Wie aus einer Diplomarbeit in Coburg ein Weltunternehmen entstand… und Lichtenfels zu einem Zentrum des Metall-3D-Drucks wurde
Herzlich willkommen zu meinem neuen Blogbeitrag aus dem Format โErfolgsgeschichteโ.
Mein Name ist Michael Langner von Cast Royal.
Manchmal suchen wir Innovationen weit weg.
Wir schauen ins Silicon Valley, nach Boston, nach Shanghai oder nach irgendwelchen Technologiezentren, deren Namen beinahe automatisch mit Fortschritt verbunden werden.
Dabei muss ich fรผr diese Erfolgsgeschichte gar nicht weit schauen.
Wir bleiben in Oberfranken.
Wir gehen nach Coburg und Lichtenfels.

Und wir sprechen รผber einen Mann, der wรคhrend seines Maschinenbaustudiums begann, รผber eine technische Frage nachzudenken, daraus Patente entwickelte und wenige Jahre spรคter gemeinsam mit seiner Frau ein Unternehmen grรผndete.
Aus dieser Idee entstand Concept Laser.
Aus Concept Laser wurde einer der bedeutenden Pioniere des industriellen Metall-3D-Drucks.
Und 2016 kam schlieรlich einer der grรถรten Industriekonzerne der Welt nach Lichtenfels: General Electric kaufte fรผr rund 549 Millionen Euro zunรคchst 75 Prozent des Unternehmens.
Das ist schon fรผr sich genommen eine bemerkenswerte Unternehmensgeschichte.
Fรผr mich steckt darin aber noch etwas anderes.
Es zeigt, dass eine Technologie, die spรคter weltweit in Luftfahrt, Medizin, Automobilindustrie und Maschinenbau eingesetzt wird, nicht zwingend in einem amerikanischen Technologiecampus entstehen muss.
Sie kann auch aus einer Studienarbeit an der Hochschule Coburg entstehen.
Der Mann hinter dieser Geschichte heiรt Frank Carsten Herzog.
Am Anfang stand kein Milliardenunternehmen, sondern eine technische Frage
Frank Herzog studierte Maschinenbau an der Hochschule Coburg.
Wรคhrend eines Studentenjobs kam er mit einem Verfahren in Berรผhrung, bei dem dreidimensionale Bauteile aus Kunststoff aufgebaut wurden. Dabei entstand fรผr ihn eine entscheidende Frage:
Wenn sich Kunststoffe auf diese Weise schichtweise herstellen lassen… warum sollte etwas Vergleichbares nicht auch mit Metall mรถglich sein?
Genau solche Fragen finde ich an Innovationen faszinierend.

Heute sehen wir eine fertige Maschine und denken vielleicht: Natรผrlich kann man Metall drucken, aber irgendwann konnte man es eben nicht selbstverstรคndlich.
Irgendwann musste jemand vor einem technischen Problem stehen und sagen: Das mรผsste doch anders gehen.
Herzog begann, sich wรคhrend seines Studiums intensiv mit neuen Sinter- und Schmelztechnologien auseinanderzusetzen. 1997 entwickelte er aus seinen Studienarbeiten die Grundlagen seiner spรคteren LaserCUSING-Technologie, einem Verfahren, bei dem Metallpulver mithilfe eines Lasers schichtweise zu einem festen Bauteil verschmolzen wird.
Seine Diplomarbeit trug das Thema โEinfรผhrung neuer Sintertechnologien in den Rapid Tooling Prozessโ. Herzog schloss sein Maschinenbaustudium 1999 als Diplom-Ingenieur ab und erhielt fรผr seine Arbeit einen IHK-Preis. Aus seiner Forschungsarbeit entstanden zwei Grundlagenpatente fรผr das Laserschmelzverfahren.
Und genau an dieser Stelle hรคtte die Geschichte bereits enden kรถnnen.
Diplomarbeit abgegeben. Studium bestanden. Urkunde bekommen. Nรคchster Lebensabschnitt. Vielleicht irgendwo als Ingenieur anfangen.
Das wรคre ein vollkommen normaler Weg gewesen.
Frank Herzog entschied sich fรผr einen anderen.
Er wollte aus der technischen Idee eine Maschine bauen.
Gemeinsam mit seiner Frau wird aus Forschung ein Unternehmen
Im Jahr 2000 grรผndeten Frank und Kerstin Herzog gemeinsam die Concept Laser GmbH.
Das finde ich wichtig zu erwรคhnen, weil Unternehmensgeschichten spรคter gerne auf einen einzelnen Namen reduziert werden.
Frank Herzog war der technologische Kopf und Erfinder hinter der LaserCUSING-Entwicklung, aber Concept Laser entstand gemeinsam mit seiner Frau Kerstin und einem Team.
Am Anfang standen gerade einmal wenige Mitarbeiter.

