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Innovation ROQ Analyse

Warum Ostdeutschland wirtschaftlich zurückliegt… und warum der Wille zur Veränderung entscheidend wird

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Ostdeutschlands wirtschaftlicher Aufholprozess stagniert

Am 3. Oktober 2026 veröffentlichte das Institut der deutschen Wirtschaft neue Ergebnisse zur wirtschaftlichen Entwicklung Ostdeutschlands.

Der sogenannte IW-Einheitsindex berücksichtigt verschiedene wirtschaftliche Faktoren, dazu gehören die Wirtschaftsleistung, Produktivität, Erwerbsbeteiligung, Investitionsausstattung und weitere strukturelle Kennzahlen.

1991 erreichten die fünf ostdeutschen Flächenländer in diesem Index rund 51 Prozent des westdeutschen Niveaus.

2025 waren es knapp 79 Prozent.

Das zeigt zunächst eine erhebliche wirtschaftliche Entwicklung, doch seit fünf Jahren kommt die Angleichung kaum noch voran.

Und das ist bemerkenswert, denn diesmal liegt es nicht daran, dass Westdeutschland wirtschaftlich besonders schnell wächst.

Die gesamte deutsche Wirtschaft befindet sich seit Jahren in einer schwierigen Situation.

Trotzdem gelingt es Ostdeutschland nicht, den bestehenden Abstand entscheidend zu verringern.

Der Osten hat aufgeholt. Aber der Aufholprozess ist ins Stocken geraten.

Die wirtschaftlichen Unterschiede sind strukturell

Ein wichtiger Faktor ist die Unternehmenslandschaft.

Ostdeutschland besitzt zahlreiche leistungsfähige Industrieunternehmen, erfolgreiche Mittelständler und moderne Forschungsstandorte, doch im Vergleich zu Westdeutschland fehlen vielerorts größere, eigenständige Unternehmen.

Insbesondere Unternehmenszentralen mit eigenen Forschungsabteilungen und strategischen Entscheidungsfunktionen sind seltener vertreten.

Das ist wirtschaftlich bedeutsam, denn es macht einen Unterschied, ob ein Unternehmen an einem Standort ausschließlich produziert oder dort auch neue Technologien entwickelt, Märkte erschließt und über Investitionen entscheidet.

Ein Produktionswerk kann hochwertige Produkte herstellen und viele Menschen beschäftigen, doch wenn Forschung, Entwicklung und Unternehmensführung an anderen Standorten stattfinden, konzentrieren sich dort zusätzliche wirtschaftliche Funktionen.

Eine Region benötigt deshalb nicht nur Arbeitsplätze. Sie benötigt auch Unternehmen, die selbst wirtschaftliche Entscheidungen treffen und neue Wertschöpfung entwickeln.

Auch die privaten Investitionen bleiben zurück

Der Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026 des ifo Instituts zeigt einen weiteren erheblichen Unterschied.

Zwischen 2019 und 2023 erreichten die privaten Investitionen je Einwohner in Ostdeutschland nur gut drei Viertel des westdeutschen Niveaus.

Betrachtet man die Unternehmensinvestitionen ohne Wohnungsbau und öffentliche Infrastruktur, waren es sogar nur ungefähr zwei Drittel.

Das ist ein entscheidender Punkt, denn Produktivität entsteht nicht allein dadurch, dass Menschen möglichst viel arbeiten.

Sie hängt auch davon ab, welche Maschinen, Technologien und Arbeitsprozesse Unternehmen einsetzen.

Ein Arbeitnehmer kann hoch motiviert und hervorragend ausgebildet sein, wenn er jedoch mit veralteten Maschinen arbeitet, kann seine Produktivität trotzdem geringer ausfallen als die eines vergleichbaren Beschäftigten in einem moderner ausgestatteten Betrieb.

Wirtschaftlicher Rückstand bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Menschen weniger leisten.

Häufig fehlen die wirtschaftlichen Voraussetzungen, um vorhandene Fähigkeiten produktiver einzusetzen.

Die Wiedervereinigung erklärt einen Teil der Entwicklung

Mit der deutschen Wiedervereinigung begann 1990 ein wirtschaftlicher Umbruch von enormem Ausmaß.

