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Wenn Millionen Kinder durchs Raster fallen… Wann wird aus Bildungsdefizit Systemversagen?

Bestätigte Informationen

Was ist passiert?

Deutschland hat Ende 2025 rund 13,88 Millionen Minderjährige.

Für 2025 weist Destatis aus, dass 23,5 Prozent der unter 18-Jährigen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind.

16 Prozent sind allein nach dem Einkommenskriterium armutsgefährdet.

7 Prozent leben mit erheblicher materieller und sozialer Entbehrung.

11,3 Prozent leben in Haushalten mit sehr niedriger Erwerbsintensität; die drei Kategorien überschneiden sich, weshalb sie nicht addiert werden dürfen.

Auf die Größenordnung der minderjährigen Bevölkerung übertragen sprechen wir bei der kombinierten Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung grob von mehr als drei Millionen Kindern und Jugendlichen.

Nicht drei Millionen schlechte Schüler.

Nicht drei Millionen problematische Jugendliche.

Nicht drei Millionen Menschen ohne Talent.

Sondern Millionen junge Menschen, die mit einem strukturell höheren Risiko aufwachsen, bestimmte Möglichkeiten nicht in gleicher Weise nutzen zu können und gleichzeitig erleben wir die schwächsten PISA-Ergebnisse Deutschlands seit Beginn der Messungen.

2025 erreichen:

66 Prozent mindestens Kompetenzstufe 2 in Mathematik,

68 Prozent in Lesen,

73 Prozent in Naturwissenschaften.

Umgekehrt bedeutet das:

Rund jeder Dritte liegt in Mathematik und Lesen unter diesem Mindestniveau.

Seit 2015 ist der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler laut OECD gestiegen:

um 17 Prozentpunkte in Mathematik, 15 Prozentpunkte beim Lesen und zehn Prozentpunkte in Naturwissenschaften.

Das ist kein Ausrutscher eines einzelnen Jahrgangs mehr.

Das ist ein Trend.

Und gleichzeitig verlassen immer mehr Jugendliche die Schule ohne ersten Abschluss

Auch hier sollten wir genau hinschauen.

2024 verließen 7,8 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger die allgemeinbildenden Schulen ohne Ersten Schulabschluss.

2013 waren es noch 5,2 Prozent.

Ein Schulabschluss entscheidet nicht über den Wert eines Menschen.

Natürlich nicht.

Es gibt erfolgreiche Unternehmer, Künstler, Handwerker und Kreative mit sehr unterschiedlichen Bildungswegen, aber statistisch erschwert ein fehlender Abschluss den Übergang in Ausbildung und qualifizierte Beschäftigung erheblich.

Und Deutschland kann nicht gleichzeitig sagen:

„Uns fehlen Fachkräfte.“

und akzeptieren, dass ein wachsender Anteil junger Menschen das Bildungssystem mit extrem schwierigen Startbedingungen verlässt.

Das passt nicht zusammen.

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ROQ Einordnung – Warum ist diese Nachricht wichtig?

Das ist der Perspektivwechsel.

Wenn ein einzelner Schüler Probleme hat, können die Ursachen sehr individuell sein.

Wenn zehn Schüler Probleme haben:

vielleicht ebenfalls.

Wenn aber bei einer internationalen Erhebung rund ein Drittel der 15-Jährigen ein definiertes Mindestniveau in Mathematik oder Lesen nicht erreicht, dann reicht die Erklärung:

„Die Jugendlichen wollen einfach nicht.“

nicht mehr.

Natürlich gibt es:

unmotivierte Schüler, schlechte Entscheidungen, fehlende Disziplin, Handysucht, Schulverweigerung, familiäre Probleme, individuelle Unterschiede.

Kinder tragen mit zunehmendem Alter auch eigene Verantwortung, aber Menschen entwickeln sich innerhalb von Bedingungen und wenn Millionen Kinder gleichzeitig mit:

Armut, ungleichen Bildungschancen, Lehrkräftemangel, unterschiedlichen familiären Ressourcen, regionalen Unterschieden und teilweise fehlendem Zugang zu außerschulischen Lernmöglichkeiten konfrontiert sind, dann wird die Frage nach der Organisation des Systems unausweichlich.