Herzog berichtete spรคter, dass sie mit zunรคchst vier Mitarbeitern innerhalb von ungefรคhr 15 Monaten den ersten Prototypen entwickelten.
Auch die Finanzierung fiel nicht einfach vom Himmel.
Fรผr den Aufbau erhielten sie nach Herzogs Darstellung rund 1,5 Millionen D-Mark, die innerhalb von zwei Jahren zurรผckgezahlt werden mussten. Hinzu kam ein รถffentliches Darlehen des Freistaats Bayern รผber 350.000 D-Mark.
Damit begann ein echtes unternehmerisches Risiko, denn eine Idee auf Papier kostet zunรคchst relativ wenig, aber eine Industriemaschine zu entwickeln ist etwas vรถllig anderes.
Man braucht Material, Entwickler, Bauteile, Lasertechnik, Steuerungen, Versuchen, Fehlversuche, Werkstรคtten und irgendwann muss aus dem funktionierenden Versuchsaufbau eine Maschine entstehen, fรผr die tatsรคchlich ein Kunde bereit ist, Geld zu bezahlen.
Genau an diesem Punkt trennt sich Forschung hรคufig von Unternehmertum.
Ein Forscher kann beweisen, dass etwas technisch mรถglich ist.
Ein Unternehmer muss zusรคtzlich beweisen, dass daraus ein Produkt entstehen kann.
Frank Herzog wollte beides.
2001 steht die Maschine auf der Messe
Bereits 2001 prรคsentierte Concept Laser auf der Fachmesse Euromold die M3 linear.
Die Maschine konnte metallische Bauteile mithilfe des neuen Verfahrens aufbauen und war fรผr das junge Unternehmen ein entscheidender Moment. Herzog beschrieb sie spรคter als Weltpremiere…

… und erzรคhlte gleichzeitig, dass ihnen damals selbst noch gar nicht vollstรคndig bewusst gewesen sei, welche Bedeutung diese Entwicklung einmal haben kรถnnte.
Ich mag genau solche Stellen in Erfolgsgeschichten, denn wir kennen heute das Ende.
Wir wissen, dass Concept Laser wachsen wird.
Wir wissen, dass General Electric spรคter Hunderte Millionen Euro investieren wird.
Wir wissen, dass Lichtenfels irgendwann international mit additiver Fertigung verbunden sein wird.
Frank Herzog wusste das 2001 nicht.
Da stand zunรคchst eine neue Maschine auf einer Messe. Mehr nicht.
Kein Mensch konnte garantieren, dass sich diese Technologie in der Industrie durchsetzen wรผrde.
Niemand wusste, ob Unternehmen irgendwann Flugzeugteile, Implantate oder komplexe industrielle Komponenten auf diese Weise herstellen wรผrden.
Innovation bedeutet deshalb hรคufig, lange an etwas zu arbeiten, bevor der Markt รผberhaupt verstanden hat, warum er es brauchen kรถnnte.
Was LaserCUSING eigentlich verรคndert
Beim klassischen Fertigen von Metall wird hรคufig Material entfernt.
Man beginnt beispielsweise mit einem Metallblock und frรคst alles weg, was man nicht benรถtigt.
Bei der additiven Fertigung lรคuft die Logik praktisch umgekehrt.
Das Bauteil wird anhand digitaler Konstruktionsdaten Schicht fรผr Schicht aufgebaut. Beim LaserCUSING-Verfahren wird feines Metallpulver aufgetragen und an den vorgesehenen Stellen mit einem Laser aufgeschmolzen. Danach folgt die nรคchste dรผnne Schicht.
So entsteht nach und nach ein dreidimensionales Metallbauteil.
Das klingt zunรคchst wie eine andere Herstellungsmethode.
Die eigentliche Revolution liegt aber in der Konstruktion.