Bestehende Wirtschaftsstrukturen wurden aufgelöst oder grundlegend verändert.

Unternehmen verloren Absatzmärkte, Betriebe wurden geschlossen oder privatisiert, Arbeitsplätze verschwanden, zahlreiche Menschen verließen ihre Heimatregionen und damit verlor Ostdeutschland nicht nur Einwohner.

Es verlor auch Fachkräfte, potenzielle Unternehmer, zukünftige Familien und wirtschaftliche Netzwerke.

Solche Entwicklungen wirken über Generationen, denn Unternehmen entstehen nicht automatisch dadurch, dass neue Industriegebiete ausgewiesen werden.

Wirtschaftliche Stärke benötigt Kapital, Wissen, Erfahrung, Kunden und gewachsene Geschäftsbeziehungen.

All das braucht Zeit.

Aber wie lange darf die Vergangenheit unsere Zukunft bestimmen?

Die historische Entwicklung erklärt viele heutige Unterschiede, doch sie beantwortet nicht jede Frage, denn seit 1990 sind neue Generationen herangewachsen.

Neue Technologien sind entstanden.

Digitale Märkte haben sich entwickelt.

Künstliche Intelligenz verändert Geschäftsmodelle.

Automatisierung verändert die Industrie.

Und das Internet ermöglicht Unternehmen, Kunden unabhängig vom eigenen Standort zu erreichen.

Deshalb müssen wir heute auch fragen:

Welche wirtschaftlichen Chancen werden nicht genutzt, obwohl sie inzwischen vorhanden sind?

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Wirtschaftlicher Rückstand ist nicht nur eine Frage des Geldes

Wenn wirtschaftlich schwache Regionen diskutiert werden, tauchen häufig dieselben Forderungen auf.

Mehr Fördermittel.

Mehr Investitionen.

Mehr Infrastruktur.

Mehr staatliche Unterstützung.

Diese Maßnahmen können notwendig sein.

Doch sie lösen nicht automatisch sämtliche wirtschaftlichen Probleme.

Denn eine neue Straße gründet noch kein Unternehmen.

Ein Glasfaseranschluss entwickelt noch kein digitales Geschäftsmodell.

Und ein Förderprogramm macht einen Betrieb nicht automatisch wettbewerbsfähig.

Dafür braucht es Menschen, die wirtschaftliche Möglichkeiten erkennen und umsetzen.

Es braucht Unternehmen, die investieren.

Arbeitnehmer, die neue Fähigkeiten erwerben.

Und Institutionen, die bereit sind, bestehende Strukturen zu hinterfragen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welche Möglichkeiten eine Region besitzt.

Sondern auch, was sie aus diesen Möglichkeiten macht.

Der Deutschland-Monitor 2025 zeigt einen bemerkenswerten Zusammenhang

Der Deutschland-Monitor 2025 untersucht unter anderem, wie Menschen gesellschaftlichen Veränderungen gegenüberstehen.

Die Ergebnisse widersprechen zunächst einem verbreiteten Vorurteil.

Ostdeutsche Menschen sind insgesamt nicht grundsätzlich weniger veränderungsbereit als westdeutsche.

Die allgemeine Veränderungsbereitschaft unterscheidet sich zwischen beiden Landesteilen kaum.

Allerdings zeigen sich deutliche regionale Unterschiede.

In strukturschwachen ostdeutschen Regionen ist die Veränderungsskepsis überdurchschnittlich ausgeprägt.

Besonders interessant ist die Frage nach den Ursachen.

Die Forschenden identifizieren unter anderem negative Transformationserfahrungen, Statusverlustängste und das Gefühl, wirtschaftlich oder gesellschaftlich abgehängt zu sein.

In diesen Regionen erklärten 52 Prozent der Befragten, dass die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen zehn Jahre für sie persönlich eher nachteilig gewesen seien.

Das ist eine wichtige Erkenntnis.

Denn sie zeigt:

Wer Veränderung wiederholt als Verlust erlebt, kann zukünftigen Veränderungen mit größerer Skepsis begegnen.

