Was ist passiert?
Creditreform beschreibt in einem aktuellen Fachbeitrag, wie etablierte Unternehmen durch Kooperationen mit Start-ups und Hochschulen ihre Innovationskraft stärken können. Im Mittelpunkt stehen Unternehmen, die ihre eigene Branchenerfahrung mit externem Technologie- und Forschungswissen verbinden.
Als Beispiel nennt Creditreform den Landtechnikhersteller Claas. Das Unternehmen arbeitet mit dem niederländischen Start-up AgXeed an autonomen Landmaschinen. Dabei bringt Claas Wissen über Landwirtschaft, Kundenanforderungen und Vertriebsstrukturen ein. Das Start-up ergänzt die Zusammenarbeit mit Technologie, Entwicklungsgeschwindigkeit und spezialisierten Lösungen für autonomes Fahren.
Auch Hochschulen werden als wichtige Kooperationspartner beschrieben. Die Technische Hochschule Köln unterstützt Unternehmen beim Zugang zu Forschungsergebnissen und begleitet unterschiedliche Projekte – von einzelnen Dienstleistungen bis zu langfristigen Forschungskooperationen. Nach Angaben der Hochschule entstehen jährlich etwa 70 neue Kooperationen und Auftragsbeziehungen.
Das wirtschaftliche Umfeld erschwert solche Partnerschaften jedoch. Der Deutsche Startup Monitor 2024 zeigte, dass 61,9 Prozent der befragten Start-ups mit etablierten Unternehmen kooperierten. Im Jahr 2020 waren es noch 71,8 Prozent. Nur 37,5 Prozent bewerteten die Kooperationsmöglichkeiten mit der etablierten Wirtschaft positiv.
Eine weitere Untersuchung des Startup-Verbands und von Accenture aus dem Jahr 2025 verdeutlicht die Lücke zwischen Anspruch und Praxis. Zwar sehen 90 Prozent der befragten etablierten Unternehmen Start-ups als wichtige Innovationspartner. Gleichzeitig berichteten nur elf Prozent der Start-ups von einer hohen Kooperationsbereitschaft in der angespannten Wirtschaftslage.
ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?
Innovation entsteht nur selten vollständig innerhalb eines einzelnen Unternehmens.
Neue Produkte benötigen häufig unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Maschinenbauer kennt seine Branche, seine Kunden und die technischen Bedingungen im Betrieb. Ein Software-Start-up besitzt möglicherweise besondere Kompetenzen in künstlicher Intelligenz, Sensorik oder Datenanalyse. Eine Hochschule kann wissenschaftliche Methoden, Labore und langfristige Forschungserfahrung einbringen.
Erst die Verbindung dieser Fähigkeiten kann Lösungen ermöglichen, die ein einzelner Partner allein nur mit sehr hohem Aufwand entwickeln könnte.
Gerade für mittelständische Unternehmen ist das relevant. Sie verfügen häufig über tiefe Marktkenntnis, erfahrene Beschäftigte und gewachsene Kundenbeziehungen. Gleichzeitig fehlen ihnen teilweise eigene Forschungsabteilungen, Spezialisten für neue Technologien oder ausreichend Kapazitäten für experimentelle Projekte.
Start-ups besitzen dagegen häufig hohe technologische Spezialisierung und kurze Entscheidungswege. Ihnen fehlen jedoch oft Branchenwissen, industrielle Produktionsmöglichkeiten, Zugang zu Kunden und ausreichend Kapital für eine breite Markteinführung.
Hochschulen und Forschungseinrichtungen verfügen über Wissen, wissenschaftliche Infrastruktur und Kontakte zu qualifizierten Nachwuchskräften. Gleichzeitig benötigen sie reale Anwendungsfälle, um Forschungsergebnisse in die betriebliche Praxis zu übertragen.
Kooperation kann diese unterschiedlichen Stärken miteinander verbinden.
Dass daraus tatsächlich messbare Innovation entstehen kann, zeigt eine Untersuchung des ZEW. Unternehmen, die mit wissenschaftlichen Einrichtungen kooperieren, entwickelten laut Studie bis zu 69 Prozent häufiger Weltmarktneuheiten. Zudem erzielten sie höhere Umsatzanteile mit innovativen Produkten.
Auch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand liefert Hinweise auf die Bedeutung solcher Partnerschaften. Bei den untersuchten ZIM-Projekten wurden 86 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben kooperativ durchgeführt. 81 Prozent der Projekte umfassten eine Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen.