Plรถtzlich lassen sich Formen herstellen, die mit klassischen Verfahren extrem schwierig oder teilweise gar nicht produzierbar wรคren. Bauteile kรถnnen leichter werden, innere Strukturen besitzen und funktional vรถllig anders gestaltet werden. Genau deshalb wurde die Technologie fรผr Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Medizin- und Dentaltechnik, Automobilindustrie sowie Werkzeug- und Formenbau interessant.
Das bedeutet:
Man druckt nicht einfach das gleiche Bauteil auf eine andere Weise.
Man kann anfangen, das Bauteil selbst neu zu denken.
Und das ist fรผr mich echte Innovation.
Nicht nur einen bestehenden Prozess etwas schneller machen, sondern plรถtzlich Dinge ermรถglichen, die vorher konstruktiv kaum denkbar waren.
Aus Lichtenfels geht die Technologie in die Welt
Concept Laser begann zu wachsen.
Aus den ersten Maschinen wurde eine Produktfamilie. Immer neue Anwendungen kamen hinzu und immer mehr Branchen begannen sich mit additiver Fertigung zu beschรคftigen.
Das Unternehmen entwickelte Anlagen fรผr unterschiedliche Baugrรถรen und Materialien. Verarbeitet werden konnten unter anderem Edelstahl, Aluminium-, Titan-, Nickel- und Kobalt-Chrom-Legierungen sowie Edelmetalle.
Und damit passierte etwas, das ich fรผr Oberfranken besonders spannend finde.

Ein Unternehmen aus Lichtenfels verkaufte plรถtzlich Hochtechnologie an Industriekunden auf der ganzen Welt.
Nicht irgendein austauschbares Produkt.
Sondern Maschinen an der Spitze einer neuen Fertigungstechnologie.
2014 grรผndete Concept Laser beispielsweise eine eigene Tochtergesellschaft in den USA. Das Unternehmen expandierte auรerdem nach China und baute ein internationales Netz aus Vertriebspartnern auf. Als GE 2016 einstieg, beschรคftigte Concept Laser bereits mehr als 200 Menschen und verfรผgte รผber ein weltweites Netz aus mehr als 35 Vertriebspartnern und Reprรคsentanten.
Aus der Idee eines Studenten war Industrie geworden.
Und irgendwann wird Wachstum selbst zum Problem
Bei Start-ups wird Wachstum normalerweise als das groรe Ziel dargestellt.
Mehr Kunden, mehr Auftrรคge, mehr Umsatz, mehr Mitarbeiter, doch Wachstum besitzt eine zweite Seite.
Ein Unternehmen kann so schnell wachsen, dass die eigenen Strukturen nicht mehr hinterherkommen.
Genau das passierte bei Concept Laser.
Herzog berichtete von jรคhrlichen Wachstumsraten von teilweise 30, 40 und sogar 100 Prozent. Irgendwann lautete die Frage nicht mehr, ob genรผgend Kunden vorhanden waren.