Das ist menschlich nachvollziehbar.

Wer erlebt hat, dass wirtschaftliche Umbrüche Arbeitsplätze vernichten, Familien auseinanderreißen oder persönliche Lebensleistungen entwerten, wird neue Veränderungen möglicherweise vorsichtiger beurteilen.

Doch genau hier entsteht ein Problem.

Wenn aus Vorsicht dauerhafte Ablehnung wird

Eine gewisse Skepsis gegenüber Veränderungen ist sinnvoll.

Nicht jede Innovation funktioniert.

Nicht jedes neue Geschäftsmodell ist wirtschaftlich tragfähig.

Und nicht jede Technologie verbessert automatisch bestehende Prozesse.

Doch was passiert, wenn Unternehmen und Menschen neue Möglichkeiten grundsätzlich ablehnen?

Wenn immer wieder dieselben Antworten kommen?

„Das haben wir schon immer so gemacht.“

„Das funktioniert hier nicht.“

„Das brauchen wir nicht.“

„Das haben wir früher auch nicht gebraucht.“

Solche Aussagen gibt es selbstverständlich in ganz Deutschland.

Auch westdeutsche Unternehmen können an alten Geschäftsmodellen festhalten.

Doch für wirtschaftlich schwächere Regionen können die Folgen besonders schwerwiegend sein.

Denn wer bereits weniger Unternehmen, weniger Kapital und geringere wirtschaftliche Reserven besitzt, kann verpasste Chancen häufig schwerer ausgleichen.

Wer wirtschaftlich aufholen möchte, muss bereit sein, neue Wege zumindest ernsthaft zu prüfen.

Wichtig ist dabei die wissenschaftliche Grenze:

Der Deutschland-Monitor untersucht gesellschaftliche Veränderungsbereitschaft. Er beweist nicht, dass wirtschaftlicher Rückstand unmittelbar durch mangelnde Lernbereitschaft verursacht wird.

Aber er zeigt, warum die gesellschaftlichen Voraussetzungen wirtschaftlicher Transformation stärker berücksichtigt werden sollten.

Lernen bedeutet nicht, noch einmal die Schulbank zu drücken

Vielleicht müssen wir auch unseren Begriff von Lernen verändern.

Viele Menschen verbinden Lernen mit Schule, Prüfungen und Abschlüssen.

Doch wirtschaftliches Lernen findet täglich statt.

Ein Handwerksbetrieb lernt, wie digitale Auftragsplanung funktioniert.

Ein Industrieunternehmen testet neue Automatisierungstechnik.

Ein Einzelhändler erschließt zusätzliche Vertriebskanäle.

Ein Mitarbeiter lernt, künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen.

Ein Unternehmer entwickelt eine neue Dienstleistung.

Und ein junger Mensch versucht, seine erste Geschäftsidee umzusetzen.

All das ist Lernen.

Es geht nicht darum, dass jeder Mensch programmieren können muss.

Es geht darum, vorhandenes Wissen regelmäßig zu erweitern.

Wer wirtschaftlich erfolgreich bleiben möchte, muss nicht alles wissen. Aber er muss bereit sein, dazuzulernen.

Warum Fördergelder allein nicht ausreichen

Deutschland besitzt zahlreiche Förderprogramme.

Unternehmen können Zuschüsse für Investitionen, Forschung und Digitalisierung beantragen.

Kommunen können Infrastrukturprojekte unterstützen lassen.

Forschungseinrichtungen erhalten Mittel für technologische Entwicklungen.

Doch Fördermittel sind zunächst nur finanzielle Unterstützung.

Sie ersetzen keine Kunden.

Sie ersetzen kein tragfähiges Geschäftsmodell.

Und sie ersetzen keine wirtschaftliche Umsetzung.

Ein Unternehmen kann eine Förderung erhalten und trotzdem scheitern.

Ein anderes Unternehmen kann mit vergleichsweise wenig Kapital erfolgreich werden, weil es ein konkretes Kundenproblem besser löst.

Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel Geld in eine Region fließt.

Sondern:

Welche zusätzliche Wertschöpfung entsteht aus diesem Geld?