Nein... diese Kinder sind nicht einfach dumm

Vielleicht ist das der wichtigste Satz dieses Artikels.

PISA misst keine Intelligenz.

Schulnoten messen keine vollständige menschliche Begabung.

Und ein fehlender Abschluss sagt schon gar nicht:

„Dieser Mensch kann nichts.“

Ein Jugendlicher kann Schwierigkeiten beim Lesen haben und trotzdem:

eine Maschine außergewöhnlich gut verstehen, Menschen hervorragend führen, musikalisch hochbegabt sein, technisch denken, Kunden überzeugen, zeichnen, bauen, reparieren, programmieren lernen, sportliche Fähigkeiten besitzen, oder unternehmerisch denken.

Vielleicht wurde genau diese Fähigkeit aber niemals ernst genommen.

Wir haben hier in ROQ News bereits darüber gesprochen:

Kopf oder Hand... es gibt kein Versus.

Und:

Talent wird nicht vererbt... Zugang zu Möglichkeiten schon.

Genau diese beiden Themen treffen hier zusammen.

Ein Bildungssystem darf nicht nur erfolgreich mit denen funktionieren, die ohnehin gut hineinpassen.

Die Qualität eines Systems zeigt sich auch daran, was mit denen passiert, die es schwerer haben.

Ein Kind mit acht Jahren trägt keine Verantwortung für unser Bildungssystem

Auch das muss ausgesprochen werden.

Ein Grundschüler hat:

keinen Lehrplan erstellt, keine Schule gebaut, keine Lehrer eingestellt, keine Sozialpolitik gestaltet, keine Digitalisierung verschlafen, keinen Betreuungsschlüssel festgelegt.

Er kommt morgens hinein und erwartet von Erwachsenen:

Zeigt mir etwas.

Wenn ein Kind nicht lesen lernt, müssen wir natürlich auch individuelle Ursachen betrachten, aber wir können einem Achtjährigen nicht erklären:

„Du hättest dich eben besser um deine Bildung kümmern müssen.“

Der Erwachsene baut die Lernumgebung.

Das Kind wächst darin.

Das bedeutet nicht: Eltern sind irrelevant

Ganz im Gegenteil.

Familien besitzen enormen Einfluss.

Vorlesen, Regeln, Motivation, Unterstützung, Sprache, Interesse.

All das kann entscheidend sein, aber genau hier entsteht die soziale Ungleichheit.

Ein Kind kann seine Eltern nicht austauschen, wenn Bildung vor allem dort besonders gut funktioniert, wo:

Eltern viel Zeit haben, viel Bildung besitzen, Nachhilfe bezahlen, Bücher kaufen, Technologie bereitstellen und Bildungswege verstehen, dann kompensiert das öffentliche System Unterschiede nicht ausreichend.

Es reproduziert sie teilweise.

Und genau das zeigt PISA.

Der Abstand zwischen dem sozial am stärksten begünstigten und benachteiligten Viertel liegt in Deutschland bei Naturwissenschaften bei 125 PISA-Punkten.

Der OECD-Durchschnitt liegt bei 85 Punkten.

Das ist eine enorme Lücke.

Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Kommunen

Für Unternehmen: Der Fachkräftemangel beginnt im Klassenzimmer

Ein Unternehmen sucht 2035:

Elektroniker, Programmierer, Pflegekräfte, Mechatroniker, Ingenieure, Handwerker, Kaufleute.

Aber diese Menschen sitzen 2026 teilweise noch in:

Grundschulen, Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien, Berufsschulen.

Wenn wir heute große Gruppen verlieren, können wir sie zehn Jahre später nicht einfach per Stellenanzeige zurückholen.

Darum ist Bildung keine weiche gesellschaftliche Nebenfrage.

Bildung ist wirtschaftliche Infrastruktur.

Ein Land kann:

Milliarden in KI investieren, Fabriken automatisieren, Rechenzentren bauen, Robotik fördern.

Aber wenn ein Drittel junger Menschen grundlegende Mathematikprobleme hat, entsteht eine gewaltige Lücke zwischen:

Technologie

und

Menschen, die damit arbeiten sollen.

Unternehmen können deshalb nicht erst mit 18 auftauchen

Die Wirtschaft muss Kinder nicht rekrutieren.