Die Frage lautete:
Kรถnnen wir dieses Wachstum รผberhaupt noch bewรคltigen?
2016 beschrieb Herzog spรคter als ein extrem belastendes Jahr. In einem Portrรคt รผber die Entwicklung der Region berichtete er davon, dass 20-Stunden-Tage teilweise die Regel gewesen seien. Die Nachfrage sei derart stark gestiegen, dass das Management breiter aufgestellt werden musste.
Das ist ein Punkt, den man bei Unternehmertum leicht unterschรคtzt.
Ein Unternehmen kann nicht nur an zu wenigen Auftrรคgen scheitern.
Es kann auch an zu vielen scheitern.
Wenn Produktion, Mitarbeiter, Finanzierung, Service und Fรผhrung nicht schnell genug mitwachsen, wird Erfolg selbst zur Belastungsprobe.
Frank und Kerstin Herzog standen deshalb vor einer Entscheidung, denn Concept Laser war lรคngst kein kleines Technologieunternehmen mehr.
Der Markt fรผr additive Fertigung begann international zu explodieren.
Wollten sie den nรคchsten Schritt wirklich allein finanzieren und organisieren?
Dann klopft General Electric an
2016 begann Concept Laser nach einem starken strategischen Partner zu suchen.
Das war nach Herzogs spรคterer Darstellung ursprรผnglich keineswegs der Plan gewesen. Eigentlich wollten Frank und Kerstin Herzog Concept Laser als wachsendes mittelstรคndisches Unternehmen weiterentwickeln und irgendwann an die nรคchste Generation รผbergeben.
Doch der Markt entwickelte sich schneller und dann kam General Electric.
Wir sprechen hier nicht รผber irgendeinen Investor.
GE war zu diesem Zeitpunkt einer der grรถรten Industriekonzerne der Welt und selbst intensiv auf der Suche nach Technologien fรผr additive Fertigung.
Am 27. Oktober 2016 wurde die Vereinbarung bekannt gegeben:

General Electric sollte fรผr 599 Millionen US-Dollar beziehungsweise rund 549 Millionen Euro 75 Prozent von Concept Laser รผbernehmen.
Man muss diese Zahl einmal neben den Anfang der Geschichte stellen.
1997: Studienarbeiten in Coburg.
2000: Unternehmensgrรผndung.
2001: Eine erste Maschine mit vier Mitarbeitern.
2016: Ein amerikanischer Weltkonzern zahlt mehr als eine halbe Milliarde Euro fรผr drei Viertel des Unternehmens.
Und das alles geschieht nicht in Mรผnchen, nicht in Berlin, nicht in Silicon Valley, sondern mit einem Unternehmen aus Lichtenfels in Oberfranken.
Der Verkauf war nicht das Ende
Ich finde einen anderen Punkt aber fast noch interessanter.
Man hรคtte nach einem solchen Deal auch sagen kรถnnen:
Das war’s. Firma aufgebaut. Anteile verkauft. Finanziell ausgesorgt. Jetzt machen wir etwas vรถllig anderes.
Frank Herzog tat genau das nicht.
Er blieb zunรคchst CEO von Concept Laser und รผbernahm zusรคtzlich Aufgaben innerhalb von GE Additive. Von 2016 bis 2019 arbeitete er daran mit, die Technologie und das Unternehmen in die internationale Struktur von General Electric zu รผberfรผhren.
GE wiederum investierte massiv in Lichtenfels.
2019 wurde dort ein neuer 3D-Campus erรถffnet. Die neue Unternehmenszentrale umfasste rund 40.000 Quadratmeter; mehr als 100 Millionen Euro wurden in den Standort investiert.
Damit hatte die Geschichte eine weitere Ebene erreicht.
Frank Herzog hatte nicht nur ein Unternehmen verkauft.
Die Technologie sorgte dafรผr, dass ein internationaler Industriekonzern langfristig in Oberfranken investierte.
Aus einer Diplomarbeit wurde damit irgendwann Infrastruktur fรผr eine ganze Region.
Mehr als 120 Erfindungen
Und Herzog hรถrte auch technologisch nicht einfach auf.
Nach Angaben aus seinem heutigen Umfeld meldete er รผber die Jahre mehr als 120 Erfindungen zum Patent an, aus denen weltweit mehrere hundert Patentanmeldungen hervorgingen. Sein Name gehรถrt damit zu den besonders aktiven Erfindern auf dem Gebiet der additiven Fertigung.
2015 gehรถrte er gemeinsam mit Peter Sander von Airbus und Claus Emmelmann vom Laser Zentrum Nord zum Kreis der Nominierten fรผr den Deutschen Zukunftspreis des Bundesprรคsidenten.
Das Projekt trug den Titel:

โ3-D-Druck im zivilen Flugzeugbau – eine Fertigungsrevolution hebt ab.โ
Allein dieser Titel zeigt, wohin sich die Technologie inzwischen entwickelt hatte.
Was Jahre zuvor als technische Forschungsfrage begann, war im Flugzeugbau angekommen.
Genau darin liegt fรผr mich die Kraft technischer Innovation.
Am Anfang versteht vielleicht nur eine kleine Gruppe von Ingenieuren, warum eine Technologie interessant sein kรถnnte.
Irgendwann verรคndert sie ganze Industrien.
Und dann beginnt Herzog wieder fast von vorne
Nach seinem Rรผckzug aus der operativen Fรผhrung von Concept Laser hรคtte Frank Herzog genug Grรผnde gehabt, sich zurรผckzulehnen.
Stattdessen ging er praktisch wieder dorthin zurรผck, wo alles begonnen hatte:
zu neuen Ideen.
Gemeinsam mit Kerstin Herzog grรผndete beziehungsweise entwickelte er die HZG Group als Investment- und Technologieplattform. Heute investieren die beiden vor allem in junge Unternehmen aus dem Bereich der additiven Fertigung und unterstรผtzen Grรผnder nicht nur mit Kapital, sondern auch mit technischem Wissen und einem internationalen Netzwerk.
Dabei ist die Geschichte fast kreisfรถrmig.
Frรผher benรถtigten Frank und Kerstin Herzog selbst Menschen, die an eine junge Technologie glaubten und Kapital bereitstellten.

Heute sind sie diejenigen, die jungen Technologieunternehmen Kapital geben.
Das finde ich persรถnlich stark.
Wissen behalten ist die eine Sache.
Wissen weiterzugeben, damit die nรคchste Generation damit etwas Neues baut, ist eine andere.
Vom Unternehmer zum Business Angel
Die HZG Group stellte dafรผr einen eigenen Fonds fรผr Unternehmen aus der Additive-Manufacturing-Branche auf.
Ursprรผnglich waren rund 50 Millionen Euro vorgesehen. Weil das Interesse grรถรer war als erwartet, wurde das Volumen schlieรlich auf 60 Millionen Euro erhรถht.
Herzog wird dabei heute nicht nur als Investor beschrieben.
Er tritt als Mentor, Technologieexperte und Sparringspartner fรผr Grรผnder auf.
Und das ist ein gewaltiger Unterschied zu einem Investor, der lediglich Kapital รผberweist.
Ein Mensch, der selbst aus einer technischen Idee ein internationales Industrieunternehmen aufgebaut hat, kennt Situationen, die sich aus keinem Lehrbuch vollstรคndig lernen lassen.
Wie entwickle ich aus einem Prototyp ein Produkt?
Wann muss ich patentieren?
Wann brauche ich Vertrieb?
Wann wird Wachstum gefรคhrlich?
Wann benรถtige ich einen strategischen Partner?
Welche Teile meines Unternehmens darf ich abgeben?
Und wann muss ich als Grรผnder akzeptieren, dass das Unternehmen grรถรer geworden ist als ich selbst?
Frank Herzog hat diese Fragen nicht theoretisch beantwortet.
Er hat sie erlebt.
Er denkt aber nicht nur an Unternehmen
Ein zweiter Teil seines heutigen Engagements gefรคllt mir besonders.
Herzog engagiert sich intensiv dafรผr, Wissen รผber additive Fertigung in der Region verfรผgbar zu machen.
Gemeinsam mit der Hochschule Coburg, der Stadt Lichtenfels und dem Landkreis entwickelte er die Idee fรผr das Forschungs- und Anwendungszentrum fรผr digitale Zukunftstechnologien… FADZ.

