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Wenn Lehrer fehlen, reicht es nicht, nur nach mehr Lehrern zu rufen… Schule muss selbst innovativer werden

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Was ist passiert?

Die OECD hat Ende September „Bildung auf einen Blick 2026“ veröffentlicht.

Der diesjährige Schwerpunkt:

Lehrkräftemangel.

Und Deutschland fällt dabei an mehreren Stellen auf.

Nach der OECD-Systematik galten im Schuljahr 2023/24 18,6 Prozent der Lehrkräfte an öffentlichen Primar- und Sekundarschulen in Deutschland als nicht voll qualifiziert. Das bedeutet nicht automatisch, dass fast jede fünfte Person ohne pädagogische Kompetenz vor einer Klasse steht. Die OECD zählt hier unter anderem Personen dazu, die noch nicht sämtliche deutschen Qualifikationsanforderungen erfüllen oder sich noch in entsprechender Ausbildung befinden. Deutschland hat zudem einen vergleichsweise langen Qualifikationsweg und nutzt angesichts des Mangels alternative Zugangswege.

Noch bemerkenswerter ist eine zweite Zahl.

55 Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland besuchen Schulen, deren Schulleitungen berichten, dass die Abwesenheit von Lehrkräften das Lernen beeinträchtigt.

Der OECD-Durchschnitt liegt bei 27 Prozent.

Deutschland weist damit in den zugrunde liegenden PISA-Daten einen der höchsten Werte im OECD-Raum auf. Wichtig: Das ist eine Einschätzung der Schulleitungen über die Auswirkungen von Fehlzeiten und keine administrative Messung sämtlicher ausgefallener Unterrichtsstunden.

Und das Problem ist nicht gleichmäßig verteilt.

International zeigt sich Lehrkräftemangel besonders häufig bei:

Mathematik, Naturwissenschaften, ländlichen Regionen, abgelegenen Gebieten und sozial stärker belasteten Standorten.

Genau diese Unterschiede machen eine pauschale Antwort schwierig.

Deutschland kann nicht einfach auf die perfekte Lehrkräftezahl warten

Natürlich müssen:

mehr Menschen Lehramt studieren, Studierende das Studium erfolgreich beenden, Lehrkräfte im Beruf gehalten und attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden, aber selbst die OECD weist darauf hin, dass Fachkräfteengpässe im Bildungswesen Teil eines größeren Arbeitsmarktproblems sind.

Schulen konkurrieren um Menschen mit anderen Branchen.

Gerade Mathematiker, Naturwissenschaftler, Informatiker und andere Spezialisten haben außerhalb von Schulen ebenfalls gute berufliche Möglichkeiten und genau deshalb wird aus dem Lehrkräftemangel eine Innovationsfrage, denn ein System kann auf einen knappen Produktionsfaktor grundsätzlich auf zwei Arten reagieren:

mehr davon gewinnen

und

das Vorhandene produktiver einsetzen.

Bei Schule darf Produktivität natürlich nicht heißen:

möglichst viele Kinder pro Lehrer, Bildung ist keine Autofabrik, aber Produktivität kann heißen:

Die Zeit einer Lehrkraft dort einsetzen, wo eine Lehrkraft den größten Unterschied macht.

Was kann ausschließlich eine gute Lehrkraft?

Beziehungen zu Schülerinnen und Schülern aufbauen, Lernprozesse verstehen, erkennen, warum ein Kind etwas nicht versteht, Unterricht führen, pädagogische Entscheidungen treffen, motivieren, Feedback geben, fachliche Zusammenhänge erklären, Konflikte begleiten, Leistungen professionell einschätzen, Kinder und Jugendliche entwickeln helfen.

Das ist der Kern, aber darum herum hat sich ein riesiger organisatorischer Apparat gebildet und vielleicht müssen wir beginnen, diese Aufgaben auseinanderzunehmen.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Hier ist eine Unterscheidung wichtig.

Dieser Artikel sagt nicht:

Wir brauchen keine zusätzlichen Lehrkräfte, wenn wir nur genügend KI installieren.