Das wäre der falsche Ansatz, aber Unternehmen können:

Welten öffnen, Werkstätten zeigen, Maschinen zeigen, Berufe erklären, Praktika anbieten, Schulen unterstützen, Mentoren stellen, Schülerprojekte ermöglichen.

Diesen ökonomischen Kreislauf hab wir schon oft behandelt in ROQ News oder auch in den Blog-Beitrag Ökonomie der Verantwortung darstellen wollten, denn manche Kinder wissen überhaupt nicht:

Was es alles gibt.

Wer nie ein Labor gesehen hat, entdeckt dort schwer seine Leidenschaft.

Wer nie eine Werkstatt betreten hat, weiß nicht, ob Maschinenbau begeistert.

Wer keinen Unternehmer kennt, hält Gründung möglicherweise überhaupt nicht für eine reale Möglichkeit.

Für Arbeitnehmer und Eltern: Ein schlechter Schulweg ist kein endgültiges Urteil

Auch das wird zukünftig wichtiger.

Menschen entwickeln sich unterschiedlich schnell.

Der eine weiß mit 16 genau, was er möchte.

Der andere mit 28.

Ein Bildungssystem der Zukunft braucht deshalb mehr:

zweite Chancen, modulare Bildung, Weiterbildung, Quereinstiege, Nachqualifikation, Ausbildung, digitale Lernangebote.

Denn wenn jemand mit 16 Schwierigkeiten hatte, darf das nicht bedeuten:

„Dein berufliches Leben ist entschieden.“

Wir haben gerade erst darüber geschrieben:

Mit 25 ausgelernt? Dieses Modell funktioniert nicht mehr.

Dann muss auch das Gegenteil gelten:

Mit 16 abgeschrieben? Dieses Modell darf ebenfalls nicht funktionieren.

Für Kommunen: Soziale Probleme und Wirtschaftsentwicklung sind nicht getrennt

Eine Kommune hat vielleicht:

Jugendamt, Schulamt, Wirtschaftsförderung, Sportamt, Kultur, Bibliothek, Jugendzentrum.

Alles organisatorisch getrennt.

Das Kind erlebt diese Trennung nicht.

Für das Kind ist es ein Leben.

Vielleicht braucht es morgens: Schule.

Nachmittags: Sport.

Dann: Jugendzentrum

Irgendwann: Berufsorientierung.

Später: Ausbildungsbetrieb.

Warum sollten diese Welten nicht miteinander verbunden sein?

Genau hier braucht das System Innovation.

Nicht zwingend immer ein neues Millionenprojekt.

Sondern:

vorhandene Strukturen verbinden.

Schule + Verein.

Schule + Betrieb.

Bibliothek + Makerspace.

Jugendzentrum + Unternehmer.

Hochschule + Schüler.

Sport + Ganztag.

Handwerk + Berufsorientierung.

Neutrale Einordnung

Chancen & Risiken

Potenziale und mögliche Zielkonflikte werden bewusst nebeneinandergestellt.

Chancen

Heute intervenieren wir häufig dann, wenn ein Problem bereits sichtbar geworden ist.

Wie schlechte Note, Schulverweigerung, fehlender Abschluss, kein Ausbildungsplatz, Arbeitslosigkeit und dann beginnt Unterstützung.

Vielleicht müssen wir wesentlich früher ansetzen.

Nicht als permanente Kontrolle von Kindern.

Sondern als:

Entwicklungsinfrastruktur.

Sprache früh fördern, Lesen früh stabilisieren, Bewegung ermöglichen, Interessen entdecken, Talent zeigen lassen.

Bei Problemen schnell unterstützen.

Unterschiedliche Lernwege akzeptieren.

Schule mit anderen Lernorten verbinden.

Dann wartet man nicht, bis ein Jugendlicher mit 17 aus dem System fällt.

Man versucht mit:

7, 9, 11, 13

zu verstehen:

Was braucht dieser junge Mensch?

Die zweite Chance... weg von einem Lernweg für alle

Manche Kinder lernen hervorragend durch: Lesen.

Andere durch: sehen, bauen, ausprobieren, diskutieren, Bewegung, Projekte.