Also der Wirtschafts- und Innovationsverband wo ich Mitglied bin und ich in meiner Starphase einfach in meiner Akquise kontaktiert habe. Ich selbst wusste bis vor kurzen aber nicht um das ganze Maร dieser Grรถรe und wollte mich nicht einfach ins gemachte Nest setzen.
Aber das Ziel dahinter ist nicht einfach, einen schรถnen Namen an ein Gebรคude zu schreiben.
Unternehmen sollen Zugang zu Zukunftstechnologien bekommen. Es geht um angewandte Forschung, Wissenstransfer, Weiterbildung und darum, Schรผler, Auszubildende und Studierende frรผh mit neuen Technologien in Kontakt zu bringen.
Und da sind wir bei einem Thema, das ich bei Cast Royal immer wieder wichtig finde.
Innovation funktioniert langfristig nicht, wenn immer nur einige wenige Spezialisten wissen, wie eine Technologie funktioniert.
Wir brauchen Menschen, die Zugang bekommen.
Wir brauchen junge Menschen, die ausprobieren dรผrfen.
Wir brauchen Unternehmen, die neue Technologien nicht erst verstehen, wenn ihre Konkurrenz sie bereits seit zehn Jahren einsetzt und wir brauchen Regionen, die ihre eigenen Stรคrken erkennen.
Lichtenfels statt Silicon Valley
Heute wird die Region rund um Lichtenfels teilweise sogar als eine Art Zentrum beziehungsweise โSilicon Valley des 3D-Drucksโ beschrieben. Mehrere Unternehmen, Forschungsprojekte und Bildungsangebote rund um additive Fertigung haben sich dort entwickelt.
Natรผrlich darf man solche Begriffe nicht รผbertreiben.
Lichtenfels ist nicht San Francisco und es muss es auch gar nicht sein.
Genau das ist eigentlich der Punkt.
Eine Region muss nicht versuchen, eine andere Region zu kopieren.
Sie kann ihre eigene Stรคrke entwickeln.
In Lichtenfels war eine dieser Stรคrken der industrielle 3D-Druck und Frank Herzog hat einen entscheidenden Anteil daran.
Das finde ich gerade fรผr unsere Region bemerkenswert, denn viel zu hรคufig reden wir darรผber, was in lรคndlichen Gegenden angeblich alles nicht mรถglich ist.
Zu wenig Kapital, zu wenig Fachkrรคfte, zu weit weg von den groรen Zentren, doch dann steht in Lichtenfels ein Unternehmen, das ein amerikanischer Weltkonzern fรผr Hunderte Millionen Euro รผbernimmt.

Vielleicht sollten wir deshalb manchmal weniger darรผber diskutieren, warum eine Region keine Innovation hervorbringen kann.
Und hรคufiger fragen:
Welche Technologie kรถnnen wir hier so gut entwickeln, dass irgendwann die Welt zu uns kommt?
Was ich an Frank Herzogs Geschichte spannend finde
Frank Herzog wurde nicht bekannt, weil er irgendeinen Trend im Internet frรผh erkannt hat.
Sein Weg begann mit Maschinenbau.
Mit Material. Mit Lasern. Mit Metallpulver. Mit Experimenten und technischen Problemen.
Das ist Innovation in einer sehr bodenstรคndigen Form.
Eine Technologie muss am Ende funktionieren.
Ein Metallbauteil interessiert sich nicht dafรผr, wie รผberzeugend die Prรคsentation war.
Entweder die Maschine produziert es zuverlรคssig oder sie tut es nicht.
Vielleicht ist genau deshalb diese Geschichte fรผr mich so interessant.
Frank Herzog hat nicht einfach รผber Zukunftstechnologien gesprochen.
Er hat eine gebaut. Dann eine Maschine daraus gemacht. Dann ein Unternehmen daraus gemacht.

Dann dieses Unternehmen internationalisiert.
Und irgendwann interessierte sich einer der grรถรten Industriekonzerne der Welt dafรผr.
Diese Reihenfolge gefรคllt mir.
Erst Substanz. Dann Skalierung.
Eine Diplomarbeit kann mehr sein als eine Prรผfungsleistung
Besonders stark finde ich den Ursprung der Geschichte.
Eine Diplomarbeit wird normalerweise geschrieben, bewertet und anschlieรend abgeheftet. Vielleicht schaut man Jahre spรคter noch einmal hinein, aber bei Frank Herzog wurden aus seiner wissenschaftlichen Arbeit Patente.
Aus den Patenten entstand eine Maschine.
Aus der Maschine entstand ein Unternehmen.
Aus dem Unternehmen entstand ein Weltmarktfรผhrer.
Und daraus entwickelte sich wiederum ein regionales รkosystem aus Industrie, Forschung, Bildung und neuen Start-ups.
Das zeigt, welchen Wert Wissen besitzen kann, wenn es nicht beim Wissen bleibt.
Eine Idee verรคndert noch keine Industrie.
Auch eine gute Abschlussarbeit verรคndert noch keine Industrie.
Erst wenn jemand anfรคngt, aus Wissen etwas Reales zu bauen, beginnt Innovation ihre Wirkung zu entfalten.
Genau das ist einer der Punkte, die mich bei Cast Royal beschรคftigen.

