das zeigt:

Eine Region muss nicht riesig sein.

Sie benötigt eine außergewöhnlich hohe Dichte relevanter Kompetenzen.

Genau darin steckt eine Chance für kleinere europäische Regionen.

Nicht alles machen.

Etwas besonders gut machen.

Spezialisierung erzeugt Sichtbarkeit

Eine Region, die alles ein bisschen kann, ist international schwer erkennbar.

Eine Region, die in einem bestimmten Feld außergewöhnlich gut ist, wird interessant.

Zum Beispiel:

Robotik, Medizintechnik, Photonik, Quantencomputer, Batterien,  additive Fertigung, Biotechnologie, KI für Industrie.

Dann entsteht eine Marke, Forscher kommen, Unternehmen siedeln sich an, Investoren verstehen die Region, Talente erkennen Karrierewege.

Auch die EU versucht inzwischen genau solche Verbindungen stärker zu fördern.

Das Programm European Innovation Ecosystems und die Regional Innovation Valleys sollen regionale Akteure stärker miteinander und über Landesgrenzen hinweg vernetzen.

Risiken

Hier beginnt allerdings ein klassischer politischer Fehler.

Eine Region erklärt:

„Ab heute sind wir KI-Cluster.“

Ein Logo wird entwickelt.

Eine Webseite gebaut.

Ein Büro eröffnet.

Vielleicht gibt es noch eine Konferenz.

Das erzeugt noch kein Ökosystem.

Ein Cluster benötigt reale Substanz.

Unternehmen, Forschung, Menschen, Kapital, Kunden, Spezialisierung und jahrelange Beziehungen.

Innovation lässt sich nicht durch eine Pressemitteilung geografisch festlegen.

Sie muss entstehen.

Zu starke Konzentration besitzt ebenfalls Nachteile

Wenn Innovation immer stärker auf wenige Regionen konzentriert wird, entstehen auch Probleme.

Talente wandern aus anderen Regionen ab.

Kapital folgt ihnen.

Unternehmenszentralen konzentrieren sich.

Wohnkosten steigen.

Andere Regionen verlieren junge Menschen.

Dadurch kann Innovation regionale Unterschiede vergrößern.

Die richtige Antwort kann deshalb nicht lauten:

Alles nach München, Berlin oder Paris.

Sie muss lauten:

Starke Zentren aufbauen... und gleichzeitig ihre Netzwerke weit genug öffnen, damit andere Regionen daran andocken können.

Genau deshalb sind Verkehrsverbindungen, digitale Infrastruktur und institutionelle Kooperation so entscheidend.

Perspektivenwechsel

Wir suchen Innovation häufig innerhalb eines Unternehmens.

Eine Forschungsabteilung erfindet etwas.

Ein Gründer entwickelt ein Produkt.

Eine Universität veröffentlicht ein Paper.

Aber vielleicht entsteht ein großer Teil von Innovation dazwischen.

Zwischen Hochschule und Unternehmen.

Zwischen Start-up und Konzern.

Zwischen Investor und Gründer.

Zwischen Kommune und Technologieanbieter.

Zwischen Schule und Makerspace.

Zwischen Forschung und Produktion.

Dann wäre die entscheidende wirtschaftspolitische Einheit nicht mehr nur:

das Unternehmen.

Sondern:

das Netzwerk zwischen Unternehmen.

Das verändert unseren Blick auf Standortpolitik fundamental.

Was wir wissen

WIPO identifiziert 2026 weltweit 100 führende Innovationscluster anhand von Patentanmeldungen, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Venture-Capital-Transaktionen. Die fünf größten Cluster stehen zusammen für etwa 32,9 Prozent der internationalen PCT-Patentanmeldungen.

China besitzt 25 Top-100-Cluster, die Vereinigten Staaten 20 und Deutschland sieben. Deutschland weist damit die dritthöchste Zahl weltweit und die höchste Zahl innerhalb Europas auf.

München ist Deutschlands bestplatzierter Cluster auf Rang 28 und erreicht in der Intensitätswertung Rang 15. Berlin folgt in der Größenwertung auf Rang 31.