Das bedeutet nicht:

Mathematik und Lesen sind unwichtig.

Im Gegenteil.

Grundkompetenzen müssen gerade deshalb gesichert werden, aber wir sollten unterschiedliche Wege nutzen, um sie zu vermitteln.

Ein Kind, das Mathematik bei einem Arbeitsblatt ablehnt, versteht sie vielleicht plötzlich beim:

Programmieren, Bauen, Kochen, finanzieren eines kleinen Projekts, Vermessen, Sport, Technik.

Lernen muss nicht weniger anspruchsvoll werden.

Es darf nur intelligenter werden.

Die dritte Chance... KI könnte individuelle Förderung skalierbarer machen

Eine Lehrkraft mit 28 Kindern kann nicht gleichzeitig 28 individuelle Erklärungen geben.

Technologie könnte dabei helfen.

Ein Lernsystem kann zusätzliche:

Aufgaben, Erklärungen, Übungen, Sprachstufen, Wiederholungen bereitstellen, aber auch hier gilt unser letzter Artikel:

KI statt Lehrer wäre die falsche Innovation.

KI mit Lehrer könnte dagegen wertvoll werden.

Der Mensch erkennt:

Frustration, Angst, Motivation, Interesse, soziale Probleme.

Die Software kann:

Routine übernehmen, Varianten erzeugen, Lernstände sichtbar machen.

Die Verbindung ist entscheidend.

Die vierte Chance... wir könnten Talente außerhalb der Schule systematisch sichtbar machen

Sportverein, Musikschule, Makerspace, Jugendzentrum, Kampfsport, Theater, Schülerlabor, Unternehmen,Bibliothek.

Es existiert bereits eine riesige Bildungswelt außerhalb des Klassenzimmers.

Vielleicht muss unser System sie endlich als solche begreifen, denn manchmal ist genau dort der Ort, an dem ein Kind erstmals erlebt:

„Ich kann etwas.“

Und dieser eine Moment kann entscheidend sein.

Risiken

„Systemversagen“ darf nicht zum einfachen Schuldwort werden

Das ist wichtig, denn ein Bildungssystem besteht aus:

Bundesländern, Kommunen, Schulen, Lehrkräften, Eltern, Schülern, Jugendhilfe, Ausbildungsbetrieben, Hochschulen., Vereinen und vielen weiteren Beteiligten.

Es gibt nicht den einen Verantwortlichen.

Und es wäre falsch, Lehrkräfte zum Symbol des Problems zu machen.

Viele arbeiten bereits unter enormem Druck.

Genauso wenig erklärt eine einzelne Reform jedes Problem.

Deshalb benutzen wir „Systemversagen“ hier bewusst als Frage an die Ergebnisse eines Gesamtsystems, nicht als Schuldzuweisung an eine einzelne Berufsgruppe, Institution oder politische Ebene.

Die Daten zeigen Warnsignale.

Die Bewertung, welche konkrete Reform daraus folgt, muss auf Wirkung und Evidenz beruhen.

Das zweite Risiko... Kinder werden zu Zahlen

34 Prozent, 32 Prozent, 23,5 Prozent, 7,8 Prozent.

Hinter jeder Prozentzahl stehen Menschen.

Ein Kind weiß nicht:

„Ich bin jetzt Teil der unteren Kompetenzgruppe.“

Es denkt vielleicht:

„Ich bin schlecht in Mathe.“

Dann irgendwann:

„Ich kann das sowieso nicht.“

Und irgendwann:

„Schule ist nichts für mich.“

Das ist der Punkt, an dem Statistik zu Biografie wird und genau dort muss ein System reagieren.

Das dritte Risiko... wir senken einfach die Anforderungen

Das wäre ebenfalls keine Lösung, wenn mehr Kinder Mindeststandards nicht erreichen, kann die Antwort nicht lauten:

Dann senken wir eben den Mindeststandard.

Deutschland braucht:

Lesekompetenz, Mathematik, Naturwissenschaften, digitale Kompetenz, Sprache.

Das Niveau muss nicht verschwinden.

Wir müssen besser darin werden:

mehr Kinder dorthin zu bringen.

Das ist schwieriger, aber genau darum geht es.