Wir kรถnnen Menschen Wissen geben, aber irgendwann muss jemand den nรคchsten Schritt machen.
Aus Wissen muss Anwendung werden.
Aus Anwendung muss Erfahrung werden.
Und aus Erfahrung kann irgendwann Innovation entstehen.
Erfolg bedeutete hier nicht, Oberfranken zu verlassen
Auch das finde ich bemerkenswert.
Es gibt bis heute diese Vorstellung, dass ein Mensch fรผr groรe technologische Karrieren zwangslรคufig seine Heimat verlassen mรผsse.
Frank Herzog ging mit seiner Technologie genau den anderen Weg.
Er brachte internationale Industrie nach Lichtenfels.
General Electric entschied nach der Beteiligung nicht, Concept Laser irgendwo andershin zu verlagern. Der Standort wurde weiter ausgebaut und erhielt einen neuen 3D-Campus.
Herzog selbst sagte รผber Oberfranken, dass er dort geboren sei und sich fรผr sich keinen lebenswerteren Ort vorstellen kรถnne. Gleichzeitig engagierte er sich dafรผr, Forschung, Ausbildung und Fachkrรคfte stรคrker in der Region zu verankern.
Das ist regionale Wirtschaftsentwicklung einmal anders gedacht.
Nicht darauf warten, dass irgendein Konzern vielleicht eine Niederlassung baut.
Selbst etwas entwickeln, das so interessant wird, dass internationale Unternehmen kommen.
Und vielleicht beginnt Innovation genau so
Google fasst Frank Herzog heute schnell als Erfinder oder Pionier des Metall-3D-Drucks zusammen.
Die vollstรคndige Geschichte ist interessanter.
Er hat nicht den gesamten Metall-3D-Druck im Alleingang erfunden.
Aber er gehรถrt zu den Menschen, die dessen industrielle Entwicklung entscheidend vorangetrieben haben. Sein LaserCUSING-Verfahren, die dazugehรถrigen Patente und die Maschinen von Concept Laser halfen dabei, aus einem jungen Fertigungsverfahren eine Technologie fรผr industrielle Anwendungen zu machen.
Und genau deshalb gehรถrt Frank Herzog fรผr mich in dieses Format.
Nicht, weil jede seiner Entscheidungen perfekt gewesen sein muss. Nicht, weil aus jeder Diplomarbeit ein Unternehmen fรผr eine halbe Milliarde Euro entstehen kann und auch nicht, weil Erfolg so einfach funktionieren wรผrde, sondern weil seine Geschichte etwas zeigt, das wir viel hรคufiger erzรคhlen sollten.
Eine echte Innovation kann auch vor unserer Haustรผr entstehen.
Ein Student an der Hochschule Coburg stellt eine Frage.
Er experimentiert. Er entwickelt. Er meldet Patente an.

Gemeinsam mit seiner Frau grรผndet er eine Firma.
Vier Mitarbeiter bauen einen Prototypen.
Die ersten Maschinen werden verkauft.
Das Unternehmen wรคchst.
Internationale Industriekunden kommen.
Der Weltkonzern General Electric steigt ein.
Und Jahrzehnte spรคter unterstรผtzt derselbe Grรผnder die nรคchsten Technologieunternehmen dabei, ihre eigenen Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.
Das ist fรผr mich eine echte Erfolgsgeschichte.
Und vielleicht sogar noch etwas mehr.
Es ist ein Beispiel dafรผr, was passieren kann, wenn eine Region aufhรถrt, Innovation nur von auรen zu erwarten.
Frank Herzog musste nicht ins Silicon Valley gehen, um Zukunft zu bauen.
Er hat ein Stรผck Zukunft nach Lichtenfels gebracht.
Bis zum nรคchsten Beitrag.
Ihr Michael Langner von Cast Royal, 24.10.2026