Die zentrale Botschaft lautet deshalb:
Ein Unternehmen muss nicht jedes Wissen selbst besitzen. Es muss erkennen, welche Kompetenzen ihm fehlen und mit welchem Partner diese sinnvoll ergänzt werden können.
Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen
Auswirkungen auf Unternehmen
Für Unternehmen können Kooperationen die Entwicklungszeit neuer Produkte verkürzen.
Ein Start-up muss nicht zuerst jahrelang Branchenwissen und Kundenkontakte aufbauen. Das etablierte Unternehmen muss im Gegenzug nicht jede Technologie selbst entwickeln oder ein vollständiges Expertenteam einstellen.
Besonders relevant wird diese Zusammenarbeit bei Technologien wie:
- künstlicher Intelligenz,
- Automatisierung,
- Robotik,
- Sensorik,
- digitalen Plattformen,
- Cybersecurity,
- neuen Werkstoffen,
- Energietechnik,
- Datenanalyse,
- und digitalen Geschäftsmodellen.
Ein produzierendes Unternehmen könnte beispielsweise Maschinendaten bereitstellen. Ein Technologiepartner entwickelt daraus ein System für vorausschauende Wartung. Eine Hochschule kann prüfen, wie zuverlässig die Prognosen sind und welche wissenschaftlichen Methoden geeignet sind.
Kooperationen ermöglichen zudem kleinere Pilotprojekte. Anstatt sofort ein vollständiges System einzuführen, kann ein begrenzter Anwendungsfall getestet werden. Dadurch sinkt das finanzielle Risiko und das Unternehmen sammelt praktische Erfahrungen.
Für Start-ups entstehen durch die Zusammenarbeit wichtige Vorteile. Etablierte Unternehmen bieten Zugang zu Kunden, Produktionsanlagen, Vertriebsstrukturen und realen Daten. Sie können außerdem als Referenzkunde auftreten und damit den Marktzugang erleichtern.
Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Kooperationen nicht automatisch erfolgreich sind. Laut Startup-Verband fällt es 59 Prozent der etablierten Unternehmen schwer, im umfangreichen deutschen Start-up-Ökosystem passende Partner zu finden. Auf Seiten der Start-ups kritisierten 59 Prozent langsame Prozesse und 49 Prozent eine hohe Risikoaversion etablierter Unternehmen.
Unternehmen benötigen deshalb klare Suchkriterien. Sie sollten nicht allgemein nach einem „innovativen Start-up“ suchen, sondern ein konkretes Problem beschreiben:
- Welcher Prozess funktioniert nicht ausreichend?
- Welche Technologie oder Kompetenz fehlt?
- Welches Ergebnis soll erreicht werden?
- Welche Daten und Ressourcen können bereitgestellt werden?
- Wie schnell muss ein Pilotprojekt Ergebnisse liefern?
Je genauer das Problem beschrieben ist, desto leichter lässt sich ein geeigneter Kooperationspartner finden.
Auswirkungen auf Arbeitnehmer
Kooperationen können Beschäftigte entlasten und gleichzeitig neue Anforderungen erzeugen.
Neue Systeme können Routineaufgaben übernehmen, körperlich belastende Tätigkeiten reduzieren oder Wissen leichter zugänglich machen. Im Beispiel der autonomen Landtechnik sollen neue Fahrzeuge unter anderem auf den zunehmenden Mangel an Arbeitskräften in landwirtschaftlichen Betrieben reagieren.
Gleichzeitig verändern Kooperationen die Arbeitsweise innerhalb etablierter Unternehmen.
Start-ups arbeiten häufig mit kurzen Entwicklungszyklen, schnellen Tests und vorläufigen Lösungen. Mittelständische Unternehmen sind stärker durch Qualitätsvorgaben, Kundenzusagen, Produktionsprozesse und etablierte Entscheidungswege geprägt.
Diese unterschiedlichen Kulturen können Konflikte verursachen. Beschäftigte eines etablierten Unternehmens können ein frühes Versuchssystem als unausgereift betrachten. Das Start-up kann die gründliche Prüfung wiederum als unnötige Verzögerung wahrnehmen.
Damit eine Kooperation funktioniert, müssen Beschäftigte frühzeitig beteiligt werden. Sie verfügen über praktisches Wissen, das weder externe Entwickler noch Hochschulforscher automatisch besitzen.
Ein System zur Produktionsoptimierung kann mathematisch überzeugend sein und dennoch im Alltag scheitern, wenn Arbeitsabläufe, Maschinenbesonderheiten oder Kundenanforderungen nicht berücksichtigt wurden.