Perspektivenwechsel

Vielleicht haben wir gar keine verlorene Generation

Vielleicht besitzen wir:

eine Generation mit verlorenen Möglichkeiten.

Das ist etwas vollkommen anderes.

Ein Mensch kann Potenzial besitzen und trotzdem schlechte Ergebnisse erzielen.

Weil:

Unterstützung fehlte, Sprache fehlte, Lehrer fehlten, Familie überfordert war, Armut belastete, eine Begabung nie entdeckt wurde, psychische oder soziale Probleme störten, der Lernweg nicht passte.

Das bedeutet nicht, dass jedes schlechte Ergebnis ausschließlich durch das System verursacht wird.

Aber es bedeutet:

Schlechtes Ergebnis und fehlendes Talent sind nicht dasselbe.

Genau das dürfen wir niemals vergessen.

Millionen Kinder sind kein Randproblem

Deutschland hatte 2025 rund 13,9 Millionen Menschen unter 18 Jahren.

Mehr als drei Millionen von ihnen bewegen sich rechnerisch in der Größenordnung des statistisch gemessenen Risikos von Armut oder sozialer Ausgrenzung.

Rund neun Millionen Schülerinnen und Schüler besuchen allgemeinbildende Schulen, wenn große Teile einer solchen Population grundlegende Bildungsziele nicht erreichen, reden wir nicht über irgendeine pädagogische Randgruppe.

Wir reden über:

Arbeitsmarkt, Innovation, soziale Stabilität, Unternehmertum, Fachkräfte, Demografie, Lebensperspektiven und damit:

über Deutschlands Zukunft.

Was wir wissen

PISA 2025 weist für Deutschland die niedrigsten langfristig gemessenen Durchschnittsergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften seit Beginn der deutschen PISA-Zeitreihe aus. Gegenüber 2015 ist der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher deutlich gestiegen.

In Mathematik erreichen 34 Prozent der getesteten 15-Jährigen das definierte Mindestniveau von Kompetenzstufe 2 nicht; im Lesen sind es etwa 32 Prozent und in Naturwissenschaften 27 Prozent.

2025 sind 23,5 Prozent der unter 18-Jährigen in Deutschland nach EU-SILC von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Rein monetär armutsgefährdet sind 16 Prozent.

2024 verließen 7,8 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger allgemeinbildende Schulen ohne Ersten Schulabschluss.

Diese Zahlen messen unterschiedliche Probleme und Populationen und dürfen nicht einfach zusammengerechnet werden. Viele Gruppen überschneiden sich.

Aber gemeinsam zeigen sie:

Deutschland besitzt keine einzelne kleine Problemstelle.

Es gibt mehrere miteinander verbundene Herausforderungen.

Was noch unklar ist

Wir können aus diesen Zahlen nicht ableiten:

  • dass jedes armutsgefährdete Kind schlechte Bildungsleistungen hat.
  • dass jeder schwache PISA-Teilnehmer aus einem benachteiligten Haushalt stammt.
  • dass Schule allein für die Entwicklung verantwortlich ist.
  • oder dass eine einzelne Reform sämtliche Probleme lösen könnte.

PISA misst zudem Kompetenzen zu einem bestimmten Zeitpunkt und keine Intelligenz, denn ein junger Mensch mit schwachem Testergebnis kann später enorme Entwicklungsschritte machen.

Biografien sind nicht statisch und genau deshalb sollte Bildung auch keine endgültigen Urteile produzieren.

Was als Nächstes wichtig wird

Die entscheidende Innovationsfrage lautet:

Wie bauen wir ein System, das nicht erst reagiert, wenn ein Kind bereits durchgefallen ist?

Dafür müssen wir herausfinden:

Wo beginnen Schwierigkeiten?

Wer erkennt sie?

Wie schnell folgt Unterstützung?

Welche Aufgabe muss Schule leisten?

Welche Vereine und außerschulischen Lernorte können ergänzen?

Wie können Unternehmen Orientierung schaffen?

Welche Rolle kann Technologie übernehmen?

Wie erreichen Angebote Familien, die bislang wenig Zugang haben?

Wie schaffen wir zweite und dritte Chancen?

Und wie messen wir nicht nur:

Wer hat bestanden?

Sondern auch:

Wer hat sich entwickelt?

