Herzlich willkommen zu meinem neuen Blogbeitrag.
Mein Name ist Michael Langner von Cast Royal und heute mรถchte ich รผber eine wirtschaftliche Frage sprechen, die in Deutschland meiner Meinung nach viel zu selten im Zusammenhang betrachtet wird.
Wir wollen hรถhere Lรถhne, bessere Gehรคlter und mehr finanziellen Spielraum. Aber woher soll dieses zusรคtzliche Einkommen eigentlich kommen?
Natรผrlich ist der Wunsch nach mehr Einkommen vollkommen verstรคndlich. Schlieรlich steigen viele Lebenshaltungskosten und Menschen mรถchten von ihrer Arbeit nicht nur leben, sondern sich auch etwas aufbauen kรถnnen.
Aber wir dรผrfen dabei einen entscheidenden wirtschaftlichen Zusammenhang nicht vergessen:
Dauerhaft steigende Einkommen benรถtigen eine Wirtschaft, die entsprechende Werte erwirtschaftet.
Und genau hier beginnt fรผr mich eine Diskussion, die wir dringend fรผhren sollten.

Ein hรถherer Lohn muss auch erwirtschaftet werden kรถnnen
Stellen wir uns ein mittelstรคndisches Unternehmen mit 30 Mitarbeitern vor.
Die Beschรคftigten wรผnschen sich hรถhere Gehรคlter. Das Unternehmen mรถchte diese vielleicht sogar bezahlen, denn gute Mitarbeiter zu halten, liegt schlieรlich auch im Interesse des Arbeitgebers.
Aber woher kommt das zusรคtzliche Geld?
Ein Unternehmen kann hรถhere Lรถhne langfristig finanzieren, wenn es beispielsweise produktiver arbeitet, mehr Umsatz mit ausreichenden Margen erzielt, neue Mรคrkte erschlieรt oder unnรถtige Kosten reduziert.
Natรผrlich spielen auch die Verteilung der erwirtschafteten Ertrรคge und unternehmerische Entscheidungen eine Rolle. Nicht jedes Unternehmen mit guten Gewinnen gibt diese automatisch an seine Beschรคftigten weiter.
Trotzdem bleibt eine wirtschaftliche Grundregel bestehen:
Was dauerhaft verteilt werden soll, muss irgendwo dauerhaft erwirtschaftet werden.
Wenn wir also รผber steigende Einkommen sprechen, mรผssen wir gleichzeitig รผber die Wirtschaftlichkeit unserer Unternehmen sprechen.
Was passiert, wenn Unternehmen zunehmend auf Fรถrderungen angewiesen sind?
Deutschland besitzt zahlreiche Fรถrderprogramme. Sie unterstรผtzen beispielsweise Investitionen, Forschung, Digitalisierung, Energieeffizienz oder die Entwicklung neuer Technologien.
Und ich mรถchte eines ausdrรผcklich betonen: Ich habe nichts grundsรคtzlich gegen Fรถrderungen.
Gerade innovative Projekte kรถnnen hohe Anfangskosten verursachen, wรคhrend ihr wirtschaftlicher Nutzen erst Jahre spรคter entsteht. Hier kรถnnen รถffentliche Fรถrdermittel sinnvoll sein, um Entwicklungen รผberhaupt mรถglich zu machen.
Problematisch wird es allerdings, wenn Fรถrderungen nicht mehr hauptsรคchlich dazu dienen, neue wirtschaftliche Stรคrke aufzubauen, sondern zunehmend notwendig werden, um bestehende Schwรคchen auszugleichen.
Dann mรผssen wir uns fragen:
Fรถrdern wir gerade die Zukunft eines Unternehmens oder finanzieren wir lediglich seine gegenwรคrtigen Probleme?
Denn das ist ein gewaltiger Unterschied.
Der Arbeitnehmer bezahlt รผber seine Steuern mit
รffentliche Fรถrdermittel fallen nicht einfach vom Himmel.
Sie werden aus รถffentlichen Haushalten finanziert, die unter anderem durch Steuern von Arbeitnehmern, Unternehmen und Verbrauchern sowie teilweise durch Kredite gespeist werden.

Das bedeutet: Auch Arbeitnehmer tragen zur Finanzierung solcher Programme bei.
Stellen wir uns vor, ein Unternehmen erhรคlt staatliche Unterstรผtzung, um seine laufenden Belastungen abzufedern.
Kurzfristig kann das sinnvoll sein, wenn dadurch Arbeitsplรคtze erhalten bleiben oder eine auรergewรถhnliche Krise รผberbrรผckt wird.
Aber was passiert, wenn das Unternehmen nach Ablauf der Fรถrderung wirtschaftlich noch immer nicht ausreichend tragfรคhig ist?
Dann wurde zwar Zeit gewonnen, aber mรถglicherweise keine dauerhafte Lรถsung geschaffen.
Der Arbeitnehmer hat als Steuerzahler zur Finanzierung beigetragen. Gleichzeitig bleibt unsicher, ob sein Arbeitsplatz langfristig bestehen kann.
Genau deshalb sollte eine Fรถrderung nicht nur danach beurteilt werden, wie viel Geld ausgezahlt wurde, sondern auch danach, welche nachhaltige wirtschaftliche Wirkung daraus entstanden ist.
Fรถrderungen dรผrfen kein Ersatz fรผr Wirtschaftlichkeit werden
Ein Unternehmen wird nicht automatisch zukunftsfรคhig, weil es Fรถrdermittel erhรคlt.
Wenn Prozesse ineffizient sind, Produkte nicht mehr ausreichend nachgefragt werden oder das Geschรคftsmodell langfristig nicht funktioniert, lรถst ein Zuschuss diese Probleme nicht zwangslรคufig.
Er kann notwendige Verรคnderungen ermรถglichen.
Aber er ersetzt sie nicht und genau hier sehe ich eine wichtige Aufgabe moderner Wirtschaftspolitik.