Wie viele dauerhaft tragfähige Unternehmen entwickeln sich?

Welche neuen Produkte entstehen?

Welche Technologien werden wirtschaftlich eingesetzt?

Welche Fachkräfte werden qualifiziert?

Und wie viele Unternehmen können langfristig eigenständig wachsen?

Genau an diesen Ergebnissen sollte sich regionale Wirtschaftsförderung stärker orientieren.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Für Unternehmen: Alte Geschäftsmodelle dürfen nicht zur Gewohnheit werden

Ein Unternehmen kann über Jahrzehnte erfolgreich gewesen sein.

Es kann hervorragende Produkte besitzen.

Es kann über erfahrene Mitarbeiter verfügen, doch vergangener Erfolg garantiert keine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.

Gerade deshalb müssen Unternehmen regelmäßig ihre Prozesse hinterfragen.

Welche Tätigkeiten kosten unnötig Zeit?

Welche Maschinen könnten modernisiert werden?

Welche Aufgaben lassen sich automatisieren?

Welche neuen Kunden könnten erreicht werden?

Welche Technologien können die Produktivität erhöhen?

Und welche Fähigkeiten benötigen Mitarbeiter künftig?

Dabei bedeutet Innovation nicht zwangsläufig, Millionenbeträge zu investieren.

Manchmal beginnt sie mit einer einfachen Frage:

Warum machen wir das eigentlich noch genauso wie vor zehn Jahren?

Wer darauf eine wirtschaftlich überzeugende Antwort besitzt, muss nicht unbedingt etwas verändern.

Wer jedoch ausschließlich antwortet:

„Weil wir das schon immer so gemacht haben“,

sollte seine bisherigen Abläufe genauer betrachten.

Für Arbeitnehmer: Erfahrung bleibt wertvoll, aber Wissen verändert sich

Ein Berufsabschluss ist ein Fundament, doch er ist nicht das Ende der beruflichen Entwicklung.

Neue Technologien verändern Tätigkeiten.

Digitale Werkzeuge verändern Arbeitsprozesse und künstliche Intelligenz eröffnet zusätzliche Möglichkeiten.

Das bedeutet nicht, dass jeder Arbeitnehmer ständig neue Abschlüsse erwerben muss, aber es bedeutet, dass berufliches Lernen zunehmend zum Arbeitsalltag gehört.

Gleichzeitig tragen Unternehmen Verantwortung.

Sie müssen Weiterbildung ermöglichen, Mitarbeiter einbeziehen und den Nutzen neuer Technologien verständlich machen, denn es wäre zu einfach, Menschen fehlende Lernbereitschaft vorzuwerfen, wenn sie keine realistischen Möglichkeiten erhalten, neue Fähigkeiten zu entwickeln.

Wer von Mitarbeitern Veränderungsbereitschaft erwartet, muss ihnen auch Wege eröffnen, Veränderungen erfolgreich zu bewältigen.

Für Kommunen: wirtschaftliche Perspektiven müssen geschaffen werden

Viele wirtschaftlich schwache Regionen stehen vor einer besonderen Herausforderung.

Sie möchten junge Menschen halten.

Sie möchten Fachkräfte gewinnen.

Sie möchten neue Unternehmen ansiedeln, doch warum sollte ein junger Mensch in einer Region bleiben, wenn er dort kaum berufliche Perspektiven erkennt?

Warum sollte ein Unternehmer investieren, wenn geeignete Mitarbeiter fehlen?

Und warum sollte eine Familie zuziehen, wenn wirtschaftliche Entwicklung und Infrastruktur keine ausreichenden Möglichkeiten bieten?

Hier brauchen wir einen anderen Blickwinkel.

Nicht:

„Warum verlassen uns die Menschen?“

Sondern:

„Welche Gründe schaffen wir, damit Menschen bleiben, zurückkommen oder neu zu uns ziehen?“

Dabei muss nicht jede Region München oder Berlin kopieren.

Eine Region kann ihre Stärken im Maschinenbau besitzen.

Eine andere in der Landwirtschaft.