Das wäre Unsinn.

Auch der Stifterverband warnte Anfang Oktober ausdrücklich davor, multiprofessionelle Teams oder neue Schulmodelle so zu interpretieren, als könnten dadurch notwendige Lehrkräfte einfach ersetzt werden. Schule neu zu organisieren und zusätzliche Lehrkräfte zu gewinnen sind keine Gegensätze.

Unsere These lautet deshalb:

Mehr Personal allein reicht langfristig ebenfalls nicht.

Denn wenn wir 20.000 zusätzliche Menschen finden und sie anschließend in exakt dasselbe überlastete System setzen, haben wir einen Teil des Problems nur verschoben.

Innovation bedeutet:

Menschen + Organisation + Technologie neu zusammendenken.

Nicht jede Aufgabe braucht dieselbe Qualifikation

Stellen wir uns ein Krankenhaus vor.

Dort arbeitet nicht der Chefarzt gleichzeitig als:

Empfangskraft, IT-Administrator, Physiotherapeut, Pflegekraft, Laborant und Terminplaner.

Nicht weil diese Tätigkeiten unwichtig wären, sondern weil unterschiedliche Aufgaben unterschiedliche Kompetenzen benötigen.

Warum behandeln wir Schule teilweise anders?

Eine Schule der Zukunft könnte viel stärker aus Teams bestehen:

Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Schulpsychologie, pädagogische Assistenz, IT-Support., Verwaltung, Berufsorientierung, externe Experten, Bibliotheks- und Medienpädagogik, gegebenenfalls Gesundheitsfachkräfte und natürlich:

Lehrkräfte.

Nicht um deren Rolle kleiner zu machen, sondern um sie wieder klarer zu machen.

Der Lehrer wird dadurch nicht weniger wichtig

Sondern möglicherweise wichtiger, denn wenn eine Lehrkraft fünf Stunden weniger mit Aufgaben verbringt, für die kein Lehramtsstudium erforderlich wäre, entstehen fünf Stunden für:

Unterricht, Vorbereitung, individuelle Förderung, Feedback, Fortbildung, Teamarbeit, Eltern, Schüler.

Das wäre echte Bildungsinnovation.

Nicht:

Lehrer durch Assistenten ersetzen.

Sondern:

Lehrer von Aufgaben entlasten, für die wir ihre Qualifikation gar nicht brauchen.

KI kann dabei eine Rolle spielen... aber eine andere als oft gedacht

Die Debatte lautet häufig:

Wird KI Lehrer ersetzen?

Die sinnvollere Frage lautet:

Welche Arbeit kann KI einer Lehrkraft abnehmen?

Eine aktuelle repräsentative Bitkom-Befragung unter Lehrkräften der Sekundarstufen I und II zeigt, dass KI längst im Kollegium angekommen ist.

58 Prozent nutzen KI bereits für schulische Zwecke.

26 Prozent beispielsweise für Unterrichtsvorbereitung.

23 Prozent für individualisierte Unterrichtsmaterialien.

20 Prozent zur Kontrolle von Aufgaben beziehungsweise Prüfungen.

Und 32 Prozent sagen bereits heute, dass KI ihren Arbeitsalltag erleichtert.

Gleichzeitig fühlen sich 58 Prozent der Lehrkräfte im Umgang mit KI noch unsicher.

Noch aktueller:

Am 12. Oktober berichtete Bitkom, dass zwar 64 Prozent der Lehrkräfte ihre eigenen digitalen Unterrichtskompetenzen als gut oder sehr gut einschätzen, aber fast ein Drittel befürchtet, mit dem schnellen technologischen Fortschritt nicht Schritt halten zu können.

Das sagt ziemlich viel.

Die Technologie ist angekommen.

Die Qualifizierung muss hinterherkommen.

Ein Lehrer muss nicht jedes Arbeitsblatt neu erfinden

Das klingt banal, aber stellen wir uns Deutschland einmal vor:

Tausende Mathematiklehrer unterrichten in derselben Woche: Bruchrechnung.