Kooperation bedeutet deshalb nicht nur Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführungen. Sie muss auch Fachkräfte, Techniker, Entwickler und spätere Nutzer einbeziehen.
Auswirkungen auf Kommunen und Regionen
Kommunen können Kooperationen unterstützen, indem sie Unternehmen, Hochschulen, Start-ups und Forschungseinrichtungen miteinander verbinden.
Wirtschaftsförderungen, Gründerzentren und regionale Netzwerke können dabei helfen, passende Partner zu finden. Dies ist besonders wichtig für kleine Unternehmen, die keine eigenen Innovations- oder Scoutingabteilungen besitzen.
Regionale Hochschulen können zum Innovationsmotor werden, wenn Forschungsergebnisse systematisch in die Wirtschaft übertragen werden. Dafür benötigen Unternehmen leicht erreichbare Ansprechpartner, verständliche Kooperationsmodelle und realistische Einstiegsmöglichkeiten.
Nicht jede Zusammenarbeit muss mit einem millionenschweren Forschungsprojekt beginnen.
Mögliche Einstiege sind:
- eine studentische Abschlussarbeit,
- ein gemeinsamer Workshop,
- ein technischer Machbarkeitstest,
- ein begrenzter Prototyp,
- eine Datenanalyse,
- eine geförderte Durchführbarkeitsstudie,
- oder ein gemeinsames Pilotprojekt.
Kommunen profitieren, wenn daraus neue Produkte, Arbeitsplätze, Gründungen und regionale Wertschöpfung entstehen. Gleichzeitig können Kooperationen dazu beitragen, junge Fachkräfte nach dem Studium in der Region zu halten.
Chancen & Risiken
Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.
Zugang zu Wissen und Technologie
Kooperationen ermöglichen Unternehmen den Zugang zu Kompetenzen, die intern nicht vorhanden sind.
Ein Betrieb muss nicht sofort ein eigenes Team für künstliche Intelligenz, Robotik oder Materialforschung aufbauen. Er kann zunächst mit spezialisierten Partnern arbeiten und dabei eigenes Wissen entwickeln.
Schnellere Entwicklung
Start-ups und Forschungsteams können neue Lösungsansätze einbringen und bestehende Denkmuster infrage stellen.
Dadurch können Unternehmen schneller von einer Problemstellung zu einem Prototyp gelangen. Besonders wirksam ist dies, wenn die Kooperation in kleinen Schritten aufgebaut und regelmäßig unter realen Bedingungen getestet wird.
Geringeres Entwicklungsrisiko
Die Kosten und Risiken von Forschung können auf mehrere Partner verteilt werden.
Förderprogramme wie ZIM unterstützen kooperative Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Die aktuelle Wirkungsanalyse zeigt, dass besonders kleine und bislang förderunerfahrene Unternehmen solche Instrumente nutzen können.
Zugang zu Fachkräften
Kooperationen mit Hochschulen schaffen Kontakte zu Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Absolventen.
Ein Unternehmen kann dadurch frühzeitig potenzielle Nachwuchskräfte kennenlernen. Studierende erhalten gleichzeitig Einblick in reale Unternehmen und mögliche berufliche Perspektiven.
Der Fachkräftemangel wird bereits als ein wichtiger Treiber für Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen beschrieben.
Neue Geschäftsmodelle
Eine Kooperation kann mehr hervorbringen als ein verbessertes Produkt.
Maschinenbauer können beispielsweise gemeinsam mit Softwareunternehmen digitale Wartungsangebote, Plattformen oder datenbasierte Dienstleistungen entwickeln.
Aus einem einmaligen Produktverkauf kann dadurch ein langfristiges Service- oder Abonnementmodell entstehen.
Kombination unterschiedlicher Perspektiven
Etablierte Unternehmen kennen bestehende Märkte. Start-ups hinterfragen bestehende Abläufe. Hochschulen können langfristiger und methodischer forschen.
Diese unterschiedlichen Perspektiven können gemeinsam Innovation erzeugen, solange kein Partner versucht, die Zusammenarbeit ausschließlich nach den eigenen Regeln zu gestalten.
Unterschiedliche Geschwindigkeiten
Start-ups benötigen häufig schnelle Entscheidungen, da ihre finanziellen und personellen Ressourcen begrenzt sind.
Etablierte Unternehmen besitzen dagegen längere Freigabewege, mehrere Entscheidungsebenen und umfangreichere rechtliche Prüfungen.