Eine weitere in der Forschung, im Handwerk, im Tourismus oder in digitalen Dienstleistungen.

Entscheidend ist, vorhandene wirtschaftliche Möglichkeiten zu erkennen und systematisch weiterzuentwickeln.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Ostdeutschland könnte wirtschaftlich neue Wege gehen

Wirtschaftlicher Rückstand bedeutet nicht fehlendes Potenzial

Ostdeutschland besitzt zahlreiche wirtschaftliche Stärken.

Dazu gehören industrielle Kompetenzen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und spezialisierte Unternehmen.

Auch niedrigere Standortkosten können für bestimmte Unternehmensgründungen und Investitionen interessant sein.

Besonders spannend ist die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.

Ein Softwareunternehmen benötigt nicht zwangsläufig einen Standort in München.

Ein spezialisierter Dienstleister kann internationale Kunden betreuen.

Ein Industrieunternehmen kann sich auf hoch spezialisierte Technologien konzentrieren und ein Handwerksbetrieb kann durch Digitalisierung neue Märkte erschließen.

Wirtschaftliche Stärke entsteht heute nicht ausschließlich dort, wo bereits große Unternehmen sitzen.

Sie kann auch dort entstehen, wo neue Ideen konsequent umgesetzt werden.

Die zweite Chance... Wissen aus Forschung und Wirtschaft verbinden

Ostdeutschland verfügt über leistungsfähige Forschungsstandorte, doch Forschung allein erzeugt noch keine wirtschaftliche Wertschöpfung.

Erst wenn neue Erkenntnisse in Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen übertragen werden, entsteht zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen.

Genau deshalb ist Technologietransfer so wichtig.

Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen sollten enger zusammenarbeiten.

Nicht ausschließlich in großen Forschungsprojekten, sondern auch bei konkreten Problemen kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Wie lässt sich eine Maschine produktiver einsetzen?

Wie können Produktionsprozesse automatisiert werden?

Welche neuen Materialien können verwendet werden?

Welche digitalen Anwendungen verbessern bestehende Dienstleistungen?

Aus solchen Fragen können neue wirtschaftliche Möglichkeiten entstehen.

Die dritte Chance... junge Menschen könnten neue Unternehmen aufbauen

Viele junge Menschen wachsen heute mit digitalen Technologien auf.

Sie besitzen Zugang zu Werkzeugen, die früher nur großen Unternehmen zur Verfügung standen.

Sie können digitale Produkte entwickeln, Dienstleistungen international anbieten, Software erstellen, mit künstlicher Intelligenz experimentieren, oder neue Geschäftsmodelle testen.

Natürlich wird nicht jede Idee erfolgreich, doch eine Region, die jungen Menschen Möglichkeiten eröffnet, schafft andere wirtschaftliche Voraussetzungen als eine Region, in der neue Ideen grundsätzlich auf Ablehnung stoßen.

Vielleicht müssen wir deshalb weniger fragen:

„Wo finden junge Menschen einen Arbeitsplatz?“

Und zusätzlich fragen:

„Wie unterstützen wir junge Menschen dabei, selbst neue Arbeitsplätze zu schaffen?“

Risiken

Wenn wirtschaftlicher Stillstand zur Normalität wird

Das größte Risiko ist nicht der heutige Rückstand

Wirtschaftlich schwächere Regionen müssen nicht zwangsläufig wirtschaftlich schwach bleiben, doch problematisch wird es, wenn sich Menschen und Institutionen dauerhaft mit dieser Situation arrangieren.

Wenn Unternehmen nicht investieren, weil sie keine Zukunft sehen.

Wenn junge Menschen wegziehen, weil sie keine Perspektiven erkennen.

Wenn Kommunen überwiegend bestehende Strukturen verwalten und wenn neue Ideen nicht ernsthaft geprüft werden, dann kann ein wirtschaftlicher Kreislauf entstehen.

Weniger Unternehmen bedeuten weniger attraktive Arbeitsplätze.

Weniger Arbeitsplätze können Abwanderung verstärken.

Abwanderung erschwert die Fachkräftesicherung.

Fehlende Fachkräfte können Investitionen verhindern.