Tausende Physiklehrer: Elektrizität.

Tausende Geschichtslehrer: Industrialisierung.

Und unzählige davon erstellen parallel:

Arbeitsblätter, Präsentationen, Quizfragen, Übungen, Differenzierungen.

Warum?

Natürlich braucht guter Unterricht Anpassung an:

Klasse, Leistungsniveau, Situation und Lehrkraft.

Aber muss deshalb jedes Grundmaterial immer wieder neu entstehen?

Vielleicht braucht Schule viel stärker:

hochwertige gemeinsame Wissensbibliotheken.

Geprüfte Inhalte, Aufgaben, Simulationen, Versuche, Videos, interaktive Übungen, Differenzierungsvarianten, KI könnte anschließend dabei helfen:

Material für unterschiedliche Leistungsstände anzupassen, Texte sprachlich zu vereinfachen, zusätzliche Übungen zu erzeugen, Fragen vorzubereiten, Unterrichtsvarianten vorzuschlagen.

Die Lehrkraft entscheidet.

Die Maschine bereitet vor.

Genau das ist der Unterschied zwischen KI-Ersatz und KI-Assistenz

KI darf nicht autonom entscheiden:

Welches Kind ist intelligent?

Welche Schulform verdient jemand?

Welche Diagnose besitzt ein Schüler?

Welche pädagogische Konsequenz folgt?

Das sind sensible menschliche Entscheidungen.

Aber bei:

Entwürfen, Zusammenfassungen, Materialvariation, Routinekommunikation, Strukturierung, Rechercheunterstützung, erster Aufgabenanalyse, kann Technologie bereits heute helfen, dann lautet die Revolution nicht:

KI statt Lehrer.

Sondern:

Lehrer mit KI gegen unnötige Routine.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Für Unternehmen: Fachkräftemangel beginnt lange vor der Stellenausschreibung

Unternehmen beklagen:

zu wenige Auszubildende, zu wenige Ingenieure, zu wenige Programmierer, zu wenige Facharbeiter, aber diese Menschen entstehen nicht plötzlich mit 22 Jahren auf LinkedIn.

Sie saßen zehn Jahre vorher in einem Klassenzimmer.

Wenn dort:

Mathematikunterricht ausfällt , Informatik kaum stattfindet, Naturwissenschaften unterbesetzt sind, oder individuelle Förderung fehlt, wird daraus langfristig ein wirtschaftliches Problem.

Schule ist deshalb:

Wirtschaftsinfrastruktur.

Nicht weil Kinder möglichst früh zu Arbeitnehmern gemacht werden sollen, sondern weil jede innovative Wirtschaft Menschen benötigt, die:

lesen, rechnen, Probleme lösen, kritisch denken, lernen und eigene Interessen entdecken können.

Unternehmen könnten Wissen viel stärker in Schulen bringen

Aber auch hier muss Schule nicht alles allein können.

Ein Informatiklehrer muss nicht gleichzeitig Experte für:

Cybersecurity, Cloud, Robotik, KI, Spieleentwicklung, App-Entwicklung und industrielle Software sein.

Warum nicht stärker mit Menschen arbeiten, die diese Technologien täglich einsetzen?

Ingenieure, Programmierer, Handwerker, Unternehmer, Wissenschaftler, Designer, Techniker.

Natürlich nicht unvorbereitet und nicht als billiger Ersatz für Pädagogen.

Sondern als:

zusätzliche Experten.

Ein Lehrer kennt seine Klasse.

Ein Ingenieur kennt seine Maschine.

Gemeinsam kann daraus Unterricht entstehen, den keiner von beiden allein in gleicher Form bieten könnte.

Quereinstieg kann ebenfalls Teil der Lösung sein

Auch internationale Systeme nutzen zunehmend Menschen, die erst nach einer anderen beruflichen Laufbahn in den Lehrerberuf wechseln.

Im OECD-Durchschnitt sind rund 8,4 Prozent der Lehrkräfte im unteren Sekundarbereich sogenannte Second-Career Teachers... Menschen mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung außerhalb des Lehrerberufs.