Das wäre ein fundamental anderer Blick.

In eigener Sache: Warum ROQ Kids genau hier ansetzt

Genau deshalb gehört dieses Thema auch zur Idee hinter ROQ Kids.

Nicht weil Cast Royal glaubt, das deutsche Bildungssystem ersetzen zu können, denn unser Prinzip lautet:

Erfolg trägt Verantwortung.

Wenn eine Plattform wirtschaftlichen Wert schafft, soll ein Teil davon wieder dort ankommen, wo Möglichkeiten fehlen.

ROQ Kids soll deshalb nicht fragen:

„Welches Kind ist gut genug, um gefördert zu werden?“

Sondern:

„Wo können wir eine zusätzliche Tür öffnen?“

Sport, Kultur, Lernen, Technik, Begegnung.

Vielleicht ist es klein, aber für ein einzelnes Kind kann eine kleine Tür eine völlig neue Welt öffnen.

ROQ News

Einordnung von ROQ News

Vielleicht sollten wir aufhören, über „die Jugend“ zu sprechen, als wäre sie das Problem.

Diese Kinder haben unsere Systeme nicht gebaut.

Sie wurden hineingeboren und irgendwann beurteilen wir das Ergebnis.

Gute Note: talentiert.

Schlechte Note: zu wenig gelernt.

Abschluss: geschafft.

Kein Abschluss: selbst schuld.

Die Realität ist komplizierter.

Natürlich braucht Entwicklung:

Eigenverantwortung, Leistung, Disziplin, Entscheidungen.

Aber bevor ein Mensch Verantwortung übernehmen kann, müssen Erwachsene zunächst Bedingungen und Möglichkeiten schaffen, in denen unterschiedlichen Entwicklung überhaupt möglich ist.

Keiner muss mir erzählen, dass Millionen Kinder und Jugendliche in einem der wohlhabendsten und technologisch leistungsfähigsten Länder der Welt einfach:

„zu dumm“ sind.

Wenn sehr große Gruppen Schwierigkeiten haben, müssen wir zumindest bereit sein, die andere Möglichkeit ernsthaft zu prüfen:

Vielleicht müssen wir das System neu denken.

Nicht Schule abschaffen.

Nicht Anforderungen abschaffen.

Nicht Verantwortung abschaffen.

Sondern:

früher unterstützen, anders lernen, Talente breiter erkennen, Lehrkräfte entlasten, außerschulische Räume verbinden, Technologie sinnvoll einsetzen, zweite Chancen schaffen und aufhören, jungen Menschen ein endgültiges Etikett zu geben, bevor ihr Leben überhaupt richtig angefangen hat.

Denn die eigentliche Katastrophe wäre nicht, dass ein Kind mit zwölf etwas noch nicht kann.

Die eigentliche Katastrophe wäre:

wenn wir es mit zwölf bereits aufgegeben haben.

ROQ FAKTENLAGE:iDe Warnsignale

Bei einer Frage über das Bildungssystem ist ein benotender Gesamtscore wenig sinnvoll. Entscheidend sind die überprüfbaren Signale:

PISA: rund ein Drittel unter Mindestniveau in Mathematik und Lesen.

Trend: niedrigste langfristig gemessenen deutschen PISA-Ergebnisse in allen drei klassischen Bereichen.

Soziale Lage: 23,5 Prozent der Minderjährigen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.

Schulabschluss: 7,8 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger 2024 ohne Ersten Schulabschluss.

Soziale Herkunft: starke Leistungsunterschiede nach sozioökonomischem Hintergrund.

Diese Zahlen erklären nicht allein, warum die Probleme entstehen, aber sie reichen aus, um die Frage nicht mehr wegzuschieben.

Autor

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal
Verantwortliche Redaktion

Michael Langner

Gründer & CEO von Cast Royal

Quellen

  1. Sonstige · veröffentlicht 09.04.2026 · abgerufen 17.10.2026
  2. Sonstige · veröffentlicht 08.09.2026 · abgerufen 17.10.2026
  3. Absolventen/-innen und Abgänger/-innen – Statistisches Bundesamt
    Sonstige · abgerufen 17.10.2026
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Redaktionell geprüft Stand: 18.10.2026
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