Und ausbleibende Investitionen schwächen wiederum die wirtschaftliche Entwicklung.

Das zweite Risiko... die Verantwortung ausschließlich bei anderen suchen

Wirtschaftliche Probleme besitzen häufig mehrere Ursachen.

Politische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle.

Unternehmensentscheidungen spielen eine Rolle.

Bildung, Infrastruktur und demografische Entwicklungen ebenfalls, deshalb wäre es falsch, die Verantwortung ausschließlich bei einer Gruppe zu suchen.

Doch genauso problematisch wäre es, sämtliche Verantwortung grundsätzlich abzugeben.

Wenn Unternehmen ausschließlich auf bessere Rahmenbedingungen warten, entstehen möglicherweise keine neuen Geschäftsmodelle.

Wenn Kommunen ausschließlich zusätzliche Fördermittel fordern, werden vorhandene Potenziale möglicherweise nicht genutzt.

Und wenn Arbeitnehmer Weiterbildung grundsätzlich ablehnen, können berufliche Entwicklungsmöglichkeiten verloren gehen.

Niemand ist allein für die wirtschaftliche Situation verantwortlich. Aber niemand ist deshalb automatisch von eigener Verantwortung befreit.

Das dritte Risiko... Veränderung wird mit Unsicherheit verwechselt

Die Erfahrungen der wirtschaftlichen Transformation nach 1990 wirken bis heute, deshalb ist es nachvollziehbar, dass manche Menschen neuen Veränderungen vorsichtig begegnen.

Doch Veränderung bedeutet nicht zwangsläufig Verlust.

Eine neue Technologie kann Arbeitsplätze verändern.

Sie kann aber auch Unternehmen wettbewerbsfähiger machen und neue Tätigkeiten entstehen lassen.

Eine Unternehmensgründung kann scheitern.

Sie kann aber auch neue Märkte und Beschäftigung schaffen.

Eine Weiterbildung benötigt Zeit.

Sie kann jedoch neue berufliche Möglichkeiten eröffnen.

Entscheidend ist deshalb, Veränderungen nicht grundsätzlich als Bedrohung oder automatisch als Fortschritt zu betrachten, sondern ihren tatsächlichen Nutzen zu prüfen.

Perspektivenwechsel

Wir müssen aufhören, Ostdeutschland nur mit seiner Vergangenheit zu vergleichen

Mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung diskutieren wir noch immer darüber, wie weit Ostdeutschland wirtschaftlich hinter Westdeutschland liegt.

Diese Vergleiche sind wichtig, denn sie zeigen bestehende Unterschiede, doch vielleicht sollten wir zusätzlich eine andere Frage stellen.

Was müsste Ostdeutschland heute aufbauen, um in zehn Jahren wirtschaftlich vorauszugehen?

Warum sollten moderne Industrieunternehmen nicht gerade dort entstehen, wo neue Standorte entwickelt werden können?

Warum sollten junge Menschen nicht dort digitale Geschäftsmodelle aufbauen?

Warum sollten traditionelle Industriebetriebe nicht zu Vorreitern moderner Automatisierung werden?

Warum sollten Hochschulen, Unternehmen und Kommunen nicht gemeinsam neue Innovationsregionen entwickeln?

Und warum sollten wir wirtschaftlich schwächere Regionen ausschließlich daran messen, wie weit sie hinter anderen zurückliegen?

Vielleicht liegt die größere Chance darin, ihre zukünftigen Möglichkeiten zu betrachten.

Die Vergangenheit bestimmt den Ausgangspunkt... nicht jede zukünftige Entscheidung

Natürlich können historische Nachteile nicht einfach wegdiskutiert werden, aber wirtschaftliche Entwicklung entsteht auch durch Entscheidungen, die heute getroffen werden.

Ein Unternehmen kann heute beginnen, seine Prozesse zu modernisieren.

Ein Arbeitnehmer kann heute eine neue Fähigkeit erwerben.

Ein junger Mensch kann heute seine erste Geschäftsidee entwickeln.

Eine Kommune kann heute beginnen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen besser miteinander zu vernetzen.