In einigen Ländern liegt ihr Anteil bei mehr als 16 Prozent. Die OECD sieht darin Chancen, insbesondere um Fachwissen und berufliche Erfahrung in Mangelbereiche zu bringen. Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit von guter pädagogischer Vorbereitung, Qualitätskontrolle und strukturierten Zugangswegen.

Das ist entscheidend.

Ein hervorragender Softwareentwickler ist nicht automatisch ein hervorragender Lehrer.

Aber:

Ein hervorragender Softwareentwickler + gute pädagogische Qualifizierung könnte ein verdammt interessanter Informatiklehrer werden.

Für Arbeitnehmer: auch Lehrkräfte müssen lebenslang lernen dürfen

Wir haben bei ROQ gerade erst über das Ende des Modells geschrieben:

„Mit 25 ausgelernt.“

Das gilt genauso für Lehrer.

Wer vor 20 Jahren Lehramt studiert hat, konnte nicht lernen:

wie generative KI funktioniert, wie TikTok Informationsverhalten verändert, wie Deepfakes entstehen, wie KI-generierte Texte erkannt und bewertet werden, wie Lernsoftware personalisiert, wie digitale Zusammenarbeit funktioniert.

Das ist keine Kritik am damaligen Studium.

Diese Technologien gab es schlicht nicht, deshalb braucht ein modernes Schulsystem Lehrkräften:

Zeit, Fortbildung, Werkzeuge und Experimentierräume.

Nicht nur:

„Hier ist die neue Software. Ab Montag benutzen.“

Lehrer müssen auch Fehler machen dürfen

Innovation funktioniert durch:

testen, beobachten, verbessern.

Wenn jede neue Unterrichtsmethode sofort perfekt funktionieren muss, wird niemand experimentieren.

Eine Lehrkraft muss beispielsweise ausprobieren können:

Funktioniert KI bei der Unterrichtsvorbereitung?

Hilft diese Lernplattform?

Kann ich damit schwächere Schüler gezielter fördern?

Welche Aufgaben funktionieren nicht?

Was sagen die Schüler?

Genau so entsteht Innovation.

Nicht durch einen bundesweiten Beschluss:

Ab morgen digital.

Für Kommunen: Schule wird zum Standortfaktor

Wir haben zuletzt über wirtschaftsschwache Regionen gesprochen, dabei gehört Bildung unmittelbar dazu.

Eine Familie, die über einen Umzug nachdenkt, fragt:

Welche Schulen gibt es?

Wie ist die Betreuung?

Welche Angebote haben Kinder?

Gibt es Ganztag?

Musik?

Sport?

MINT?

Berufsorientierung?

Eine Region, deren Schulen dauerhaft mit Unterrichtsausfällen kämpfen, hat deshalb nicht nur ein Bildungsproblem.

Sie bekommt irgendwann auch ein:

Standortproblem.

Unternehmen finden schwerer Fachkräfte.

Familien ziehen möglicherweise anderswohin.

Junge Menschen orientieren sich weg, deshalb sollten Städte und Landkreise Schule nicht nur als Zuständigkeit betrachten, sondern als Teil ihrer langfristigen wirtschaftlichen Infrastruktur.

Kommunen können außerdem Kompetenzen teilen

Nicht jede Schule braucht alles selbst.

Vielleicht besitzt eine Region:

einen hervorragenden Robotikexperten, eine Musikschule, eine Hochschule, eine Bibliothek, einen Makerspace, einen Sportverein, einen Maschinenbauer, eine IT-Firma, ein Jugendzentrum.

Warum existieren diese Welten häufig nebeneinander?

Eine innovative Bildungsregion würde fragen:

Wie verbinden wir sie?

Schule wird dann nicht zum geschlossenen Gebäude.

Sondern zum:

Knotenpunkt eines regionalen Lernsystems.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Das klingt zunächst widersprüchlich, aber Technologie kann genau hier helfen.

Eine Lehrkraft steht vor 28 Kindern.

Das eine versteht Bruchrechnung sofort.