Wir sollten nicht ausschlieรlich fragen, wie wir Unternehmen finanziell unterstรผtzen kรถnnen.
Wir sollten stรคrker fragen, wie wir ihnen helfen kรถnnen, langfristig wieder aus eigener Kraft wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Das kann durch Forschung, Digitalisierung, bessere Infrastruktur, Weiterbildung, Bรผrokratieabbau oder die Entwicklung neuer Geschรคftsmodelle geschehen.
Eine gute Fรถrderung sollte mรถglichst neue wirtschaftliche Mรถglichkeiten schaffen und nicht dauerhaft die Abhรคngigkeit von weiteren Fรถrderungen erhรถhen.
Mehr Einkommen beginnt auch bei besseren Unternehmenssystemen
Hier kommen wir zu einem Thema, mit dem ich mich als Digitalisierungsmanager intensiv beschรคftige: Smart Performance.
Viele Unternehmen besitzen wirtschaftliche Potenziale, die sie bisher รผberhaupt nicht ausschรถpfen.
Mitarbeiter verbringen Stunden mit unnรถtiger Verwaltung. Informationen werden mehrfach eingegeben. Softwarelรถsungen verursachen laufende Kosten, obwohl sie kaum genutzt werden. Entscheidungen dauern zu lange und Prozesse sind รผber Jahrzehnte gewachsen, ohne grundsรคtzlich hinterfragt zu werden.
Wenn wir diese Strukturen verbessern, kรถnnen Unternehmen produktiver werden und hรถhere Produktivitรคt schafft grundsรคtzlich mehr wirtschaftlichen Spielraum.
Vielleicht fรผr bessere Gehรคlter. Vielleicht fรผr Investitionen. Vielleicht fรผr zusรคtzliche Arbeitsplรคtze, oder fรผr die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen.
Dabei geht es nicht darum, Mitarbeiter immer stรคrker unter Druck zu setzen.
Es geht darum, die vorhandene Arbeitsleistung durch bessere Systeme wertvoller zu machen.
Denn wer lediglich fordert, dass Menschen hรคrter arbeiten sollen, hat das eigentliche wirtschaftliche Problem hรคufig noch nicht verstanden.
Wir mรผssen wieder stรคrker in wirtschaftlichen Kreislรคufen denken
Ein Arbeitnehmer ist nicht nur Arbeitnehmer.
Er ist gleichzeitig Verbraucher, Steuerzahler und Teil unserer Gesellschaft.
Ein Unternehmen ist nicht nur Arbeitgeber.

Es ist auch Kunde anderer Unternehmen, Investor, Steuerzahler und hรคufig wichtiger Bestandteil einer ganzen Region, wenn ein regionales Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist, kann das weit รผber die eigenen Beschรคftigten hinaus Wirkung entfalten.
Es vergibt Auftrรคge, bildet Menschen aus, investiert in neue Technologien und schafft Einkommen, das wiederum in anderen Unternehmen ausgegeben wird.
Deshalb ist die wirtschaftliche Stรคrke unserer ansรคssigen Unternehmen keine reine Angelegenheit der Geschรคftsfรผhrung.
Sie betrifft uns alle.
Und genau deshalb sollten wir Wirtschaftlichkeit nicht automatisch mit Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschรคftigten verwechseln.
Ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen besitzt vielmehr die Grundlage, um langfristig investieren, Arbeitsplรคtze sichern und angemessene Gehรคlter finanzieren zu kรถnnen.
Deutschland braucht mehr wirtschaftliche Eigenstรคndigkeit
Ich wรผnsche mir eine Wirtschaft, in der Unternehmen nicht stรคndig รผberlegen mรผssen, welches Fรถrderprogramm als Nรคchstes ihre Probleme abfedern kรถnnte, sondern eine Wirtschaft, in der Fรถrderungen gezielt dazu beitragen, neue Technologien, Forschung und tragfรคhige Geschรคftsmodelle zu entwickeln.
Eine Wirtschaft, in der Unternehmen durch Innovation und Produktivitรคt wachsen kรถnnen und eine Wirtschaft, in der Beschรคftigte an dieser Entwicklung durch bessere Einkommen und langfristige Perspektiven teilhaben, denn am Ende bringt es wenig, wenn wir hรถhere Einkommen fordern, ohne gleichzeitig die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafรผr zu schaffen.
Genauso wenig bringt es, Unternehmen dauerhaft mit รถffentlichen Mitteln zu unterstรผtzen, ohne ihre Zukunftsfรคhigkeit zu verbessern.
Fรถrderungen kรถnnen eine Brรผcke in die Zukunft sein. Aber sie sollten nicht zum dauerhaften Fundament eines wirtschaftlich nicht tragfรคhigen Geschรคftsmodells werden.

Vielleicht sollten wir deshalb unsere wirtschaftspolitische Diskussion um eine entscheidende Frage erweitern:
Nicht nur:
โWie bekommen Arbeitnehmer mehr Geld?โ
Sondern auch:
โWie schaffen wir Unternehmen, die dauerhaft so wirtschaftlich erfolgreich sind, dass sie hรถhere Einkommen รผberhaupt ermรถglichen und ihre Beschรคftigten daran beteiligen kรถnnen?โ
Denn nachhaltiger Wohlstand entsteht nicht allein durch die Verteilung vorhandenen Geldes.
Er benรถtigt Unternehmen, Menschen und Systeme, die immer wieder neue Werte schaffen.
Und genau dort sollten wir ansetzen.
Bis zum nรคchsten Beitrag.
Dein Michael Langner von Cast Royal, 29.10.2026