Eine aktuelle JRC-Untersuchung zu 267 europäischen Regionen findet außerdem, dass stärkere unternehmerische Ökosysteme mit höheren Venture-Capital-Zuflüssen verbunden sind und grenzüberschreitende Investitionen erleichtern können.

Die OECD sieht lokale Ökosysteme ebenfalls als einen Faktor innerhalb des kumulativen Skalierungsprozesses innovativer Start-ups.

Was noch unklar ist

Ein Cluster-Ranking beweist nicht, dass räumliche Nähe allein Innovation verursacht.

Erfolgreiche Regionen besitzen häufig bereits:

große Unternehmen, führende Universitäten, Wohlstand, Kapital und gut ausgebildete Menschen.

Das macht Ursache und Wirkung schwer auseinanderzuhalten.

Auch Venture-Capital-Aktivität, Patente und Publikationen bilden nicht jede Form von Innovation ab.

Ein hochinnovativer Mittelständler kann wirtschaftlich bedeutend sein, ohne viele wissenschaftliche Veröffentlichungen oder VC-Runden zu erzeugen.

Das Ranking misst deshalb bestimmte Formen von Innovationsaktivität... nicht den gesamten wirtschaftlichen Wert einer Region.

Was als Nächstes wichtig wird

Für Deutschland wäre deshalb interessant, weniger über einzelne Institutionen zu sprechen und stärker über Verbindungen.

Wie viele Start-ups arbeiten mit Mittelständlern?

Wie viele Hochschulpatente werden tatsächlich kommerzialisiert?

Wie viele Unternehmen finanzieren regionale Gründer?

Wie viele Arbeitnehmer wechseln zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen?

Wie schnell finden Forschungsprojekte Pilotkunden?

Wie gut sind kleinere Regionen an große Innovationscluster angebunden?

Und wie häufig entstehen aus erfolgreichen Unternehmern später neue Investoren, Mentoren oder Gründer?

Denn genau solche Kreisläufe entscheiden darüber, ob ein Innovationsstandort sich selbst verstärken kann.

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Einordnung von ROQ News

Silicon Valley wurde nicht gebaut, indem jemand ein Schild aufstellte:

„Hier ist jetzt Innovation.“

Dasselbe gilt für Shenzhen, Seoul, Boston, München, oder Eindhoven.

Innovationsstandorte entstehen dort, wo Menschen, Wissen und Kapital immer wieder aufeinanderstoßen.

Ein Forscher trifft einen Unternehmer.

Ein Start-up findet einen Kunden.

Ein Mitarbeiter gründet später selbst.

Ein Investor finanziert die nächste Generation.

Eine Universität liefert neues Wissen.

Ein Konzern liefert Markt und Skalierung.

Und irgendwann besitzt die Region etwas, das sich kaum noch kopieren lässt:

ein Netzwerk voller Erfahrung.

Vielleicht ist genau das der größte Irrtum klassischer Innovationspolitik.

Wir investieren häufig in einzelne Gebäude.

Ein Forschungszentrum.

Einen Coworking-Space.

Einen Technologiepark, doch Innovation entsteht nicht automatisch innerhalb dieser Gebäude.

Sie entsteht in den Verbindungen dazwischen.

Deshalb braucht Deutschland nicht überall ein kleines Silicon Valley.

Es braucht Regionen, die wissen, worin sie besonders gut sind und ein System, das diese Regionen miteinander verbindet.

Denn die Zukunft entsteht möglicherweise nicht dort, wo die meisten Unternehmen stehen.

Sie entsteht dort, wo die richtigen Menschen nicht weit voneinander entfernt sind... organisatorisch, wirtschaftlich oder tatsächlich geografisch.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Sonstige · veröffentlicht 01.06.2026 · abgerufen 18.09.2026
  2. Sonstige · veröffentlicht 07.08.2026 · abgerufen 18.09.2026
  3. European Innovation Ecosystems – Europäische Kommision
    Sonstige · veröffentlicht 19.06.2026 · abgerufen 18.09.2026
  4. Sonstige · veröffentlicht 01.10.2025 · abgerufen 18.09.2026
  5. Sonstige · veröffentlicht 09.09.2026 · abgerufen 18.09.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 22.09.2026
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