Werden diese Unterschiede nicht von Beginn an berücksichtigt, kann ein Start-up monatelang auf Entscheidungen warten, während das etablierte Unternehmen den Eindruck erhält, der Partner sei ungeduldig oder unzuverlässig.
Unklare Ziele
Eine Kooperation scheitert häufig, wenn zwar allgemeines Interesse an Innovation besteht, aber kein konkretes Problem definiert wurde.
Ein Unternehmen sollte nicht nur sagen, dass es „etwas mit KI“ machen möchte. Es sollte beschreiben, welcher Prozess verbessert und anhand welcher Kennzahlen der Erfolg bewertet werden soll.
Geistiges Eigentum
Bei gemeinsamen Entwicklungen muss frühzeitig geklärt werden:
- Wem gehören bestehende Technologien?
- Wer besitzt die Rechte an neuen Ergebnissen?
- Wer darf die Lösung später verkaufen?
- Darf das Start-up die Erkenntnisse für andere Kunden nutzen?
- Welche Daten dürfen veröffentlicht oder weiterverwendet werden?
Bleiben diese Fragen ungeklärt, können später Konflikte entstehen.
Ungleiches Machtverhältnis
Etablierte Unternehmen verfügen häufig über mehr Kapital, Marktzugang und juristische Ressourcen.
Start-ups können dadurch in eine Abhängigkeit geraten, insbesondere wenn sie einen großen Teil ihrer Entwicklung auf einen einzigen Partner ausrichten.
Umgekehrt kann ein etabliertes Unternehmen von einer Technologie abhängig werden, wenn der junge Anbieter wirtschaftlich scheitert oder die Zusammenarbeit beendet.
Pilotprojekt ohne Anschluss
Viele Kooperationen erreichen einen Prototyp oder ein erfolgreiches Pilotprojekt, werden anschließend jedoch nicht in den regulären Betrieb überführt.
Der Grund liegt häufig darin, dass Finanzierung, Verantwortlichkeit, IT-Integration oder interne Ressourcen für die nächste Stufe fehlen.
Bereits zu Beginn sollte deshalb geklärt werden, was nach einem erfolgreichen Test geschieht.
Kooperation wird in Krisenzeiten gestrichen
In wirtschaftlich schwierigen Phasen konzentrieren sich Unternehmen häufig auf Liquidität, Kerngeschäft und kurzfristige Ergebnisse.
Creditreform beschreibt, dass Innovationsprojekte und externe Kooperationen dadurch schnell zurückgestellt werden. Dies kann nachvollziehbar sein, birgt aber die Gefahr, dass Unternehmen gerade in einer Phase des technologischen Wandels den Anschluss verlieren.
Perspektivenwechsel
Unternehmen betrachten Kooperationen häufig als Einkauf einer externen Lösung.
Sie suchen ein Start-up oder eine Hochschule, geben eine Aufgabe ab und erwarten anschließend ein fertiges Ergebnis.
Doch echte Innovation funktioniert selten wie eine gewöhnliche Bestellung.
Ein externer Partner muss das Problem, die Prozesse und die Kunden verstehen. Das etablierte Unternehmen muss im Gegenzug bereit sein, Wissen, Daten und Zugang zu Fachabteilungen bereitzustellen.
Kooperation ist deshalb keine Einbahnstraße.
Das Start-up ist nicht nur Lieferant. Die Hochschule ist nicht nur günstige Forschungsabteilung. Das Unternehmen ist nicht nur Kapitalgeber oder Referenzkunde.
Alle Partner müssen einen erkennbaren Nutzen erhalten.
Der eigentliche Perspektivenwechsel lautet:
Kooperation bedeutet nicht, fehlende Fähigkeiten einfach einzukaufen. Sie bedeutet, gemeinsam Fähigkeiten aufzubauen, die vorher keiner der Partner allein besaß.
Dabei kann auch die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern sinnvoll sein. Unternehmen könnten gemeinsame Standards, Infrastruktur oder Grundlagen entwickeln und sich weiterhin bei Produkten, Service und Marktpositionierung unterscheiden.
Innovation entsteht dann nicht trotz gemeinsamer Arbeit, sondern gerade durch die Kombination unterschiedlicher Interessen und Fähigkeiten.