Ein anderes braucht noch einmal die Grundlagen.

Das dritte spricht noch nicht perfekt Deutsch.

Ein viertes langweilt sich.

Die Lehrkraft kann nicht gleichzeitig vier verschiedene Einzelunterrichte halten.

KI-gestützte Lernsysteme könnten zusätzliche:

Übungen, Erklärungen, Sprachniveaus und Schwierigkeitsstufen bereitstellen.

Die Lehrkraft sieht anschließend:

Wer kommt klar?

Wer scheitert?

Wo muss ich persönlich eingreifen?

Dann ersetzt Technologie keine Beziehung.

Sie schafft:

mehr Information für die Beziehung.

Die zweite Chance... ein Spezialist könnte mehr Schulen erreichen

Nehmen wir einen hervorragenden Informatiklehrer in einer Region.

Heute unterrichtet er vielleicht ausschließlich an seiner Schule.

Was wäre, wenn hochwertige digitale Infrastruktur es ermöglicht, bestimmte Spezialmodule auch anderen Schulen bereitzustellen?

Nicht den gesamten Unterricht. Nicht Kinder vor einen Bildschirm setzen und Lehrer abschaffen, aber beispielsweise:

eine gemeinsame KI-Projektwoche, eine Robotikvorlesung, einen Expertenkurs, eine besondere Mathematikförderung, anschließend begleitet durch die Lehrkräfte vor Ort.

Dann würde aus einem knappen Spezialisten:

eine regionale Ressource.

Die dritte Chance... Praxiswissen zurück in Schule

Das könnte besonders für Berufsorientierung enorm sein.

Schule kann nicht jede neue berufliche Realität permanent selbst nachbilden.

Unternehmen schon.

Ein Maschinenbauer kann zeigen: wie Robotik tatsächlich eingesetzt wird.

Ein Handwerker: wie digitales Aufmaß funktioniert.

Ein Krankenhaus: wie moderne Medizintechnik aussieht.

Ein Softwareunternehmen: wie KI produktiv eingesetzt wird.

Dann wird Schule nicht weniger wichtig.

Sie wird:

besser verbunden.

Die vierte Chance... Schule könnte Arbeit intelligent aufteilen

Stellen wir uns ein Team für mehrere Klassen vor:

Fachlehrer, pädagogische Assistenz, Sozialarbeit, IT-Support, Verwaltung, gegebenenfalls Lernbegleitung, externe Experten.

Dann muss nicht mehr jede Person alles können und genau so funktionieren innovative Unternehmen.

Warum sollte Schule organisatorisch grundsätzlich anders denken?

Risiken

Das ist wahrscheinlich die größte Gefahr.

Man könnte all diese Ideen missbrauchen und sagen:

Super. Dann brauchen wir weniger Lehrer.

Nein.

Wenn KI, Assistenten oder digitale Formate ausschließlich eingeführt werden, um Stellen einzusparen, wird Bildungsinnovation sehr schnell zur Rationalisierung.

Das Ziel muss lauten:

vorhandene Pädagogik besser machen.

Nicht:

möglichst wenige Pädagogen beschäftigen.

Das zweite Risiko... Quereinsteiger ohne Unterstützung

Ein Unternehmen würde einen neuen Mitarbeiter normalerweise nicht einfach:

am ersten Tag einstellen, vor 30 Kunden stellen und sagen:

Mach mal.

Bei Schule darf das erst recht nicht passieren.

Quereinsteiger können enormes Fachwissen mitbringen, aber Unterricht benötigt:

Didaktik, Klassenführung, Entwicklungspsychologie, Diagnostik, rechtliche Kenntnisse, Umgang mit Konflikten.

Daher braucht alternativer Einstieg:

Mentoring, Qualifizierung, Hospitation, Teamarbeit und Zeit.

Die OECD weist genau auf diese Qualitätsfrage bei alternativen Zugangswegen hin.

Das dritte Risiko... digitale Ungleichheit

Wenn Schule stärker digital arbeitet, entsteht sofort die Frage:

Hat jeder:

ein geeignetes Gerät?

stabiles Internet?

ruhigen Lernraum?