Nicht jede dieser Maßnahmen wird sofort erfolgreich sein, doch ohne solche Schritte verändert sich möglicherweise wenig.

Wer wirtschaftlich aufholen möchte, muss irgendwann anfangen, wirtschaftliche Zukunft aktiv zu gestalten.

ROQ Innovationsprinzip

Wirtschaftlicher Fortschritt entsteht nicht allein dadurch, dass neue Möglichkeiten geschaffen werden. Er entsteht, wenn Menschen bereit und in der Lage sind, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Fördermittel können Investitionen ermöglichen.

Technologien können Arbeitsprozesse verbessern.

Bildung kann neue Fähigkeiten vermitteln, doch wirtschaftlicher Nutzen entsteht erst durch praktische Umsetzung.

Innovation beginnt mit der Bereitschaft, bestehende Probleme anders zu lösen... und endet nicht bei der Idee, sondern bei ihrer Umsetzung.

ROQ Perspektivwechsel

Vielleicht sollten wir deshalb nicht länger ausschließlich fragen:

„Warum liegt Ostdeutschland wirtschaftlich hinter Westdeutschland zurück?“

Sondern:

„Was müsste Ostdeutschland heute lernen, entwickeln und aufbauen, um morgen wirtschaftlich vorauszugehen?“

Denn wirtschaftliche Entwicklung ist kein Wettbewerb darum, wer die bessere Vergangenheit besitzt.

Sie ist die Fähigkeit, aus vorhandenen Möglichkeiten neue Zukunft zu schaffen und vielleicht liegt genau darin die entscheidende Erkenntnis:

Wer wirtschaftlich aufholen möchte, darf nicht nur auf bessere Bedingungen warten. Er muss auch bereit sein, neue Wege zu gehen.

Was wir wissen

Der wirtschaftliche Aufholprozess Ostdeutschlands ist seit mehreren Jahren weitgehend ins Stocken geraten.

Der IW-Einheitsindex zeigt für 2025 einen Wert von knapp 79 Prozent des westdeutschen Niveaus.

Gleichzeitig bestehen strukturelle Unterschiede bei Unternehmensgrößen, Investitionen und wirtschaftlicher Forschung.

Der Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026 des ifo Instituts weist insbesondere auf zu geringe private Investitionen und den zunehmenden Fachkräftemangel hin.

Der Deutschland-Monitor 2025 zeigt außerdem, dass die allgemeine Veränderungsbereitschaft in Ost- und Westdeutschland ähnlich ausgeprägt ist.

In strukturschwachen ostdeutschen Regionen ist die Veränderungsskepsis allerdings überdurchschnittlich hoch.

Die Untersuchungen zeigen damit, dass wirtschaftliche Entwicklung sowohl strukturelle als auch gesellschaftliche Herausforderungen besitzt.

Was noch unklar ist

Wir können aus den vorliegenden Untersuchungen nicht ableiten, dass Menschen in Ostdeutschland grundsätzlich weniger lernbereit sind, aber aus eigenen Erfahrungen kann ich dies bestätigen

Ebenso wenig lässt sich der wirtschaftliche Rückstand pauschal durch eine bestimmte Mentalität erklären, aber auch hier spiegeln meine Erfahrungen etwas andere wieder.

Aber wir müssten konkrete Zusammenhänge zwischen Weiterbildung, Innovationsbereitschaft, Unternehmensinvestitionen und regionaler Produktivität untersuchen.

Offiziell wissen wir nicht, wie viele wirtschaftliche Chancen tatsächlich deshalb ungenutzt bleiben, weil Unternehmen oder Institutionen Veränderungen ablehnen.

Dazu wären zusätzliche regionale Unternehmensbefragungen und vergleichende Untersuchungen notwendig. Ich selbst kann nur meine Erfahrungen wiedergeben.

Die vorhandenen Studien liefern wichtige Hinweise.

Sie erlauben aber keine pauschale Bewertung einer gesamten Bevölkerung.

Was als Nächstes wichtig wird

In den kommenden Jahren wird sich entscheiden, ob Ostdeutschland seinen wirtschaftlichen Aufholprozess wieder beschleunigen kann.