Was wir wissen
Kooperationen zwischen Unternehmen, Start-ups und Hochschulen können den Zugang zu Wissen, Technologien, Fachkräften und neuen Märkten verbessern. Creditreform beschreibt mehrere praktische Beispiele, darunter die Zusammenarbeit von Claas und AgXeed im Bereich autonomer Landmaschinen sowie Kooperationen der TH Köln mit Unternehmen.
Unternehmen, die mit wissenschaftlichen Einrichtungen kooperieren, besitzen laut ZEW-Studie deutlich höhere Chancen, Markt- und Weltneuheiten einzuführen.
Die ZIM-Wirkungsanalyse 2026 zeigt, dass ein großer Teil der geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekte kooperativ durchgeführt wird und häufig Forschungseinrichtungen beteiligt sind.
Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Der Anteil der kooperierenden Start-ups sank laut Deutschem Startup Monitor von 71,8 Prozent im Jahr 2020 auf 61,9 Prozent im Jahr 2024.
Die Herausforderungen liegen unter anderem im Finden geeigneter Partner, in langsamen Entscheidungsprozessen, Risikoaversion und unterschiedlichen Arbeitskulturen.
Was noch unklar ist
Nicht jede Kooperation führt automatisch zu einem erfolgreichen Produkt.
Der tatsächliche Nutzen hängt davon ab, wie gut Partner, Problemstellung und Arbeitsweise zusammenpassen.
Auch die Zahlen zu Kooperationen sagen allein wenig über deren Qualität aus. Eine kurzfristige Beratung wird ebenso als Kooperation betrachtet wie ein mehrjähriges gemeinsames Forschungsprojekt.
Unklar bleibt außerdem, wie viele Pilotprojekte später tatsächlich in reguläre Produkte, Geschäftsmodelle oder Produktionsprozesse überführt werden.
Der Erfolg ist zudem schwer zu messen. Manche Kooperationen führen unmittelbar zu Umsatz. Andere schaffen Wissen, Kontakte oder Kompetenzen, deren wirtschaftlicher Wert erst Jahre später sichtbar wird.
Was als Nächstes wichtig wird
Unternehmen sollten Kooperationen nicht mit einer allgemeinen Partnersuche beginnen, sondern mit einer präzisen Problembeschreibung.
Danach sollten sie prüfen:
- Welche Kompetenz fehlt intern?
- Welche Art von Partner wird benötigt?
- Welche Daten und Ressourcen können bereitgestellt werden?
- Wer entscheidet auf beiden Seiten?
- Welche Rechte und Pflichten gelten?
- Wie lange soll ein Pilotprojekt dauern?
- Woran wird der Erfolg gemessen?
- Was passiert nach einem erfolgreichen Test?
Für kleinere Unternehmen können regionale Hochschulen, Wirtschaftsförderungen, Digital Hubs, Kammern und Mittelstand-Digital-Zentren geeignete erste Ansprechpartner sein. Creditreform verweist ebenfalls auf regionale Hub-Organisationen und das Mittelstand-Digital-Netzwerk als mögliche Unterstützer bei der Partnersuche.
Wichtig wird außerdem, Kooperationen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht ausschließlich als Kostenfaktor zu betrachten.
Gerade wenn bestehende Märkte unter Druck geraten, können externe Partner helfen, schneller neue Produkte, effizientere Prozesse oder zusätzliche Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Einordnung von ROQ News
Deutschland besitzt starke mittelständische Unternehmen, leistungsfähige Hochschulen und eine wachsende Start-up-Landschaft.
Das Problem besteht nicht grundsätzlich in fehlendem Wissen oder fehlenden Ideen.
Das Problem liegt häufig darin, dass diese Stärken nicht ausreichend miteinander verbunden werden.
Etablierte Unternehmen verfügen über Marktzugang, Produktionswissen und Kundenvertrauen. Start-ups besitzen technologische Spezialisierung und Geschwindigkeit. Hochschulen liefern Forschung, Methoden und Nachwuchskräfte.
Werden diese Fähigkeiten sinnvoll kombiniert, können Innovationen entstehen, die kein Partner allein in derselben Zeit und Qualität entwickelt hätte.
Kooperation verlangt jedoch Offenheit, klare Ziele und gegenseitigen Respekt. Ein Partner darf nicht nur als billiger Dienstleister, Datenquelle oder Finanzier betrachtet werden.
Innovation entsteht nicht allein dadurch, dass Unternehmen mehr wissen. Sie entsteht, wenn unterschiedliche Akteure ihr Wissen so verbinden, dass daraus eine gemeinsame Lösung wird.
Michael Langner
Gründer & CEO von Cast RoyalQuellen
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