Unterstützung?

digitale Kompetenz?

Wenn nicht, kann Digitalisierung Bildungsunterschiede sogar verstärken.

Digitale Schule darf deshalb nicht heißen:

Jeder bekommt einen Login... Problem gelöst.

Technologie braucht:

Infrastruktur, Support, Didaktik, Zugang.

Das vierte Risiko... KI produziert nicht automatisch gute Bildung

Eine KI kann ein Arbeitsblatt erzeugen.

Das heißt nicht:

Das Arbeitsblatt ist didaktisch gut. Sie kann eine Erklärung schreiben.

Das heißt nicht:

Das Kind versteht sie. Sie kann einen Test erstellen.

Das heißt nicht:

Der Test misst sinnvoll Leistung.

Genau deshalb bleibt die professionelle Lehrkraft entscheidend.

KI besitzt keine Klasse.

Sie sieht nicht:

wer gerade frustriert ist, wer nur so tut, als hätte er verstanden, wer gemobbt wird, wer plötzlich aufblüht, wer heute einfach einen schlechten Tag hat.

Lernen ist mehr als Informationsübertragung.

Perspektivenwechsel

Vielleicht ist der Lehrermangel auch ein Organisationsproblem.

Nicht ausschließlich, aber teilweise.

Wenn ein Unternehmen Fachkräftemangel hat, stellt es irgendwann Fragen wie:

Welche Arbeiten erledigen unsere Fachkräfte?

Welche davon brauchen wirklich diese Qualifikation?

Welche lassen sich automatisieren?

Welche können andere Berufsgruppen übernehmen?

Welche Prozesse sind unnötig?

Welche Software hilft?

Wo können Teams anders organisiert werden?

Bei Schule lautet die Antwort oft noch:

Wir brauchen mehr Lehrer.

Ja, aber vielleicht sollten wir dieselben zusätzlichen Fragen stellen.

Muss eine Lehrkraft jede administrative Aufgabe selbst erledigen?

Muss jede Schule dasselbe Material neu entwickeln?

Muss jedes Fachwissen ausschließlich innerhalb des Kollegiums vorhanden sein?

Kann ein Experte mehrere Schulen unterstützen?

Kann KI Routine reduzieren?

Kann Verwaltung stärker professionalisiert werden?

Können Sozialarbeiter Aufgaben übernehmen, für die Lehrer heute Zeit verwenden?

Können Assistenzen Unterricht organisatorisch unterstützen?

Dann verändert sich die Ausgangsfrage.

Nicht:

Wie bekommen wir genügend Lehrer für das heutige System?

Sondern:

Wie bauen wir ein Bildungssystem, in dem vorhandene und zukünftige Lehrkräfte ihre Fähigkeiten bestmöglich einsetzen können?

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Was wir wissen

Lehrkräftemangel betrifft viele OECD-Staaten und konzentriert sich häufig besonders auf bestimmte Fächer, Regionen und Schulen. Mathematik und Naturwissenschaften gehören international zu den Bereichen mit größeren Rekrutierungsproblemen.

Nach OECD-Systematik galten 2023/24 18,6 Prozent der Lehrkräfte an öffentlichen Primar- und Sekundarschulen in Deutschland als nicht voll qualifiziert. Aufgrund des deutschen Qualifikationssystems umfasst diese Kategorie auch Personen, die sich noch in Ausbildung befinden oder noch nicht alle formalen Voraussetzungen erfüllen.

55 Prozent der deutschen 15-Jährigen besuchen nach den zugrunde liegenden PISA-Daten Schulen, deren Leitungen angeben, dass Lehrkräfteabwesenheit das Lernen beeinträchtigt.

KI wird bereits von 58 Prozent der befragten Lehrkräfte für schulische Zwecke eingesetzt; fast ein Drittel berichtet bereits von einer Erleichterung des Arbeitsalltags. Gleichzeitig besteht erheblicher Weiterbildungs- und Orientierungsbedarf.