Eine besondere Herausforderung ist der demografische Wandel.

Nach Berechnungen des ifo Instituts könnte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in Ostdeutschland bis 2035 um etwa sieben Prozent sinken, damit wird es für Unternehmen schwieriger, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Gleichzeitig müssen Betriebe ihre Produktivität erhöhen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und dafür werden Digitalisierung, Automatisierung, Weiterbildung und Technologietransfer wichtiger.

Doch entscheidend ist nicht allein, welche Technologien zur Verfügung stehen.

Entscheidend ist, ob Unternehmen sie wirtschaftlich sinnvoll einsetzen, ob Beschäftigte die notwendigen Fähigkeiten erwerben können und ob Kommunen geeignete Bedingungen für Investitionen und Unternehmensgründungen schaffen.

Der nächste wirtschaftliche Aufholprozess wird nicht allein durch zusätzliche Fördergelder entstehen. Er benötigt Unternehmen und Menschen, die vorhandene Möglichkeiten tatsächlich nutzen.

ROQ News

Einordnung von ROQ News

Ostdeutschland hat seit der Wiedervereinigung enorme wirtschaftliche Veränderungen erlebt.

Es wäre falsch, diese Entwicklung kleinzureden.

Ebenso falsch wäre es, den heutigen wirtschaftlichen Rückstand ausschließlich den Menschen vor Ort zuzuschreiben.

Die historischen und strukturellen Unterschiede sind wissenschaftlich gut dokumentiert, doch genauso wichtig ist die Frage, wie wir heute mit diesen Herausforderungen umgehen, denn wirtschaftliche Zukunft entsteht nicht allein durch die Erklärung vergangener Probleme.

Sie entsteht durch gegenwärtige Entscheidungen, durch Investitionen, durch Unternehmertum, durch Bildung, durch Innovation und durch die Bereitschaft, neue Möglichkeiten ernsthaft zu prüfen.

Vielleicht müssen wir deshalb eine unbequeme Frage stellen

Wie lange wollen wir wirtschaftliche Schwierigkeiten ausschließlich erklären, bevor wir stärker darüber sprechen, was konkret verändert werden kann?

Diese Frage richtet sich nicht nur an Ostdeutschland.

Sie richtet sich an Unternehmen, Arbeitnehmer, Kommunen und wirtschaftliche Institutionen in ganz Deutschland, denn auch Westdeutschland kann sich nicht dauerhaft auf vergangenen Erfolgen ausruhen.

Die internationale Wirtschaft entwickelt sich weiter.

Neue Technologien entstehen, andere Regionen investieren und neue Unternehmen erschließen Märkte.

Die Welt wartet nicht darauf, bis Deutschland fertig diskutiert hat.

Deshalb brauchen wir eine Wirtschaftskultur, in der Veränderung nicht automatisch als Bedrohung betrachtet wird.

Eine Kultur, in der Lernen zum Berufsleben gehört.

In der neue Ideen ausprobiert werden.

In der Unternehmen Verantwortung für ihre Wettbewerbsfähigkeit übernehmen und in der Kommunen wirtschaftliche Entwicklung aktiv ermöglichen, denn am Ende ist nicht entscheidend, ob eine Region heute wirtschaftlich stärker oder schwächer ist.

Entscheidend ist, ob sie bereit ist, ihre zukünftigen Möglichkeiten zu nutzen.

Die Vergangenheit erklärt, warum wir heute dort stehen, wo wir stehen, aber die Bereitschaft zur Veränderung entscheidet mit darüber, wohin wir uns morgen entwickeln.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Osten holt wirtschaftlich seit fünf Jahren nicht mehr auf – Institut der deutschen Wirtschaft
    Sonstige · veröffentlicht 03.10.2026 · abgerufen 26.10.2026
  2. Sonstige · veröffentlicht 28.05.2026 · abgerufen 26.10.2026
  3. Fachmedium · veröffentlicht 29.05.2026 · abgerufen 26.10.2026
  4. Nachrichtenagentur · veröffentlicht 03.10.2026 · abgerufen 26.10.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 27.10.2026
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