Alternative Zugänge zum Lehrerberuf und Menschen mit Berufserfahrung aus anderen Bereichen können das Rekrutierungspotenzial erweitern, benötigen aber systematische pädagogische Qualifizierung und Qualitätssicherung.

Was noch unklar ist

Es gibt keine seriöse einzelne Maßnahme, mit der sich Deutschlands Lehrkräftemangel lösen lässt.

Wir wissen nicht:

wie stark KI Lehrkräfte langfristig tatsächlich entlasten wird, welche Aufgaben sinnvoll automatisierbar sind, wie viele zusätzliche Fachkräfte multiprofessionelle Teams benötigen, welche Quereinstiegsmodelle langfristig die besten Ergebnisse liefern, oder wie sich Schülerzahlen und regionale Bedarfe in jedem einzelnen Bundesland entwickeln.

Auch Lehrkräftemangel ist nicht überall gleich.

Eine Schule kann ausreichend Personal besitzen.

Eine andere wenige Kilometer entfernt nicht.

Ein Fach kann gut besetzt sein.

Ein anderes kaum.

Deshalb braucht Deutschland:

mehr Daten und weniger pauschale Debatten.

Was als Nächstes wichtig wird

Die entscheidende Frage der kommenden Jahre sollte nicht ausschließlich lauten:

Wie viele neue Lehrkräfte bekommen wir?

Sondern gleichzeitig:

Wie halten wir vorhandene Lehrkräfte im Beruf?

Wie reduzieren wir unnötige Belastung?

Wie organisieren wir Schulverwaltung professioneller?

Wie integrieren wir Quereinsteiger qualitativ?

Welche Aufgaben können pädagogische Assistenzen übernehmen?

Wo brauchen Schulen mehr Sozialarbeit?

Wie teilen Regionen Spezialwissen?

Wie kann KI Unterrichtsvorbereitung sinnvoll erleichtern?

Wie schaffen wir hochwertige gemeinsame Lernmaterialien?

Und vor allem:

Wie sorgen wir dafür, dass Lehrer wieder mehr Zeit für Schüler haben?

Denn genau dafür wurden sie eigentlich ausgebildet.

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Einordnung von ROQ News

Vielleicht müssen wir beim Lehrkräftemangel dieselbe Denkweise anwenden, die wir von anderen Innovationsfeldern längst kennen.

Wenn eine Ressource knapp wird, reicht es nicht nur, immer mehr von derselben Ressource zu verlangen.

Man muss zusätzlich das System verändern.

Deutschland braucht:

mehr Lehrkräfte, bessere Arbeitsbedingungen, gute Ausbildung, vernünftigen Quereinstieg.

Aber gleichzeitig brauchen wir:

KI als Assistenz, digitale Infrastruktur, multiprofessionelle Teams, professionelle Verwaltung., mehr Kooperation mit Wirtschaft und Wissenschaft, regionale Lernnetzwerke, gemeinsam nutzbare Lernmaterialien, und kontinuierliche Weiterbildung.

Das ist kein Angriff auf den Lehrerberuf.

Es ist eigentlich das Gegenteil, denn je knapper qualifizierte Lehrkräfte werden, desto absurder wird es, ihre Zeit für Tätigkeiten zu verschwenden, für die wir sie gar nicht benötigen.

Vielleicht ist deshalb die wichtigste Bildungsinnovation nicht:

das digitale Klassenzimmer, nicht der KI-Tutor, nicht die nächste Lern-App.

Sondern eine viel grundlegendere Frage:

Was soll eine Lehrkraft im Jahr 2035 eigentlich noch selbst machen müssen?

Und danach:

Was können wir endlich von ihr wegnehmen, damit sie wieder mehr Lehrer sein kann?

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Sonstige · veröffentlicht 29.09.2026 · abgerufen 17.10.2026
  2. Sonstige · veröffentlicht 29.09.2026 · abgerufen 17.10.2026
  3. Sonstige · veröffentlicht 01.10.2026 · abgerufen 17.10.2026
  4. Fachmedium · abgerufen 17.10.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 18.10.2026
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